Bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich um eine qualitative, strukturierende Inhaltsanalyse, in der die Frage beantwortet werden soll, ob die aus einer assimilierten jüdischen Familie stammende Dichterin Elsa Lasker-Schüler eine jüdische Identität hatte.
Für die Identitätsrekonstruktion wurden drei entscheidende Lebensabschnitte betrachtet: Kindheit und Jugend, literarischer Avantgarde, Vertreibung und Exil.
Für die Werkanalyse von Else Lasker-Schüler wurde die kritische Ausgabe der Werke und Briefe verwendet. Als Quellen biographischer Informationen dienten die Monographien von Sigrid Bauschinger und Kerstin Decker.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Methodik
1.2 Wissenschaftliche Fragestellung
2. Jüdische Identität in der Moderne
3. Kindheit
4. Literarische Avantgarde
5. Vertreibung und Exil
6. Zusammenfassung
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Identitätskonstruktion der deutsch-jüdischen Dichterin Else Lasker-Schüler unter Berücksichtigung ihrer assimilierten familiären Herkunft sowie ihrer verschiedenen Lebensphasen. Dabei wird analysiert, wie sie literarische Avantgarde, religiöse Traditionen und die Erfahrungen von Vertreibung und Exil nutzte, um eine selbstbewusste jüdische Identität zu formen.
- Die Entwicklung einer spezifisch jüdischen Identität im Kontext der Moderne.
- Die Bedeutung der Kindheitserinnerungen für die poetische Selbststilisierung.
- Der Einfluss kulturzionistischer Strömungen auf die Dichterin.
- Die Transformation der Identität durch Flucht und Exilerfahrungen.
- Das Spannungsfeld zwischen Assimilation und jüdischer Traditionsbewahrung.
Auszug aus dem Buch
Mein Volk
Der Fels wird morsch, Dem ich entspringe Und meine Gotteslieder singe.... Jäh stürz ich vom Weg Und riesele ganz in mir Fernab, allein über Klagegestein Dem Meer zu.
Hab mich so abgeströmt Von meines Blutes Mostvergorenheit. Und immer, immer noch der Wiederhall In mir, Wenn schauerlich gen Ost Das morsche Felsgebein, Mein Volk, Zu Gott schreit.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung stellt die Dichterin als bedeutende Vertreterin der Avantgarde vor und erläutert die methodische Herangehensweise sowie die zentrale Fragestellung der Identitätsrekonstruktion.
2. Jüdische Identität in der Moderne: Das Kapitel skizziert den sozio-kulturellen Wandel des Judentums im 18. und 19. Jahrhundert, geprägt durch Aufklärung, Akkulturation und das Aufkommen eines modernen Antisemitismus.
3. Kindheit: Hier werden die autobiografischen Reflexionen der Dichterin analysiert, die ihre Herkunft aus dem assimilierten Bildungsbürgertum und die Rolle der Mutter als literarische Mentorin beleuchten.
4. Literarische Avantgarde: Der Abschnitt widmet sich Lasker-Schülers Integration in die Berliner Boheme, ihrem frühen Mentoring durch Peter Hille und dem Einfluss des Kulturzionismus auf ihre frühe Poetologie.
5. Vertreibung und Exil: Es wird untersucht, wie die Dichterin im Exil auf Entfremdung, das Schwinden der Heimat und die zunehmende Bedrohung durch den Nationalsozialismus in ihrer Lyrik reagiert.
6. Zusammenfassung: Dieses Kapitel fasst die wesentlichen Erkenntnisse über die Identitätsentwicklung der Dichterin zusammen, insbesondere die Rolle des jüdischen Erinnerungsgebots.
7. Fazit: Das Fazit bestätigt, dass Else Lasker-Schüler zeitlebens eine ausgeprägte jüdische Identität bewahrte, die sie trotz der traumatischen Erfahrungen der Vertreibung in ihrem Werk festigte.
Schlüsselwörter
Else Lasker-Schüler, Jüdische Identität, Literarische Avantgarde, Exilliteratur, Kulturzionismus, Assimilation, Kindheitserinnerungen, Berlin, Antisemitismus, Moderne, Hebräische Balladen, Identitätsrekonstruktion, Tradition, Religiösität, Literaturwissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert das Leben und Werk von Else Lasker-Schüler mit dem Fokus auf die Entwicklung ihrer jüdischen Identität in verschiedenen Epochen ihres Lebens.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Schwerpunkten gehören der Akkulturationsprozess des deutschen Judentums, die Bedeutung der Herkunft und Kindheit sowie der Wandel der Identität durch die Erfahrung von Vertreibung und Exil.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Die Arbeit untersucht, ob die aus einer assimilierten Familie stammende Dichterin eine eigene jüdische Identität ausbilden konnte und wie sich diese im Laufe ihres Schaffens manifestierte.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Verfasserin wendet eine qualitative, strukturierende Inhaltsanalyse an, basierend auf der kritischen Ausgabe der Werke und Briefe der Dichterin sowie relevanter biographischer Monographien.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Lasker-Schülers Kindheit, ihrem Wirken in der literarischen Avantgarde Berlins und ihrer späteren Situation im Exil, illustriert durch ihre Gedichte und Prosatexte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Die zentralen Begriffe umfassen Jüdische Identität, Avantgarde, Kulturzionismus, Exilliteratur, Assimilation und Erinnerungsgebot.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des Vaters im Vergleich zur Mutter?
Die Mutter wird als kultivierte Lehrerin und Vermittlerin von Literatur dargestellt, während der Vater als bürgerliche, oft weniger religiös orientierte Figur dient, die Lasker-Schüler jedoch literarisch für eine genealogische Auseinandersetzung mit ihren Vorfahren nutzt.
Warum spielt der Begriff "Exil" eine solch zentrale Rolle in der späten Lyrik?
Das Exil wird nicht nur als geografischer Ort verstanden, sondern als religiöse und existenzielle Erfahrung, in der die Dichterin ihre Einsamkeit und das Fehlen einer Heimat durch eine verstärkte Rückbesinnung auf religiöse Texte und das Gebot der Nächstenliebe zu bewältigen versucht.
- Citation du texte
- Michael Kuckhoff (Auteur), 2021, Else Lasker-Schülers jüdische Identität zwischen literarischer Avantgarde, Vertreibung und Exil, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1133608