Inwiefern beeinflussen Schlüsselereignisse das Vertrauen von Rezipienten in journalistische Medien? Konkret soll in der Arbeit exploriert werden, wie stark die Menschen journalistischen Medien infolge der Corona-Berichterstattung vertrauen und ob sie in diesem Zusammenhang spezifische Erfahrungen gemacht haben, die ihr Medienvertrauen ursächlich bestärkt oder destruiert haben. Außerdem soll näher auf Verhältnis von medienskeptischen und -zynischen Menschen auf das journalistische Medienvertrauen eingegangen sowie die Verbreitung derartiger Positionen aufgezeigt werden.
Dafür werden zunächst die zentralen Begriffe in den Forschungsfeldern Vertrauen, Vertrauen in journalistische Medien und Schlüsselereignisse definiert und zentrale Aspekte herausgearbeitet, um diese weitergehend in den Kontext des aktuellen Forschungsstandes einzubetten. Davon ausgehend wird unter Einbezug der theoretischen Grundlagen und empirischen Erkenntnisse von Herrmann & Wiafe (2020) dargelegt, in welcher Form Schlüsselereignisse als Arten von bestimmten Erfahrungen bei Rezipienten auftreten und welche Wirkungen diese auf das Vertrauen in journalistische Medien haben können.
Auf Basis dessen soll anschließend mit einer empirischen Untersuchung in Form einer quantitativen Online-Befragung erhoben werden, wie hoch der Vertrauensgrad der Rezipienten in journalistische Medien ausfällt, welche medienvertrauensstärkende oder -mindernde Erlebnisse Menschen gemacht haben und wie weit verbreitet medienskeptische und -zynische Positionen innerhalb der Bevölkerung sind. Die empirischen Erkenntnisse werden schließlich mit dem Ziel ausgewertet, einen Ausblick darauf geben zu können, inwiefern Schlüsselereignisse das rezipientenorientierte Vertrauen in journalistische Medien beeinflussen können.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theorie und Forschungsstand
2.1 Vertrauen
2.1.1 Vertrauen als sozialer Mechanismus
2.1.2 Vertrauen in Systeme
2.2 Vertrauen in journalistische Medien
2.3 Schlüsselereignisse beim Vertrauen in journalistische Medien
3 Untersuchungsbeispiel Corona-Pandemie
4 Forschungsfrage und Hypothesen
5 Methodik
5.1 Methodenwahl: Quantitative Online-Befragung
5.2 Operationalisierung und Aufbau des Fragebogens
5.3 Durchführungszeitraum, Pretest, und Stichprobe
5.4 Auswertungsverfahren
6 Ergebnisse und Interpretation
6.1 Deskriptive Befunde
6.2 Hypothesenprüfung
7 Diskussion und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss von Schlüsselereignissen auf das Vertrauen von Rezipienten in journalistische Medien, wobei die Corona-Pandemie als zentrales Untersuchungsbeispiel dient. Das primäre Ziel ist es, zu explorieren, inwiefern spezifische Erfahrungen mit der Berichterstattung oder Diskrepanzen zwischen subjektiver und medialer Realitätswahrnehmung das Vertrauen der Bevölkerung in den Journalismus bestärken oder schwächen.
- Theoretische Fundierung von Vertrauen, Medienvertrauen und Schlüsselereignissen
- Empirische Analyse der Auswirkungen der Corona-Berichterstattung auf das Medienvertrauen
- Untersuchung von Zusammenhängen zwischen medienskeptischen bzw. medienzynischen Haltungen und dem Vertrauen in journalistische Medien
- Analyse des Einflusses von Erfahrungen mit gesellschaftsrelevanten Institutionen auf das Medienvertrauen
- Vergleichende Betrachtung der Medienperformanzwahrnehmung
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Vertrauen als sozialer Mechanismus
Vertrauen ist allgemein ein vielschichtiger Forschungsgegenstand, der in zahlreichen wissenschaftlichen Disziplinen theoretisch behandelt und empirisch exploriert wird (Bentele & Seidenglanz, 2015, S. 413). In der Literatur existiert daher bislang keine einheitliche, interdisziplinär gültige Begriffserklärung. Vielmehr haben unterschiedliche Perspektiven der psychologischen, neurologischen, biologischen, politikwissenschaftlichen, ökonomischen, soziologischen und kommunikationswissenschaftlichen Vertrauensforschung mannigfaltige Definitions- und Konzeptionsansätze konstituiert (für einen Überblick vgl. Seiffert-Brockmann, 2016, S. 70-136). Vor diesem Hintergrund soll sich Vertrauen nachfolgend primär aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht definitorisch angenähert werden, wobei insbesondere soziologische Ansätze dieses Forschungsfeld maßgeblich geformt und geprägt haben (Bentele & Seidenglanz, 2015, S. 414; Seiffert-Brockmann, 2016, S. 73).
Generell herrscht Konsens darüber, dass Vertrauen sowohl auf der Individual- als auch Kollektivebene einen zentralen psychologischen und sozialen Prozess darstellt (Prochazka, 2020, S. 39). Luhmann (2014) zufolge ist Vertrauen „ein elementarer Tatbestand des sozialen Lebens“ (S. 8). Der Mensch „[könnte] [o]hne jegliches Vertrauen […] morgens sein Bett nicht verlassen“ (ebd.). Simmel (1908) charakterisiert Vertrauen daher auch als „eine der wichtigsten synthetischen Kräfte innerhalb der Gesellschaft“ (S. 346). Im Wesentlichen beschreibt Vertrauen dahingehend einen bestimmten Zustand sozialer Relationen, in derer sich die Beteiligten reziprok aufeinander verlassen können (Endreß, 2018, S. 487). Dieser Konnex setzt sich prinzipiell aus einem Vertrauensobjekt und Vertrauenssubjekt zusammen, wobei Letzteres Vertrauen gegenüber dem Objekt schenkt (Obermaier, 2020, S. 14). Entsprechend des jeweiligen Forschungsinteresses kann diese Beziehung aus dem Blickwinkel des Subjekts, des Objekts oder beider Seiten betrachtet werden (Kohring, 2004, S. 132). Im Hinblick auf das Forschungsziel der vorliegenden Arbeit soll der Schwerpunkt im Folgenden auf der Subjektperspektive liegen, also den Handlungsweisen und Motiven des Vertrauensgebers.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz des Themas Medienvertrauen während der Corona-Pandemie ein und umreißt die Zielsetzung sowie das methodische Vorgehen der Arbeit.
2 Theorie und Forschungsstand: Hier werden die theoretischen Grundlagen zu Vertrauen, Vertrauen in journalistische Medien und dem Konzept der Schlüsselereignisse aus kommunikationswissenschaftlicher Perspektive erarbeitet.
3 Untersuchungsbeispiel Corona-Pandemie: Dieses Kapitel verortet die Corona-Pandemie als globales Schlüsselereignis und beleuchtet die Rolle journalistischer Medien als primäre Informationsquelle in dieser Ausnahmesituation.
4 Forschungsfrage und Hypothesen: Basierend auf dem theoretischen Rahmen werden die zentrale Forschungsfrage und daraus abgeleitete Hypothesen zum Einfluss von Schlüsselereignissen auf das Medienvertrauen formuliert.
5 Methodik: Dieses Kapitel beschreibt das methodische Design der quantitativen Online-Befragung, inklusive der Operationalisierung der Konstrukte und der Stichprobenbeschreibung.
6 Ergebnisse und Interpretation: Die empirischen Daten werden hier deskriptiv ausgewertet und die aufgestellten Hypothesen mittels statistischer Analysen auf ihre Gültigkeit geprüft.
7 Diskussion und Fazit: Die Ergebnisse werden im Kontext des Forschungsstandes diskutiert, kritisch reflektiert und abschließend zusammengefasst, wobei ein Ausblick auf zukünftige Forschung gegeben wird.
Schlüsselwörter
Medienvertrauen, Schlüsselereignisse, Corona-Pandemie, Journalismus, Medienskepsis, Medienzynismus, Vertrauensverlust, Diskrepanzerfahrung, Institutionenvertrauen, Online-Befragung, Medienperformanz, Kommunikationswissenschaft, Gesellschaft, Krisenkommunikation, empirische Studie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie sogenannte Schlüsselereignisse – hier am Beispiel der Corona-Pandemie – das Vertrauen der Menschen in journalistische Medien beeinflussen.
Welche Themenfelder sind zentral?
Zentral sind die Bereiche Vertrauen auf systemischer und interpersonaler Ebene, das Rollenverständnis von Journalismus in Krisenzeiten sowie die psychologischen Faktoren von Medienskepsis und Medienzynismus.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu erforschen, ob und wie spezifische Erfahrungen oder Diskrepanzerfahrungen während der Pandemie zu einer Stärkung oder einem Rückgang des Vertrauens in die journalistische Berichterstattung führen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Untersuchung basiert auf einer quantitativen Online-Befragung von 155 Personen, deren Daten mittels statistischer Verfahren wie Regressions- und Korrelationsanalysen ausgewertet wurden.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Herleitung der Konzepte, die Beschreibung des Untersuchungsbeispiels, die methodische Vorgehensweise sowie die detaillierte Ergebnispräsentation und Hypothesenprüfung.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Medienvertrauen, Schlüsselereignisse, Medienskepsis und Medienzynismus, die in der Kommunikationswissenschaft zur Analyse der Rezipientenhaltung verwendet werden.
Welche Rolle spielt die Corona-Pandemie für das Vertrauen?
Die Pandemie fungiert als „konzentriertes Weltereignis“, das ein hohes Informationsbedürfnis erzeugte und die Medien in eine zentrale Rolle als Vermittler zwischen Wissenschaft und Bevölkerung rückte.
Führt Medienskepsis automatisch zu einem Vertrauensverlust?
Nein, die Ergebnisse zeigen, dass eine kritisch-konstruktive medienskeptische Haltung sogar positiv mit dem allgemeinen Medienvertrauen korrelieren kann, während eine destruktive medienzynische Haltung negativ wirkt.
- Arbeit zitieren
- Niklas Könner (Autor:in), 2021, Der Einfluss von Schlüsselereignissen auf das Vertrauen von Rezipienten in journalistische Medien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1132862