Die USA - Imperium oder Führungsnation


Seminararbeit, 2007

21 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Amerikanische Außenpolitik nach dem 2. Weltkrieg

3. Imperien
3.1. Definition
3.1.1. Nationalstaat vs. Imperium
3.2. Vergleich der USA mit den antiken Imperien Rom und Athen
3.3. Das demokratische Imperium?

4. Fazit

5. Literatur

1. Einleitung

Mit dem Beginn des 21. Jahrhunderts haben die USA eine einmalige Stellung in der Welt inne, mit der keines der antiken Imperien gleichziehen kann. Die USA sind militärisch, wirtschaftlich, in Wissenschaft und Technologie, ja sogar in der Popkultur domi­nant und richtungweisend. Während des letzten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts waren die USA Garant für Stabilität in der Welt, Vermittler in internationalen Konflikten und „Ursprungsnation“ der Demokratie. Amerikanische Truppen sind in der Folge überall in der Welt stationiert worden.[1]

Amerikanische Stützpunkte

Auf dieser Karte ist gut zu sehen, dass die USA über die ganze Welt verteilt ein dichtes Netz an Stützpunkten unterhalten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Münkler 2005, Karten. Stand Dezember 2004.

Auf dem Gipfel der Macht tritt ein Paradoxon auf, denn die USA haben sich den Herausforderungen nicht gestellt, die nach Ende des Kalten Krieges auf sie zukamen, vielmehr sonnten sie sich in Selbstgefälligkeit. In der Folge wurde den wirtschaftlichen Angelegenheiten mehr Beachtung geschenkt.[2]

Die USA sehen sich überall auf der Welt als Schiedsrichter für innerstaatliche Entschei­dungen und es scheint, als ob die USA für jeden Konflikt die passende demokratische Lösung hätten, jedoch ohne Rücksicht auf kulturelle und historische Gegebenheiten in den jeweiligen Staaten.[3]

Die dominante Stellung bringt aber auch Verantwortung mit sich. So müssen die USA erkennen, dass es in Anbetracht der gegenwärtigen Weltlage Konflikte gibt, die aktiv angegangen werden müssen, da sie die internationale Ordnung bedrohen. Lange Zeit war es den USA möglich auf ein System der Balance of Power zu verzichten, da sie sich entweder aus Streitigkeiten heraushalten konnten oder dazu in der Lage waren, universalen Frieden zu schaffen.[4]

Ziel dieser Arbeit ist zu ergründen, ob die USA tatsächlich eine Nation mit imperialem Anspruch sind oder es sich nur um die Rolle einer Führungsnation handelt. Können die USA auch in Zukunft die Stellung als Weltmacht ausfüllen oder ist ihr Ansehen gefährdet?

2. Amerikanische Außenpolitik nach dem 2. Weltkrieg

Da die USA die einzig verbliebene Weltmacht sind, bringt dies auch außenpolitische Verpflichtungen mit sich. In der 200-jährigen Geschichte der USA bildete sich eine außenpolitische Tradition heraus. Außenpolitik wird jedoch unterschiedlich gestaltet und es gibt unterschiedliche Bedingungsfaktoren.[5]

Traditionell steht die Exekutivgewalt des amerikanischen Präsidenten im Konflikt mit der legislativen Macht des Kongresses. Bis in die 1960er Jahre weist die Präsidentschaft imperiale Züge auf, was sich natürlich auf die Außenpolitik auswirkt. An dieser Stelle sei anzumerken, dass amerikanische Außenpolitik nicht mit der europäischen verglichen werden kann, denn in Europa ist Außenpolitik eine Konstante, die auch im Fall von Regierungswechseln bestehen bleibt. Ein Grund dafür mag sein, dass die amerikanische Politik ohnehin personenbezogener ist, als die europäische. Besonders deutlich vollzog sich dieser Bruch mit dem Amtsantritt von George W. Bush.[6]

Amerikanische Außenpolitik versuchte immer, dass außenpolitische Engagement mit den nationalen Traditionen und Visionen einer neuen und besseren Welt(ordnung) zu verbinden und an diesem Leitmotiv orientieren sich die Amerikaner noch heute. Unter Alexander Hamilton (1755-1805), Vertreter des Realismus, war amerikanische Außenpolitik nicht von Expansionsdrang geprägt, denn er vertrat die Auffassung, dass Gleichheit zwischen den Staaten besteht und die USA keine besonderen Tugenden vertritt. Außenpolitisch führte dies zu Neutralität, Balancepolitik und zur Sicherung des Status quo. Während dieser Phase war es den USA möglich, sich innenpolitisch zu festigen und zu entwickeln.[7]

Thomas Jefferson (1743-1826) vertrat andere Ansichten als Hamilton und war so der Überzeugung, dass eine Expansion Amerika gut tut, da er mit Vergrößerung des Landes auch eine Vergrößerung des Wohlstandes in Verbindung brachte. Amerika sollte politisch unabhängig bleiben und nur „lockere“ wirtschaftliche Verbindungen eingehen. Schlagworte seiner Theorie sind „Freihandel“ und „Nichteinmischung“ und viele Amerikaner sehen dieses Vorgehen noch heute als richtig an und stehen im Kontrast zum Denken in Europa.[8]

In den USA ist die Auffassung verbreitet, dass ihre Nation der Idealstaat sei. Dominant ist auch das One-World-Konzept, nach dem alle Nationen in Gerechtigkeit, Wohlstand und Frieden leben sollten. Hamiltons Konzept des Realismus, wonach sich die USA an den machtpolitischen Gegebenheiten und der Weltlage orientieren sollen, steht dem Idealismus gegenüber, aber die beiden Traditionen ergänzen sich auch. Gerade im Be­reich der Außenpolitik legitimieren beide die Macht und die Ausdehnung der USA. Bei der Außenpolitik sind wirtschaftliche Interessen nach wie vor von besonderer Bedeu­tung. Bis zur Wende des 20. Jahrhunderts war der Isolationismus dominant und ließ sich durch politische Wertvorstellungen auch begründen. Mit der Monroe-Doktrin von 1823 (nach James Monroe) verzichten die USA auf Einmischung in europäische Angelegenheiten, wenn die Europäer sich ihrerseits nicht in amerikanische einmischen. Mit Beginn des 20. Jahrhunderts waren die USA zur stärksten Wirtschaftsmacht aufgestiegen und es herrschte, bedingt durch die Entfernung zu den europäischen Konflikten, das Gefühl der Sicherheit. Unter Franklin D. Roosevelt (1882-1945) wurde die Frage auf­geworfen, ob es nicht im amerikanischen Interesse sei, das Gleichgewicht in Europa wieder herzustellen und er wurde so Begründer der neuen interventionistischen Tradition. Gleichzeitig sollte das System der USA, ganz im Sinne des Idealismus, Vorbild für eine neue Weltordnung sein. Unter Woodrow Wilson (1913-1921) griffen die USA un­mittelbar in europäische Angelegenheiten ein. Die Außenpolitik wurde wieder „realis­tisch“ und dem Wechsel folgte Wilsons idealistische und interventionistische Forderung nach einer neuen Ordnung, die in der Idee des Völkerbundes Ausdruck fand.[9] Diese Politik wies den USA eine globale Rolle zu und die imperiale Mission der USA wurde normativ aufgeladen, denn ohne diese wäre das militärische Eingreifen in den 1. Weltkrieg innenpolitisch nicht machbar gewesen.[10]

Theodor Roosevelt (1858–1919) beschritt dann im Verlauf des 2. Weltkrieges, nach Pearl Harbor, erneut den interventionistischen Weg.[11] Roosevelt gilt als der Imperialist unter den US-Präsidenten, war jedoch bestrebt, die imperiale Mission der USA zu begrenzen und wendete sie nur auf unmittelbar amerikanische Interessen an.[12]

Während des Kalten Krieges zogen sich die Amerikaner zunächst wieder in die Insel­lage zurück, Truman agierte später erneut interventionistisch, um den Kommunismus zu bekämpfen. Truman sagt in seiner Doktrin (1947) allen Ländern, die unabhängig blei­ben wollen, amerikanische Hilfe im militärischen und wirtschaftlichen Bereich zu. Im Verlauf des Kalten Krieges sollten die Interessen der USA und ihr Anspruch auf Weltmachtkontrolle durchgesetzt werden. Amerika ist die Nummer Eins und dies verpflichtet zur Weltmachtkontrolle. Die USA wollen Garant für Wohlstand und Sicherheit anderer Völker sein, wählen die Engagements im Ausland genau aus und verzichten so gut es geht auf den Einsatz von Bodentruppen.[13]

Während des Kalten Krieges liefen Realismus und Idealismus zusammen, erst nach dem Ende des Kalten Krieges kamen die Gegensätze wieder zum Vorschein. Unter Clinton war die Außenpolitik mehr isolationistisch und die Konzepte im Fall von Krisen (Somalia, Haiti) fehlten, Bush war diese Haltung nach dem 11. September nicht mehr möglich.[14]

Neues Feindbild nach Ende des Kalten Krieges ist der internationale Terrorismus. Hier ist ein neuer Richtungswechsel in der Außenpolitik wahrscheinlich und auch notwendig. Aber auch Europa und Asien betreffend werden die USA ihren interventionistischen Kurs beibehalten.[15]

[...]


[1] Vgl. Kissinger 2003, S. 7-8.

[2] Vgl. Kissinger 2003, S. 9.

[3] Vgl. Kissinger 2003, S. 9-10.

[4] Vgl. Kissinger 2003, S. 17.

[5] Vgl. Schneider, Hahne: http://www.histinst.rwth-achen.de/default.asp?documentId=85.

[6] Vgl. Schneider, Hahne: http://www.histinst.rwth-achen.de/default.asp?documentId=85.

[7] Vgl. Schneider, Hahne: http://www.histinst.rwth-achen.de/default.asp?documentId=85.

[8] Vgl. Schneider, Hahne: http://www.histinst.rwth-achen.de/default.asp?documentId=85.

[9] Vgl. Schneider, Hahne: http://www.histinst.rwth-achen.de/default.asp?documentId=85.

[10] Vgl. Münkler 2005, S. 147.

[11] Vgl. Schneider, Hahne: http://www.histinst.rwth-achen.de/default.asp?documentId=85.

[12] Vgl. Münkler 2005, S. 147.

[13] Vgl. Schneider, Hahne: http://www.histinst.rwth-achen.de/default.asp?documentId=85.

[14] Vgl. Schneider, Hahne: http://www.histinst.rwth-achen.de/default.asp?documentId=85.

[15] Vgl. Schneider, Hahne: http://www.histinst.rwth-achen.de/default.asp?documentId=85.

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Details

Titel
Die USA - Imperium oder Führungsnation
Hochschule
Universität Wien  (Politikwissenschaft und Staatswissenschaft)
Veranstaltung
Imperien - Athen, Rom und USA
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
21
Katalognummer
V113250
ISBN (eBook)
9783640133369
Dateigröße
660 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Imperium, Führungsnation, Imperien, Athen
Arbeit zitieren
Corinna Patrizia Franiek (Autor), 2007, Die USA - Imperium oder Führungsnation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113250

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