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Protestantisch vs. Katholisch in Nordirland:

Religiöse Konfliktdimension oder soziale Kategorisierung?

Titre: Protestantisch vs. Katholisch in Nordirland:

Dossier / Travail de Séminaire , 2008 , 22 Pages , Note: 1,0

Autor:in: Bachelor of Arts Johannes Maaser (Auteur)

Sociologie - Religion
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„Die Semantik der Moderne setzt vor allem ein kulturell hochspezifisches Temporalschema voraus. Dieses platziert sich gegen die Vorstellung einer grundsätzlichen Konstanz und Wiederholung der Struktur der Humanwelt in der Zeit ebenso wie gegen Modelle zyklischer Geschichte. Es differenziert vielmehr – darin ein christlich-jüdisches Zeitmodell säkularisierend – eindeutig zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, interpretiert die Vergangenheit im Lichte des Gegenwärtigen und Zukünftigen, als dessen Vorstufe es erscheint, und lädt diese unterschiedlichen Zeitperioden mit spezifischen historischen Bedeutungen auf.“ (Bonacker/Reckwitz, 2007. S.8) So lässt sich Erklären, dass eine Konfessionszugehörigkeit vormals Ausdruck ei-ner spezifischen persönlichen und kollektiven Religiosität gewesen sein kann und im Kontext der heutigen gesellschaftlichen Konstellation – durch die Transformation von (sprachlichen) Bedeutungen bzw. (Wert)Inhalten – zu einem primordialen, quasi-natürlichen Merkmal geworden ist, das sich nicht mehr überwiegend durch die Identifikation mit religiösen Überzeugungen und Weltbildern, sondern vermehrt durch Bezugnahme auf ethnische Parameter artikuliert. Im Sinne dieser Leitthese habe ich in dieser Arbeit der Auseinandersetzung mit der sozialen Situation in Nordirland (Kapitel IV.) einen theoretischen Teil vorangestellt, in welchem ich die Konzeption von Identitäten (Kapitel II.), sowie die damit verknüpften Folgen der (sprachlichen) Konstruktion einer Bedrohung (Kapitel III.) skizzieren werde. Abschließend soll ein knapper Ausblick auf die mögliche Beschaffenheit einer erfolgreichen Konfliktregelung gewagt werden (Kapitel V.).

Extrait


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Identität und Differenz: Konstruktion und Funktion ethnisch definierter Identitäten

II.I Kriterien von Identitäten

II.II Grenzziehung und Distinktion

II.III Innen-Außen-Grenzen: Die Erzählung vom Selbst

II.IV Funktion der Identität

III. „Securitization“: Der Mechanismus des Sicherheitsdiskurses

III.I Die Konstruktion des bedrohlichen Anderen

III.II „The word security is the act…”: Der Sicherheitssprechakt

IV. Religion als Marker sozialer Identitäten

IV.I Die Soziale Bruchlinie der Konfessionen

IV.II „Sag, wie hältst du´s mit der Religion…?“

V. Ausblick: Die Institutionalisierung des Konflikts – Chance zur Konstruktion einer neuen Nordirischen Identität?

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht den Nordirlandkonflikt unter einer kulturwissenschaftlichen Perspektive und analysiert dabei, wie religiöse Identitätsmarkierungen als quasi-ethnische Schemata konstruiert und durch Sicherheitsdiskurse instrumentalisiert werden. Ziel ist es, die Mechanismen der Identitätsbildung und der diskursiven Ausgrenzung zu dekonstruieren, anstatt lediglich die politischen Abläufe des Konflikts darzustellen.

  • Theoretische Konzeption von Identität und Grenzziehung
  • Analyse des Sicherheitsdiskurses („Securitization“)
  • Die Rolle der Konfession als Marker sozialer Identität
  • Soziale Segregation in Nordirland (Wohnen, Arbeitsmarkt, Bildung)
  • Perspektiven einer Konfliktregelung und Identitätstransformation

Auszug aus dem Buch

II.III Innen-Außen-Grenzen: Die Erzählung vom Selbst

Aufbauend auf der oben dargelegten Definition einer ethnischen Gruppe, erfolgt die Konstruktion ethnischer Identitäten durch die Aufstellung einer Dichotomie, d.h., dass Identifikationsmuster einem antagonistischen Prinzip folgen: Die Abgrenzung der eigenen Identität richtet sich gegen die andere Nation, die andere Kultur, die andere Religion bzw. Konfession oder letztlich einfach gegen die andere „Gruppe“. So erfolgt die Konstruktion des eigenen, kollektiven „Ich“ durch die Vorstellung einer fundamentalen Differenz zu einem Anderen.

In einem postmodernen Verständnis ist dabei das „Selbst“ und das „Andere“ nur durch den sprachlichen Akt der Gegenüberstellung existent (vgl. Dietz, 2005. S.189). Daraus folgt, dass erst die stereotype Vorstellung des „Anderen“ die Möglichkeit der Definition des „Selbst“ bietet. David Campbell spricht in diesem Zusammenhang von einer „ontological presumption“ (Campbell, 1998. S.14).

Der Prozess der Definition einer Gruppenidentität verläuft, dem Ansatz Foucaults folgend, über narrative Diskurse. In diesen Diskursen herrscht eine vermeintliche Einigkeit über die Form der Gruppenidentität, darüber, welche Kriterien als Kennzeichen einer bestimmten Gruppe gelten. Diese diskursive Praxis beinhaltet notwendigerweise die Etablierung einer bestimmten Geschichtsschreibung. „Identität“ kann sich dabei nicht außerhalb von Repräsentation oder von Diskursen befinden. So formuliert Stuart Hall: „Identität ist eine Erzählung (narrative) vom Selbst; sie ist die Geschichte (story), die wir uns vom Selbst erzählen, um zu erfahren, wer wir sind.“ (Hall, 1999. S. 94)

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Die Einleitung legt den theoretischen Rahmen fest und positioniert den Nordirlandkonflikt als Identitätskonflikt, wobei die kulturelle Dimension der konfessionellen Spaltung im Fokus steht.

II. Identität und Differenz: Konstruktion und Funktion ethnisch definierter Identitäten: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen ethnischer Identität, Grenzziehung und die diskursive Konstruktion des „Selbst“ gegenüber dem „Anderen“.

III. „Securitization“: Der Mechanismus des Sicherheitsdiskurses: Hier wird der Ansatz der „Securitization“ angewandt, um zu erklären, wie Sicherheitsdebatten und Bedrohungsszenarien Identitäten stabilisieren und Machtverhältnisse legitimieren.

IV. Religion als Marker sozialer Identitäten: Das Kapitel analysiert die reale soziale Segregation in Nordirland und zeigt auf, dass Religion primär als Identitätsmarker dient, der soziale Bruchlinien zementiert.

V. Ausblick: Die Institutionalisierung des Konflikts – Chance zur Konstruktion einer neuen Nordirischen Identität?: Abschließend wird das Friedensabkommen bewertet und diskutiert, ob eine Transformation des politischen Klimas langfristig neue Identitätsformen ermöglichen kann.

Schlüsselwörter

Nordirlandkonflikt, Identität, Ethnizität, Securitization, Sicherheitsdiskurs, Konfession, Segregation, Konstruktivismus, Grenzziehung, Politische Kultur, Diskursanalyse, Friedensprozess, Selbstbild, Fremdbild, Identitätskonflikt.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert den Nordirlandkonflikt nicht als rein religiöses Problem, sondern als einen durch Diskurse strukturierten Identitätskonflikt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Konstruktion ethnischer Identitäten, die Theorie der „Securitization“ (Versicherheitlichung) und die sozialen Auswirkungen der konfessionellen Segregation.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, die Mechanismen aufzudecken, durch die Identität im Nordirlandkonflikt konstruiert und zur Abgrenzung sowie Machtausübung instrumentalisiert wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor nutzt postmoderne sprachtheoretische Ansätze und eine diskursanalytische Perspektive, um die gesellschaftlichen Identitätsmuster zu dekonstruieren.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Überlegungen zu Identität und Sicherheit sowie deren konkrete Anwendung auf die soziale Situation und die Segregation in Nordirland.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Identität, Securitization, konfessionelle Segregation, Nordirlandkonflikt und diskursive Konstruktion.

Warum wird „Sicherheit“ in der Arbeit als problematisch dargestellt?

Sicherheit wird als ein Sprechakt verstanden, der immer eine Bedrohung von außen voraussetzt, um die eigene Identität zu definieren und so Exklusionsmechanismen zu rechtfertigen.

Welche Rolle spielt das „Belfaster Abkommen“ für die aktuelle Identitätsfrage?

Das Abkommen bot einen Rahmen für die Koexistenz, wird jedoch von verschiedenen Lagern unterschiedlich interpretiert, was den Prozess der Identitätstransformation weiterhin herausfordernd gestaltet.

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Résumé des informations

Titre
Protestantisch vs. Katholisch in Nordirland:
Sous-titre
Religiöse Konfliktdimension oder soziale Kategorisierung?
Université
University of Marburg  (Soziologie)
Cours
Seminar
Note
1,0
Auteur
Bachelor of Arts Johannes Maaser (Auteur)
Année de publication
2008
Pages
22
N° de catalogue
V113439
ISBN (ebook)
9783640139064
ISBN (Livre)
9783640138982
Langue
allemand
mots-clé
Protestantisch Katholisch Nordirland Seminar
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Bachelor of Arts Johannes Maaser (Auteur), 2008, Protestantisch vs. Katholisch in Nordirland:, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113439
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Extrait de  22  pages
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