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Nachrichtenwert-Theorie

mit Fallanalyse Marco W.

Title: Nachrichtenwert-Theorie

Seminar Paper , 2007 , 16 Pages , Grade: 2

Autor:in: Mattias Wohlleben (Author)

Communications - Theories, Models, Terms and Definitions
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Am 23.6.2007 berichtete unter anderem die BILD- Zeitung über den Fall des 17-jährigen Marco W. Zu diesem Zeitpunkt war er bereits seit 73 Tagen in türkischer Haft, weil ihn die Eltern einer minderjährigen Urlaubsbekanntschaft des sexuellen Missbrauchs angeklagt hatten. Der Fall bekam in Deutschland große Aufmerksamkeit in den Medien. Da es zahlreiche ähnliche Fälle gibt, denen weit weniger Beachtung geschenkt wird, soll im Folgenden untersucht werden, welche besonderen Merkmale Grund für die Publikationsentscheidung sein könnten. Welche Einflussfaktoren spielten im Selektionsprozess der Journalisten eine Rolle? Warum wurde dem Ereignis eine so große Aufmerksamkeit zuteil? Und warum wurde der Fall erst zehn Wochen nach der Inhaftierung von Marco W. für publikationswürdig befunden? Diese Fragen sollen mit Hilfe der Theorien der europäischen Kommunikationsforschung geklärt werden. Aus den vier wesentlichen Forschungsrichtungen „Gatekeeper-Forschung“, „News-Bias-Forschung“, dem „Framing-Konzept“ und der „Nachrichtenwert-Theorie“ soll letztere in dieser Arbeit herangezogen werden um die gestellten Fragen zu klären. Zunächst werden die theoretischen Anfänge sowie ihre Weiterentwicklung und empirische Validität aufgeführt. Diese soll insofern Beachtung finden, da geprüft werden soll, inwieweit sich die Publikation des Ereignisses Marco W. mithilfe der Nachrichtenwert-Theorie erklären lässt. Sofern dies möglich ist, soll schließlich eine Antwort auf die eingangs gestellten Fragen gegeben werden. „Die Nachrichtenwert-Theorie beschäftigt sich im Gegensatz zur ‚Gatekeeper’-Forschung nicht mit den Eigenschaften der Journalisten [...], sondern setzt bei den Medieninhalten an, von denen auf die Selektionskriterien der Journalisten ge- schlossen wird”. Das erste konkrete Konzept hierzu lieferte Walter Lippmann.

1922 erschien dessen Arbeit “öffentliche Meinung”, in der Lippmann davon ausgeht, dass es unmöglich sei, die komplexe Realität vollständig zu erfassen. Daher tendierten Menschen dazu, sie durch Stereotypen zu vereinfachen. Für Journalisten bedeute dies, dass sie bei der Nachrichtenselektion bestimmte “news values” festlegen. Diese Nachrichtenwerte bezeichnen spezifische Merkmale eines Ereignisses, die es für Journalisten berichtenswert machen. Die Festlegung dieser Nachrichtenwerte führt nach Lippmann zu einer Verzerrung.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Anfänge der Nachrichtenwert-Theorie

3. Weiterentwicklung der Nachrichtenwerttheorie

4. Auswahl des geeigneten Nachrichtenfaktorenkataloges

5. Der Fall Marco W.

6. Analyse des Falls Marco W.

7. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht anhand des Falls „Marco W.“ die Mechanismen der journalistischen Nachrichtenselektion und analysiert, welche spezifischen Nachrichtenfaktoren zur hohen Medienaufmerksamkeit in diesem Fall beigetragen haben.

  • Analyse der theoretischen Grundlagen der Nachrichtenwert-Theorie
  • Vergleich und Anwendung verschiedener Nachrichtenfaktorenmodelle
  • Untersuchung der Rolle der BILD-Zeitung als meinungsführendes Medium
  • Identifikation der relevanten Faktoren für die Publikationsentscheidung im Fall Marco W.
  • Unterscheidung zwischen Kausalmodell und Finalmodell der Nachrichtenauswahl

Auszug aus dem Buch

6. Analyse des Falls Marco W.

Zur Dimension Zeit

Die Nachrichtenfaktoren Dauer und Thematisierung sind stark ausgeprägt, da bereits im ersten Abschnitt der BILD-Zeitung auf die schon 73 Tage andauernde Haft hingewiesen wird (ebenso in der Hamburger Morgenpost).

Dies mag eine Ursache für die Publikationswürdigkeit sein, doch scheint sie viel stärker bewusst durch die Journalisten eingesetzt zu sein, um einen Grund für die Wichtigkeit dieser Publikation zu liefern.

Zur Dimension Nähe

Wie schon Galtung und Ruge feststellten, ist eine große kulturelle Distanz (hier: stark ausgeprägt) ein besonders starker Nachrichtenfaktor, der hier mit politischer und räumlicher Distanz korreliert. Dabei ist sowohl eine „große“ politische Distanz (in Form der Strenge der türkischen Verfassung) als auch die Relevanz des Ereignisses in Frage zu stellen, da Rechtsexperten dazu bemerkten, dass die Vorgehensweise der türkischen Rechtssprechung der deutschen ähnlich sei und somit die Relevanz nicht größer sei, als ein derartiges Ereignis hierzulande. Es ist also zu vermuten, dass abermals die Intendierung der Journalisten zur Nachrichtenselektion führte und dem Ereignis Nachrichtenwert durch eine fingierte Fremdheit des Ereignisses verlieh. Wichtiges Kriterium war wahrscheinlich auch der große Anteil von Türken an der Bevölkerung Deutschlands, deutlich weniger dagegen die britische Nationalität des mutmaßlichen Opfers.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Darstellung der Problemstellung und Einführung in den Fall Marco W. unter Einbeziehung der Theorien der europäischen Kommunikationsforschung.

2. Anfänge der Nachrichtenwert-Theorie: Historische Herleitung des Nachrichtenwert-Konzepts beginnend bei Walter Lippmann und Erläuterung grundlegender Nachrichtenfaktoren.

3. Weiterentwicklung der Nachrichtenwerttheorie: Vorstellung der Ansätze von Östgaard sowie Galtung und Ruge inklusive der zentralen Hypothesen zur Nachrichtenselektion.

4. Auswahl des geeigneten Nachrichtenfaktorenkataloges: Begründung für die Wahl des Schulz-Modells als Standardinstrument zur Analyse des vorliegenden Einzelfalls.

5. Der Fall Marco W.: Deskriptive Zusammenfassung der medialen Berichterstattung und der Hintergründe des Falls Marco W.

6. Analyse des Falls Marco W.: Anwendung der theoretischen Dimensionen (Zeit, Nähe, Status, Dynamik, Valenz, Identifikation) auf das Fallbeispiel.

7. Fazit: Synthese der Ergebnisse und Beantwortung der Forschungsfrage zur Publikationswürdigkeit des Falls.

Schlüsselwörter

Nachrichtenwert-Theorie, Nachrichtenfaktoren, Nachrichtenselektion, Marco W., BILD-Zeitung, Gatekeeper-Forschung, Kausalmodell, Finalmodell, Publizistik, Medienwirksamkeit, Journalismus, Nachrichtenforschung, Instrumentelle Aktualisierung, Medienethik, Nachrichtenwert.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die hohe Medienresonanz im Fall des inhaftierten Deutschen Marco W. im Jahr 2007 auf Basis der kommunikationswissenschaftlichen Nachrichtenwert-Theorie.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die journalistischen Selektionskriterien, die Bedingungen für die Publikationswürdigkeit von Ereignissen sowie die Rolle der Presse bei der Konstruktion von Wirklichkeit.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu klären, welche spezifischen Nachrichtenfaktoren dazu führten, dass über diesen speziellen Fall überdurchschnittlich stark berichtet wurde, obwohl ähnliche Ereignisse oft weniger Beachtung finden.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine inhaltsanalytische Fallstudie durchgeführt, bei der ein etablierter Nachrichtenfaktorenkatalog auf einen konkreten Zeitungsartikel angewendet wird.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung der Nachrichtenwert-Forschung und eine anschließende empirische Analyse des Falls Marco W. entlang der Dimensionen Zeit, Nähe, Status, Dynamik, Valenz und Identifikation.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Nachrichtenwert-Theorie, Nachrichtenselektion, Nachrichtenfaktoren, Kausalmodell und Finalmodell.

Wie unterscheidet der Autor zwischen Kausalmodell und Finalmodell?

Das Kausalmodell sieht Nachrichtenfaktoren als natürliche Ursache für die Selektion, während das Finalmodell davon ausgeht, dass Journalisten Nachrichtenfaktoren gezielt einsetzen (intendieren), um Ereignissen einen Nachrichtenwert zu verleihen.

Welche Rolle spielt die BILD-Zeitung in dieser Untersuchung?

Die BILD-Zeitung fungiert als zentraler Untersuchungsgegenstand, da sie als meinungsführendes Medium gilt, das den Nachrichtenwert für andere Medien maßgeblich beeinflussen kann.

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Details

Title
Nachrichtenwert-Theorie
Subtitle
mit Fallanalyse Marco W.
College
Johannes Gutenberg University Mainz  (Institut für Publizistik)
Course
Grundbegriffe und Forschungsfelder der Publizistikwissenschaft
Grade
2
Author
Mattias Wohlleben (Author)
Publication Year
2007
Pages
16
Catalog Number
V113380
ISBN (eBook)
9783640141845
ISBN (Book)
9783640141937
Language
German
Tags
Nachrichtenwert-Theorie Grundbegriffe Forschungsfelder Publizistikwissenschaft Medienwirkungstheorie Publizistik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Mattias Wohlleben (Author), 2007, Nachrichtenwert-Theorie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113380
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