Sprachentwicklung und Sprachförderung im Vorschulalter


Hausarbeit, 2006

14 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

1. Einführung

2. Sprachentwicklung von Kindern

3. Prinzipien der Sprachförderung

4. Resümee

5. Literaturverzeichnis

1. Einführung

Aufgrund der Tatsache, dass Kinder zunehmend im Bereich Sprache erhebliche Defizite aufweisen, gewann das Thema „Sprachförderung“ immer mehr an Bedeutung. Wissenschaftliche Untersuchungen belegten unabhängig voneinander, dass bei jedem vierten Kind mittelschwere bis schwere Sprachverzögerungen vorlagen. Besonders stark von Sprachdefiziten betroffen, ist die Gruppe der Kinder mit Migrationshintergrund.

In dieser Hausarbeit möchte ich mich auf das Thema „Deutsch als Zweitsprache im Vorschulalter“ konzentrieren.

Denn besonders der besagte Altersabschnitt „Vorschulalter“ oder „Kleinkind“ ist sehr prägend für die Sprachentwicklung. Es ist erstaunlich, wie rasch Kinder den Erwerb einer Sprache meistern. Jedoch können sich in dieser Altersphase, in der sich Sprache so schnell ausprägt, genauso gut Sprachmängel einschleichen. So können z.B. mangelhafte sprachliche Anregung oder Zuwendung während der Phase des Erwerbs sprachlicher Grundkenntnisse und der ersten Phase der sprachlichen Erweiterung und Vertiefung bleibende Sprachschäden verursachen. Diese Defizite können, wenn überhaupt, nur sehr schwer durch gezielte Sprachförderung wieder behoben werden. Dies gilt natürlich für deutsche als auch ausländische Kinder.

Kinder mit Migrationshintergrund, die in zwei Kulturen aufwachsen, müssen jedoch neben ihrer Herkunftssprache, die sich ebenfalls noch nicht vollständig entwickelt haben kann, Deutsch als Zweitsprache parallel erlernen. Neben den zahlreichen positiven Faktoren von Mehrsprachigkeit, müssen sie sich jedoch auch mit den Besonderheiten und Mühen von Bilingualität sehr früh arrangieren. Gezielte Sprachförderungsangebote sollen Kindern mit Migrationshintergrund helfen, ihre Außenposition in unserem Bildungssystem zu überwinden. Es soll eine Basis geschaffen werden, welche Migrantenkindern die Möglichkeit gibt, unter besseren Voraussetzungen Deutsch als Zweitsprache zu erlernen.

Im Folgenden werde ich zunächst auf den Verlauf der Sprachentwicklung, dann auf gezielte Sprachförderung im Kindergarten- und Grundschulalter eingehen.

2. Sprachentwicklung von Kindern

Die ersten Lebensjahre sind für die sprachliche Entwicklung des Kindes entscheidend. Schon nach der Geburt beginnt eine Kommunikation mit der Umwelt, denn der erste Schrei des Neugeborenen, auch wenn es nur ein Reflexverhalten ist, ist eine Mitteilung. Da die Mutter auf diesen Schrei reagiert, beginnt die Sprachentwicklung und Sprachförderung des Kindes. Zunächst ist dieser Kontakt stark von nonverbalen Kommunikationsmustern bestimmt, doch auch schon jetzt spielt die sprachliche Zuwendung eine wichtige Rolle. „Schon im Alter von wenigen Wochen kann ein Baby Stimmen unterscheiden und Stimmungen wahrnehmen“ (Walter, 2003, 12). Im Alter von zwei Monaten versucht es bereits, die Laute der engen Bezugspersonen und gut bekannten Umwelt zu imitieren. Bald darauf, ungefähr ab dem achten Lebensmonat, beginnt das Kind, seine Umgebung mit Lautspielen zu unterhalten. Alle Geräusche, wie zum Beispiel Schmatzen, Gurren, Prusten usw. sind die Grundlage für alle weiteren Laute, die das Kind für die Ausprägung seiner Sprache benötigt. Auch fremd klingende Laute, die in der eigenen Muttersprache nicht vorkommen, sind in diesen Sprechübungen der Kinder enthalten (Maier, 1999, 45). Jedoch speichert das Kind nur die regelmäßig wiederkehrenden Laute und Sprechmelodien, die es in seiner Umgebung hört, in seinem Sprachgedächtnis ab. Sobald nämlich das Kind in seinem Sprachgedächtnis alle muttersprachlichen und bekannten Laute gespeichert hat, werden die nicht gebrauchten Laute aus dem Sprachrepertoire gelöscht. „Diese Selektionsphase ist wohl der Grund, warum wir später eine Fremdsprache nicht akzentfrei sprechen, es fehlt uns einfach der richtige Zungenschlag für die ungewohnten Laute, die in einer Fremdsprache vorkommen können“ (Walter, 2003, 18).

Kinder, die zweisprachig aufwachsen und von Geburt an beide Sprachen hören, speichern in diesem Fall natürlich mehr Laute ab, die im Verlauf des Spracherwerbs geübt werden und somit zum Sprachrepertoire gehören.

Diese Prozesse finden ungefähr bis zum neunten Lebensmonat statt. Die Aussprache einfach zu bildender Laute, wie zum Beispiel „baba“ oder „mama“, beherrscht ein Kind meist mit wenigen Monaten.

Im Anschluss an dieses Entwicklungsstadium kommt die so genannte „Nachlall-Phase“. Das Kind hat alle notwendigen Laute zur Verfügung und imitiert die Laute seiner Mutter oder anderer vertrauten Bezugspersonen.

Im Alter von ungefähr einem Jahr kann das Kind erste Silben und Silbenketten und sogar Worte sprechen. Das „Einwortstadium“ beginnt, das heißt, dass ein Wort stellvertretend für eine oder mehrere Aussagen eingesetzt wird. In dieser Sprachentwicklungsphase ist interessant zu beobachten, dass Kinder viel mehr Worte verstehen, als selbst artikulieren zu können. Komplizierte Laute, wie „z, tz, sch, sp“, werden erst später artikuliert und können manchmal erst im fünften oder sechsten Lebensjahr gebildet werden.

Nicht nur Wörter, sondern auch ein anfängliches Satzbauschema wird immer mehr angeeignet. Nach einer Phase der Einwort und Zweiwortsätze bildet das Kind schnell Sätze mit drei oder mehreren Wörtern. Durch mehrfaches und intensiveres Zuhören bildet sich langsam ein Verständnis für den Satzaufbau. Typisch für diese Phase sind zwar logisch abgeleitete, jedoch grammatikalisch falsche Verbformen. Den Unterschied zwischen starken und schwachen Verben oder die Verwendung des Partizips lernen Kinder nach und nach unbewusst durch stetiges Zuhören und Anwenden (dieses Sprachentwicklungsstadium ist ungefähr ab dem dritten Lebensjahr zu beobachten) (Vgl. Walter, 2003. 32).

Ab dem vierten Lebensjahr hat ein Kind bereits viele Worte und Satzmuster kennengelernt, jedoch ist die Entwicklung der Sprache noch lange nicht abgeschlossen. In der Folgezeit wird sich das Erlernte vertiefen und immer differenzierter zum Ausdruck kommen. Viele neue Erfahrungen werden dazu gewonnen und durch die stetige Verwendung der Sprache die Kommunikationskompetenz immer besser ausgeprägt.

Schließlich ist jedoch zu sagen, dass wenn man von Sprachentwicklung spricht, man davon ausgehen muss, dass dies ein individueller Prozess ist und dieser bei jedem Kind unterschiedlich verläuft. Schon seit 1937 versuchen verschiedene Forschungsteams herauszufinden, welche Faktoren den Spracherwerb unterstützen oder hemmen. Unzählige Untersuchungen wurden durchgeführt, um zum Beispiel die Zusammenhänge zwischen Sprache und Intelligenz/ Rasse/ Schicht/ Erziehungsstil/ Sozialisationsinstanz oder Familienstruktur zu erforschen. „Dass sich aus diesen vielen Mosaiksteinchen trotzdem kein großes, klares Bild zusammensetzen lässt, liegt daran, dass jeder unter „Sprache“ etwas anderes versteht und Sprachfähigkeiten anders misst“ (Götte, 1994, 19). Zahlreiche Linguistiker, Grammatiker, Psycho-, Philo- und Soziologen haben versucht „Sprache“ genauer zu beschreiben, konnten sich jedoch aufgrund ihrer unterschiedlichen Ansichten nicht einigen. „Immerhin ist man sich einig, dass man unterscheiden muss zwischen der tatsächlich geäußerten oder gehörten Sprache und den Sprachkenntnissen, die man „im Kopf“ hat (Götte, 1994, 17). Diese hier benannte Sprachkompetenz ist ein vielschichtiges Regelsystem, das in den ersten Lebensjahren entwickelt wird. So sind zum Beispiel die produktive Kompetenz „das Sprechen“ und die rezeptive Kompetenz „das Hören“ neben der kommunikativen Kompetenz, die befähigt, Sprache der Situation passend einzusetzen, unabdingbare Faktoren für die Entwicklung einer Sprache.

Sprache erlernt jedoch jedes Kind unterschiedlich, da Sprachentwicklung mit vielen anderen Entwicklungsprozessen zusammenhängt (Ulich (Hg.), 2005, 15). So kann zum Beispiel ein Kind mit großen Artikulationsproblemen über einen großen Wortschatz verfügen. Ein großer Wortschatz ist hingegen keine Garantie dafür, dass das Kind gut im Bereich Satzbau (Grammatik) ist und Kommunikationsfähigkeit ist nicht nur abhängig von korrekter Aussprache. Da diese vier Bereiche Wortschatz, Artikulation, Grammatik und Kommunikationsfähigkeit elementare Bestandteile einer jeden Sprache sind, werde ich nun kurz auf diese eingehen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Sprachentwicklung und Sprachförderung im Vorschulalter
Hochschule
Universität zu Köln  (Interkulturelle Pädagogik)
Veranstaltung
Globale Chancengleichheit durch Bildung?
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
14
Katalognummer
V113454
ISBN (eBook)
9783640138173
ISBN (Buch)
9783640667017
Dateigröße
434 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sprachentwicklung, Sprachförderung, Vorschulalter, Globale, Chancengleichheit, Bildung
Arbeit zitieren
Linda Schmitz (Autor), 2006, Sprachentwicklung und Sprachförderung im Vorschulalter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113454

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