Finanzierungsmodelle am Beispiel der Fußball Bundesliga


Diplomarbeit, 2007
45 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Zielsetzung der Arbeit
1.2. Abgrenzung des Themas
1.3. Aufbau der Arbeit und Methodik

2. Hauptteil I – Finanzierung & Alternative Finanzierungsmodelle
2.1. Der Begriff der Finanzierung
2.2. Systematisierungsansätze der Finanzierungsformen
2.3. Außenfinanzierung
2.3.1. Beteiligungsfinanzierung
2.3.1.1. Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)
2.3.1.2. Aktiengesellschaft (AG)
2.3.1.3. Kommanditgesellschaft auf Aktion (KGaA)
2.3.2. Kreditfinanzierung
2.3.2.1. Langfristige Kreditfinanzierung
2.3.2.1.1. Schuldverschreibungen
2.3.2.1.2. Schuldscheindarlehen
2.3.2.1.3. Langfristige Bankkredite
2.3.2.1.4. Langfristige Darlehen von nicht institutionellen Kreditgebern
2.3.2.2. Kurzfristige Kreditfinanzierung
2.3.2.2.1. Handelskredite
2.3.2.2.2. kurzfristige Bankkredite
2.3.2.3. Kreditsubstitute
2.3.2.3.1. Factoring
2.3.2.3.2. Asset Backed Securities
2.3.2.3.3. Leasing
2.4. Innenfinanzierung
2.4.1. Selbstfinanzierung
2.4.1.1. Offene Selbstfinanzierung
2.4.1.2. Stille Selbstfinanzierung
2.4.2. Finanzierung aus Abschreibungen
2.4.3. Finanzierung aus Rückstellungen
2.4.4. Finanzierung durch Kapitalfreisetzung

3. Hauptteil II – Zur Lage der Liga
3.1. Allgemeines
3.2. Erträge der Bundesligisten
3.3. Aufwendungen der Bundesligisten
3.4. Das Risiko des sportlichen Erfolgs
3.5. Die Bilanz der Bundesligisten

4. Hauptteil III – Bewertung der Finanzierungsalternativen für die Bundesliga
4.1. Bewertung der Beteiligungsfinanzierung
4.2. Bewertung der langfristigen Kreditfinanzierung
4.3. Bewertung der kurzfristigen Kreditfinanzierung
4.4. Bewertung der Kreditsubstitute
4.5. Bewertung der Innenfinanzierung

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Beliebtheit der Sportarten in Deutschland in %

Abbildung 2: Gesamtertragsentwicklung im deutschen Profifußball absolut in T€

Abbildung 3: Finanzierungsalternativen nach Mittelherkunft – Grobgliederung

Abbildung 4: Finanzierungsalternativen nach Mittelherkunft – Außenfinanzierung

Abbildung 5: Finanzierungsalternativen nach Mittelherkunft – Innenfinanzierung

Abbildung 6: Bekanntheit der Fußballwettbewerbe in Deutschland in %

Abbildung 7: Zuschauerschnitt pro Spiel

Abbildung 8: Entwicklung der Ertragsarten in der Bundesliga in %

Abbildung 9: Entwicklung der Ertragsarten in der Bundesliga in Millionen Euro

Abbildung 10: Entwicklung der Aufwandsarten in der Bundesliga in Millionen Euro

Abbildung 11: Finanzielle Auswirkungen für Auf- und Absteiger in Millionen Euro

Abbildung 12: Durchschnittliche Erträge der Bundesligisten nach Platzierung in Millionen €

Abbildung 13: Durchschnittliche Aufwendungen der Bundesligisten nach Platzierung in Millionen €

Abbildung 14: Durchschnittliche Bilanzentwicklung (Aktiva) der 1. Bundesliga in Millionen €

Abbildung 15: Durchschnittliche Bilanzentwicklung (Passiva) der 1. Bundesliga in Millionen €

Abbildung 16: Durchschnittliche Verbindlichkeiten der Bundesligisten in Millionen €

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Fußball – die mit Abstand beliebteste Sportart in Deutschland. Laut einer repräsentativen Umfrage von TNS Infratest, in der über 2000 Personen ab einem Alter von 14 Jahren befragt wurden, liegt das Interesse an der Sportart Fußball im Jahr 2007 in Deutschland bei erstaunlichen 53% und damit noch einmal um 4% höher als noch 2002 (49%)[1]. Damit hat der Fußball als einzige der populären Sportarten in diesem Punkt noch zulegen können. Lag z.B. die Formel 1 im Jahr 2002 noch mit dem Fußball in Sachen Beliebtheit gleichauf bei 49%, so war dieser Wert bis ins Jahr 2007 auf 40% gesunken.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Beliebtheit der Sportarten in Deutschland in % (TNS Infratest 2007) – eigene Darstellung

Das wachsende Interesse führt zwangsläufig zu höheren Umsätzen durch steigende Zuschauer- und höhere Werbeeinnahmen, da die Preise für Werbung dem Prinzip von Angebot und Nachfrage unterliegen[2]. Dem entsprechend sind die Preise für Werbeflächen im Profifußball stark von dem Interesse der Öffentlichkeit an dieser Sportart abhängig, was wiederum bedeutet, dass die Preise mit dem Interesse der Öffentlichkeit und damit der Vergrößerung der möglichen Zielgruppe steigen. All das führt zu einer Professionalisierung des Fußballsports[3].

Warum Professionalisierung? Um in diesem wachsenden Markt bestehen zu können, bedarf es entsprechender Investitionen von Seiten der teilnehmenden Vereine. Stadionneubauten oder -erweiterungen, Aufbau und Betrieb einer konkurrenzfähigen Mannschaft, Beschaffung von Merchandisingprodukten sowie Bereitstellung weiterer zusätzlichen Dienstleistungen. Dabei werden inzwischen sehr hohe Summen von den 36 Mitgliedern der 1. und 2. Fußballbundesliga (Profifußball) umgesetzt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Gesamtertragsentwicklung im deutschen Profifußball absolut in T€[4]

Bei einem Gesamtertrag von über 1,5 Milliarden Euro, also durchschnittlich fast 42 Millionen Euro pro Mitglied der 1. und 2. Bundesliga wird deutlich, dass solche Umsätze ohne professionelle Strukturen kaum noch zu bewältigen sind. Diese Entwicklung wird auch daran deutlich, dass eine Vielzahl der eingetragenen Vereine (e.V.), die noch vor wenigen Jahren die deutliche Mehrheit im Profifußball darstellten, inzwischen ihre Profifußballabteilungen ausgegliedert haben und diese nun in Form von Kapitalgesellschaften (z.B. als GmbH oder AG) als alleiniger oder Hauptanteilseigner führen.

Die Vorteile und Gründe für die Ausgliederung sind vielfältig. Sie reichen von der einfachen Begründung des Unwillens sich von der, in vielen Vereinsatzungen verankerten, Gemeinnützigkeit zu distanzieren über die Reduzierung des finanziellen Risikos für den Verein bis hin zu den bereits angesprochenen benötigten professionellen Strukturen.[5]

Ein Kernaspekt für die Notwendigkeit dieser Professionalisierung liegt darin begründet, dass Umsätze wie sie der Profifußball erzielt, entsprechend verwaltet werden müssen. Das „Unternehmen Profifußball“ benötigt einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb[6], besonders um die speziellen Risiken die im Profifußball vorherrschen abzuschätzen und in geeigneter Weise in die Finanzplanungen dieser Fußballunternehmen einfließen zu lassen.

1.1. Zielsetzung der Arbeit

Die Zielsetzung der vorliegenden Arbeit besteht in der Untersuchung der vorherrschenden Finanzierungsformen im Profifußball.

- Welche alternativen Finanzierungsformen stehen im Allgemeinen zur Verfügung?
- Wie risikobehaftet ist das Geschäft mit dem Fußball und wie lässt sich diese besondere Risikostruktur mit den risikobezogenen Eigenschaften der einzelnen Finanzierungsformen in Einklang bringen?
- Wie also sollten die Profifußballklubs im Bezug auf die Wahl der Finanzierungsalternativen vorgehen, und wie tun sie es tatsächlich?

Dies sind Fragen mit denen sich diese Arbeit im Folgenden befassen wird, deren Beantwortung Handlungsempfehlungen für die Klubs darstellen können und letztendlich ein Beitrag zum wachsenden Untersuchungsfeld der Sportökonomie sein sollen.

1.2. Abgrenzung des Themas

Das Themengebiet der Sportökonomie ist ein mindestens ebenso weitläufiges wie das jedes anderen Teilgebiets der Wirtschaftswissenschaften. Daher ist für diese Arbeit eine exakte Abgrenzung des Themas von besonderer Bedeutung.

Eine erste Abgrenzung erfolgte bereits durch die Wahl des Untersuchungsgegenstandes innerhalb der Sportökonomie, wonach diese Arbeit Finanzierungsmodelle am Beispiel der Fußball Bundesliga untersuchen wird. Doch selbst diese bereits durch die Themenwahl vorgenommene Einschränkung lässt noch ein breites Spektrum an möglichen Untersuchungsgegenständen offen und bedarf weiterer Abgrenzung.

Die erste Abgrenzung soll hierbei auf der wirtschaftswissenschaftlichen Seite dieser Arbeit vorgenommen werden. Zwar werden im Folgenden systematisierte wirtschaftstheoretische Einteilungen und Erläuterungen zu alternativen Finanzierungsmodellen vorgenommen, doch sind sie nicht der Kern dieser Arbeit und sollen vor allem als Grundlage für die folgenden Untersuchungen und damit dem Leser zum besseren Verständnis dienen. Diese Arbeit erhebt daher nicht den Anspruch sämtliche mögliche Ausprägungen der dargestellten Finanzierungsalternativen im Detail zu erläutern.

Eine weitere Einschränkung muss aufgrund der Datenlage bezüglich der Allgemeingültigkeit statistischer Daten zur Lage des Profifußballs in Deutschland gemacht werden. Zwar lagen zur Erstellung dieser Arbeit sowohl statistische Daten der Deutschen Fußball Liga (DFL) als auch Primärdaten in Form von Befragungsergebnissen einzelner Bundesligisten vor, doch können gerade die Daten der Primärbefragung nicht als allgemein für alle Bundesligisten gültig angesehen werden, da sich lediglich ein Teil von Ihnen zur aktiven Mitarbeit an dieser Untersuchung bereiterklärt hatte. Die ermittelten Primärdaten sind daher als exemplarisch zu werten.

Weiterhin wird diese Arbeit nicht auf Themen wie die Auswirkungen der FIFA Fußballweltmeisterschaft auf die Lage des deutschen Profifußballs oder ähnliche, das Thema dieser Arbeit berührende Randthemen eingehen. Auch wenn diese im Lichte der aktuellen Ereignisse durchaus von Bedeutung erscheinen, würden sie doch den Rahmen dieser Arbeit sprengen und sollen daher bei der hier zu erarbeitenden Zusammenführung von Theorie und Praxis vernachlässigt werden.

1.3. Aufbau der Arbeit und Methodik

Im ersten Hauptteil der Arbeit wird zunächst eine systematische Annäherung an den Begriff der Finanzierung selbst erfolgen, gefolgt von der Erläuterung einzelner alternativer Finanzierungsformen, die anhand der zuvor erarbeiteten Systematisierung abgearbeitet werden. Weiterhin wird in diesem Teil der Arbeit eine Aussage zu den risikobezogenen Eigenschaften der einzelnen Finanzierungsformen erfolgen.

Der zweite Hauptteil wird sich daraufhin mit der aktuellen Lage der Fußballbundesliga im Sinne der Ist-Situation der Finanzierung befassen. Zu diesem Zweck werden sowohl Daten einer Primärbefragung der Bundesligisten sowie Sekundärdaten der Deutschen Fußball Liga (DFL) ausgewertet werden.

Im dritten Hauptteil werden die erarbeiteten Ergebnisse des ersten und zweiten Hauptteils zusammengeführt und münden schließlich in entsprechenden Handlungsempfehlungen.

2. Hauptteil I – Finanzierung & Alternative Finanzierungsmodelle

In diesem Teil der Arbeit werden zunächst die theoretischen Grundlagen zum Begriff der Finanzierung an sich, sowie der Zusammenhang zwischen der Wahl einer alternativen Finanzierungsform und dem damit verbundenen Risiko erarbeitet.

Zur weiteren Vertiefung seien dem interessierten Leser hier besonders die Werke von Drukarczyk (Finanzierung) und Perridon/Steiner (Finanzwirtschaft der Unternehmung) empfohlen.

2.1. Der Begriff der Finanzierung

Zur systematischen Annäherung an die einzelnen Finanzierungsformen muss zunächst der Begriff der Finanzierung selbst näher untersucht werden. Im klassischen Sinne geht der Finanzierungsbegriff vom bilanziellen Kapital als abstrakter Wertsumme aus.[7] Dieser klassische Ansatz lässt sich allerdings bereits in unterschiedlichen Arten auslegen. Im engsten Sinne kann als Finanzierung lediglich die langfristige Kapitalbeschaffung bezeichnet werden.[8] Im weiteren Sinne kann der am abstrakten Kapital orientierte Finanzierungsbegriff allerdings auch die kurzfristige Kapitalbeschaffung sowie die Rückzahlung beinhalten.[9]

Limitiert man den Begriff „Finanzierung“ allerdings, wie im am abstrakten Kapital orientierten klassischen Ansatz vorausgesetzt, auf eine rein externe Kapitalaufbringung, so wäre unterstellt, dass jede interne Kapitalaufbringung für anstehende Investitionen oder Zahlungen im Allgemeinen keine Finanzierung im eigentlichen Sinne darstellen würde. Bezieht man nun die interne Kapitalaufbringung durch Gewinne, Mittelfreisetzungen, Abschreibungen usw. in den Finanzierungsbegriff ein, bezeichnet man dies als am Realkapital orientierten Finanzierungsbegriff.[10]

Weiterhin hat sich noch ein dritter Ansatz durchgesetzt, der so genannte monetäre Finanzierungsbegriff, der sich im Gegensatz zu den zuvor genannten nicht am Kapital und Vermögen orientiert, sondern Finanzierung als die Summe aller Zahlungsmittelzuflüsse, sowie der beim Zugang nicht monetärer Güter vermiedenen sofortigen Zahlungsmittelabflüsse beschreibt[11]. Dieser Begriff orientiert sich also an den Zahlungsströmen.

2.2. Systematisierungsansätze der Finanzierungsformen

Die verschiedenen Formen der Finanzierung lassen sich nach unterschiedlichen Kriterien einteilen[12]:

1. Nach der Rechtsstellung des Kapitalgebers…

… lassen sich Eigen- bzw. Fremdfinanzierung unterscheiden. Unter Eigenfinanzierung versteht man hierbei die Zuführung und Erhöhung des Eigenkapitals, z.B. durch Einlagen, oder nicht entnommene Gewinne. Fremdfinanzierung beschreibt dem nach die Zuführung von Fremdkapital.

2. Nach der Fristigkeit der Finanzierungsvereinbarung…

… kann man in kurz-, mittel-, und langfristige Finanzierungsformen unterscheiden. Verbindliche Grenzen für eine solche Einteilung fehlen zwar, doch werden im Allgemeinen Kredite mit einer Laufzeit von unter einem Jahr als kurzfristig und solche mit einer Laufzeit von einem bis 4 Jahren als mittelfristig bezeichnet.

3. Nach dem Verhältnis von finanzieller Ausstattung und Finanzbedarf…

… werden Überfinanzierung, Unterfinanzierung und bedarfsadäquate Finanzierung unterschieden. Wie durch die Begriffe bereits suggeriert, liegt eine Überfinanzierung vor, falls die zur Verfügung stehenden Finanzierungsmittel den Kapitalbedarf überschreiten, Unterfinanzierung liegt dagegen vor, fall diese den Kapitalbedarf nicht völlig abdecken. Im Idealfall sind Kapitalbedarf und zur Verfügung stehende Finanzierungsmittel zwei deckungsgleiche Größen. In diesem Fall spricht man von bedarfsadäquater Finanzierung.

4. Nach dem Finanzierungsanlaß…

… kann man in Gründungsfinanzierung (Finanzierungsmaßnahmen bei Gründung eines Unternehmens), Erweiterungsfinanzierung, Umfinanzierung und Sanierungsfinanzierung unterscheiden.

5. Nach der Mittelherkunft…

… unterscheidet man in Außen- und Innenfinanzierung. Hierbei zählen alle Finanzmittel die dem Unternehmen von außen zugeführt werden, also z.B. Einlagen der Unternehmenseigner, Beteiligungen von Gesellschaftern, sämtliches Kreditkapital und auch staatliche Subventionen, zur Außenfinanzierung. Dagegen bezeichnet man sämtliche Finanzierungsalternativen die aus den Umsatzerlösen des Unternehmens erwachsen als Innenfinanzierung. Diese kann sowohl durch Kapitalbildung (Bilanzverlängerung) in Form von Selbstfinanzierung durch erzielte Gewinne, als auch durch die Schaffung von disponiblem Kapital, wie z.B. durch Abschreibungen und Rückstellungen, erfolgen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Finanzierungsalternativen nach Mittelherkunft - Grobgliederung, eigene Darstellung

Im Folgenden soll das Unterscheidungskriterium der Mittelherkunft zur Systematisierung der Finanzierungsalternativen dienen, die in den Abbildungen 3 bis 5 schematisch dargestellt sind. Lediglich im Rahmen der Fremdfinanzierung wird eine weitere Unterscheidung anhand der Fristigkeit der Kapitalüberlassung erfolgen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Finanzierungsalternativen nach Mittelherkunft - Außenfinanzierung, eigene Darstellung[13]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Finanzierungsalternativen nach Mittelherkunft - Innenfinanzierung, eigene Darstellung[14]

2.3. Außenfinanzierung

Wie in Abbildung 4 dargestellt, lässt sich im Rahmen der Außenfinanzierung in Beteiligungs- und Kreditfinanzierung unterscheiden. Diese Begriffe und ihre jeweiligen Ausprägungen sollen im Folgenden näher beschrieben werden.

2.3.1. Beteiligungsfinanzierung

Die Beteiligungsfinanzierung umfasst alle Arten der Beschaffung von Eigenkapital durch Kapitaleinlagen.[15] Dies kann sowohl durch bereits vorhandene also auch durch neu hinzugetretene Gesellschafter geschehen. Sie liegt in jedem Fall bei der Gründung eines Unternehmens in Form der ersten Einlage der Gesellschafter vor, kann aber auch zu jedem späteren Zeitpunkt in Form einer Kapitalerhöhung erfolgen[16].

Die Rechtsform des Unternehmens hat in diesem Bereich entscheidende Bedeutung, da zum einen die Rechtsfolgen, die sich aus der Beteiligung für die Gesellschafter ergeben, je nach Rechtsform unterschiedlich geregelt sind, zum anderen auch die steuerlichen Konsequenzen differieren.

Rufen wir uns in Erinnerung, dass einer der Hauptbeweggründe für die Ausgliederung der Profifußballabteilungen aus den Vereinen die finanzielle Risikominimierung ist, so ist es nicht überraschend, dass Rechtsformen mit unbeschränkter Haftung der Gesellschafter innerhalb der Fußballbundesligen bei der Wahl der Rechtsform durch die ausgliedernden Vereine keine Rolle spielen[17]. Im Folgenden soll daher auf die detaillierte Beschreibung der Rechtsfolgen, die sich aus der Wahl der Rechtsform einer Personengesellschaft oder gar des Einzelkaufmanns ergeben würden, verzichtet, und vielmehr das Augenmerk auf die Kapitalgesellschaften gelegt werden.

2.3.1.1. Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)

Eigentümer der GmbH sind die Gesellschafter. Da zur Gründung einer GmbH lediglich ein Gesellschafter nötig ist, ist diese Rechtsform innerhalb der Fußballbundesligen sehr beliebt und stellt neben den eingetragenen Vereinen den größten Anteil. Nach der Ausgliederung ist der Verein meist alleiniger Gesellschafter seiner Profifußball GmbH.[18]

Dem Aspekt der Risikominimierung wird dabei in sofern Rechnung getragen, dass die durch die Ausgliederung entstandene GmbH lediglich mit ihrem Gesellschaftsvermögen haftet.[19] Da im Gesellschaftsvertrag einer solchen Fußball GmbH meist keine Nachschusspflicht vorgesehen ist, kann der Verein als Gesellschafter der GmbH also maximal seine Einlage (mindestens 25.000 €) verlieren.[20]

Die Beteiligungsfinanzierung in der Fußballbundesliga mit der Wahl der Rechtsform der GmbH ist also nur bedingt als eine wirkliche Finanzierungsmaßnahme zu verstehen. Aus der Sicht des Vereins, der seine Profifußballabteilung ausgliedert, hat kein Kapitalzufluss stattgefunden. Es wurde lediglich eine Abteilung ausgegliedert und damit eine unabhängige juristische Person begründet, deren einziger Gesellschafter der Verein ist.

Aus der Sicht der neu entstandenen Fußball GmbH hat aber selbstverständlich eine Finanzierungsmaßnahme stattgefunden. Durch die Ausgliederung hat der Verein sämtliche Aktiva der Profifußballabteilung auf die GmbH übertragen. Demgegenüber steht als Passiva nun das Stammkapital der GmbH, also die Geschäftsanteile des einzigen Gesellschafters, des Vereins. Aus Sicht der GmbH liegt demnach eine klassische Beteiligungsfinanzierung vor.

Ein klarer Nachteil der Wahl der Rechtsform der GmbH ist allerdings die beschränkte Möglichkeit des Vereins die Gesellschaftsanteile der GmbH zu liquidieren, bzw. der GmbH durch Einlagen weiterer Gesellschafter neues Kapital zuzuführen. GmbH-Anteile sind nicht börsenfähig, und somit nur schwer handelbar. Außerdem bedarf ihr Übertrag auf einen anderen Gesellschafter der notariellen Beurkundung. Die Transaktionshemmung die durch diese Tatsachen begründet ist, wird „Lemon“-Problem[21] genannt. Es liegt darin begründet, dass der Verkäufer von nichtbörsenfähigen Unternehmensanteilen einen Informationsvorsprung gegenüber potenziellen Käufern hat, und somit die Käufer generell äußerst kritisch im Bezug auf die Verkaufsmotivation des Verkäufers sein werden. Dies führt neben der Hemmung der Transaktionsabwicklung auch zu tendenziell sinkenden Preisen der Anteile. Zur vertiefenden Lektüre sei hier „The Market for Lemons“ von Akerlof empfohlen.

2.3.1.2. Aktiengesellschaft (AG)

In einigen für die Bundesligisten wichtigen Punkten sind sich die GmbH und die AG relativ ähnlich. Auch für die Gründung einer Aktiengesellschaft ist ein Aktionär ausreichend. Die Risikominimierung für den Verein ist auch hier durch die[22] ausschließliche Haftung des Gesellschaftsvermögens der AG gewährleistet, auch wenn das Grundkapital bei der AG mindestens 50.000 € beträgt, also im Vergleich zum Stammkapital der GmbH doppelt so hoch ist.[23]

Zumindest in der Theorie birgt jedoch die Wahl der Aktiengesellschaft ein wesentlich größeres Potential zur Aufbringung hoher Eigenkapitalbeträge. Diese besondere Eignung ist vor allem auf folgende Gründe zurückzuführen:[24]

- Aufteilung des Kapitals in kleinste Teilbeträge, so dass eine Beteiligung schon mit geringem Kapital möglich ist
- hohe Verkehrsfähigkeit der Anteile, da sie Effekten darstellen und damit vertretbare Wertpapiere sind, die an der Börse gehandelt werden können
- die Organisationsform gestattet eine große Anzahl von Eigentümern, von denen grundsätzlich nur monetäres Interesse vorausgesetzt wird
- detaillierte rechtliche Ausgestaltung des Gesellschaftsvertrages durch das Aktiengesetz, das die Rechte der Eigentümer regelt und eine gewisse Sicherung für die Kapitalanlage bedeutet

In der Realität wird von diesen Möglichkeiten, die die Rechtsform der AG grundsätzlich bietet, in der Fußballbundesliga allerdings kaum Gebrauch gemacht. Lediglich zwei Vereine in der Geschichte der Bundesliga haben jemals Aktienanteile an ihrer Profifußballmannschaft veräußert.

Das war zum einen die Eintracht Frankfurt Fußball AG im Jahr 2000, die allerdings ihre Aktienanteile nicht an der Börse emittierte, sondern dem US-Sportrechte Vermarkter Octagon gegen eine Zahlung von 50 Millionen DM einen Anteil von 49,9% seiner Aktien außerhalb des Börsenhandels verkaufte[25]. Der Erfolg dieser Maßnahme hielt sich allerdings in Grenzen. Die Frankfurter Eintracht investierte fast den kompletten Erlös aus dem Verkauf der Anteile in den Aufbau einer neuen Mannschaft mit dem Ziel die Qualifikation für eine Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb zu erreichen, um über die dadurch erlösten zusätzlichen Einnahmen die an Octagon verkauften Anteile schrittweise zurück zu erwerben. Was jedoch folgte war der vorletzte Platz in der Bundesliga (17.) und der damit verbundene Abstieg in die 2. Liga. Octagon zog sich daraufhin bereits ein Jahr nach Beginn seines Engagements wieder zurück und verkaufte die Anteile für den symbolischen Betrag von 1 Euro an einen Verbund lokaler Unternehmer („Freunde der Eintracht“), die über weitere „Finanzspritzen“ und Bürgschaften die AG vor dem Konkurs bewahrten (geschätzte 7,5 Millionen Euro) und die Anteile nur zwei Jahre später gegen Rückzahlung der bereitgestellten Beträge an den Verein zurückverkaufte.

Das zweite Beispiel ist Borussia Dortmund. Dieser Verein ist bislang der einzige in Deutschland, der die Aktienanteile seiner Profifußballabteilung an der Börse emittiert hat. Allerdings war auch dieses Beispiel nicht von Erfolg gekrönt. Am 31. Oktober 2000 emittierte Borussia Dortmund ein Volumen von 13,5 Millionen Aktien mit einem rechnerischen Anteil am Grundkapital von jeweils 1 Euro. Der Emissionspreis lag bei 11 Euro je Aktie[26], so dass dem Unternehmen liquide Mittel von 148,5 Millionen Euro zuflossen. Borussia Dortmund investierte daraufhin sowohl in den Ausbau des Stadions als auch in neue Spieler. Der entscheidende Fehler lag im Folgenden darin begründet, dass die Transferzahlungen, die für die neuen Spieler geleistet wurden, in den folgenden Bilanzen nicht über die Gewinn und Verlustrechnung als Aufwand einflossen, sondern in voller Höhe als Anlagevermögen dargestellt wurden. Bedingt durch ausbleibende sportliche Erfolge und auch Verletzungen einzelner Spieler, ließen sich diese Beträge aber in den Folgejahren nicht mehr liquidieren und mussten schließlich abgeschrieben werden. Nach mehreren Kapitalerhöhungen liegt der Preis je Aktie heute im Bereich von etwa 1,90 Euro, was einem Kursverlust von nahezu 83% entspricht.

Das Beispiel Borussia Dortmund zeigt deutlich wie hoch das finanzielle Risiko in der Fußballbundesliga sein kann. Allerdings bleibt dabei anzumerken, dass die Profifußballabteilung von Borussia Dortmund nicht in der Rechtsform der AG, sondern in Form einer Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) geführt wird. Die Besonderheiten dieser Rechtsform im Bezug auf die Beteiligungsfinanzierung werden im folgenden Punkt 2.3.1.3 betrachtet.

2.3.1.3. Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA)

Die Eigenschaften der KGaA im Bezug auf die Beteiligungsfinanzierung die für die Bundesligisten bei der Wahl der Rechtsform von[27] Bedeutung sind, sind beinahe identisch mit denen der AG. Der einzige bedeutsame Unterschied besteht im zwingenden Vorhandensein eines voll haftenden Komplementärs und mindestens 4 weiteren Kommanditaktionären.[28] Unter Berücksichtigung des Ziels der Risikominimierung der Vereine stellt sich daher die Frage, warum der im zuvor angeführten Beispiel betrachtete Verein Borussia Dortmund diese Rechtsform für seine Profifußballabteilung gewählt hat. Die Kommanditaktionäre haften lediglich mit ihrer Einlage, daher muss der Vollhaftende Komplementär vereinsseitig gestellt werden. Borussia Dortmund hat dieses Problem mittels der Gründung einer GmbH umgangen. Die GmbH, deren Haftung wie bereits erläutert, auf ihr Gesellschaftsvermögen beschränkt ist, stellt den voll haftenden Komplementär dar, wobei der Verein alleiniger Gesellschafter der GmbH ist. Somit ist die Vollhaftung für den Verein durch die beschränkte Haftung der GmbH begrenzt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Beteiligungsfinanzierung im Falle der Fußballbundesliga nur im Falle der Ausgliederung der Profiabteilungen vorliegt (sowohl bei der Gründung der Kapitalgesellschaften, als auch bei späteren Kapitalerhöhungen). Sie steht in enger Verbindung zur Risikominimierung der Vereine, da eventuelle Verluste nicht mehr die Finanzen des Hauptvereins belasten. Da in der großen Mehrzahl der Fälle keine Anteile an den Kapitalgesellschaften verkauft werden, um kein Mitspracherecht Dritter zulassen zu müssen, liegt häufig keine wirkliche Kapitalzufuhr von Außen vor (solange man Verein und Kapitalgesellschaft als Einheit sieht). Demnach ist die Ausgliederung der Profiabteilungen in der Mehrzahl der Fälle weniger als Finanzierungsinstrument als vielmehr als ein Instrument der Risikobegrenzung der Vereine zu verstehen.

Generell wäre allerdings die Beteiligungsfinanzierung ein sehr geeignetes Finanzierungsinstrument für die Bundesligisten, da den Gesellschaften Eigenkapital zugeführt wird, dass nicht direkt zu späteren Zahlungsverpflichtungen führt und unbefristet zur Verfügung steht. Der Grund für den begrenzten Einsatz dieses Finanzierungselements ist wohl vor allem darin begründet, dass die Vereine die Entscheidungshoheit über den Betrieb der Profifußballabteilungen nicht mit potenziellen Investoren teilen möchten.

[...]


[1] Vgl. DFL Bundesligareport 2007, 2007, S. 28

[2] Vgl. Kubat, Der Markt für Spitzensport, 1998, S. 9ff

[3] Vgl. Horch, Professionalisierung im Sportmanagement, Band 1, 1999

[4] Vgl. DFL Bundesligareport 2007, 2007, S. 49

[5] Vgl. Klein/Jones, The Future of Sport Business – More Than Just a Game, 2001

[6] Vgl. Handelsgesetzbuch, 40. Aufl., 2003, HGB 1, §1

[7] Vgl. Perridon / Steiner, Finanzwirtschaft der Unternehmung, 13. Aufl., 2004, S. 359

[8] Vgl. Liefmann, Beteiligungs- und Finanzierungsgesellschaften, 4. Aufl., 1923.

[9] Vgl. Schmalenbach, Beteiligungsfinanzierung, 9. Aufl., 1966.

[10] Vgl. Rössle, Allgemeine Betriebswirtschaftslehre, 5. Aufl., 1956.

[11] Vgl. Köhler, Finanzierungsbegriff, 1969.

[12] Vgl. Perridon / Steiner, Finanzwirtschaft der Unternehmung, 13. Aufl., 2004, S. 360ff

[13] Vgl. Perridon / Steiner, Finanzwirtschaft der Unternehmung, 13. Aufl., 2004, S. 362

[14] Vgl. Perridon / Steiner, Finanzwirtschaft der Unternehmung, 13. Aufl., 2004, S. 362

[15] Vgl. Olfert, Finanzierung, 10. Aufl., 1999, S. 200 ff

[16] Vgl. Perridon / Steiner, Finanzwirtschaft der Unternehmung, 13. Aufl., 2004, S. 363 ff

[17] Vgl. DFL Bundesligareport 2007, 2007, S. 138 ff

[18] Vgl. GmbH-Gesetz, 40. Aufl., 2007

[19] Vgl. Drukarczyk, Finanzierung, 7. Aufl., 1996, S. 209 ff

[20] Vgl. Olfert, Finanzierung, 10. Aufl., 1999, S. 201 ff

[21] Vgl. Akerlof, The Market for „Lemons”, 1970

[22] Vgl. Aktiengesetz (AktG), 40. Aufl., 2007

[23] Vgl. Olfert, Finanzierung, 10. Aufl., 1999, S. 206 ff

[24] Vgl. Drukarczyk, 7. Aufl., 1996, S. 213 ff

[25] Vgl. Eintracht Frankfurt – Chronik 2001, in: http://frankfurt-interaktiv.de/frankfurt/sport/eintracht/archiv/eintracht2001.html, 19.05.2007

[26] Vgl. Aktienkurs der Borussia-Aktie, http://www.borussia-aktie.de, 19.05.2007

[27] Vgl. Aktiengesetz (AktG), 40. Aufl., 2007

[28] Vgl. Drukarczyk, 7. Aufl., 1996, S. 228

Ende der Leseprobe aus 45 Seiten

Details

Titel
Finanzierungsmodelle am Beispiel der Fußball Bundesliga
Hochschule
Hochschule Fresenius; Darmstadt
Note
2,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
45
Katalognummer
V113462
ISBN (eBook)
9783640133420
ISBN (Buch)
9783640135073
Dateigröße
590 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Finanzierungsmodelle, Beispiel, Fußball, Bundesliga, Fussball, Diplomarbeit, Finanzierung
Arbeit zitieren
Stefan Kaiser (Autor), 2007, Finanzierungsmodelle am Beispiel der Fußball Bundesliga, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113462

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