In der Arbeit soll mit Blick auf die Institution Schule und ihre Funktionsweise wie auch auf Strategien von LehrerInnen, Eltern und SchülerInnen dargestellt werden, wieso Habitus, Schichtzugehörigkeit und andere äußerliche Effekte für die Leistungsbewertung, wie wir sie kennen, von größerer Bedeutung sind als die vollbrachten Leistungen der SchülerInnen an sich.
Dafür ist es notwendig, zuallererst die Begriffe Leistung, Habitus und Sozialisation mit allen für diese Arbeit erforderlichen Merkmalen zu klären. Im weiteren Verlauf geht es dann darum, die Schule als strukturgebenden Handlungsraum und vor allem die selektiven Momente darzustellen. Darauffolgend richtet sich der Fokus der Arbeit auf die Akteure, das heißt die LehrerInnen, Eltern und SchülerInnen und deren Strategien und die daraus folgenden Effekte in Bezug auf die Leistung der SchülerInnen im schulischen Alltag. Am Ende der Arbeit wird der Zusammenhang zwischen dem theoretischen Teil und den erläuterten Praktiken zusammengefasst und Rückbezug auf den Bildungsbericht genommen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Leistung im schulischen Kontext
3. Soziales Milieu, Habitus und Sozialisationstheorie nach Bourdieu
4.1. Institution Schule als Handlungsraum
4.2. Leistungsbewertung von LehrerInnen und Bezug zum Habituskonzept
5.1. Sprache von privilegierten und nicht privilegierten SchülerInnen
5.2. Strategien und Praktiken von privilegierten und nicht privilegierten SchülerInnen
6. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen des Habitus von Schülerinnen und Schülern auf ihre schulischen Leistungen unter besonderer Berücksichtigung ihrer sozialen Herkunft, um aufzuzeigen, wie schulische Leistungsbewertungen soziale Ungleichheit reproduzieren.
- Der pädagogische Leistungsbegriff als sozial konstruierter Aushandlungsprozess.
- Bourdieus Habituskonzept als theoretischer Rahmen zur Analyse von Bildungsungleichheit.
- Die Rolle der Institution Schule bei der sozialen Allokation und Selektion.
- Einflussfaktoren auf die Leistungsbewertung durch Lehrkräfte (z.B. Pygmalioneffekt, Halo-Effekt).
- Sprachcodes und soziale Praktiken als Ausdruck kulturellen Kapitals.
Auszug aus dem Buch
4.2. Leistungsbewertung von LehrerInnen und Bezug zum Habituskonzept
Schaut man auf die in Lehrplänen und Schulordnungen verankerten Normen und Werte oder auch auf die soziale Herkunft der LehrerInnen, so wird deutlich, dass die Institution Schule vor allem durch die gesellschaftliche Mitte geprägt ist. So kamen schon in den 1950er Jahren die meisten LehramtsstudentInnen entweder aus der Schicht der Selbstständigen und Beamten im mittleren Dienst oder aus Familien, in denen einer oder mehrere den Beruf des Lehrers ausüben. Auch heute kommt der überwiegende Teil der Studierenden aus der Mittel- oder Oberschicht, den Milieus mit gehobeneren Bildungsabschlüssen.
Das berufliche Selbstverständnis, welches sich die angehenden LehrerInnen im Laufe ihres Berufsleben geben, lässt sich in zwei Idealtypen einteilen. Zum einen den pädagogischen Lehrertyp, der seinen Fokus im Beruf vorrangig in der erzieherischen Funktion sieht. Zum anderen den fachwissenschaftlichen Lehrertyp, der die wissenschaftliche Ausrichtung und die Qualifikationen in den Vordergrund stellt und sich selbst als Wissenschaftler versteht. Allen LehrerInnen ist gemein, dass sie in zwei oder mehreren Unterrichtsfächern im „Stoff“ stehen müssen, dass sie Betreuer, Berater, Prüfer wie auch Vermittler sind und die sich zu guter Letzt auch mit der Verwaltungsarbeit beschäftigen. Durch diese Fülle an Aufgaben kann rasch die Spezialisierung drunter leiden und zu einem geringen Professionalisierungsgrad führen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Bildungsungleichheit ein und skizziert das Ziel, den Zusammenhang zwischen Habitus, Schichtzugehörigkeit und Leistungsbewertung theoretisch zu beleuchten.
2. Leistung im schulischen Kontext: Dieses Kapitel definiert den pädagogischen Leistungsbegriff und stellt ihn als prozessorientierten, interaktiv geprägten Aushandlungsprozess dar, der von gesellschaftlichen Normen beeinflusst wird.
3. Soziales Milieu, Habitus und Sozialisationstheorie nach Bourdieu: Das Kapitel erläutert das Habituskonzept von Pierre Bourdieu und die verschiedenen Kapitalformen, die den Bildungsstand und die sozialen Chancen von Kindern maßgeblich prägen.
4.1. Institution Schule als Handlungsraum: Hier wird die Schule als Ort der sozialen Reproduktion beschrieben, die über Selektion und Allokation Individuen ihren gesellschaftlichen Positionen zuweist.
4.2. Leistungsbewertung von LehrerInnen und Bezug zum Habituskonzept: Es wird analysiert, wie die soziale Herkunft der Lehrkräfte und psychologische Beurteilungsfehler die Notengebung und den Umgang mit Schülerinnen und Schülern beeinflussen.
5.1. Sprache von privilegierten und nicht privilegierten SchülerInnen: Dieses Kapitel thematisiert die unterschiedlichen Sprachcodes als Ausdruck kulturellen Kapitals und deren Bedeutung für die Kommunikation im schulischen Alltag.
5.2. Strategien und Praktiken von privilegierten und nicht privilegierten SchülerInnen: Es werden die verschiedenen Bewältigungsstrategien von Schülerinnen und Schülern gegenüber schulischen Anforderungen und die Auswirkungen auf ihr Selbstbild und ihre Lernmotivation dargestellt.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Leistungsbeurteilung ein hochgradig subjektiver Konstruktionsprozess ist, der bestehende soziale Ungleichheiten eher verfestigt als abbaut.
Schlüsselwörter
Habitus, Soziale Herkunft, Leistungsbewertung, Bildungschancen, Bourdieu, Kapitaltheorie, Schule, Sozialisation, Bildungsungleichheit, Leistungsbegriff, Sprachcode, Pädagogik, Selektion, Allokation, Lehrkraft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie der sozio-kulturelle Habitus von Schülerinnen und Schülern ihre schulischen Leistungen beeinflusst und inwiefern Lehrkräfte durch bewusste oder unbewusste Bewertungspraktiken soziale Ungleichheit reproduzieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind das Habituskonzept nach Bourdieu, der pädagogische Leistungsbegriff, die Selektionsfunktion der Schule, die Rolle von Sprachcodes und die psychologischen Effekte bei der Notengebung.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, warum soziale Herkunft und Habitus bei der Leistungsbewertung in der Schule oft eine größere Rolle spielen als die tatsächlich erbrachte Leistung der Schülerinnen und Schüler.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf Basis soziologischer und pädagogischer Fachliteratur (insbesondere Bourdieu) eine Analyse der schulischen Interaktionsprozesse vornimmt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsarbeit, die Analyse der Institution Schule, die Untersuchung des Lehrerverhaltens bei der Bewertung und die Fallbetrachtung der unterschiedlichen Bildungschancen von privilegierten und nicht privilegierten Schülern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselwörter sind Habitus, soziale Herkunft, Leistungsbewertung, Kapitaltheorie, Bildungschancen und soziale Ungleichheit.
Wie beeinflussen Sprachcodes den Schulerfolg laut der Arbeit?
Die Arbeit zeigt, dass Schüler aus privilegierten Verhältnissen häufiger einen „reflexiven Sprachcode“ beherrschen, der im schulischen Kontext besser bewertet wird als der bei Schülern aus unteren Milieus verbreitete „restringierte Sprachcode“.
Welche Rolle spielt der Lehrer bei der Leistungsbewertung?
Lehrer fungieren nicht als neutrale Beobachter, sondern konstruieren durch ihre eigene soziale Herkunft, ihre Erwartungshaltungen (z.B. Pygmalioneffekt) und Beurteilungsfehler ein Bild des Schülers, das dessen schulische Laufbahn maßgeblich beeinflusst.
Was bedeutet der „Prozess der Habitualisierung“ für Schüler?
Er bedeutet, dass der familiäre Bildungshabitus dem Kind bereits vor der Einschulung Positionen und Entwicklungsmöglichkeiten im Bildungssystem vorgibt, die schwer zu durchbrechen sind.
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- Armin Frobel (Author), 2020, Bewertung von SchülerInnenleistung und ihre Sozialisation, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1132616