In dieser Arbeit soll den Fragen nachgegangen werden, wie Studenten in
Deutschland in der Zeit der Weimarer Republik und im „Dritten Reich“ zum
Nationalsozialismus standen bzw. ob und inwiefern sich das Verhältnis der
Studenten zum Nationalsozialismus im Laufe der Diktatur änderte. Etwaige
Gründe hierfür sollen herausgestellt werden. Dabei wird auch auf die Anzahl,
die Zusammensetzung und die soziale Lage der Studenten Rückbezug genommen,
da sie für Mentalität und Einstellungen der Studierenden von Bedeutung
sind. Hierzu folgen im zweiten Kapitel zunächst bündige Ausführungen,
bevor im dritten Kapitel Tendenzen und der etwaige Wandel in der Einstellung
sowie der Mentalität der Studenten bezüglich des NS-Regimes herausgestellt
werden sollen. Dabei werden auch die NS-Hochschulpolitik sowie
die Bedeutung und der Einfluss der Studenten auf diese angerissen, da sie
als Hintergrund für das Verständnis von Veränderungen des studentischen
Lebens maßgeblich sind. Hierbei werde ich mich auch mit dem „studentischen
Flügel“ der NSDAP, dem NSDStB, in kurzen Ausführungen beschäftigen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Anzahl, Zusammensetzung und Sozialstruktur der Studenten in der Weimarer Republik und im „Dritten Reich“
3. Studenten und der Nationalsozialismus – Einstellung und Mentalität: Tendenzen und Wandel vor dem Hintergrund der NS-Hochschulpolitik
3.1 Studenten in der Weimarer Republik auf dem Weg in den Nationalsozialismus
3.2 Der Nationalsozialistische Deutsche Studentenbund (NSDStB)
3.3 Studenten und Hochschulpolitik im „Dritten Reich“
3.4 Tendenzen in Einstellung und Mentalität der Studenten zum Nationalsozialismus
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis der deutschen Studentenschaft zum Nationalsozialismus während der Übergangsphase von der Weimarer Republik in das „Dritte Reich“. Zentral ist die Fragestellung, wie sich die politische Einstellung und Mentalität der Studierenden im Kontext der NS-Diktatur und der sich wandelnden Hochschulpolitik entwickelte sowie welche Faktoren zu einer möglichen Entfremdung vom NS-Regime führten.
- Entwicklung studentischer Studentenzahlen und Sozialstruktur
- Politische Radikalisierung und Rolle des NSDStB
- Auswirkungen der NS-Hochschulpolitik auf den Studienalltag
- Mentalitätswandel und Formen des studentischen Widerstands
- Spannungsfeld zwischen nationalsozialistischer Gesinnung und individuellen Interessen
Auszug aus dem Buch
3.2 Der Nationalsozialistische Deutsche Studentenbund (NSDStB)
Es folgen nun einige Ausführungen zum studentischen Flügel der NSDAP, dem NSDStB. Der NSDStB konnte nach einigen „Anlaufschwierigkeiten“ nach der Gründung 1926 rasch Erfolge an vielen Hochschulen verbuchen. Die grundsätzlichen Ziele des Bundes waren die Heranbildung des geistigen Nachwuchses für die NS-Bewegung (nach innen gerichtet) sowie die Verbreitung der NS-Ideologie unter den Akademikern und die Erkämpfung einer maßgeblichen Stellung des Bundes in der Studentenschaft (nach außen gerichtet).
1928 begannen die Jahre der „explosionsartigen Ausdehnung des NSDStB“. Es kann als gesichert angesehen werden, dass zum Zeitpunkt der Machtergreifung Hitlers im Jahre 1933 bis zu zwei Dritteln aller deutschen Studenten eine nationalsozialistische Gesinnung aufwiesen. Bereits 1931 hatten die an der NS-Ideologie orientierten Studentengruppen die Mehrheit im Dachverband der selbst verwalteten Studentenverbände, der Deutschen Studentenschaft, gewonnen – ein Nationalsozialist übernahm dessen Führung.
Es ist jedoch darauf hinzuweisen, dass die NS-Studenten – vor allem bis 1933 – nicht als „verlängerter Arm der […] Parteispitze“ an den Hochschulen gesehen werden dürfen. Die Aktivitäten des NSDStB an den Hochschulen wurden von der NSDAP zwar weitgehend toleriert, jedoch kaum kontrolliert. Daraus ergab sich eine Machtposition für die NS-Studenten, die fast autark handeln konnten. Dies war vor allem auch durch Hochschulangelegenheiten betreffende konzeptionelle Unsicherheiten der NS-Führung bedingt. So war noch zum Zeitpunkt der Machtergreifung völlig unklar, wie die zukünftige NS-Hochschulpolitik aussehen würde. Dass die nationalsozialistischen Studenten ihren an den Hochschulen gewonnenen Einfluss - zumindest vorerst – zu einem großen Teil verlieren würden, und dass die NS-Führung sich in der folgenden Zeit stärker selbst der Hochschulen annehmen würde, zeigte sich jedoch schon bald.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung formuliert das Forschungsziel, den Wandel der studentischen Einstellung zum Nationalsozialismus und die Rolle der Hochschulpolitik zu beleuchten.
2. Anzahl, Zusammensetzung und Sozialstruktur der Studenten in der Weimarer Republik und im „Dritten Reich“: Dieses Kapitel analysiert die demografische Entwicklung und soziale Herkunft der Studierenden sowie den Einfluss der Wirtschaftskrise und der „Überfüllungskrise“ auf die Politisierung.
3. Studenten und der Nationalsozialismus – Einstellung und Mentalität: Tendenzen und Wandel vor dem Hintergrund der NS-Hochschulpolitik: Das Kapitel behandelt die Radikalisierung der Studierenden, die Funktion des NSDStB und den zunehmenden Konflikt zwischen NS-Ideologie und dem Bedürfnis nach ungestörtem Studium.
3.1 Studenten in der Weimarer Republik auf dem Weg in den Nationalsozialismus: Hier werden die antidemokratischen Tendenzen unter ehemaligen Soldaten und die Anfälligkeit für rechtsextreme Ideologien dargelegt.
3.2 Der Nationalsozialistische Deutsche Studentenbund (NSDStB): Untersuchung des Einflusses, der Organisationsstruktur und der Machtposition des studentischen NS-Flügels innerhalb der Universitäten.
3.3 Studenten und Hochschulpolitik im „Dritten Reich“: Das Kapitel thematisiert die konzeptionellen Unzulänglichkeiten der NS-Hochschulpolitik und die daraus resultierenden Spannungen mit der Studentenschaft.
3.4 Tendenzen in Einstellung und Mentalität der Studenten zum Nationalsozialismus: Eine Auswertung über den schleichenden Wandel hin zu einer inneren Entfremdung und einem „Geist des heimlichen Widerstandes“ bei gleichzeitig nominell nationalsozialistischer Gesinnung.
4. Schlussbetrachtung: Zusammenfassung der Kernergebnisse, wonach die anfängliche Begeisterung für das NS-Regime durch die Eingriffe in die studentische Lebenswelt einer Ernüchterung wich.
Schlüsselwörter
Nationalsozialismus, Studentenschaft, Weimarer Republik, NS-Diktatur, NSDStB, Hochschulpolitik, Radikalisierung, Ideologie, Sozialstruktur, Mentalitätswandel, Entfremdung, Gleichschaltung, Akademiker, Führerprinzip, studentischer Widerstand
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Haltung von Studierenden in Deutschland gegenüber dem Nationalsozialismus, ausgehend von der Weimarer Republik bis hin zum „Dritten Reich“.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Untersuchung umfasst die soziale Lage der Studenten, ihre politische Radikalisierung, die Rolle des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes sowie die Interaktion mit der NS-Hochschulpolitik.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Wandel der studentischen Mentalität und Einstellung zum NS-Regime sowie die Ursachen für eine zunehmende Entfremdung zwischen Studierenden und Diktatur aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine historische Literaturanalyse, um den Wandel der politischen Einstellungen auf Basis zeitgenössischer Entwicklungen und wissenschaftlicher Sekundärliteratur zu rekonstruieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil erörtert die demografischen Daten, die Aktivitäten des NSDStB, den Einfluss der nationalsozialistischen Hochschulpolitik auf den Alltag sowie die psychologischen Faktoren der zunehmenden studentischen Distanz zum System.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Radikalisierung, Hochschulpolitik, Entfremdung, NSDStB und das Spannungsfeld zwischen Studium und Ideologie geprägt.
Warum kam es laut der Arbeit zu einer Entfremdung der Studenten vom NS-Regime?
Die Arbeit stellt heraus, dass massive Eingriffe in die Gestaltung des eigenen Studiums und die persönliche Lebensplanung der Studierenden, trotz grundsätzlicher Sympathien für die NS-Ideologie, zu Enttäuschung und Ablehnung führten.
Welche Rolle spielte der NSDStB in der Entwicklung der studentischen Einstellung?
Der NSDStB versuchte, den studentischen Nachwuchs zu indoktrinieren, geriet jedoch durch seinen Aktivismus und die Auferlegung von Pflichten oft in Konflikt mit den Interessen der breiten Studentenschaft.
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- Peter Kapinus (Autor), 2007, Studenten und das Dritte Reich, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113334