Das generelle Ziel dieser Forschungsarbeit war es zu untersuchen, inwiefern rechtspopulistische Parteien, am Beispiel der Partei der Alternative für Deutschland, persuasiv über soziale Netzwerke kommunizieren. Mit fortschreitender Technik der Kommunikation im privaten und öffentlichen Bereich ergeben sich sowohl für Individuen als auch für die Gesamtgesellschaft neue Handlungsoptionen. Im Bereich politischer Kommunikation bekommt der Begriff Massenkommunikation dadurch neue Bedeutungen. So wird seit drei Jahren das soziale Netzwerk Facebook von der AfD als primärer Kommunikationskanal verwendet. Für diese Forschung ausschlaggebend waren die außergewöhnlichen Wahlerfolge einer derart jungen Partei (nur zwei Jahre nach Gründung mit 7% der Wählerstimmen in das europäische Parlament eingezogen), die keinerlei Repräsentativität in den traditionellen Massenmedien genießt. Besonderes Interesse bestand allerdings nicht primär in der Wirkung kommunikativer Inhalte bei den Rezipienten, sondern auf Seiten des Kommunikators. Welche Techniken werden in der parteiinternen politischen Kommunikation zur Wählerstimmengewinnung angewandt und durch welche Merkmale äußert sich dieser Vorgang. Den Kontext des Untersuchungsgegenstandes bildete der Wahlkampf für die Bundestagswahl im September 2017.
Die Annahme war es durch den theoretischen Zugang der sechs Werte der Persuasion, aufgestellt vom amerikanischen Sozialpsychologen Robert Cialdini, mit Hilfe einer quantitativen Inhaltsanalyse untersuchen zu können, welcher dieser universellen Werte enthalten ist. Dabei wurde der Wert der „Konsistenz“ auf Grund fehlenden Bezugs nicht mit in die Forschung einbezogen, da dieser nicht relevant für eine Untersuchung zu einem Massenmedium ist. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass die Anwendung der Werte „Sympathie“ und „Knappheit“ und „soziale Gegenseitigkeit“ signifikant bestätigt werden konnten. Die Existenz der anderen zwei Werte „Autorität“ und „soziale Bewährtheit“ konnte ebenfalls nachgewiesen jedoch mit keinem signifikanten Ergebnis verifiziert werden.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
1.1 Einführung in das Thema
1.2 Erkenntnisinteresse
1.3 Begriffserklärungen (Web 2.0, Soziale Netzwerke, Soziale Medien)
2. THEORIE
2.1 Die Alternative für Deutschland
2.2 Meinungsführung in den Massenmedien
2.3 Forschungsstand: Politische Kommunikation
2.3.1 Persuasion und Propaganda
2.4 Cialdinis Prinzipien der Persuasion
3. FORSCHUNGSFRAGEN UND HYPOTHESEN
4. EMPIRIE
4.1 Methodenauswahl und Begründung
4.2 Untersuchungsgegenstand und Begründung des Durchführungszeitraum
4.3 Codierungen der Merkmalsausprägungen und Kategorienschema
4.4 Auswertung
5. CONCLUSIO
5.1 Diskussion der Untersuchungsergebnisse
5.2 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, mit welchen persuasiven Kommunikationstechniken die Partei Alternative für Deutschland (AfD) ihre Anhängerschaft auf Facebook im Zeitraum der Vorbereitung auf die Bundestagswahl 2017 mobilisiert hat, wobei der Fokus insbesondere auf der Anwendung sozialpsychologischer Beeinflussungsstrategien liegt.
- Analyse der persuasiven Strategien der AfD auf Facebook
- Anwendung der sechs Cialdini-Persuasionsprinzipien auf politische Online-Beiträge
- Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Mediennutzung und politischer Meinungsführung
- Empirische quantitative Inhaltsanalyse von 200 Facebook-Posts
- Darstellung der Mechanismen zur Generierung politischer Zustimmung
Auszug aus dem Buch
2.4 Cialdinis Prinzipien der Persuasion
In „Die Psychologie des Überzeugens – Ein Lehrbuch für alle, die ihren Mitmenschen und sich selbst auf die Schliche kommen wollen“ (1. Auflage 2001) beschreibt Robert C. Cialdini die fundamentalen Strategien persuasiver Kommunikation. Ursprünglich aus der Sozialpsychologie widmet sich dieses Buch sechs essentiellen Merkmalen oder Zugängen, die es einem Kommunikator ermöglichen leichter einen Empfänger von etwas zu überzeugen. Cialdini berichtet von alltäglichen Situationen eines Werbetreibenden oder eines Verkäufers und verallgemeinert die sich aus diesen ergebenden Schlüsse auf sozialwissenschaftlicher Ebene zu einer persuasiven Formel für alle kommunikativen Bereiche.
Um diese Analyse durchzuführen werden die Inhalte der „Posts“ der Alternative für Deutschland nach Übereinstimmungen mit den von Cialdini aufgestellten Parameter einer erfolgreichen persuasiven Kommunikation der sechs fundamentalen Persuasionsprinzipien verglichen:
1. Liking (Sympathie)
2. Reciprocity (Reziprozität)
3. Social Proof (soziale Bewährtheit)
4. Consistency (Konsistenz)
5. Authority (Autorität)
6. Scarcity (Knappheit)
Diese sechs persuasiven Parameter lassen sich auf verschiedene Felder der Persuasion beziehen. So auch auf die politische Online-Persuasion. Für die folgende Arbeit bieten sie die Untersuchungsgrundlage nach denen die AfD-Posts eines bestimmten Zeitraumes empirisch mit Cialdinis Prinzipien kompariert werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in das Thema der digitalen politischen Kommunikation und Erläuterung des Erkenntnisinteresses zur Strategie der AfD auf Facebook.
2. THEORIE: Darstellung des theoretischen Rahmens zur politischen Kommunikation, der Partei AfD sowie der sechs Persuasionsprinzipien nach Robert Cialdini.
3. FORSCHUNGSFRAGEN UND HYPOTHESEN: Formulierung der wissenschaftlichen Hypothesen auf Basis der theoretischen Annahmen zur Überprüfung der Cialdini-Prinzipien.
4. EMPIRIE: Beschreibung der quantitativen Inhaltsanalyse als methodischer Ansatz, der Stichprobenauswahl sowie des Kategorienschemas zur Auswertung der Facebook-Posts.
5. CONCLUSIO: Interpretation der Untersuchungsergebnisse und abschließende Zusammenfassung der Wirksamkeit persuasiver Kommunikationstechniken der AfD.
Schlüsselwörter
Alternative für Deutschland, AfD, Facebook, politische Kommunikation, Persuasion, Propaganda, Cialdini, Meinungsführung, Bundestagswahl 2017, soziale Medien, quantitative Inhaltsanalyse, Wahlkampf, Rechtsruck, digitale Medien, politische Rhetorik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Methoden, mit denen die Partei AfD soziale Medien, insbesondere Facebook, für ihre politische Kommunikation und Mobilisierung einsetzt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die Mechanismen der politischen Meinungsführung, persuasive Kommunikationstechniken und die Anwendung von Sozialpsychologie in Online-Wahlkämpfen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu analysieren, ob und in welchem Ausmaß die AfD persuasive Merkmale, basierend auf den Modellen von Robert Cialdini, in ihren Facebook-Beiträgen nutzt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine quantitative Inhaltsanalyse von 200 Facebook-Posts der AfD durchgeführt, um systematisch Merkmalsausprägungen zu codieren und statistisch auszuwerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil zur politischen Kommunikation und einen empirischen Teil, in dem die Hypothesen anhand der Daten verifiziert oder falsifiziert werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie AfD, Persuasion, politische Kommunikation, soziale Medien und quantitative Inhaltsanalyse.
Welche Prinzipien nach Cialdini konnten in den Beiträgen besonders nachgewiesen werden?
Besonders die Prinzipien der Sympathie und der Knappheit konnten als dominante persuasive Elemente in den Beiträgen identifiziert werden.
Welche Rolle spielt die "Angst" in der Kommunikation der AfD laut der Untersuchung?
Die Untersuchung zeigt, dass die Partei durch die häufige Thematisierung potenzieller negativer Ereignisse eine allgemeine Stimmung der Sorge oder Angst bei ihren Anhängern erzeugt.
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- Nino Jansen (Author), 2017, Persuasionstechniken und Meinungsführung rechtspopulistischer Parteien in sozialen Medien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1131793