Die Religionspolitik Karls V. unter dem Einfluss der Reichsstände


Hausarbeit, 2017

12 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vom Wormser Edikt zum Augsburger Reichstag
2.1. Die religionspolitische Sichtweise Karls V
2.2. Der Wormser Reichstag von 1521
2.3. Die Reichstage von Nürnberg und Speyer
2.4. Der Augsburger Reichstag von 1530
2.4.1. Auftakt und Ausschussverhandlungen
2.4.2. Der Religionsabschied von Augsburg

3. Konklusion

4. Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Mit der Veröffentlichung der lutherischen Thesen im Jahr 1517 begann ein sich über Jahrzehnte erstreckender Umbruch in Europa. Der noch junge Kaiser Karl V. strebte die „Monarchia Universalis“ mit seinem Reich an, das schon große Teile der Welt umfasste1. Trotz dieser Maxime, welche auch Einigkeit in der Religionsfrage erforderte, weist die Religionspolitik des Habsburgers über die Jahre hinweg unklare Züge auf. Über eine Periode vieler Reichstage hinweg zeichneten sich gleichermaßen Momente der Entschlossenheit und des Revidierens und Entgegenkommens ab2. Die Parallelexistenz zweier christlicher Konfessionen bedeutete jedoch zugleich eine Differenzierung des weltumfassenden Großreichs.

Auch die umfassenden Einflüsse der Stände schufen die vermeintlich unscharfen Konturen der Religionspolitik des Kaisers. Um also zu verstehen, wie sich der Kurs des Habsburgers einstellte, lohnt es sich, die Interessen der Fürsten und Kurfürsten genauer zu betrachten. Als geeignete Eckdaten einer solchen Analyse erscheinen die Reichstage von Worms 1521, sowie die Nachwirkungen des Wormser Edikts auf dem Nürnberger Reichstag von 1522, Speyer 1526 und Augsburg 1530. Während Karl V. in Worms und Augsburg selbst anwesend war, liefern auch die bisherigen Untersuchungen zu Speyer eine ausreichende Grundlage für die Analyse des Zusammenspiels von Ständen und kaiserlicher Vertretung3. Dabei soll gezeigt werden, inwieweit die Stände dazu in der Lage waren, den religionspolitischen Kurs des Kaisers zu beeinflussen.

2. Vom Wormser Edikt zum Augsburger Reichstag

2.1. Die religionspolitische Sichtweise Karls V.

Zunächst ist es wichtig, den religionspolitischen Ansatz des Kaisers möglichst genau zu definieren. In einem Brief an Charles de Poupet aus dem Jahr 1522 sah sich der junge Herrscher als „erster Fürst der Christenheit, als wahrer Beschützer und Verteidiger des hl. Glaubens und der christlichen Religion, als Anwalt und ältester Sohn unserer Mutter, der hl Kirche“4. Dies verdeutlicht die große Bedeutung der Religionspolitik für Karl V., der selbst den Anspruch hatte, die Einheit des Glaubens zu wahren. Neben der großen Instruktion von 1519 war es die Absage gegen die Ketzerei, die sein politisches Handeln dominierte5.

Gerne versuchte der Kaiser, diesen Grundzug seines Bestrebens nach außen zu tragen und darauf eine vermeintlich klar konturierte Religionspolitik zu gründen. Während des Wormser Reichstags wird dies geradezu beispielhaft deutlich, als ihn die „Oblatio sive protestatio“ Luthers erreichte. Das öffentliche Zerreißen vor dem Plenum des Reichstags am 6. Februar 1521 ist als symbolischer Akt zu verstehen6. Die historischen Interpretationen dieser Geste verweisen nicht alle auf eine klar ablehnende Haltung gegenüber der protestantischen Lehre. Während Wilhelm Borth darin die endgültige Distanzierung von einer pro-lutherischen Reichspolitik sieht7, verweist Armin Kohnle darauf, dass dies keineswegs „den Verzicht auf eine flexible Politik in dieser Frage“ bedeuten musste8.

Eine starke Beeinflussung erfuhr die kaiserliche Religionspolitik schon vor dem Wormser Reichstag durch den päpstlichen Nuntius Aleander. Dieser setzte sich schon vor dem Beginn des Wormser Reichstags vehement für den Erlass eines kaiserlichen Achtmandats ein und verkörperte damit einen strikteren Ansatz, als die Reichsstände9. An vielen Punkten fällt es deshalb schwer, zwischen eigenen Ansichten Karls V. und von außen herangetragenen Perspektiven zu trennen. Seine Rechtgläubigkeit entsprang vielmehr aus dynastischen Traditionen und dem Glauben seiner Vorfahren, als den päpstlichen Vorgaben, wie sie ihm durch Aleander vorgetragen wurden10.

2.2. Der Wormser Reichstag von 1521

Der Reichstag zu Worms im Jahr 1521 bedeutete den ersten Kontakt zwischen Luther, Kaiser und Reichsständen. Noch im Vorjahr lehnte Karl V. ein Verhör Luthers in Worms ab, und demonstrierte dabei eine abgeneigte Haltung zur Glaubensfrage11. Die unklare Linie, welche in dieser Frage verfolgt wurde, zeigt sich auch an der Stellung der Causa Lutheri12 innerhalb des Reichstags. Bei der Eröffnung war noch nicht entschieden, ob sie überhaupt Gegenstand der Verhandlung werden würde13. Die Reichsstände entfalteten ihre kirchenpolitische Macht im Folgenden überwiegend auf dem Gebiet der kirchlichen Missstände. Dies offenbarte sich in der Zusammenstellung der „100 Gravamina der deutschen Nation“14, welche sie dem Kaiser übermittelten, der sich beim Papst um ihre Abstellung einsetzen sollte15. Darin zeigten sich klare Konfliktlinien zur kaiserlichen Politik, die ihrerseits keinerlei Abweichungen von alten kirchlichen Traditionen zuließ, wie sie mit den Gravamina eingefordert wurden.

Besonders während des Wormser Reichstags kam der Einfluss der Stände auf die religionspolitischen Entwicklungen deutlich zum Ausdruck. Ein zum 15. Februar 1521 ausgearbeiteter Entwurf beschreibt die Verurteilung Luthers Ketzerei. Der Kaiser selbst definierte darin erneut seine Rolle als Schützer des Glaubens und der Kirche16. Es entwickelte sich eine Kontroverse darüber, ob der Kaiser durch seine Amtsgewalt berechtigt sei, das Achtmandat der Lutheraner zu erlassen17. Die anschließende Entscheidung, es zuvor den Ständen vorzulegen, setzte jedoch die ursprüngliche Kraft des Mandats außer Kraft. Wilhelm Borth sieht darin wiederum die Absicht, „die Stände zu Beginn eines so wichtigen Reichstags“ in Anbetracht der brisanten Religionsfrage „nicht zu brüskieren“ und in dieser zentralen Frage zu übergehen18. Der Einfluss der Stände offenbarte sich in einer ersten Ablehnung des kaiserlichen Entwurfs am 19. Februar 1521, weshalb es der kaiserlichen Politik ratsam erschien, weitere Konfrontationen mit den Ständen auf dem Reichstag zu vermeiden19. Die ständische Ablehnung des Entwurfs Karls V. und die Forderung nach einem Verhör Luthers sieht Borth als einen prinzipiellen Anspruch auf Mitsprache beim Erlass des Mandats20. Dies würde bereits im Jahr 1521 eine monumentale Einwirkung auf die kaiserliche Religionspolitik bedeuten. Ebenso plausibel erscheint jedoch die ständische Begründung ihrer Protestation, dass der Einfluss des Mandats beim gemeinen Mann für Unruhe und Empörung sorgen würde21. Nach der Vorladung Luthers, dessen Einreise nach Worms als triumphal22 beschrieben wird, könnte sich diese Meinung der Stände weiter bestärkt haben. Denn eine konsequente Unterdrückung der lutherischen Thesen, wie sie durch den kaiserlichen Entwurf des Achtmandats zunächst beabsichtigt war, hätte wohl zu starken Unruhen und Protesten geführt23. Nach dem Verhör Luthers am 17. April zeigte sich der Kaiser aufgrund der konsequenten Haltung des Reformators entschlossener, gegen ihn als Häretiker vorzugehen24. Es folgte der Auftrag für den päpstlichen Gesandten Aleander, ein entsprechendes Mandat zu entwerfen, das dem kaiserlichen Rat vorgelegt werden sollte25.

Als abgeschlossenes Mandat sah das Wormser Edikt vor, Luther gefangen zu nehmen, ihn auszuliefern, seine ketzerischen Schriften zu verbrennen und ihn mitsamt seinen Anhängern und Beschützern der Reichsacht verfallen zu lassen26. Der Kaiser bezog damit klar Stellung gegen Luther und seine Anhänger27. Aufgrund des Edikts, welches wiederum eine Religionspolitik mit harter Hand bedeutete, schien der Habsburger im Laufe der Verhandlungen die Grundzüge seiner Politik zu korrigieren, die nun der eher vorsichtigen Herangehensweise der Reichsstände entgegenstanden28. Doch die vorhergegangene Ablehnung der kaiserlichen Entwürfe und die erfolgreiche Forderung nach einem Verhör Luthers lassen den Schluss zu, der erste Reichstag Karls V. sei trotz des harten Vorgehens gegen Luthers von ständischen Tendenzen beherrscht gewesen29. Im Hinblick auf den Verlauf des Wormser Reichstags offenbart sich damit der bedeutende Einfluss der Reichsstände.

Das Reichsregiment selbst war danach nicht in der Lage, das Edikt mit seiner Unterdrückung der lutherischen Lehre und Schriften durchzusetzen. Doch nur Karl V. hatte die Macht, es zu revidieren30. Es galt die uneingeschränkte Befolgung des Edikts, die er in den kommenden Jahren mehrfach einfordert31. Selbst die Tatsache, dass sein politischer Fokus zu dieser Zeit dem Aufstand in Spanien und der andauernden militärischen Auseinandersetzung mit Frankreich galt, führte zu keiner Unnachgiebigkeit hinsichtlich der Religionspolitik32.

2.3. Die Reichstage von Nürnberg und Speyer

Mit der weiteren Ausbreitung der reformatorischen Bewegung wuchs der Druck auf den Kaiser, Zugeständnisse an die Protestanten zu machen. Als der päpstliche Nuntius Chieregati mit seiner zweiten Rede im Dezember 1522 vor den 2. Nürnberger Reichstag trat, ermahnte er vor allem Fürsten und Stände, dem Wormser Edikt nun Gehorsam zu verschaffen33. Aus der Antwort der Stände, welche am 6. Februar 1523 folgte, geht die Befürchtung einer Empörung der Massen gegen die Obrigkeit als unvermeidliche Folge der Durchsetzung des Edikts hervor. Daraus leiteten vor allem die lutherischen Stände die Forderung eines Nationalkonzils als einzigen Alternative zu einer Eskalation ab34. Ein Ständebeschluss zu Beginn des Jahres 1523 erklärte das Wormser Edikt aus diesem Grund für undurchführbar35. Karl V. folgte dieser Argumentation und der Forderung eines Konzils nicht, welche in der gesamten lutherischen Bewegung großen Anklang fand36.

[...]


1 Vgl. Lutz: Reformation und Gegenreformation. S. 145f.

2 Vgl. Hartung: Karl V. und die deutschen Reichsstände von 1546-1555. S. 7f.

3 Vgl. Lutz: Reformation und Gegenreformation. S. 151.

4 Vgl. Kohler (Hg.): Quellen zur Geschichte Karls V. S. 102.

5 Vgl. Hartung: Karl V. und die deutschen Reichsstände von 1546-1555. S. 7.

6 Vgl. Skalweit: Reich und Reformation. S. 137.

7 Vgl. Borth: Die Luthersache. Causa Lutheri. S. 106.

8 Vgl. Kohnle: Reichstag und Reformation. S. 86.

9 Vgl. Borth: Die Luthersache. Causa Lutheri. S. 103ff.

10 Vgl. Kohnle: Reichstag und Reformation. S. 95.

11 Vgl. ebd. S. 86.

12 Bezeichnung für die religionspolitischen Verhandlungen, insbesondere um die Verhängung der geforderten Reichsacht gegen Luther; vgl. Borth: Die Luthersache. Causa Lutheri. S. 129f.

13 Vgl. Kohnle: Reichstag und Reformation. S. 86. und Brecht: Martin Luther. S. 413.

14 Beschwerden über die kirchlichen Missstände; vgl. Borth: Die Luthersache. Causa Lutheri. S. 144f.

15 Vgl. Borth: Die Luthersache. Causa Lutheri. S. 144.

16 Vgl. Kohnle: Reichstag und Reformation. S. 90.

17 Vgl. Borth: Die Luthersache. Causa Lutheri. S. 106.

18 Vgl. ebd. S. 106f.

19 Vgl. Kohnle: Reichstag und Reformation. S. 91.

20 Vgl. Borth: Die Luthersache. Causa Lutheri. S. 111f.

21 Vgl. Lutz: Das Reich, Karl V. und der Beginn der Reformation. In: Beiträge zur neueren Geschichte Österreichs. S. 54f.

22 Vgl. Brecht: Luther. S. 472f.

23 Vgl. Kohnle: Reichstag und Reformation. S. 94.

24 Vgl. ebd. S. 95.

25 Vgl. ebd. S. 99.

26 Vgl. Borth: Die Luthersache. Causa Lutheri. S. 123. und Kohler: Von der Reformation zum westfälischen Frieden. S. 29f.

27 Vgl. Lutz: Kaiser, Reich und Christenheit. In: Historische Zeitschrift. Bd. 230, S. 67.

28 Vgl. Kohnle: Reichstag und Reformation. S. 99.

29 Vgl. Hartung: Karl V. und die deutschen Reichsstände von 1546-1555. S. 2.

30 Vgl. ebd. S. 4.

31 Vgl. Kohnle: Reichstag und Reformation. S. 259.

32 Vgl. Hartung: Karl V. und die deutschen Reichsstände von 1546-1555. S. 4.

33 Vgl. Skalweit: Reich und Reformation. S. 168. und Kohnle: Reichstag und Reformation. S. 118.

34 Vgl. Skalweit: Reich und Reformation. S. 169.

35 Vgl. Borth: Die Luthersache. Causa Lutheri. S. 140.

36 Vgl. Skalweit: Reich und Reformation. S. 169.

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Details

Titel
Die Religionspolitik Karls V. unter dem Einfluss der Reichsstände
Hochschule
Universität Stuttgart
Note
1,0
Jahr
2017
Seiten
12
Katalognummer
V1133830
ISBN (eBook)
9783346509581
ISBN (Buch)
9783346509598
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Karl V., Reichsstände, Wormser Reichstag, Religionspolitik
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Die Religionspolitik Karls V. unter dem Einfluss der Reichsstände, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1133830

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