Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Pedagogy - Orthopaedagogy and Special Education

Queertheoretische Perspektiven auf Behinderung. Leerstellen in der Etikettierungsproblematik der inklusiven Bildung

Title: Queertheoretische Perspektiven auf Behinderung. Leerstellen in der Etikettierungsproblematik der inklusiven Bildung

Bachelor Thesis , 2021 , 33 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Laura Marie Siebert (Author)

Pedagogy - Orthopaedagogy and Special Education
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Die vorliegende Arbeit soll ein Mosaiksteinchen darstellen, das einen Anschluss an die inklusive Bildung und speziell die Etikettierungsproblematik via der Interdependenzen von Queer-Theorie und Behinderung ermöglicht. Die Fragen danach, inwieweit sich die Überlegungen der Queertheoretiker:innen Michel Foucault und Judith Butler zu Macht, Normalisierung, Körper und Subjektivität auf Behinderung beziehen lassen und welche Leerstellen dadurch in der Etikettierungsproblematik aufgedeckt werden können, werden in dieser Arbeit zu diesem Zweck beantwortet.

Dafür wird in der Darstellung des theoretischen Rahmens zunächst kurz die Entwicklung der Queer Studies, ihre Strömungen und ihre übergeordneten Ziele beschrieben und zudem dargestellt, welchen Platz die Theorien Foucaults und Butlers darin einnehmen. Auch der kulturelle Behinderungsbegriff wird anhand seiner Entwicklung aus vorausgehenden Modellen von Behinderung abgesteckt, während die Etikettierungsproblematik anhand ausgewählter Stimmen des Dekategorisierungsdiskurses und im Zusammenhang mit der Anerkennungstheorie dargestellt wird. Im dritten Kapitel folgt eine Erläuterung der Interdependenzen zwischen den Queer Studies, Behinderung und der inklusiven Bildung, wobei zunächst übergeordnete Zusammenhänge und Ziele zwischen den Queer und den Disability Studies aufgezeigt werden, die die weiteren Relationen anbahnen. Mithilfe von Foucault wird gezeigt, welche Rolle der Körper im kulturellen Modell von Behinderung einnimmt, wie sich dies im Kontext der Pädagogik widerspiegelt und wie sich dadurch die diskursive Produktion von behinderten Körpern und Behinderung vollzieht.

Im darauffolgenden Abschnitt wird daran anschließend die Bedeutung der Subjektivitätstheorie von Butler für die inklusive Pädagogik im Kontext der Anerkennungsproblematik und damit auch von Zuschreibung und Etikettierung genauer beleuchtet. Nachfolgend werden diese Erkenntnisse kritisch hinterfragend auf die Etikettierungsproblematik und ihre ausgewählten Stimmen, sowie auf die der Problematik innewohnende Anerkennungstheorie angewandt. Die Leerstellen, die sich übergreifend aus dieser Betrachtung ergeben, werden abschließend nochmals zugespitzt herausgearbeitet. Im letzten Kapitel werden die zentralen Aspekte und Ergebnisse der Arbeit nochmals rekapituliert und pointiert zusammengefasst.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretischer Rahmen

2.1 Queer Studies

2.2 Der kulturelle Behinderungsbegriff

2.3 Etikettierungsproblematik

3. Interdependenzen von Queer Studies, Behinderung und inklusiver Bildung

3.1 Zusammenhänge von Queer Studies und Disability Studies

3.2. Macht, Körper und Normalisierung

3.3 Subjektivierung und Anerkennung

4. Leerstellen in der Etikettierungsproblematik

5. Fazit und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht die Etikettierungsproblematik in der inklusiven Bildung durch eine queertheoretische Linse. Ziel ist es, Machtverhältnisse und Normalisierungsprozesse aufzudecken, die behinderte Körper diskursiv hervorbringen, und dabei die Leerstellen aktueller Dekategorisierungsansätze sowie gängiger Anerkennungskonzepte aufzuzeigen.

  • Queer-Theorie als analytisches Instrumentarium in der Sonder- und Inklusionspädagogik
  • Macht, Diskurs und Normalisierung nach Michel Foucault und Judith Butler
  • Kritische Auseinandersetzung mit dem kulturellen Modell von Behinderung
  • Dekonstruktion von Anerkennungsdiskursen und Etikettierungspraktiken im Schulkontext
  • Potenziale von Subversion und Handlungsfähigkeit für inklusive Bildungssettings

Auszug aus dem Buch

3.1 Zusammenhänge von Queer Studies und Disability Studies

„[H]omosexuality and disability clearly share a pathologized past”, so beschreibt McRuer (2003, S. 79) den problematischen Umstand, dass Mitglieder der LGBTQIA*-Community und behinderte Menschen als krank in Körper und Geist bezeichnet und diskriminiert wurden. Sowohl die Queer Studies als auch die Disability Studies gehen gegen eine solche pathologisierte Auffassung von queerness und Behinderung vor. Die Queer Studies waren mit diesem Vorhaben auf der Ebene der medizinischen Klassifizierungen schon erfolgreich. Homosexualität ist seit 1991 nicht mehr in der ICD-10 und Transgeschlechtlichkeit – erst – seit 2019 nicht mehr in der ICD-11 gelistet (vgl. Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) 2019). Die gemeinsame Basis für das Wirken der Queer und Disability Studies ist das Vorhaben, unhinterfragte Normalisierungsprozesse aufzudecken und zu dekonstruieren (vgl. Waldschmidt 2005, S. 25; Perko 2005, S. 17-21). Dabei wird besonders die Naturalisierung von unmarkierten Kategorien, wie Heterosexualität und Nichtbehinderung, betrachtet und dekonstruiert, die aufgrund ihrer vermeintlichen Natürlichkeit als normal gesehen und behandelt werden (vgl. Sherry 2004, S. 777). Zentrales und gemeinsames Element ist dabei der Körper, an dem sowohl im queertheoretischen Bereich als auch in den Disability Studies Normalisierungsprozesse sichtbar werden (vgl. Raab 2007, S. 127). Die Hinterfragung der diskursiv konstruierten Normen, die bestimmen, wie ein gesunder bzw. normaler Körper auszusehen hat und was mit ihm getan werden darf, ist somit in beiden wissenschaftlichen Feldern von Bedeutung.

Eine weitere Gemeinsamkeit besteht in der Kritik und Dekonstruktion dichotomer Kategorien, wie männlich und weiblich, hetero- und homosexuell oder behindert und nichtbehindert. Daran anschließend gilt in beiden Bereichen die Annahme einer mehrdimensionalen Identität, die sich dichotomer Festsetzungen entzieht (vgl. Sherry 2004, S. 777; Raab 2007, S. 128; Raab 2012, S. 71) und die sich auf oder auch neben einem Spektrum verorten lässt. Wie sich die hier skizzierten Verhältnisse von Queer und Disability Studies theoretisch untermauern und erweitern lassen, wird Inhalt der nächsten Kapitelabschnitte sein.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Etikettierungs-Ressourcen-Dilemma ein und begründet die Relevanz einer queertheoretischen Perspektive auf inklusive Bildung.

2. Theoretischer Rahmen: Dieses Kapitel erläutert grundlegende Theorien der Queer Studies, das kulturelle Modell von Behinderung sowie die Problematik von Etikettierungen.

3. Interdependenzen von Queer Studies, Behinderung und inklusiver Bildung: Hier werden die theoretischen Schnittstellen zwischen Queer und Disability Studies sowie die Bedeutung von Macht, Körper und Subjektivität herausgearbeitet.

4. Leerstellen in der Etikettierungsproblematik: In diesem Kapitel werden bestehende Ansätze kritisch auf ihre Defizite in Bezug auf Machtreflexion und Subjektivierung hin untersucht.

5. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und zeigt Perspektiven für eine machtreflexive Anerkennung in der inklusiven Pädagogik auf.

Schlüsselwörter

Queer Studies, Disability Studies, Behinderung, Inklusive Bildung, Etikettierungsproblematik, Normalisierung, Macht, Subjektivierung, Anerkennung, Dekategorisierung, Performativität, Intersektionalität, Heteronormativität, compulsory able-bodiedness, Identitätskonstruktion.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht, wie machttheoretische Erkenntnisse der Queer-Theorie genutzt werden können, um die Etikettierungspraxis und die damit verbundenen Normalisierungsprozesse in der inklusiven Schule kritisch zu hinterfragen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die Verknüpfung von Körper, Identität, Macht und Bildung im Kontext der Inklusion sowie die Dekonstruktion bestehender Kategorisierungsmodelle.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, die Leerstellen in aktuellen Debatten um Dekategorisierung und Anerkennung aufzudecken und zu zeigen, wie ein queertheoretischer Blick zur Befreiung des Subjekts aus starren Zuschreibungen beitragen kann.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?

Es handelt sich um eine diskurstheoretische und dekonstruktivistische Analyse, die maßgeblich auf den Werken von Michel Foucault und Judith Butler aufbaut.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die theoretischen Grundlagen, deckt Schnittstellen zwischen Queer und Disability Studies auf und untersucht kritisch die aktuellen Ansätze der Inklusionspädagogik.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Queer Studies, Normalisierung, Macht, Subjektivierung und Etikettierungsproblematik charakterisiert.

Inwieweit kritisiert die Autorin Hans Wockens Lösungsansatz?

Die Autorin argumentiert, dass Wockens Modell zwar sprachliche Änderungen vorschlägt, aber die tiefer liegenden Machtstrukturen und disziplinierenden Praktiken des „klinischen Blicks“ unangetastet lässt und somit lediglich die Hierarchisierung von Körpern fortsetzt.

Welche Rolle spielt der „klinische Blick“?

Der klinische Blick fungiert als Ankerpunkt für die disziplinierenden Prozesse in Institutionen wie Schulen, durch den Körper erst in „normal“ und „behindert“ unterteilt und so produktiv zur Norm produziert werden.

Was bedeutet „machtreflexive Anerkennung“ in diesem Kontext?

Sie beschreibt ein Anerkennungsverständnis, das sich der subjektivierenden und teilweise unterdrückenden Kraft von Zuschreibungen bewusst ist und Räume für die Subversion und aktive Revidierung von Identitäten durch das Subjekt selbst eröffnet.

Excerpt out of 33 pages  - scroll top

Details

Title
Queertheoretische Perspektiven auf Behinderung. Leerstellen in der Etikettierungsproblematik der inklusiven Bildung
College
Bielefeld University
Grade
1,0
Author
Laura Marie Siebert (Author)
Publication Year
2021
Pages
33
Catalog Number
V1132284
ISBN (eBook)
9783346499103
ISBN (Book)
9783346499110
Language
German
Tags
Behinderung Inklusion Etikettierung Inklusive Bildung Anerkennung Butler Foucault Queer-Theorie Queer Queer Theory Queer Studies Gender Studies Inklusiv Gender Intersektionalität Dekategorisierung Etikettierungs-Ressourcen-Dilemma
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Laura Marie Siebert (Author), 2021, Queertheoretische Perspektiven auf Behinderung. Leerstellen in der Etikettierungsproblematik der inklusiven Bildung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1132284
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  33  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint