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Von einsinnigem Erkennen und einsinnigem Erzählen

Kafkas Erzähltechnik im Roman 'Der Proceß'

Title: Von einsinnigem Erkennen und einsinnigem Erzählen

Term Paper (Advanced seminar) , 2006 , 28 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Michael Steinmetz (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Ein rätselhaftes Gericht macht einem rätselhaften Prokuristen angesichts dessen rätselhafter Schuld einen rätselhaften Prozess, und niemand wundert sich – ‚absurd’, möchte man meinen, korrigiert sich und bringt es auf den Terminus ‚grotesk’, auch nicht, vielleicht ‚auf groteske Weise absurd’, besser, wenngleich nicht treffend. Man merkt, welchem Bedürfnis der Neologismus ‚kafkaesk’ gerecht wird – dieser Terminus vermag nämlich, einen beklemmenden, geheimnisvollen und die Logik der Alltagswelt transzendierenden Sachverhalt zu titulieren, ohne das diesem Sachverhalt Eigentümliche und das für Kafkas Erzählungen typisch Rätselhafte durch althergebrachte Begrifflichkeiten zu verschleiern.
Doch wieso gibt Kafka des Rätsels Lösung so ungern preis, wieso lässt Kafka seine Rezipienten stets so hilflos zurück, ja wieso schreibt Kafka so kafkaesk? Einen möglichen Erklärungsansatz liefert der Verweis auf den für Kafka vielleicht erkenntnistheoretisch notwendigen erzähltechnischen Perspektivenmonismus, welcher den Schritt aus einem bewusstseinsimmanenten Standpunkt in den Raum einer objektiven Realität – für Erzähler, Figur und Rezipienten gleichermaßen – schlichtweg verweigert.
Durch Friedrich Beißner wurde Kafkas Œuvre erstmals in extenso erzähltheoretisch durchleuchtet – Beißner gab entscheidende und folgenreiche Aufschlüsse über Kafkas spezifische Erzähltechnik, welche man fortan mit dem von Beißner etablierten Begriff der Einsinnigkeit zu fassen versuchte. Was diese Einsinnigkeit zu bedeuten hat und ob das einsinnige Erzählen von Kafka tatsächlich derart rigoros, wie von Beißner behauptet, beibehalten wird, soll exemplarisch am Roman Der Proceß untersucht werden. Genettes verdienstvolle Theorie der Erzählung soll das dafür notwendige Instrumentarium bieten. Die Frage des ersten Teils dieser Untersuchung lautet demgemäß: ‚Ob und inwiefern lässt sich die für Kafkas Werk von Beißner propagierte spezifische Einsinnigkeit des Erzählens am Roman Der Proceß anhand Genettes Erzähltheorie nachweisen?’
Darauf basierend soll die Frage nach der Funktion dieses Erzählens gestellt werden. ‚Inwiefern lässt sich Kafkas Erzähltechnik als Indikator für ein erkenntnistheoretisches Problemfeld oder auch als Symptom für ein geschichts- oder gesellschaftsspezifisches Krankheitsbild verstehen?’, lautet die Fragestellung für den zweiten Teil dieser Untersuchung.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG

2. KAFKAS ERZÄHLMODUS IM ROMAN DER PROCEß

2.1. EINSINNIGKEIT

2.2. BRÜCHE IN DER EINSINNIGKEIT

2.2.1. Änderungen der Fokalisierung

2.2.2. Ordnung und Dauer

2.3. FUNKTION DER BRÜCHE IN DER EINSINNIGKEIT

3. GRÜNDE FÜR DEN EINSINNIGEN ERZÄHLMODUS

3.1. EINSINNIGKEIT DER ERKENNTNIS

3.2. ENTFREMDUNG

4. EIN GEWAGTES WORT ZUM SCHLUSS

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht Kafkas spezifische Erzähltechnik im Roman "Der Proceß" unter Anwendung von Gérard Genettes Erzähltheorie. Ziel ist es, den von Friedrich Beißner geprägten Begriff der "Einsinnigkeit" zu überprüfen, zu verifizieren, ob dieser Modus im Roman rigoros beibehalten wird, und die erkenntnistheoretische sowie funktionale Bedeutung dieser Erzählweise für das kafkaeske Werk zu ergründen.

  • Analyse der "Einsinnigkeit" und internen Fokalisierung nach Beißner und Genette
  • Untersuchung von Brüchen in der Erzählhaltung (z.B. Perspektivwechsel, 0-Fokalisierung)
  • Erkenntnistheoretische Hintergründe und die Korrelation von Einsinnigkeit und Subjektivität
  • Die Rolle der Entfremdung als Ursache für den gewählten Erzählmodus

Auszug aus dem Buch

2.1. Einsinnigkeit

Was bedeutet nun Beißners Einsinnigkeit? Er selbst expliziert seinen Begriff folgendermaßen:

Er [Kafka] wendet sich […] von der Welt der äußeren Wirklichkeit ab und entdeckt den inneren Menschen als Gegenstand epischer Kunst, […]. Kafka erzählt, was anscheinend bisher nicht bemerkt worden ist, stets einsinnig, nicht nur in der Ich-Form, sondern auch in der dritten Person. Alles, was in dem Roman »Der Verschollene« […] erzählt wird, ist von Karl Roßmann gesehen und empfunden; nichts wird ohne ihn oder gegen ihn, nichts in seiner Abwesenheit erzählt, nur seine Gedanken […] weiß der Erzähler mitzuteilen. Und ebenso ist es im »Prozeß« […]

Ist nun die innere Welt mit all ihren Erfahrungen, Einsichten, Wünschen, Träumen, Gedanken, Freuden und Kränkungen der Gegenstand Kafkaischen Erzählens und steht der Erzähler nicht als kalt beobachtender Psychologe draußen, so bleibt ihm kein andrer Platz als in der Seele seiner Hauptgestalt: er erzählt sich selbst, er verwandelt sich in Josef K. […]3

Zusammenfassung der Kapitel

1. EINLEITUNG: Die Einleitung führt in das Phänomen des "Kafkaesken" ein, erläutert die Bedeutung der Beißnerschen "Einsinnigkeit" und formuliert die Forschungsfrage zur erzähltechnischen Untersuchung von "Der Proceß".

2. KAFKAS ERZÄHLMODUS IM ROMAN DER PROCEß: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Einsinnigkeit, untersucht kritisch auftretende Brüche in der Erzählhaltung durch Fokalisierungswechsel sowie Zeit- und Ordnungsphänomene und analysiert die Funktion dieser Brüche.

3. GRÜNDE FÜR DEN EINSINNIGEN ERZÄHLMODUS: Der Abschnitt verknüpft die Erzähltechnik mit erkenntnistheoretischen Problemstellungen, insbesondere dem Scheitern subjektiver Welterkenntnis, und beleuchtet die Rolle der Entfremdung als Grundbefindlichkeit.

4. EIN GEWAGTES WORT ZUM SCHLUSS: Abschließend wird diskutiert, ob Kafkas Erzählweise lediglich resignativ ist, oder ob sie ein ästhetisches Verfahren darstellt, um eine sprachlich kaum darstellbare, nicht-logische Welt zu begreifen.

Schlüsselwörter

Franz Kafka, Der Proceß, Einsinnigkeit, Erzähltechnik, Friedrich Beißner, Gérard Genette, interne Fokalisierung, Erkenntnistheorie, Entfremdung, Moderne, Erzählmodus, Subjektivität, Romananalyse, Perspektive, 0-Fokalisierung

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Kafkas Erzähltechnik im Roman "Der Proceß", mit besonderem Fokus auf den Begriff der "Einsinnigkeit".

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Felder sind die erzähltheoretische Einordnung nach Genette, die philosophische Bedeutung von Einsinnigkeit und die Verbindung zur Moderne.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, zu klären, ob Kafkas Werk tatsächlich konsequent "einsinnig" erzählt ist und welche Funktion Abweichungen davon erfüllen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine erzähltheoretische Analyse auf Grundlage von Gérard Genettes Kategorien (Fokalisierung, Erzählstimme, Modus) angewandt.

Was wird im Hauptteil der Untersuchung behandelt?

Der Hauptteil widmet sich der Definition der Einsinnigkeit, dem Nachweis von Brüchen in der Erzählweise und der philosophischen Begründung für diesen Erzählduktus.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Einsinnigkeit, interne Fokalisierung, Erkenntnis, Subjektivität und Entfremdung.

Wie deutet der Autor die sogenannten "Brüche" in der Einsinnigkeit?

Der Autor argumentiert, dass viele vermeintliche Brüche tatsächlich als intern fokalisiert oder als Gedächtnisanalepsen zu lesen sind, und somit den Grundcode der Einsinnigkeit nicht aufheben.

Welche Schlussfolgerung zieht der Autor zur Funktion der Einsinnigkeit?

Die Einsinnigkeit wird als ein ästhetisches Verfahren gewertet, um die subjektive, unvollständige Welterkenntnis des Menschen im modernen Kontext darzustellen und erfahrbar zu machen.

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Details

Title
Von einsinnigem Erkennen und einsinnigem Erzählen
Subtitle
Kafkas Erzähltechnik im Roman 'Der Proceß'
College
http://www.uni-jena.de/  (Institut für Literaturwissenschaft)
Course
Kafkas Romane
Grade
1,0
Author
Michael Steinmetz (Author)
Publication Year
2006
Pages
28
Catalog Number
V113516
ISBN (eBook)
9783640143849
ISBN (Book)
9783640143856
Language
German
Tags
Erkennen Erzählen Kafkas Romane
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Michael Steinmetz (Author), 2006, Von einsinnigem Erkennen und einsinnigem Erzählen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113516
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