Monumentale Visionen. Der Einfluss antiker römischer Architektur auf das geplante Bauvorhaben der "Welthauptstadt Germania"


Masterarbeit, 2021

68 Seiten, Note: 2,8


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

1. Einleitung

2. Städtebau im faschistischen Italien und Hitlers Mein Kampf

2.1 Mussolinis Italien – Wiedergeburt eines in Vergessenheit geratenen Imperiums

2.2 Hitlers Mein Kampf – der Ruf nach nationaler Erneuerung

3. Ein zweites Rom? Antik-römische Einflüsse auf die Berliner Neugestaltungspläne

3.1 Speers Aufstieg, Hitlers erste Italienreise und sein Versprechen für ein ‚neues Berlin‘ (1933-1935)

3.2 Olympische Spiele und Beauftragung Speers mit der Neugestaltung Berlins (1936)

3.3 Gründung der GBI und Planung eines ‚römischen Berlins‘ (1937)

3.4 Hitlers und Speers Italienreise und Beginn der baulichen Realisierung (1938-1939)

4. Bis zum ‚totalen‘ Ende: Bauplanung und -tätigkeit in Berlin in der Kriegszeit

4.1 ‚Auf Eis gelegt‘? – Die Neugestaltung Berlins im Schatten des Zweiten Weltkrieges (1939-1942)

4.2 Speers Ernennung zum Rüstungsminister und letzte Kriegsjahre (1942-1945)

5. Das Erbe von Germania im stadtgeschichtlichen Berlin.

6. Schlussbetrachtung

Quellen- und Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Vorwort

Als ich am 11. August 2020 auf Usedom die ehemalige militärische Forschungs-einrichtung der Nationalsozialisten in Peenemünde (heute: Historisch-Technisches Museum) besuchte, welche vor allem durch die Entwicklung der V2-Rakete Bekanntheit erlangt hat, stieß ich im Eingangsgebäude beim Kauf der Eintrittskarten auf zwei Bücher zum ThemaGermania. Das Frontcover eines Buches bildete die Große Halle ab, welche mich aufgrund ihrer Überdimensionalität einerseits faszinierte, zugleich aber auch abstoßend auf mich wirkte. Das Bauwerk erinnerte mich wegen der Ähnlichkeit in der Formgebung sehr stark an das römische Pantheon, mit dem ich mich noch ich ein Jahr zuvor in meiner Bachelorarbeit auseinandergesetzt hatte. Dass bei dem Bau antik-römische Motive adaptiert bzw. aufgegriffen worden sind, ließ mich nach den Hintergründen fragen. Dies war der ausschlaggebende Punkt, dass ich mir das sehr gut als Thema einer Masterarbeit vorstellen konnte, zumal mich die Vision einer Welthauptstadt Germania der Nationalsozialisten generell interessierte und ich bisher noch nicht die Gelegenheit besaß, mich mit dieser Thematik tiefgründiger auseinanderzusetzen.

Diese Arbeit ist in außergewöhnlichen Zeiten entstanden, wo vieles nicht so ist, wie man es vorher kannte. Allgemein waren die vergangenen 1 ½ Jahre eine Herausforderung, bei der es schlechtweg keine andere Option gab, als diese anzunehmen. Wo allerdings ein Wille ist, ist gewiss auch ein Weg. Wenn man eines in den außergewöhnlichen Zeiten gelernt hat, dann das. Unabhängig davon wäre diese Arbeit ohne die Unterstützung von zahlreichen Menschen so nicht zustande gekommen. Mein Dank gilt daher meinem Betreuer, Herrn Paul Nolte-Wienfort, und Herrn Felix Wiedemann für die Literaturhinweise und Ratschläge, die maßgeblich dazu beigetragen haben, dass diese Arbeit hinsichtlich ihres inhaltlichen Zuschnitts und Aufbaus ihren ‚runden Charakter‘ verliehen bekommen hat. Ebenso geht ein besonderer Dank an meine Eltern und Großeltern, die mir – sowohl hinsichtlich dieser Abschlussarbeit als auch meines Studiums generell – immer gut zugeredet und stets hinter mir gestanden haben. Zu guter Letzt möchte ich mich auch bei meinen Freunden bedanken, ganz besonders dabei bei Felix T.. Euch allen sei diese Arbeit gewidmet.

Leegebruch, im Juli 2021 Nikolas Nimptsch

1. Einleitung

„Wie gern wäre ich Architekt geworden!“ [1]

- Adolf Hitler

Die Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg, die daraus resultierende Demütigung der deutschen Nation und die erfolgte Revolution von 1918 waren für Adolf Hitler die ausschlaggebenden Ereignisse, die ihn in die Politik geführt haben. [2] Wenn der Erste Weltkrieg nicht gewesen wäre, wäre er womöglich Architekt geworden, wie er auch selber in dem anfangs angeführten Zitat äußerte. [3] Nach seinem Selbstverständnis sah er sich immer als Künstler – anfänglich als Maler, im späteren Verlauf dann als Architekt und Schriftsteller. [4] Er besaß ein reges Interesse für Architektur- und Stadtplanung. Er begeisterte sich schon in jungen Jahren für die Baukunst und beschäftigte sich auch mit architektonischen Projekten. [5] Joseph Goebbels notierte am 09. Februar 1932 diesbezüglich, dass sich Hitler bis dahin stets aufs Neue mit dem künftigen Baugeschehen in Berlin auseinandergesetzt und selbst Pläne entwickelt habe. [6]

Vermutlich hat sich Hitler bereits vor dem Ersten Weltkrieg mit ausgeschriebenen Wettbewerben hinsichtlich des Berliner Neubauvorhabens der 1910er Jahre beschäftigt. [7] So wundert es nicht, dass die Ideen und Pläne (oder zumindest Teile davon) als Grundlage für das eigene Germania-Projekt dienten. [8] Hitler wollte, dass Berlin in einem neuen Glanz erstrahlt, damit die Stadt „mit internationalen Metropolen konkurrieren konnte“ [9]. Neben München, Linz und Nürnberg war Berlin eine der vier Städte, die neugestaltet werden sollten, doch im Unterschied zu diesen bildete das Neugestaltungsvorhaben der Reichshauptstadt unweigerlich die „Krone aller städtebaulichen Arbeit“ [10].

In der Gegenwart wird das Berliner Neugestaltungsprojekt der Nationalsozialisten unter der Bezeichnung der Welthauptstadt Germania aufgeführt bzw. allgemein zusammengefasst. Während der NS-Zeit war diese Begrifflichkeit jedoch keineswegs gebräuchlich. Es existieren zwei Fundstellen, wo beide Bezeichnungen – Welthauptstadt und Germania – in unterschiedlichen Zusammenhängen mit Hitler in Verbindung stehen, allerdings nicht im gemeinsamen, gegenwärtigen Verständnis.[11] Den Begriff der Welthauptstadt verwendete Hitler im März 1942: „Berlin wird als Welthauptstadt nur mit dem alten Ägypten, Babylon oder Rom vergleichbar sein! Was ist London, was ist Paris dagegen!“[12] Von Germania ist dagegen erst knapp drei Monate später die Rede. Nach Henry Picker soll es Hitler begrüßt haben, das neugestaltete Berlin in Germania umzubenennen, wie er am 8. Juni 1942 niederschrieb[13]: „Wie seinerseits die Bayern, die Preußen und so weiter von Bismarck immer wieder auf die deutsche Idee hingestoßen worden seien, so müsse man die germanischen Völker Kontinentaleuropas ganz planmäßig auf den germanischen Gedanken hinlenken. Er [Adolf Hitler] halte es sogar für gut, dieser Arbeit durch Umbenennung der Reichshauptstadt Berlin in ‚Germania‘ einen besonders nachhaltigen Auftrieb zu geben. Denn der Name Germania für die Reichshauptstadt in ihrer neuen repräsentativen Form sei geeignet, trotz größter räumlicher Entfernung zwischen jedem Angehörigen des germanischen Rassekerns und dieser Hauptstadt ein Gefühl der Zusammengehörigkeit zu erzeugen.“ [14] Erst in den 1980er Jahren, infolge des Auftauchens von Planungen und Zeichnungen der Neugestaltung Berlins und einer 1984 diesbezüglich gezeigten Ausstellung, die den Titel Von Berlin nach Germania trug, etablierte sich die heutige Bezeichnung derWelthauptstadt Germania. [15]

Bei vielen NS-Bauten des visionären Berlins ist vor allem der Rückgriff auf antike Bauten und Formelemente auffällig. „Von der Antike generell angeregt, war sie [die Baupolitik im NS] aber vor allem römisch geprägt.“[16] Doch was führte zu diesem antik-römischen Einfluss? Warum griff man im NS ausgerechnet auf die (römische) Antike zurück? Welchen (ideologischen) Stellenwert nimmt die (römische) Antike im NS ein? Und wie kommen diese Einflüsse an den Bauten bzw. durch die Bauten zum Ausdruck? All diesen Fragen soll in dieser Arbeit nachgegangen und der Einfluss antiker römischer Architektur auf das von den Nationalsozialisten geplante Bauvorhaben der Welthauptstadt Germania untersucht werden. Hierbei wird auch geschaut, welche Bauten der Antike als Vorbild dienten, wo sich antike Formelemente wiederfinden lassen und wie bzw. zu welchem Zweck diese eingesetzt werden sollten.

Die vorliegende Arbeit gliedert sich in mehrere Kapitel. Um die Hintergründe des Germania-Projektes besser nachvollziehen zu können, wird sich zu Beginn dem faschistischen Italien zugewendet und ein kurzer Überblick gegeben, wie in den 1920er/1930er Jahren bereits Mussolini die antike Vergangenheit des Landes sowie die Baukunst selbst für seine Zwecke zu vereinnahmen versuchte (Kapitel 2.1). Dass Hitler nicht erst als Reichskanzler nach einer Neuordnung der Stadt Berlin strebte, sondern bereits in Mein Kampf auf die Unverhältnismäßigkeit des Erscheinungsbildes deutscher Städte aufmerksam machte, soll ebenso kurz thematisiert werden (Kapitel 2.2). Daran anknüpfen tut der Schwerpunkt dieser Arbeit, die Untersuchung der antik-römischen Einflüsse auf das Berliner Neugestaltungsvorhaben (Kapitel 3). Der Chronologie dieser Arbeit entsprechend wird dabei jahresweise vorgegangen und in vier Unterkapiteln die Zeit unmittelbar vor der sogenannten ‚Machtergreifung‘ [17] bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges betrachtet, wobei das besondere Augenmerk auf dem Unterkapitel 3.3, der Planung eines ‚römischen Berlins‘ liegt. In knappen Zügen folgt danach die Bauplanung und -tätigkeit des Neugestaltungsprojektes in der Kriegszeit (Kapitel 4), bevor sich anschließend mit dem baulichen Erbe von Germania im stadtgeschichtlichen Berlin auseinandergesetzt wird (Kapitel 5). Den Abschluss dieser Arbeit bildet eine allgemeine Schlussbetrachtung (Kapitel 6), bei der nochmal die wesentlichsten Punkte aller Kapitel zusammengefasst werden.

Das 2. Kapitel beruht auf verschiedenen Quellen und Sekundärtexten, wovon die vorrangig verwendeten an dieser Stelle genannt werden sollen. Die Auseinandersetzung mit dem faschistischen Italien stützt sich vor allem auf Arbeiten von Flavia Marcello und Leonhard Schumacher. Für die Beschäftigung mit Mein Kampf, wo sich Hitler zum Bauwesen und Erscheinungsbild deutscher Städte kritisch äußert, werden vor allem Textauszüge hinzugezogen. Diese sind aus Anna Teuts Architektur im Dritten Reich 1933-1945 entnommen.

Für das Neugestaltungsvorhaben und Hitlers Beziehung zu Rom und der römischen Antike sind vor allem Albert Speers Erinnerungen und Spandauer Tagebücher von elementarer Bedeutung. Bei beiden handelt es sich um zwei scheinbar authentische Zeitzeugenberichte, die jedoch in der Kritik stehen, weil Speer seine Person sowie die Vergangenheit darin in verschönerter Weise darlegt, wie bspw. anhand folgender Aussage explizit deutlich wird: „Wir [18] [...] waren in der Mehrzahl gar keine Antisemiten. [...] Aber wir gingen damals drüber hinweg.“[19] Die NS-Verbrechen werden damit nicht nur verleumdet, sondern auch relativiert. Speer stritt ab, von den Verbrechen Kenntnis gehabt zu haben[20], obwohl es eine Tatsache ist, dass er u.a. die ‚Entjudung‘ Berlins gezielt vorangetrieben hat, er also in die skrupellosen Machenschaften des NS verwickelt war.[21] Einsichtig zeigte er sich im Nachhinein nur bedingt, vielmehr entzog er sich jeglicher Verantwortung und ‚wälzte‘ die Schuld auf andere ab. Auch stimmen von ihm getätigte Aussagen (wie bspw. der Zeitpunkt seines Eintritts in die NSDAP) nicht mit offiziellen (Archiv-)Dokumenten überein. Aus den genannten Gründen ist vorsichtig mit Speers Memoiren umzugehen.

Als weitere Quellen werden außerdem Arbeiten von Hans Kiener und Rudolf Johansen sowie Auszüge von den Reden Hitlers zur Kunst- und Kulturpolitik herangezogen. In der Arbeit selbst wird auch auf offizielle (Partei-)Schreiben bzw. davon angefertigte Abschriften verwiesen, die bei Jost Dülffers Hitlers Städte und Hans J. Reichhardts Die Entstehung der Verfassung von Berlin abgedruckt sind und bei Interesse dort nachgelesen werden können.

Neben verschiedenen Quellen stützt sich die vorliegende Arbeit auch auf umfangreiche Sekundärliteratur. Hervorzuheben sind vor allem die Ausführungen von Johann Chapoutot. Dieser zeigt in seinem Werk Der Nationalsozialismus und die Antike auf, wie die griechische und römische Antike in nationalsozialistische Weltbilder und -deutungen vereinnahmt wurde. Aus diesem Grund sind seine Untersuchungen hinsichtlich des in dieser Arbeit an verschiedenen Stellen thematisierten Bezugs des NS auf die (römische) Antike von fundamentaler Bedeutung und bilden eine wesentliche Grundlage für das Verständnis, warum sich der NS für sein exorbitantes Bauprojekt ausgerechnet der römischen Vergangenheit bediente.

Darüber hinaus werden auch noch eine Reihe weiterer Beiträge für ausgewählte Gliederungspunkte hinzugezogen. Genannt seien hierbei u.a. Matthias Donrath (der viele Bauten aus der Zeit von 1933-1945 ausführlich vorstellt), Jörn Düwel/ Niels Gutschow, Lars Olof Larsson, Helen Roche/ Kyriakos Demetriou, Wolfgang Schäche und Christian Welzbacher. Für einen Überblick über alle verwendeten Werke sei an dieser Stelle auf das Quellen- und Literaturverzeichnis verwiesen.

2. Städtebau im faschistischen Italien und Hitlers Mein Kampf

Um Hitlers Vision einer Welthauptstadt Germania besser zu verstehen, ist es lohnenswert, vorher einen Blick auf das faschistische Italien zu werfen, welches hinsichtlich der Baupolitik eine vergleichbare Entwicklung wie das nationalsozialistische Deutschland nahm und wo die Vereinnahmung der römischen Antike ebenso eine wichtige Rolle spielte. Zu den antiken Vorbildern und zur Baukunst äußerte sich Hitler wohlgemerkt nicht erst ab 1933. Schon in seiner politischen Programmschrift und Autobiographie Mein Kampf widmet er sich diesem Thema, weshalb sich in diesem Kapitel auch mit dieser auseinandergesetzt werden soll. [22]

2.1 Mussolinis Italien – Wiedergeburt eines in Vergessenheit geratenen Imperiums

Der italienische Nationalstaat war das Ergebnis einer mühseligen Entwicklung. In einem langen Prozess wurde im 19. Jahrhundert versucht, eine nationale Identität aus einer Reihe sprachlich, kulturell und infrastrukturell verschiedener Staaten bzw. Königreiche zu formen. Als die Identitätskrise überwunden war und letztendlich ein vereinter italienischer Staat hervorging, regte sich Widerstand seitens der zu der Zeit mächtigen römisch-katholischen Kirche, die das Land nicht anerkannte (erst 1929 erfolgte die offizielle Anerkennung). [23] Ein weiterer Rückschlag erfolgte nach dem Ende des Ersten Weltkrieges. Italien gehörte zwar zu den Siegermächten, sah sich selbst aber dennoch auf der Verliererseite, da erhoffte Gebietserweiterungen ausblieben. [24] Für das Land und sein Volk war dies eine erneute Demütigung.

Im Zuge der Machtergreifung des Faschismus unter Benito Mussolini (dem ‚Duce‘[25]) mit dem sogenannten ‚Marsch auf Rom’ vom 28. Oktober 1922 wurde auf propagandistische Weise die ‚Wiedergeburt‘ der Nation (bzw. des Römischen Reiches) und damit der Beginn eines symbolischen neuen Zeitabschnitts eingeleitet. [26] Die Faschisten träumten von einem römischen Italien, welches weise und stark, diszipliniert und imperial in Erscheinung tritt. Eine elementare Rolle nahm hierbei die Baukunst ein. Die antik-römische Vergangenheit war Vorbild für die faschistische Partei Mussolinis, die danach strebte, die ruhmreiche Vergangenheit aufzugreifen, wiederzubeleben und einer physischen Erneuerung zu unterziehen. Die Zeit zwischen Antike und Renaissance sowie zwischen Renaissance und Faschismus sollte dabei buchstäblich gelöscht werden. [27] Die Wiederaufnahme und Orientierung an klassische Vorbilder der Antike, die als römisch galten, war bewusst gewählt, um so ein Machtbild in Italien aufzubauen. Die Baukunst war insofern ein geeignetes Medium, da sie den Wunsch des Volkes nach nationaler Größe und einer starken Führung reflektierte. Die visuelle Kultur stand für die faschistische Propaganda nicht nur zur Verfügung, sie war eine unterstützende Kraft. [28]

Die Verwendung von antiken (Form-)Elementen bei neuen Bauten diente dazu, das Volk an seine glorreiche Vergangenheit zu erinnern, die zur Stärkung des Nationalbewusstseins und Nationalstolzes allgegenwärtig gemacht werden sollte. Dem Volk sollte über diesem Weg seine ‚verlorengegangene‘ Identität zurückgeben werden. Einerseits wurde dafür an Altbewährtes angeknüpft, andererseits stand die faschistische Baupolitik auch unter dem Zeichen der Modernisierung, da bspw. neuere Materialien wie Stahl und Glas verwendet wurden. [29] Viele Städte des Landes sollten in einem neuen, modernen Licht erstrahlen, allen voran dabei die italienische Hauptstadt. Ziel war die Errichtung eines ‚dritten faschistischen Roms‘, einem ‚Rom des Volkes‘, bei welchem alte Traditionen, ja ausgewählte Elemente des ersten Roms von Augustus und des zweiten Roms, das des Christentums bzw. des Papstes, aufgegriffen und neue faschistische Denkmäler hinzugefügt werden sollten. Der Einsatz der Vergangenheit fungierte dabei als regenerative Kraft für die Gegenwart.[30]

Für Mussolini war der Untergang des Römischen Reichs nur vorübergehend. [31] Er wollte sich selbst mit einer umfassenden Baupolitik [32] neben den ‚großen Kaisern‘ einreihen. Die römischen Kaiser der Vergangenheit gaben die Richtung vor, die auch der Duce folgen sollte. Schon zu ihren Lebzeiten errichteten sie gewaltige Monumente, um ihrem Machtanspruch besonderen Glanz zu verleihen und bei ihren Nachfolgern sowie der Nachwelt generell Eindruck zu hinterlassen. Caesar z.B. begann mit der Monumentalisierung des Forum Romanum, sein Nachfolger Augustus [33] führte das Vorhaben zu Ende, ebenso führte er weitere bauliche Maßnahmen wie die Instandsetzung des Stadtzentrums und dem Bau seines eigenen Forums in Rom durch.[34] Die Baupolitik wurde von späteren Kaisern fortgeführt, jeder wollte sich ein eigenes architektonisches Denkmal setzen und ein Monument für die Nachwelt errichten, ohne die bereits vorhandenen Baulichkeiten zu verändern oder zu ersetzen. [35] Wie bereits Caesar und Augustus erbauten sich auch weitere Kaiser wie bspw. Trajan, unter dem das Römische Reich seine größte Ausdehnung annahm [36], solange, wie Platz im Stadtzentrum vorhanden war, ihr eigenes Forum, die direkt an die bestehenden Foren angrenzten. [37]

Auf emotionaler Ebene fühlte sich Mussolini eher mit Caesar verbunden als mit Augustus. Da allerdings Caesar gescheitert war, stand nur der Vergleich mit Augustus, dem Architekten des augusteischen Prinzipats, zur Wahl. Wie Augustus einst Caesars Werk zu Ende brachte, so sollte Mussolini die Nachfolge des Augustus antreten. Seine Nachfolge wollte er dabei mit großen Bauprogrammen, wie es die antiken Herrscher einst vormachten, unterstreichen. [38] Das von Augustus verfolgte Programm res publica restituta entsprach hierbei den Zielen und dem imperialen Herrschaftsanspruch Mussolinis: „‘Der faschistische Staat ist Wille zur Macht und Herrschaft... Herrschaft erfordert Disziplin, gemeinsame Anstrengung, Pflichterfüllung und Opfer‘“[39]. Als Leitbild fungierte hierbei das antike Rom.

Als selbst legitimierter Nachfolger des Augustus sah sich Mussolini darum zu einer umfassenden Baupolitik in Rom verpflichtet. Der italienischen Hauptstadt fehlte bis dahin eine einheitliche Planung und Gestaltung, was Mussolini durch die Errichtung zahlreicher faschistischer Symbolbauten auszugleichen versuchte, um Rom so innerhalb kürzester Zeit so groß und mächtig werden zu lassen wie zu Zeiten des Augustus. Diese Funktion sollte insbesondere die im Stadtzentrum geschaffene zentrale Straße der Via dell’Impero erfüllen, der etwa 5.500 Wohnungen weichen mussten. [40] Neben der Freilegung antiker Hinterlassenschaften des imperialen Roms war dies vor allem ein „Akt der Monumentalisierung Roms sowie der Kontrolle der Bevölkerung durch Umsiedlung“ [41].

Das Stadtbild Roms, dem Mussolini eine kulturelle Bedeutung zuwies, sollte eine herausragende und dauerhafte bauliche Veränderung erhalten. Vor allem wurden dafür augusteische Bauwerke erneuert und die wichtigsten Kaiserforen [42] freigelegt und rekonstruiert. Die antiken Denkmäler fungierten dabei als räumliche und zeitliche ‚Verbinder‘. [43] Dem Volk sollte damit ein ‚greifbarer‘ Zugang zu den wichtigsten Hinterlassenschaften imperialer Größe verschafft werden. [44]

Mussolinis Wunsch war es, Rom der Welt als würdige Stadt zu präsentieren (wie bspw. bei den Staatsbesuchen Hitlers).[45] In seiner Rede La nuova Roma („Das neue Rom“) von 1925 sprach der Duce davon, dass Rom in fünf Jahren allen Völkern riesig, geordnet und so mächtig wie zur Zeit des ersten Reichs unter Augustus erscheinen soll. Er hebt dabei explizit die Freilegung des Pantheons sowie der majestätischen Tempel hervor und betont, diese Zeugnisse der Vergangenheit der Allgemeinheit wie Riesen erscheinen zu lassen. Zudem sollte das ‚Dritte Rom‘ nach Mussolinis Worten eine gewaltige Ausdehnung erfahren. [46]

Die Baupolitik bzw. die Neugestaltung der italienischen Hauptstadt diente vorsätzlich der Legitimation des faschistischen Regimes. [47] Roms Umgestaltung war von einem großflächigen Abriss der Häuser im Stadtzentrum geprägt [48]. Mit dem Zerstörungsprozess war es dem faschistischen Regime möglich, sowohl den Raum als auch die Zeit für sich zu beanspruchen. Unerwünschte Hinterlassenschaften der Vergangenheit, die nicht in das Bild des Faschismus von einem großen und mächtigen Rom passten (wie bspw. die Häuser der in den Slums lebenden Menschen), wurden auf diesem Weg einfach beseitigt. Im selben Zug entstanden so neue Repräsentationsräume, Orte der gesellschaftlichen Zustimmung, welche das Regime u.a. für Veranstaltungen und Rituale (Paraden, Kundgebungen etc.) nutzte, um sich damit gezielt in Szene zu setzen. Die Veranstaltungen wurden gefilmt und im ganzen Land verbreitet. [49]

Der gezielte Einsatz der Medien diente der Schaffung „einer bürgerlichen Kultur der Überwachung und des Spektakels“ [50]. Zwischen 1927 und 1940 nahm die mediale Berichterstattung kaum zu überblickende Ausmaße an: Mittels des regelmäßigen Zeigens von Kurzfilmen (z.B. im Kino als ‚Vorprogramm‘), der Zeitung, des Rundfunks etc. erfolgte eine propagandistische Verbreitung von Erinnerungen an das kaiserliche Erbe. Die Filme, eines der wirksamsten Werkzeuge der faschistischen Propaganda, besaßen eine kraftvolle Erzählung und waren mit triumphaler Musik unterlegt. Es wurde eine eigene Version der Geschichte des Faschismus präsentiert, die Geschichte eines starken Italiens mit Fokus auf dessen große Leistungen und Errungenschaften, wo Mussolini stets die Hauptrolle spielte. [51]

Ein wesentliches Element der Propaganda bildete auch das Einweihungsritual. Unter der Anwesenheit jubelnder Menschen legte Mussolini Grundsteine und war bei jedem ersten Schlag mit der Spitzhacke sowie bei der Einweihung fertiger Bauten anwesend. Ebenso besuchte er regelmäßig Städte, in denen das Regime hohe Zustimmung im Volk besaß. Mithilfe von Radiosendungen und Wochenschauen wurde so die ständige Präsenz Mussolinis und des Faschismus ‚nach außen‘ demonstriert und propagandistisch verbreitet. [52]

Ziel der Propaganda waren die langfristige Beeinflussung und Kontrolle des Volkes, Herrschaftslegitimation und moralische Erneuerung. Die öffentliche Propaganda sollte die Menschen infizieren, formen und in eine (von der Staatsführung) bestimmte Richtung lenken. [53] „Der öffentliche Raum wurde zum Instrument der Zustimmung umgestaltet und kontrolliert, indem bestehende Gebäude und Räume ‚faschistisch‘ gemacht, neue, identifizierbare faschistische Gebäude und Räume geschaffen und ihnen durch Inszenierung (und Verfilmung) von Massenspektakeln und Choreografien politische Kraft verliehen wurden.“ [54]

Auch mit der Verwendung der Epigraphik folgte man der antiken Tradition und setzte diese fort. Die Architektur samt seinen dekorativen Elementen und seiner Inschrift war Träger einer politischen Botschaft. Mithilfe der Inschriften wurde mit dem Volk kommuniziert, womit die Gebäude gleichsam eine Bedeutung erhielten. Sie bestimmten den architektonischen bzw. städtischen Raum und füllten ihn aus. Es wurden bewusst lateinische Zitate aus alt-römischer Zeit ausgewählt, die die Ideale der Disziplin, Ordnung, Pflicht und Opferbereitschaft aufgriffen. Diese spielten eine wesentliche Rolle zum Ausdruck des Militarismus und der faschistischen Erziehung. Ebenso wählte man aber auch zeitgenössische Zitate – entweder von Parolen der Partei oder aus den Reden Mussolinis. Meist waren diese kriegerisch geprägt und handelten von zentralen Themen wie Gehorsamkeit, Eroberung, Sieg und Heldentum. Mit Sätzen wie bspw. „Du bist der Beginn des Lebens und die Hoffnung des Vaterlandes“ wurden auch gezielt Kinder angesprochen, die man damit an die Zukunft ‚heranführen‘ wollte. Frauen wurden mit ausgewählten Zitaten dagegen an ihre Rolle als Hausfrau und an die Hervorbringung einer nächsten Generation von Soldaten zur Verteidigung des Imperiums erinnert. [55]

Es galt die faschistische Vorstellung eines tüchtigen und gläubigen Menschen, der wehrhaft und bis in den Tod gehorsam ist. Dies unterstrichen in der Öffentlichkeit hängende Plakate mit der Aufschrift „Glaube, Gehorsam, Kampf“. Hiermit war jedoch nicht der Glaube im religiösen Sinn gemeint, sondern der Glaube an den Duce und den Faschismus.[56] Um den Glauben und die volle Zustimmung des Volkes zu erlangen, musste Mussolini also ‚große Taten‘ vollbringen, was er zum einen mit seiner Baupolitik zu bewerkstelligen versuchte, zum anderen aber auch mit militärischen Eroberungsfeldzügen, wie es die Kaiser der Antike vormachten. Als erster Höhepunkt für die Erneuerung römischer Herrschaft in der Mittelmeerregion sowie der Legitimation des Anspruchs Mussolinis auf die Nachfolge des Augustus kann hierbei die Annexion Äthiopiens angesehen werden. Nach der gelungenen Äthiopien-Invasion erfolgte am 9. Mai 1936 unter jubelndem italienischen Volk Mussolinis Proklamation des Imperiums [57]: „Mit seinem Blute hat das italienische Volk das Imperium geschaffen... In dieser höchsten Gewißheit hebt, Legionäre, empor eure Feldzeichen, die Waffen und eure Herzen, um die Rückkehr des Imperium nach 15 Jahrhunderten zu begrüßen auf diesen schicksalhaften Hügeln von Rom“ [58]. Mit der Hingabe bzw. Verehrung der eigenen nationalen Vergangenheit stellte sich Mussolini zugleich als legitimer Erbe, als Reinkarnation des Augustus dar, um dem italienischen Volk die Analogie zwischen ihm und dem römischen Kaiser zu verdeutlichen. [59]

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass Mussolini versuchte, ein einstiges Imperium wiederherzustellen. [60] Aus ideologischer Sicht sah sich der Faschismus als Nachfolge des alten römischen Imperiums, was mit der Verwendung ‚klassischer‘ Formen umso mehr unterstrichen werden konnte. Die Vereinnahmung der antik-römischen (Architektur-)Vergangenheit sowie der gezielte Einsatz der medialen Propagandainstrumente waren Mittel, um dem Faschismus seine Legitimation zu verleihen. [61] Die Aufwertung des Nationalstolzes fungierte hierbei als maßgeblicher Indikator bzw. ‚Motor‘ für die faschistische ‚Bewegung‘. Die propagierte ‚kulturelle Überlegenheit‘, was das bereits vorhandene Erbe angeht, sollte insbesondere in der architektonischen Gestaltung Roms abgebildet werden.[62] Die errichteten Bauten des Faschismus waren „der Geschichte des alten Rom, seiner Kultur und seines Weltreichs gewidmet“ [63], denn „[u]nter Mussolinis Herrschaft galt das alte Rom als perfektes – und unendlich ‚flexibles‘ – Paradigma für die faschistische Herrschaft und Eroberung sowie für die innere Ordnung des Regimes“ [64].

2.2 Hitlers Mein Kampf – der Ruf nach nationaler Erneuerung

Nach dem gescheiterten Putschversuch von 1923 verfasste Hitler während seiner Haft auf der Festung Landsberg 1924/1925 seine politische Programmschrift und Autobiographie Mein Kampf. [65] Bereits in dieser äußerte er sich kritisch zur Baupolitik und zum deutschen Bauwesen allgemein. Er schrieb, dass die Großstädte der Moderne über „keine, das ganze Stadtbild beherrschenden Denkmäler“ mehr verfügten, die als „Wahrzeichen der ganzen Zeit“ interpretiert werden könnten. Als Vergleich führt Hitler die Antike an, bei der nahezu jede Stadt noch „ein besonderes Monument ihres Stolzes besaß“. Das ‚Besondere‘ hat bei den antiken Städten nicht in den Privatbauten, den Bauten eines Einzelnen gelegen, sondern „in den Denkmälern der Allgemeinheit“. Diese in der Regel sakralen, „für die Ewigkeit“ bestimmten Bauten (wie bspw. die Akropolis, die Tempel römischer Kaiserforen oder das in Rom stehende Pantheon) bildeten „die Größe und Bedeutung der Allgemeinheit“ ab, sie galten sozusagen als Repräsentant für eine ruhmreiche Epoche und waren der Stolz der Nation und seines Volkes. Nach Hitlers Ansicht besaßen die glorreichen Bauten der Antike die Kraft, die Gemeinschaft und den Staat in sich zu vereinen und als Ausdruck beider zur Geltung zu bringen. Nicht-staatstragende bzw. weniger signifikante Bauten (wie bspw. Wohnhäuser) sanken im Gegensatz zu den ‚gewaltigen Erscheinungen‘ einer imponierenden Zeit „zu einer unbedeutenden Nebensächlichkeit zusammen“.[66]

Hitler kritisiert beim gegenwärtigen Anblick deutscher Städte das Verhältnis zwischen den Privat- und Staatsbauten, welches er im Vergleich zur Antike als „wahrhaft jammervoll“ bezeichnet. Es fehlt ihm „das überragende Wahrzeichen der Volksgemeinschaft“ in den Städten. [67] Als Folge der Industrialisierung, gegenüber der er eine ablehnende Haltung besaß [68], hat sich der Schwerpunkt zu sehr in die Richtung „kleinster Zweckmäßigkeit“ und strikter Funktionalität verlagert. Der Staatsbau sei dem „Dienste des Geldes“ zum Opfer gefallen, in den Hintergrund gerückt, gar unwesentlich geworden. Schon allein die Aufwendungen dafür seien zu wenig bzw. „wahrhaft lächerlich und ungenügend“, wie Hitler bemängelt. Die Bauten werden nicht wie in der Antike „für die Ewigkeit geschaffen“, ein „höherer Gedanke“ liege ihnen folglich nicht zugrunde. Hitler spricht von einer immer weiter „sinkenden Kultur“ im Deutschen Reich, die nur noch „wenig Sinn für Heroismus“ übrighat. [69]

Diese „originär nationalsozialistisch geprägt[en]“ Gedanken waren in den 1920er Jahren bereits verbreitet, ganz besonders dabei unter Städtebauern. Allerdings wurden sie noch nicht politisch vereinnahmt und instrumentalisiert, wie es im Nationalsozialismus der Fall war. Hitler nahm das gesellschaftliche Verlangen „nach neuen gebauten Wahrzeichen“ auf und machte sich dies gezielt zunutze, um so die Menschen für sich zu gewinnen. [70] Auf den jährlichen Parteitagen der NSDAP wiederholte er stets den Anspruch, ‚große Bauten‘ für die Gemeinschaft zu errichten. Dabei war das Streben nach neuen Wahrzeichen nicht ausschließlich in Deutschland, sondern generell in Europa zu beobachten; ein rein nationales Phänomen war es also nicht. [71]

Hitler schreibt in Mein Kampf, dass die römische Geschichte „die beste Lehrmeisterin“ [72] ist. „Rom gibt den Sinn der Geschichte vor, es weist den Weg hinsichtlich der Finalität sowie der Richtung, die einzuschlagen ist, um diese Finalität zu erreichen.“[73] Für Hitler war das Römische Reich Vorreiter des von ihm einige Jahre später geschaffenen nationalsozialistischen Reiches. [74] Die Existenz eines mächtigen, souveränen Staates ist für Hitler „die notwendige Voraussetzung für die Entstehung von Kultur, wie es ihm zufolge die Geschichte der Antike zeigt“ [75]. Das Prinzip der Souveränität, dessen Ursprung Hitler im antiken Rom sieht, ist hierbei elementar. Ein Staat muss seiner Ansicht nach vollkommen unabhängig und frei sein[76]: „Die kulturelle Bedeutung einer Nation ist fast immer gebunden an die politische Freiheit und Unabhängigkeit derselben, mithin ist diese die Voraussetzung für das Vorhandensein oder besser Entstehen der ersteren. Daher kann kein Opfer für die Sicherung der politischen Freiheit zu groß sein“[77]. Mit Hitlers propagiertem Unabhängigkeitsstreben wird zugleich die Weimarer Republik angegriffen, welche durch die Bestimmungen des Versailler Vertrags die Idee des souveränen Staats nicht verkörperte. Aus diesem Grund habe eine grundlegende nationale Erneuerung zu erfolgen. [78] Hitlers geäußerte Kritik und seine Forderung nach einer solchen Erneuerung bzw. kulturellen Neuausrichtung der deutschen Nation bildeten die Grundlage für die nationalsozialistische Baupolitik. [79]

3. Ein zweites Rom? Antik-römische Einflüsse auf die Berliner Neugestaltungspläne

„Der Architektur, die durch ihr pures Dasein bereits imstande ist, als abbildende und zugleich benutzbare Kunst Wunschträume als Wirklichkeit erscheinen zu lassen, kommt hierbei eine überragende Bedeutung zu. Mit nichts besser als mit ihr lassen sich Welten (im buchstäblichen Sinn) bauen.“[80]

- Dieter Bartetzko

Nach der Weltwirtschaftskrise, welche zur Folge hatte, dass der Bausektor völlig zum Erliegen kam und die Arbeitslosigkeit aufgrund vermehrter Entlassungen stark anstieg [81], wurden bei der NSDAP die Hoffnungen auf „das Erstarken der Nation und deren Verkörperung des Staates als [die] einzig reale[...] und verlässliche[...] Instanz“ [82] gesehen. In der Demokratie der Weimarer Republik, welche als entscheidungsschwach ‚abgestempelt‘ wurde, sah man keine Lösung für die Probleme der Architektur, was in der Folge vieler bemängelter Missstände und der deklarierten ‚Unordnung‘ der Städte eine Radikalisierung der Forderungen vieler Städtebauer mit sich führte. Nur ein ‚starker Staat‘ könne die Rahmenbedingungen für eine Neuausrichtung und -orientierung schaffen.[83] Man sehnte sich daher „nach autoritären Strukturen“ [84], nach Bestimmtheit, nach einer Führungsinstanz (wie zur Zeit des Deutschen Kaiserreiches), welche die Richtung vorgibt, und forderte dahingehend einen radikalen Bruch – sowohl auf politischer Linie als auch auf architektonisch-stilistischer Ebene –, um damit den Beginn einer neuen Zeitepoche und das ‚Loslösen von der Vergangenheit‘ zu verdeutlichen. [85]


Unter den Architekten wurde die Forderung nach einer ‚Neuen deutschen Baukunst‘[86] laut. Diese sollte „in steinernen Bauten das Volk und seine Zeit versinnbildlichen“ [87]. Ordnung und Klarheit waren die angestrebten Ziele [88], die durch zwei Strömungen erreicht werden sollten: Zum einen mithilfe der älteren des ‚historischen‘, zum anderen mit der jüngeren des ‚zeitgenössischen‘ Bauens. ‚Historisch‘ und ‚neuzeitlich‘ waren daher zwei miteinander verwobene Begriffe.[89] Mit dem ‚historischen Bauen‘ ist hierbei die Antike gemeint, die als formales Ideal galt[90] und eine wesentliche Rolle in der NS-Baupolitik [91] bzw. hinsichtlich der Schaffung der von Dieter Bartetzko genannten ‚eigenen Welt‘ einnehmen sollte.

Im NS wurde es so dargestellt, dass seit dem Ende des Ersten Weltkrieges bautechnisch nichts mehr geschehen ist [92], wie auch Hitlers Äußerung beweist: „Wir müssen jetzt mehr bauen als sonst, weil man vor uns überhaupt nicht oder ganz miserabel schlecht gebaut hat“ [93]. Die deutsche Kultur sollte sich nach Hitler strukturell und ästhetisch von der Weimarer Republik abheben. Nach der sogenannten ‚Machtergreifung‘ erfolgte jedoch kein absoluter Bruch in der Architekturentwicklung. [94] Das ‚Neue Bauen‘ der Weimarer Republik, also die Funktionsorientierung und Sachlichkeit, „endete nicht 1933, es wurde fortgeführt, modifiziert und in den Dienst der Ideologie gestellt“[95].

3.1 Speers Aufstieg, Hitlers erste Italienreise und sein Versprechen für ein ‚neues Berlin‘ ( 1933-1935)

Bereits unmittelbar nach der sogenannten ‚Machtergreifung‘ kündigte Hitler ‚gewaltige Bauprogramme‘ [96] an. Bei seiner 1. Kulturrede im September 1933 beklagte er den ‚Verfall der Nation‘ und gab die Richtung vor, wie das ‚neue Bauen‘ aussehen sollte. [97] In Bezug auf die Kulturleistungen der Griechen und Römer sagte er, dass es besser ist, „Gutes nachzuahmen, als neues Schlechtes zu produzieren“ [98]. Er legte somit die Grundlage für die Baupolitik: Es sollte eine „Rückbesinnung auf historisches Formengut“[99] erfolgen.

Eine bedeutende Rolle hinsichtlich der Planung und Umsetzung der von Hitler deklarierten Baupolitik (sowie auch des Berliner Neugestaltungsvorhabens) nahm der noch junge Architekt Albert Speer [100] ein. Wie viele Architekten war auch er von der Weltwirtschaftskrise betroffen und auf der Suche nach Arbeit, die er schließlich bei der NSDAP fand. [101] Seinen ersten großen Auftrag erhielt Speer im April 1933. Hierbei sollte er die Ausgestaltung der Maifeier auf dem Tempelhofer Feld vornehmen. Mit dem Einsatz von künstlichem Licht bei Nacht, wodurch eine Steigerung der Raumwirkung angestrebt wurde [102], schuf er eine „theatralisch geschaffene Kulisse“ [103], die später ebenso das Zeppelinfeld des Nürnberger Reichsparteitagsgeländes schmücken sollte [104]. Seine Leistung war zufriedenstellend und brachte Speer Erfolg und Anerkennung – es war der Beginn seiner Karriere als Architekt des NS-Regimes.

Anfang 1934 erhielt Speer von Hitler persönlich den Auftrag für die Neugestaltung des Zeppelinfeldes auf dem Nürnberger Parteitagsgelände [105]. Im Gegensatz zu anderen Architekten, an deren Entwürfen Hitler oft etwas auszusetzen hatte und diese infolgedessen mehrmals überarbeiten ließ, akzeptierte er Speers angefertigtes Modell im ersten Anlauf, was Speer als Würdigung seiner Person und seiner Arbeit als Architekt aufgriff. [106]

Das Nürnberger Parteitagsgelände war ein wichtiger Ort für das NS-Regime, was auch die Propagierung als „Weihestätte der Nation“ deutlich macht. Der Anspruch der NSDAP, an diesem Ort „Deutschland in seiner Gesamtheit zu repräsentieren“, kommt damit zur Geltung. [107] Die abgehaltenen Parteitage dienten dem Zweck, um zum einen ‚geschlossen‘ als Nation in Erscheinung zu treten, zum anderen zur Einholung der Zustimmung des Volkes. [108] Sie waren ein kollektives Ritual zur Stärkung des Zu(sammen)gehörigkeitsgefühls und zur Verbreitung des Gefühls von sozialer Gleichheit. [109] Sowohl im In- als auch im Ausland sollte der Eindruck erweckt werden, dass das gesamte Volk als Einheit hinter Hitler und seinem Staat steht. Die architektonische Gestaltung des Geländes fungierte dabei als zusätzliche Betonung. [110] Als Masseninszenierung waren die Parteitage neben den herkömmlichen Medien das wirksamste Mittel zur Beeinflussung und Disziplinierung des Volkes. [111] Sie standen ganz im Zeichen der in der Gesellschaft durchzusetzenden Staatsauffassung des NS: „Der Erringung der äußeren Macht muß die innere Erziehung der Menschen folgen“[112]. Die ‚Erziehung‘ war dabei Teil des innerpolitischen Ziels des NS-Regimes – die „Errichtung einer rassisch definierten Volksgemeinschaft“ [113].

[...]



[1] Speer, Albert: Erinnerungen. Frankfurt/Main / Berlin 1969, S. 94.

[2] Vgl. Speer, Albert: Spandauer Tagebücher. Frankfurt/Main u.a. 1975, S. 326.

[3] Vgl. Arndt, Karl: Architektur und Politik, in: Albert Speer / ders.: Architektur. Arbeiten 1933-1942, Frankfurt/Main u.a. 1978, S. 113-135, hier S. 115.

[4] Eikmeyer, Robert: Zur Edition, in: Hitler, Adolf: Reden zur Kunst- und Kulturpolitik 1933-1939. Herausgegeben und kommentiert von Robert Eikmeyer, mit einer Einführung von Boris Groys. Frankfurt/Main 2004, S. 14.

[5] Vgl. Arndt: Architektur und Politik, in: Speer/ders.: Architektur, hier S. 115.

[6] Vgl. Goebbels, Joseph: Vom Kaiserhof zur Reichskanzlei. Eine historische Darstellung in Tagebuchblättern, München 1934, S. 22ff.; hier entnommen aus Reichhardt, Hans J. / Schäche, Wolfgang: Von Berlin nach Germania. Über die Zerstörungen der „Reichshauptstadt“ durch Albert Speers Neugestaltungsplanungen, Berlin 1998, S. 64.

[7] Vgl. Arndt: Architektur und Politik, in: Speer/ders.: Architektur, hier S. 126.

[8] Vgl. Welzbacher, Christian: Monumente der Macht. Eine politische Architekturgeschichte Deutschlands 1920-1960, Berlin 2016, S. 43-48 u. S. 59.

[9] La Speranza, Marcello: Brisante Architektur. Hinterlassenschaften der NS-Zeit: Parteibauten, Bunker, Weihestätten, Graz 2015, S. 21.

[10] Speer, Albert: Neue Deutsche Baukunst. Dargestellt von Rudolf Wolters, Prag 1943, S. 11.

[11] Vgl. Düwel, Jörn / Gutschow, Niels: Baukunst und Nationalsozialismus. Demonstration von Macht in Europa 1940-1943, Berlin 2015, S. 22.

[12] Adolf Hitler über den Begriff der Welthauptstadt, nach: Jochmann, Werner (Hg.): Adolf Hitler. Monologe im Führerhauptquartier 1941-1944, München 1980, S. 318; hier zitiert nach Düwel/Gutschow: Baukunst und Nationalsozialismus, S. 22.

[13] Vgl. Düwel/Gutschow: Baukunst und Nationalsozialismus, S. 22.

[14] Adolf Hitler über die Bezeichnung Germania für die zukünftige Reichshauptstadt Berlin, nach: Hillgruber, Andreas / Picker, Henry (Hg.): Hitlers Tischgespräche im Führerhauptquartier 1941-1942. München 1968, S. 182; hier zitiert nach Düwel/Gutschow: Baukunst und Nationalsozialismus, S. 22.

[15] Vgl. Düwel/Gutschow: Baukunst und Nationalsozialismus, S. 23.

[16] Chapoutot, Johann: Der Nationalsozialismus und die Antike. Aus dem Französischen von Walther Fekl, Darmstadt 2014, S. 255.

[17] Die nationalsozialistische ‚Machtergreifung‘ war keine Ergreifung der Macht im wörtlichen Sinn; es handelt sich dabei um eine von den Nationalsozialisten propagandistische Hochstilisierung als Revolution, obwohl sie auf legalen Weg, also über Wahlen an die Macht gekommen sind; vgl. dazu Reichhardt/Schäche: Von Berlin nach Germania, S. 9.

[18] Damit meint Speer Hitlers engsten Personenkreis, die ranghöchsten Funktionäre, die u.a. das Privileg besaßen, mit ihm gemeinsam in der Reichskanzlei zu Mittag bzw. zu Abend essen; vgl. dazu Speer: Spandauer Tagebücher, S. 400f.

[19] Speer: Spandauer Tagebücher, S. 401.

[20] Vgl. ebd., S. 43.

[21] Vgl. Düwel/Gutschow: Baukunst und Nationalsozialismus, S. 107; vgl. Reichhardt/Schäche: Von Berlin nach Germania, S. 171.

[22] Vgl. Herbert, Ulrich: Das Dritte Reich. Geschichte einer Diktatur, 3. Auflage. München 2018, S. 28.

[23] Vgl. Roche, Helen: “Distant Models”? Italian Fascism, National Socialism, and the Lure of the Classics, in: dies. / Kyriakos Demetriou: Brill’s Companion to the Classics, Fascist Italy and Nazi Germany. Leiden/Boston 2018, S. 3-28, hier S. 14.

[24] Vgl. Herbert: Das Dritte Reich, S. 20.

[25] Als Diktator des faschistischen Italiens trug Mussolini die Bezeichnung des ‚Duce‘ (ital., zu deutsch: ‚Führer‘).

[26] Vgl. Marcello, Flavia: Forma urbis Mussolinii: Vision and Rhetoric in the Designs for Fascist Rome, in: Helen Roche / Kyriakos Demetriou: Brill’s Companion to the Classics, Fascist Italy and Nazi Germany. Leiden/Boston 2018, S. 370-403, hier S. 383; vgl. Schumacher, Leonhard: Augusteische Propaganda und faschistische Rezeption. In: Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte 40,4 (1988), S. 307-334, hier S. 311.

[27] Vgl. Marcello: Forma urbis Mussolinii, in: Roche/Demetriou: Brill’s Companion, hier S. 371f.

[28] Vgl. Marcello, Flavia: Building the Image of Power: Images of Romanità in the Civic Architecture of Fascist Italy, in: Helen Roche / Kyriakos Demetriou: Brill’s Companion to the Classics, Fascist Italy and Nazi Germany. Leiden/Boston 2018, S. 325-369, hier S. 325f.

[29] Vgl. Marcello: Building the Image of Power, in: Roche/Demetriou: Brill’s Companion, hier S. 328, S. 337 u. S. 341f.

[30] Vgl. Marcello: Forma urbis Mussolinii, in: Roche/Demetriou: Brill’s Companion, hier S. 370f.; vgl. Roche: “Distant Models”?, in: dies./Demetriou: Brill’s Companion, hier S. 15.

[31] Vgl. Roche: “Distant Models”?, in: dies./Demetriou: Brill’s Companion, hier S. 7.

[32] Für Mussolini war die von ihm verfolgte Baupolitik, sein ‚Ruf zu den Waffen‘ für den Städteumbau, gleichzeitig auch ein Mittel gegen Arbeitslosigkeit und zur Demonstration einer kraftvollen Führung durch das neue Regime, um so die Zustimmung vom italienischen Volk zu erlangen. Vgl. dazu Larsson, Lars Olof: Klassizismus in der Architektur des 20. Jahrhunderts, in: Albert Speer / Karl Arndt: Architektur. Arbeiten 1933-1942, Frankfurt/Main u.a. 1978, S. 151-175, hier S. 170; vgl. auch Marcello: Forma urbis Mussolinii, in: Roche/Demetriou: Brill’s Companion, hier S. 374.

[33] Bereits Augustus besaß das Ziel, Rom zu einer Weltstadt zu machen; vgl. dazu Nimptsch, Nikolas: Das Pantheon und seine architektonische Wirkung an ausgewählten Beispielen. München 2019, S. 26.

[34] Vgl. Minkenberg, Michael: Hauptstadt und Repräsentation: Politik und Architektur im Regimevergleich. In: Leviathan, 46. Jg., Sonderband 34 (2018), S. 148-181, hier S. 155.

[35] Vgl. ebd., hier S. 156.

[36] Vgl. Nimptsch, Nikolas: Das Trajansforum im Verhältnis zu den Foren von Caesar und Augustus. Warum ist das Trajansforum größer als die anderen beiden Kaiserforen?, München 2017, S. 3.

[37] Vgl. Minkenberg: Hauptstadt und Repräsentation, hier S. 156.

[38] Vgl. Schumacher: Augusteische Propaganda und faschistische Rezeption, hier S. 320-322.

[39] Mussolini, Benito: Fascimo. Dottrina, in: Enciclopedia Italiana XIV, Rom 1932, S. 851 I; hier zitiert nach Schumacher: Augusteische Propaganda und faschistische Rezeption, hier S. 311.

[40] Vgl. Minkenberg: Hauptstadt und Repräsentation, hier S. 156.

[41] Ebd.

[42] Einen kompakten Überblick über die Foren von Caesar, Augustus und Trajan liefert Nimptsch: Das Trajansforum im Verhältnis zu den Foren von Caesar und Augustus, München 2017.

[43] Vgl. Marcello: Forma urbis Mussolinii, in: Roche/Demetriou: Brill’s Companion, hier S. 373 u. S. 387; vgl. Schumacher: Augusteische Propaganda und faschistische Rezeption, hier S. 322f.

[44] Vgl. Fortuna, James J.: Neoclassical Form and the Construction of Power in Fascist Italy and Nazi Germany, in: Helen Roche / Kyriakos Demetriou: Brill’s Companion to the Classics, Fascist Italy and Nazi Germany. Leiden/Boston 2018, S. 435-456, hier S. 444f.

[45] Vgl. Marcello: Forma urbis Mussolinii, in: Roche/Demetriou: Brill’s Companion, hier S. 373.

[46] Vgl. dazu: Rede La nuova Roma von Benito Mussolini (1925); hier entnommen aus Marcello: Forma urbis Mussolinii, in: Roche/Demetriou: Brill’s Companion, hier S. 376.

[47] Vgl. Marcello: Forma urbis Mussolinii, in: Roche/Demetriou: Brill’s Companion, hier S. 370 u. S. 373.

[48] Für Mussolini war es schwierig, sich zu verewigen, da im Stadtzentrum kaum Platz vorhanden war. Daher blieb für ihn zum einen der Abriss bestehender Bauten, zum anderen das Bauen in die Höhe, da die zur Verfügung stehende Grundfläche meist kleine Ausmaße annahm. Vgl. dazu Fortuna: Neoclassical Form and the Construction of Power, in: Roche/Demetriou: Brill’s Companion, hier S. 442.

[49] Vgl. Marcello: Forma urbis Mussolinii, in: Roche/Demetriou: Brill’s Companion, hier S. 388-391.

[50] Übersetzt zitiert nach Marcello: Building the Image of Power, in: Roche/Demetriou: Brill’s Companion, hier S. 326 u. S. 329.

[51] Vgl. Marcello: Building the Image of Power, in: Roche/Demetriou: Brill’s Companion, hier S. 349f.; vgl. Marcello: Forma urbis Mussolinii, in: Roche/Demetriou: Brill’s Companion, hier S. 372 u. S. 396.

[52] Vgl. Marcello: Building the Image of Power, in: Roche/Demetriou: Brill’s Companion, hier S. 338 u. S. 349f.; vgl. Marcello: Forma urbis Mussolinii, in: Roche/Demetriou: Brill’s Companion, hier S. 392f.

[53] Vgl. Schumacher: Augusteische Propaganda und faschistische Rezeption, hier S. 329.

[54] Übersetzt zitiert nach Marcello: Building the Image of Power, in: Roche/Demetriou: Brill’s Companion, hier S. 327.

[55] Vgl. ebd., hier S. 328 u. S. 346-348.

[56] Vgl. Schumacher: Augusteische Propaganda und faschistische Rezeption, hier S. 326.

[57] Vgl. ebd., hier S. 312-315.

[58] Proklamation des Imperiums durch Mussolini, Rom, 09. Mai 1936; hier zitiert nach Schumacher: Augusteische Propaganda und faschistische Rezeption, hier S. 312.

[59] Vgl. ebd., hier S. 311f.

[60] Vgl. Chapoutot: Der Nationalsozialismus und die Antike, S. 16.

[61] Vgl. Larsson: Klassizismus, in: Speer/Arndt: Architektur, hier S. 170; vgl. Marcello: Building the Image of Power, in: Roche/Demetriou: Brill’s Companion, hier S. 360.

[62] Vgl. Fortuna: Neoclassical Form and the Construction of Power, in: Roche/Demetriou: Brill’s Companion, hier S. 442.

[63] Larsson: Klassizismus, in: Speer/Arndt: Architektur, hier S. 172.

[64] Übersetzt zitiert nach Roche: “Distant Models”?, in: dies./Demetriou: Brill’s Companion, hier S. 5.

[65] Vgl. Herbert: Das Dritte Reich, S. 28; vgl. Reichhardt/Schäche: Von Berlin nach Germania, S. 64.

[66] Hitler, Adolf: Mein Kampf, München 1926, S. 288ff.; hier zitiert nach Teut, Anna: Architektur im Dritten Reich 1933-1945, Frankfurt/Main / Berlin 1967, S. 181f.

[67] Hitler: Mein Kampf, München 1926, S. 288ff.; hier zitiert nach Teut: Architektur im Dritten Reich, S. 182.

[68] Vgl. Speer: Neue Deutsche Baukunst, S. 8.

[69] Hitler: Mein Kampf, München 1926, S. 288ff.; hier zitiert nach Teut: Architektur im Dritten Reich, S. 182.

[70] Düwel/Gutschow: Baukunst und Nationalsozialismus, S. 50.

[71] Vgl. ebd.

[72] Hitler, Adolf: Mein Kampf, München 1926, S. 470; hier zitiert nach Chapoutot: Der Nationalsozialismus und die Antike, S. 241f.

[73] Chapoutot: Der Nationalsozialismus und die Antike, S. 241.

[74] Vgl. ebd., S. 242.

[75] Ebd., S. 242.

[76] Vgl. ebd., S. 242f.

[77] Hitler: Mein Kampf, München 1926, S. 690; hier zitiert nach Chapoutot: Der Nationalsozialismus und die Antike, S. 243.

[78] Vgl. Chapoutot: Der Nationalsozialismus und die Antike, S. 243.

[79] Vgl. Düwel/Gutschow: Baukunst und Nationalsozialismus, S. 125f.

[80] Bartetzko, Dieter: Illusionen in Stein. Stimmungsarchitektur im Nationalsozialismus, Berlin 2012, S. 29.

[81] Vgl. Düwel/Gutschow: Baukunst und Nationalsozialismus, S. 74.

[82] Ebd., S. 39.

[83] Vgl. ebd., S. 40, S. 48 u. S. 63.

[84] Ebd., S. 40.

[85] Vgl. Bartetzko: Illusionen in Stein, S. 65f.; vgl. Düwel/Gutschow: Baukunst und Nationalsozialismus, S. 52.

[86] Die Zeit von 1933 bis 1945 ist als langjähriger Prozess zu verstehen, wo Architekten in Deutschland versuchten, eine sogenannte ‚Neue Deutsche Baukunst‘ zu entwickeln und zu definieren. Vgl. dazu Düwel/Gutschow: Baukunst und Nationalsozialismus, S. 174-176.

[87] Speer: Neue Deutsche Baukunst, S. 9.

[88] Vgl. ebd.

[89] Vgl. Kiener, Hans: Neue Deutsche Baukunst. Aus der Reihe: Die Kunst dem Volke, Nr. 84. München 1936, S. 4.

[90] Vgl. Kiener: Neue Deutsche Baukunst, S. 3.

[91] In der Forschung können als grobes Schema drei unterschiedliche Baubereiche im NS ausgemacht werden: 1.) die monumentale Bauweise bei den Staats-, Geschäfts- und Verwaltungsbauten, wo eine gezielte Einarbeitung historischer bzw. antiker Motive stattfand, um die eigene Herrschaft mithilfe des Rückgriffs auf Elemente der historischen Herrschaftsarchitektur zu legitimieren; 2.) die funktionalistische Bauweise unter Verwendung moderner Materialien und Konstruktionsweisen bei Industriebauten und Fabriken, um Fortschritt und Zukunftsglauben hervorzuheben und 3.) die traditionalistische Bauweise der Alltags- und Heimatarchitektur auf dem Land und in Kleinstädten, die sehr konservativ ausgerichtet war und den Bewohnern ein Heimatgefühl vermitteln sollte. Vgl. dazu Donrath, Matthias: Architektur in Berlin 1933-1945. Ein Stadtführer, Berlin 2004, S. 22-28; vgl. auch Welzbacher: Monumente der Macht, S. 152.

[92] Als Beispiel sei der vorbildliche Wohnungsneubau der 1920er Jahre genannt, der im NS systematisch totgeschwiegen wurde; vgl. dazu Larsson, Lars Olof: Die Neugestaltung der Reichshauptstadt. Albert Speers Generalbebauungsplan für Berlin, Stockholm 1978, S. 111.

[93] „Adolf Hitler über die Baukunst des Dritten Reiches“ – Rede Adolf Hitlers zur Eröffnung der 2. Deutschen Architektur- und Kunsthandwerkausstellung in München am 10. Dezember 1938; in: Völkischer Beobachter vom 11./12. Dezember 1938; zitiert nach: Hitler, Adolf: Reden zur Kunst- und Kulturpolitik 1933-1939. Herausgegeben und kommentiert von Robert Eikmeyer, mit einer Einführung von Boris Groys. Frankfurt/Main 2004, S. 209-216, hier S. 214.

[94] Vgl. Schäche, Wolfgang: Architektur und Städtebau in Berlin zwischen 1933 und 1945. Planen und Bauen unter der Ägide der Stadtverwaltung, 2. Auflage. Berlin 1992, S. 63.

[95] Donrath: Architektur in Berlin, S. 24.

[96] Das propagierte ‚völkisch-rassische Kulturprogramm‘, welches in den folgenden Jahren umgesetzt werden sollte, umfasste verschiedene Bereiche (Bildende Kunst, Baukunst, Literatur, Theater, Film, Musik etc.) und sollte eine Mischung aus Moderne und Altbewährtem sein; vgl. dazu Welzbacher: Monumente der Macht, S. 113f.

[97] Vgl. Larsson: Klassizismus, in: Speer/Arndt: Architektur, hier S. 165.

[98] „Die deutsche Kunst als stolzeste Verteidigung des deutschen Volkes“ – Rede Adolf Hitlers auf der Kulturtagung des Parteitags der NSDAP in Nürnberg am 01. September 1933; in: Völkischer Beobachter vom 03./04. Dezember 1933; zitiert nach Hitler: Reden zur Kunst- und Kulturpolitik 1933-1939, S. 43-54, hier S. 49.

[99] Bartetzko: Illusionen in Stein, S. 58.

[100] Seinem Aufnahmeantrag zufolge soll Speer am 01. März 1931 Mitglied der NSDAP geworden sein, vgl. dazu Tesch, Sebastian: Hitlers Architekten. Albert Speer (1905-1981), Wien u.a. 2016, S. 47. In seinen Erinnerungen weicht die Angabe zum Parteieintritt jedoch ab. Speer nennt hier den Januar 1931 als Zeitpunkt des Eintritts in die Partei, vgl. dazu Speer: Erinnerungen, S. 34.

[101] Vgl. Tesch: Hitlers Architekten. Albert Speer, S. 225.

[102] Vgl. Speer: Neue Deutsche Baukunst, S. 11.

[103] Speer, Albert / Arndt, Karl: Architektur. Arbeiten 1933-1942, Frankfurt/Main u.a. 1978, S. 82.

[104] Vgl. ebd., S. 79.

[105] Speers Entwurf, ein Bau aus Stein, nahm mit einer Länge von 390 Metern und einer Höhe von 24 Metern große Ausmaße an. In seinen Erinnerungen zieht er dabei einen Vergleich zu den in Rom liegenden Caracalla-Thermen und macht darauf aufmerksam, dass sein Bau eine fast doppelte Länge besaß. Vgl. dazu Speer: Erinnerungen, S. 68.

[106] Vgl. Speer: Erinnerungen, S. 68.

[107] Arndt: Architektur und Politik, in: Speer/ders.: Architektur, hier S. 122.

[108] Vgl. ebd., hier S. 123.

[109] Vgl. Frei, Norbert: Der Führerstaat. Nationalsozialistische Herrschaft 1933 bis 1945, München 2013, S. 111; vgl. Minta, Anna: Öffentliche Bauten als (Kult-)Orte der Gemeinschaft. Sakralisierungsprozesse in der Architektur, in: Maximiliane Buchner / dies. (Hg.): Raumkult – Kultraum. Zum Verständnis von Architektur, Ausstattung und Gemeinschaft, Bielefeldt 2019, S. 23-43, hier S. 36.

[110] Vgl. Arndt: Architektur und Politik, in: Speer/ders.: Architektur, hier S. 123; vgl. Herbert: Das Dritte Reich, S. 52.

[111] Vgl. Bartetzko: Illusionen in Stein, S. 25.

[112] Völkischer Beobachter vom 08.07.1933; hier zitiert nach Frei: Der Führerstaat, S. 85.

[113] Herbert: Das Dritte Reich, S. 123.

Ende der Leseprobe aus 68 Seiten

Details

Titel
Monumentale Visionen. Der Einfluss antiker römischer Architektur auf das geplante Bauvorhaben der "Welthauptstadt Germania"
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Friedrich-Meinecke-Institut)
Note
2,8
Autor
Jahr
2021
Seiten
68
Katalognummer
V1132027
ISBN (eBook)
9783346499530
ISBN (Buch)
9783346499547
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nationalsozialismus, Adolf Hitler, Albert Speer, Welthauptstadt Germania, Berlin, Große Halle, Triumphbogen, Prachtstraße, Nord-Süd-Achse, Ost-West-Achse, Nürnberger Reichsparteitage, Olympische Spiele 1936, NS-Deutschland, Pantheon, Rom, Faschistisches Italien, Benito Mussolini, Neugstaltungsvorhaben, Augustus, Caesar, Antike, antike Bauwerke, Mein Kampf, Weimarer Republik, Zweiter Weltkrieg, DDR, BRD, Besatzungszeit, Deutschland nach 1990, antikes Griechenland, Repräsentationsarchitektur, Monumentalarchitektur
Arbeit zitieren
Nikolas Nimptsch (Autor:in), 2021, Monumentale Visionen. Der Einfluss antiker römischer Architektur auf das geplante Bauvorhaben der "Welthauptstadt Germania", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1132027

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