Wilhelm Andreaes Verständnis des italienischen Faschismus in der Zeit der Weimarer Republik


Seminararbeit, 2007

16 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Othmar Spanns universalistische Gesellschaftslehre
2.1 Spanns Einfluss auf die Weimarer Republik
2.2 Spanns Einflüsse auf die Gesellschaft in der Gegenwart

3 Zur Person Wilhelm Andreae

4 Andreaes Verständnis der Italianita

5 Mussolinis Position nach Andreae
5.1 Willensbildung des Volkes

6 Das Wirtschaftssystem und die Carta del Lavoro

7 Andreaes abschließende Betrachtung des Faschismus

8 Zusammenfassung

9 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In möchte mich in dieser Hausarbeit mit dem österreichischen Hochschulprofessor und Spannschüler Wilhelm Andreae beschäftigen. Zu untersuchen ist seine Einstellung gegenüber dem italienischen Faschismus in der Zeit der Weimarer Republik. Hierzu werde ich auf einzelne inhaltliche Aspekte des organisierten Faschismus eingehen und versuchen herauszufinden, in wie weit Andreae diesem zu- oder abgewandt war. Dazu untersuche ich die Idee der Italianita, die Position Mussolinis innerhalb des italienischen Faschismus, die Willensgestaltung des Volkes und Mussolinis Eingriffe in das italienischen Wirtschaftssystem. Zu beleuchten und herauszustellen wäre, was Andreae zu den hier ausgewählten Aspekten für eine Position vertrat.

Des weiteren möchte ich versuchen herauszufinden, in wie weit Andreaes Haltung, dem Faschismus gegenüber, durch seine „Ausbildung“ – sein Studium – bei Othmar Spann beeinflusst worden ist, inwieweit also die universalistische Lehre Spanns seinen Schüler Andreae geprägt hat.

Ich werde zu großen Teilen mit dem von Wilhelm Andreae 1933 verfassten Buch „Kapitalismus Bolschewismus Faschismus“ arbeiten. Anhand dieses Buches werde ich versuchen herauszuarbeiten, wie Andreae zu den politischen Ideen von Mussolini stand. Zu Beginn dieser Arbeit werde ich den von Othmar Spann vertretenen Universalismus anhand des Buches „Universalismus und Faschismus – Das Gesellschaftsbild des Othmar Spann„ von Klaus Jörg Siegfried aus dem Jahr 1974 beschreiben, um später auf eventuelle Parallelen oder Rückschlüsse Andreaes – im Bezug auf den Zusammenhang zwischen Faschismus und Universalismus – eingehen zu können und diese zu erklären.

2 Othmar Spanns universalistische Gesellschaftslehre

In den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts gehörten Othmar Spann und seine Schüler zu den einflussreichsten Ideologen der Konservativen Revolution in Österreich. Diese war eine antidemokratische Bewegung, die viele Köpfe und Herzen für die Ideen des Nationalsozialismus empfänglich gemacht hat und somit auch den Zerfall der Weimarer Republik gefördert hat.[1]

In Spanns erster theoretischer Schrift, „Haupttheorien der Volkswirtschaftslehre“, wurden bereits seine grundlegenden Ideen, vor allem die des Universalismus, formuliert. Der Universalismus begreift das Individuum nicht als ein aus sich selbst abgeleitetes Wesen, sondern ein erst in Verbindung mit anderen aufgebautes Dasein. „Diese schöpferische Kraft der Gemeinschaft wäre (mit) der einheitlichen Lebenskraft des Organismus vergleichbar, durch die und in der sich die einzelnen Zellen erst aufbauen, bilden und erhalten.“[2] Die Gesellschaft, die als „das Ganze“ bezeichnet wird, steht über dem Individuum. Der Einzelne ist keine auf sich selbst gestellte Existenz, sondern ein Teil eines geistigen Zusammenhangs – des Ganzen.[3] Bei der Entwicklung seiner Lehre, ließ Spann sich sowohl durch Platon, Aristoteles, Konfutse und Laotse, wie auch durch Kant, Fichte, u.a. beeinflussen. Spann forcierte einerseits die Verschleierung der Klassengegensätze zwischen dem Proletariat und der herrschenden Klasse, andererseits wurde durch die Vorstellung eines harmonischen Miteinander aller Klassen und Individuen in einer geistigen Ganzheit unterstellt, dass alle Gegensätzlichkeiten aufgehoben werden könnten.[4]

Spann siedelte alle Autoritäts- und Machtverhältnisse im gesellschaftlichen Bereich an und definierte den Staat über die Gesamtheit der Herrschaftsverhältnisse in der Gesellschaft.[5] Dem deutschen Nationalsozialismus war Spann zugewandt, da er der Auffassung war, dass das Wesen der nationalen Gemeinschaft auf den geistigen Verbundenheiten der Menschen allein beruht.[6] Die von Spann entwickelte Nation als Kulturgemeinschaft, stand der Auffassung der nationalsozialistischen Kulturpropaganda Deutschlands sehr nahe, auch von Spann wurden die Germanen in verherrlichender Weise dargestellt.[7]

Die von Spann favorisierte Organisationsform eines Staates war die des Ständestaats, die den Abbau des zentralistisch-demokratischen Staates beinhaltete. Im Ständestaat war weder Platz für Parteien, noch für das allgemeine und gleiche Wahlrecht. „Nicht mehr die verständnislosen, unbelehrten Massen wählen sich ihre Führer, sondern die Führer der mannigfach gegliederten Massen wählen sich ihre Oberführer.“[8] Nach Spanns Auffassung vom „Wahren Staat“ standen an der Spitze der Ständeordnung die Weisen, dies war der höhere Lehrstand. Nachfolgend kamen die Staatsführer, die Wirtschaftsführer, die höheren Arbeiter und am unteren Ende siedelten sich dann die Handarbeiter an.[9]

2.1 Spanns Einfluss auf die Weimarer Republik

Schon kurz nach dem Ersten Weltkrieg gewann die universalistische Lehre Spanns unter den in Österreich lebenden Nationalökonomen großen Einfluss.[10] Als Spann im Jahre 1919[11] zum ordentlichen Professor der Nationalökonomie ernannt wurde, wurden seine Ideen auch in großen Teilen der Studentenschaft zustimmend aufgenommen. Viele deutsche und österreichische Studenten teilten die politischen Vorstellungen Spanns, vor allem der katholische Teil der Akademikerschaft.[12] Anfang der 30er Jahre wurde die Ständestaatkonzeption Spanns zum „politischen Programm des sozialen Katholizismus erklärt.“[13] Othmar Spann gewann jedoch nicht nur in der bürgerlichen Intelligenz Anhänger, da er eine Position vertrat, die sowohl Massenbewegungen als auch sozialkonservative Vertreter ansprach.[14] Nach 1933 war der Spannkreis in Deutschland hauptsächlich in der Schwerindustrie vertreten, in Osterreich dagegen hauptsächlich im Dunstkreis des Katholizismus. Und auch zu dem faschistischen Korporativsystem Italiens unterhielten sowohl Spann, als auch seine Schüler politische Kontakte.[15] Unter dem Spannkreis versteht man weithin die Schüler Spanns, die er nach Fähigkeiten selektierte und dementsprechend förderte. Die begabtesten unter seinen Schülern, die nicht nur wissenschaftlich gut arbeiteten, sondern auch politisch motiviert waren und noch dazu in der Lage zu agitieren, wurden von Spann in Privatseminaren in seiner Privatwohnung gefördert.[16] Zu eben diesem erlesenen Kreis gehörte auch Wilhelm Andreae. Durch den Einfluss der Spann-Schüler, die nach und nach verschiedene Positionen im Hochschulleben bekleideten, wuchs auch Spanns politischer Einfluss.[17] Unter den Spann-Schülern befand sich zum Beispiel auch der Gründer der österreichischen NSDAP, Dr. Walter Riehl.

2.2 Spanns Einflüsse auf die Gesellschaft in der Gegenwart

Bis Mitte der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts spielt die universalistische Gesellschaftslehre des Othmar Spann in Österreich noch eine vergleichsweise große Rolle. Im Jahr 1956 wurde in Wien die Gesellschaft für Ganzheitsforschung gegründet, die noch heute Arbeitskreise und Vorträge organisiert. Die Gesellschaft befasste sich in bis in die 70er Jahre hauptsächlich mit der „„der Bedrohung des Menschen durch die anonyme Macht der industriellen Apparate“ (…) (der) „Chaotisierung“ der bestehenden gesellschaftlichen Ordnung durch die Institutionen der politischen Demokratie und gegen die „Zersetzung aller geistigen Inhalte“ durch „Rationalismus“ und „Empirismus“.“[18] Gefordert wird weithin eine ganzheitliche Betrachtung der Probleme der Gegenwart. Durch Verweise spannscher Anhänger auf die universalistische Lehre Spanns wird immer wieder versucht, der Lehre eine Plattform und somit mehr Öffentlichkeit zu verschaffen. Dies trifft vor allem auf wirtschaftliche und politische Bereiche zu.[19] Sowohl an Hochschulen als auch an Universitäten wurden die Ideen Spanns gelehrt und vertreten. Die Hochburg dieser sich dem Universalismus verschreibenden Hochschulen war in den 70er Jahren die Hochschule für Welthandel in Wien.[20]

[...]


[1] Vergl. Siegfried Klaus-Jörg, Universalismus und Faschismus – Das Gesellschaftsbild des Othmar Spanns, Europa Verlags AG, Wien 1974, Seite 10

[2] Vergl. ebenda Seite 34

[3] Vergl. ebenda Seite 34

[4] Vergl. ebenda Seite 35

[5] Vergl. ebenda Seite 38

[6] Vergl. ebenda Seite 40

[7] Vergl. ebenda Seite 43

[8] Vergl. ebenda Seite 59

[9] Vergl. ebenda Seite 74

[10] Vergl. ebenda, Seite 11

[11] Vergl. ebenda Seite 69

[12] Vergl. ebenda Seite 11

[13] Vergl. ebenda Seite 11

[14] Vergl. ebenda Seite 11

[15] Vergl. ebenda Seite 11

[16] Vergl. ebenda Seite 72

[17] Vergl. ebenda Seite 72 f.

[18] Vergl. ebenda Seite 10

[19] Vergl. ebenda Seite 11

[20] Vergl. ebenda Seite 9

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Wilhelm Andreaes Verständnis des italienischen Faschismus in der Zeit der Weimarer Republik
Hochschule
Universität Hamburg  (Wirtschafts- und Sozialwissenschaften)
Veranstaltung
Geschichte der politischen Ideen
Note
2,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
16
Katalognummer
V113183
ISBN (eBook)
9783640135653
ISBN (Buch)
9783668142732
Dateigröße
445 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
Wilhelm, Andreaes, Verständnis, Faschismus, Zeit, Weimarer, Republik, Geschichte, Ideen
Arbeit zitieren
Katarina Hoberg (Autor), 2007, Wilhelm Andreaes Verständnis des italienischen Faschismus in der Zeit der Weimarer Republik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113183

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