Seit 24.10.1998 ist es den 36 Profiklubs der ersten und zweiten Fußballbundesliga gestattet, ihre Lizenzspielabteilung als Kapitalgesellschaft auszugliedern. Da sich der Fußball hierdurch dem Kapitalmarkt öffnete und damit den Einflussnahmemöglichkeiten von Dritten aussetzte, wurde als Konsequenz daraus in der Satzung des Ligaverbandes § 8 II verankert. Dieser weicht vom Wortlaut nur minimal vom § 16c II der DFB Satzung ab und besagt, dass der Mutterverein bei einer solchen Ausgliederung mindestens 50% plus einen weiteren Stimmanteil an der Kapitalgesellschaft halten muss.
In den letzten Jahren geriet diese sog. „50+1 Regelung“ immer mehr in Kritik. Fußballfunktionäre streiten sich über den tatsächlichen Nutzen der Regelung. Juristen streiten sich über die tatsächliche Rechtsgültigkeit der Satzung vor staatlichem bzw. internationalem Recht.
In dieser Abhandlung soll erörtert werden, ob der § 8 Abs. 2 der Satzung des Ligaverbandes tatsächlich rechtsgültig ist, bzw. auf welchem aktuellen Stand die Rechtsprechung sich befindet.
Inhaltsverzeichnis
- Abkürzungsverzeichnis
- Abbildungsverzeichnis
- 1 Einleitung
- 2 Die Ausgliederung der Profiabteilung und daraus folgende Verpflichtungen des Vereins
- 2.1 Ausgliederung der Lizenzspielerabteilung aus dem Idealverein
- 2.2 Die „50+1 Regelung“ und Multi-Club Ownership- Beschränkungen
- 2.3 Bindung des Vereins an die Verbandssatzung
- 3 Bevorzugte Rechtsformen
- 3.1 Aktiengesellschaft
- 3.1.1 Allgemein
- 3.1.2 Vorteile der AG
- 3.1.3 Nachteile der AG
- 3.2 Gesellschaft mit beschränkter Haftung
- 3.2.1 Allgemein
- 3.2.2 Vorteile der GmbH
- 3.2.3 Nachteile der GmbH
- 3.3 Kommanditgesellschaft auf Aktien
- 3.3.1 Allgemein
- 3.3.2 Vorteile der KGaA
- 3.3.3 Nachteile der KGaA
- 3.4 Zwischenfazit
- 3.1 Aktiengesellschaft
- 4 Argumente der Befürworter der „50+1 Regelung“
- 4.1 Keine Fremdbestimmung durch unseriöse Investoren
- 4.2 Glaubwürdigkeit bzw. Wettbewerbsintegrität
- 4.3 Sporttypizität der „50+1 Regelung“
- 4.4 Sichere Teilnahme an internationalen Wettbewerben
- 5 Multi-Club Ownership in Deutschland
- 5.1 Allgemeine Situation
- 5.1.1 Meinungsstand von Experten
- 5.1.2 Hauptargument der Gegner der „50+1Regelung“
- 5.2 Rechtliche Zulässigkeit in Deutschland
- 5.2.1 Abschaffung bzw. Änderung der Klausel durch den DFB
- 5.2.2 Rechtsungültigkeit der Klausel durch deutsches Recht
- 5.1 Allgemeine Situation
- 6 Multi-Club Ownership in Europa
- 6.1 Vergleich mit anderen europäischen Ligen
- 6.2 EU-rechtliche Zulässigkeit der „50+1 Regelung“
- 6.2.1 Zur Anwendbarkeit des EG-Vertrages auf den Sport
- 6.2.2 relevante Paragraphen des EU-Vertrages
- a Niederlassungsfreiheit gemäß Art. 43ff EGV
- b Freier Kapitalverkehr gemäß Art. 56
- c Wettbewerbsbestimmungen nach Art. 81 und 82 EGV
- 6.3 Klage gegen die UEFA-Regelung
- 6.3.1 Ausgangslage
- 6.3.2 Klage der ENIC
- 6.4 Die „50+1 Regelung“ unter Betrachtung des EGV
- 6.4.1 Vereinbarkeit mit europäischem Kartellrecht
- a Zwischenstaatlichkeitsklausel
- aa Handel zwischen Staaten
- bb Eignung zur Handelsbeeinträchtigung
- cc Spürbarkeit
- b Tatbestandsmerkmal des Art. 81 EGV
- aa Unternehmen und Unternehmensvereinigung
- bb Vereinbarungen, Beschlüsse oder abgestimmte Verhaltensweisen
- cc Zweck oder Wirkung zur Wettbewerbsbeschränkung
- c Freistellung vom Kartellrecht
- d Ergebnis
- a Zwischenstaatlichkeitsklausel
- 6.4.2 Verstoß gegen Art. 82 EGV
- a Marktbeherrschung
- b Missbräuchliche Ausnutzung
- 6.4.3 Verhältnismäßigkeit
- 6.4.1 Vereinbarkeit mit europäischem Kartellrecht
- 7 Fazit
- 7.1 Zusammenfassung
- 7.2 Handlungsempfehlung
- Literaturverzeichnis
- Webverzeichnis
- Eidesstattliche Erklärung
- Gesetzestexte, Satzungen, Ordnungen
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Hausarbeit befasst sich mit der „50+1 Regelung“ des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) und den damit verbundenen Multi-Club Ownership-Beschränkungen. Ziel ist es, die rechtlichen und wirtschaftlichen Aspekte dieser Regelung zu analysieren und ihre Vereinbarkeit mit dem europäischen Recht zu untersuchen. Die Arbeit beleuchtet die Ausgliederung der Profiabteilung aus dem Idealverein und die daraus resultierenden Verpflichtungen des Vereins. Sie untersucht die rechtlichen Rahmenbedingungen der „50+1 Regelung“ und die Argumente ihrer Befürworter und Gegner. Darüber hinaus wird die rechtliche Zulässigkeit von Multi-Club Ownership in Deutschland und Europa im Kontext des europäischen Kartellrechts diskutiert.
- Ausgliederung der Profiabteilung und die „50+1 Regelung“
- Rechtliche Rahmenbedingungen und Argumente für und gegen die „50+1 Regelung“
- Multi-Club Ownership in Deutschland und Europa
- Vereinbarkeit der „50+1 Regelung“ mit dem europäischen Recht
- Rechtliche und wirtschaftliche Aspekte der „50+1 Regelung“
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in die Thematik der „50+1 Regelung“ ein und erläutert die Relevanz des Themas. Sie stellt die Forschungsfrage und die methodische Vorgehensweise der Arbeit dar.
Kapitel 2 beleuchtet die Ausgliederung der Profiabteilung aus dem Idealverein und die daraus resultierenden Verpflichtungen des Vereins. Es wird die „50+1 Regelung“ und die Multi-Club Ownership-Beschränkungen im Detail vorgestellt. Darüber hinaus wird die Bindung des Vereins an die Verbandssatzung erläutert.
Kapitel 3 analysiert die bevorzugten Rechtsformen für Profivereine, insbesondere die Aktiengesellschaft (AG), die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) und die Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA). Es werden die Vor- und Nachteile der jeweiligen Rechtsformen im Hinblick auf die „50+1 Regelung“ und die Multi-Club Ownership-Beschränkungen diskutiert.
Kapitel 4 präsentiert die Argumente der Befürworter der „50+1 Regelung“. Es werden die Themen der Fremdbestimmung durch unseriöse Investoren, die Glaubwürdigkeit und Wettbewerbsintegrität des Fußballs sowie die Sporttypizität der Regelung behandelt. Darüber hinaus wird die Bedeutung der „50+1 Regelung“ für die Sicherstellung der Teilnahme an internationalen Wettbewerben beleuchtet.
Kapitel 5 befasst sich mit der Situation von Multi-Club Ownership in Deutschland. Es werden die Meinungsstände von Experten und die Hauptargumente der Gegner der „50+1 Regelung“ vorgestellt. Darüber hinaus wird die rechtliche Zulässigkeit von Multi-Club Ownership in Deutschland im Kontext der „50+1 Regelung“ untersucht.
Kapitel 6 analysiert die Situation von Multi-Club Ownership in Europa und vergleicht sie mit der Situation in Deutschland. Es wird die EU-rechtliche Zulässigkeit der „50+1 Regelung“ im Kontext des europäischen Kartellrechts diskutiert. Darüber hinaus werden die relevanten Paragraphen des EU-Vertrages und die Klage der ENIC gegen die UEFA-Regelung behandelt.
Schlüsselwörter
Die Schlüsselwörter und Schwerpunktthemen des Textes umfassen die „50+1 Regelung“, Multi-Club Ownership, Profivereine, Ausgliederung, Rechtsformen, Aktiengesellschaft, GmbH, KGaA, europäisches Kartellrecht, EU-Recht, Wettbewerbsrecht, Sportrecht, Fußball, DFB, UEFA, Vereinsrecht, Verbandssatzung, Fremdbestimmung, Glaubwürdigkeit, Wettbewerbsintegrität, Sporttypizität, internationale Wettbewerbe, Meinungsstand, Rechtliche Zulässigkeit, Abschaffung, Änderung, Rechtsungültigkeit, Vergleich, Anwendbarkeit, Niederlassungsfreiheit, Freier Kapitalverkehr, Klage, Vereinbarkeit, Marktbeherrschung, Missbräuchliche Ausnutzung, Verhältnismäßigkeit, Zusammenfassung, Handlungsempfehlung.
Häufig gestellte Fragen
Was besagt die 50+1-Regel im deutschen Fußball?
Die Regelung schreibt vor, dass der Mutterverein (der eingetragene Verein) bei einer Ausgliederung der Profiabteilung in eine Kapitalgesellschaft mindestens 50 % der Stimmenanteile plus eine weitere Stimme halten muss. Dies soll verhindern, dass Investoren die vollständige Kontrolle über den Verein übernehmen.
Warum steht die 50+1-Regel in der Kritik?
Kritiker argumentieren, dass die Regelung den Wettbewerb einschränkt, Investitionen behindert und möglicherweise gegen deutsches oder europäisches Recht (z. B. Kapitalverkehrsfreiheit) verstößt. Befürworter hingegen sehen darin einen Schutz der Vereinskultur und der Integrität des Wettbewerbs.
Was versteht man unter Multi-Club Ownership?
Multi-Club Ownership (MCO) bezeichnet den Umstand, dass ein Investor oder eine Unternehmensgruppe Anteile an mehreren Fußballvereinen hält. In Deutschland und Europa gibt es hierzu strenge Beschränkungen, um Interessenkonflikte und Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden.
Welche Rechtsformen wählen Profivereine bei einer Ausgliederung?
Häufig gewählte Rechtsformen sind die Aktiengesellschaft (AG), die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) oder die Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA), wobei jede Form unterschiedliche Vor- und Nachteile im Kontext der 50+1-Regel bietet.
Ist die 50+1-Regel mit EU-Recht vereinbar?
Dies ist ein zentraler Streitpunkt. Die Arbeit untersucht die Vereinbarkeit mit dem europäischen Kartellrecht (Art. 81, 82 EGV) sowie den Grundfreiheiten wie der Niederlassungsfreiheit und dem freien Kapitalverkehr.
Was war die Klage der ENIC gegen die UEFA?
Die ENIC-Klage bezog sich auf die UEFA-Regeln gegen Multi-Club Ownership, da ENIC Anteile an mehreren europäischen Clubs hielt. Der Fall ist ein wichtiger Präzedenzfall für die rechtliche Bewertung von Verbandsregeln im Sport.
- Arbeit zitieren
- T. Schmidt (Autor:in), S. Ernst (Autor:in), M. Wagner (Autor:in), 2008, Die "50+1-Regelung" des Deutschen Fußball-Bundes und die Multi-Club Ownership-Beschränkungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113302