Vor dem Hintergrund seiner Kritik am traditionellen Denken, das von den Kategorien 'Subjekt' und 'Präsenz' bestimmt ist, geht es Derrida in seiner Auseinandersetzung mit Heideggers "Der Ursprung des Kunstwerkes" darum, auf bestimmte unhinterfragte scheinbare Selbstverständlichkeiten aufmerksam zu machen und sich kritisch (wenn man so will: 'dekonstruktiv') mit ihnen auseinanderzusetzen. Das wäre hier die Restitution eines Kunstwerks nach dem Repräsentationsmodell und der Subjektkategorie, verbunden damit die Trennung von interner und externer Beschreibung: mit der Unmöglichkeit, ein Kunstwerk eindeutig einzugrenzen, wird die ganze Problematik von Ablösung und Wiederanknüpfung und der Zusammenhang dieser beiden Prozesse sichtbar.
Durch Oszillation zwischen einer makro- und mikroanalytischen Perspektive, zwischen Gesamtzusammenhang und Einzelpassage, einzelnen Formulierungen gelingt Derrida zudem eine eindrucksvolle Erläuterung und die Verteidigung des 'Projekts' des ersteren, die das Hauptanliegen des Essays ist.
Inhaltsverzeichnis
- Zur Struktur des Textes
- 'Restitutionsquerelen': Ablösung und Wiederangliederung des Gemalten
- Die 'Bauernschuhe' im Gesamtzusammenhang von "Der Ursprung des Kunstwerkes": Das 'Zeughafte des Zeugs' und die 'Verläßlichkeit'
- Der Mehrwert des Kunstwerks durch die Annullierung des Gebrauchswerts: Fetischisierung und aletheia
- Versuch eines Resümees
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Der Text analysiert Derridas Auseinandersetzung mit Heideggers "Ursprung des Kunstwerkes", insbesondere mit der Passage über die 'Bauernschuhe'. Derrida kritisiert Heideggers Interpretation des van Goghschen Gemäldes und stellt die Frage nach der Bedeutung von Ablösung und Wiederangliederung des Gemalten im Kontext der Kunstphilosophie.
- Die Problematik der 'Restitution' und der Zuschreibung von Bedeutung im Kunstwerk
- Die Rolle des Rahmens und der parergonale Struktur in der Kunst
- Die Bedeutung des 'Zeughaften des Zeugs' und die Frage nach der 'Verläßlichkeit' des Kunstwerks
- Die Annullierung des Gebrauchswerts und die Fetischisierung des Kunstwerks
- Derrida's Kritik an der traditionellen Kunstphilosophie und seine alternative Sichtweise
Zusammenfassung der Kapitel
Der Text beginnt mit einer Analyse der Struktur von Derridas Text "Restitutionen". Derrida verwendet einen polylogischen Stil, der sich von der Tradition des platonischen Dialogs unterscheidet. Der Text ist komplex und schwer zu entwirren, da Derrida ein Feuerwerk von Wort- und Gedankenspielen, Assoziationen und Metonymien abfeuert.
Im zweiten Kapitel wird die 'Restitution' des Gemalten durch Schapiro und Heidegger untersucht. Derrida kritisiert die Tendenz, das Abgebildete einem Träger- oder Eigentümer-Subjekt zuordnen zu wollen. Er argumentiert, dass die Schuhe auf dem Bild von einem möglichen Träger abgelöst sind und "zum anonymen, befreiten und entleerten [...] Träger eines abwesenden Sujets" werden.
Das dritte Kapitel befasst sich mit der Bedeutung der 'Bauernschuhe' im Gesamtzusammenhang von Heideggers "Ursprung des Kunstwerkes". Derrida verteidigt Heideggers Position und argumentiert, dass Schapiro den Kontext der Stelle über die 'Bauernschuhe' nicht berücksichtigt hat. Heidegger beabsichtigte keine Interpretation des Kunstwerks, sondern nutzte das Bild der Schuhe zur Veranschaulichung seiner Gedanken über Ding, Zeug und Werk.
Schlüsselwörter
Die Schlüsselwörter und Schwerpunktthemen des Textes umfassen die 'Restitution', die Ablösung und Wiederangliederung des Gemalten, die 'Bauernschuhe' von van Gogh, das 'Zeughafte des Zeugs', die 'Verläßlichkeit' des Kunstwerks, die parergonale Struktur, die Fetischisierung und die aletheia. Derrida kritisiert die traditionelle Kunstphilosophie und ihre Tendenz zur Zuschreibung von Bedeutung im Kunstwerk. Er argumentiert für eine alternative Sichtweise, die die Ablösung und die 'Verläßlichkeit' des Kunstwerks betont.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in Derridas Auseinandersetzung mit Heidegger?
Derrida kritisiert Heideggers Interpretation von van Goghs Gemälde der "Bauernschuhe" und hinterfragt die traditionellen Kategorien von Subjekt und Repräsentation in der Kunst.
Was bedeutet der Begriff "Restitution" in diesem Kontext?
Restitution bezieht sich auf die Zuschreibung von Bedeutung oder Eigentum (wem gehören die Schuhe?) innerhalb eines Kunstwerks nach einem Repräsentationsmodell.
Was ist die parergonale Struktur?
Es beschreibt die Problematik des Rahmens eines Kunstwerks und die Schwierigkeit, eine eindeutige Grenze zwischen dem Internen (dem Werk) und dem Externen zu ziehen.
Warum kritisiert Derrida die Fetischisierung des Kunstwerks?
Er analysiert, wie durch die Annullierung des Gebrauchswerts (die Schuhe können nicht mehr getragen werden) das Kunstwerk einen neuen Mehrwert erhält, den er kritisch hinterfragt.
Was versteht Heidegger unter dem "Zeughaften des Zeugs"?
Heidegger nutzt die Schuhe, um die Verlässlichkeit von Gebrauchsgegenständen (Zeug) und deren Wesen im Kontext der Wahrheit (aletheia) zu erläutern.
- Quote paper
- Thomas Keith (Author), 1997, "Restitutionen". Derridas Auseinandersetzung mit Heideggers "Ursprung des Kunstwerkes", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113491