Von einsinnigem Erkennen und einsinnigem Erzählen

Kafkas Erzähltechnik im Roman 'Der Proceß'


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

28 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Kafkas Erzählmodus im Roman Der Proceß
2.1. Einsinnigkeit
2.2. Brüche in der Einsinnigkeit
2.2.1. Änderungen der Fokalisierung
2.2.2. Ordnung und Dauer
2.3. Funktion der Brüche in der Einsinnigkeit

3. Gründe für den einsinnigen Erzählmodus
3.1. Einsinnigkeit der Erkenntnis
3.2. Entfremdung

4. Ein gewagtes Wort zum Schluss

5. Literaturverzeichnis

1) Einleitung

Ein rätselhaftes Gericht macht einem rätselhaften Prokuristen angesichts dessen rätselhafter Schuld einen rätselhaften Prozess, und niemand wundert sich – ‚absurd’, möchte man meinen, korrigiert sich und bringt es auf den Terminus ‚grotesk’, auch nicht, vielleicht ‚auf groteske Weise absurd’, besser, wenngleich nicht treffend. Man merkt, welchem Bedürfnis der Neologismus ‚kafkaesk’ gerecht wird – dieser Terminus vermag nämlich, einen beklemmenden, geheimnisvollen und die Logik der Alltagswelt transzendierenden Sachverhalt zu titulieren, ohne das diesem Sachverhalt Eigentümliche und das für Kafkas Erzählungen typisch Rätselhafte durch althergebrachte Begrifflichkeiten zu verschleiern.

Doch wieso gibt Kafka des Rätsels Lösung so ungern preis, wieso lässt Kafka seine Rezipienten stets so hilflos zurück, ja wieso schreibt Kafka so kafkaesk? Einen möglichen Erklärungsansatz liefert der Verweis auf den für Kafka vielleicht erkenntnistheoretisch notwendigen erzähltechnischen Perspektivenmonismus, welcher den Schritt aus einem bewusstseinsimmanenten Standpunkt in den Raum einer objektiven Realität – für Erzähler, Figur und Rezipienten gleichermaßen – schlichtweg verweigert.

Durch Friedrich Beißner wurde Kafkas Œuvre erstmals in extenso erzähltheoretisch durchleuchtet – Beißner gab entscheidende und folgenreiche Aufschlüsse über Kafkas spezifische Erzähltechnik, welche man fortan mit dem von Beißner etablierten Begriff der Einsinnigkeit zu fassen versuchte.[1] Was diese Einsinnigkeit zu bedeuten hat und ob das einsinnige Erzählen von Kafka tatsächlich derart rigoros, wie von Beißner behauptet, beibehalten wird, soll exemplarisch am Roman Der Proceß untersucht werden. Genettes verdienstvolle Theorie der Erzählung soll das dafür notwendige Instrumentarium bieten.[2] Die Frage des ersten Teils dieser Untersuchung lautet demgemäß: ‚Ob und inwiefern lässt sich die für Kafkas Werk von Beißner propagierte spezifische Einsinnigkeit des Erzählens am Roman Der Proceß anhand Genettes Erzähltheorie nachweisen?’

Darauf basierend soll die Frage nach der Funktion dieses Erzählens gestellt werden. ‚Inwiefern lässt sich Kafkas Erzähltechnik als Indikator für ein erkenntnistheoretisches Problemfeld oder auch als Symptom für ein geschichts- oder gesellschaftsspezifisches Krankheitsbild verstehen?’, lautet die Fragestellung für den zweiten Teil dieser Untersuchung.

Abschließend soll andeutungsweise Kafkas Erzähltechnik im Kontext der modernen Romantheorie betrachtet werden. Etwaige Konvergenzen oder auch Divergenzen zwischen den Erzähltypen der modernen Autoren und Kafkas Erzähltechnik sollen dabei skizzenhaft benannt werden.

2) Kafkas Erzählmodus im Roman Der Proceß

a) Einsinnigkeit

Was bedeutet nun Beißners Einsinnigkeit? Er selbst expliziert seinen Begriff folgendermaßen:

Er [Kafka] wendet sich […] von der Welt der äußeren Wirklichkeit ab und entdeckt den inneren Menschen als Gegenstand epischer Kunst, […]. Kafka erzählt, was anscheinend bisher nicht bemerkt worden ist, stets einsinnig, nicht nur in der Ich-Form, sondern auch in der dritten Person. Alles, was in dem Roman »Der Verschollene« […] erzählt wird, ist von Karl Roßmann gesehen und empfunden; nichts wird ohne ihn oder gegen ihn, nichts in seiner Abwesenheit erzählt, nur seine Gedanken […] weiß der Erzähler mitzuteilen. Und ebenso ist es im »Prozeß« […]

Ist nun die innere Welt mit all ihren Erfahrungen, Einsichten, Wünschen, Träumen, Gedanken, Freuden und Kränkungen der Gegenstand Kafkaischen Erzählens und steht der Erzähler nicht als kalt beobachtender Psychologe draußen, so bleibt ihm kein andrer Platz als in der Seele seiner Hauptgestalt: er erzählt sich selbst, er verwandelt sich in Josef K. […][3]

Die wichtigsten Punkte dieses Passus bezüglich Kafkas Erzähltechnik lassen sich wie folgt zusammenfassen:

1. Abkehr von der äußerlichen Wirklichkeit
2. Abkehr von psychologischer Deutung von außen
3. Hinwendung zur Innerlichkeit
4. Identifizierung des Erzählers mit Figur
5. Möglichkeit der Narration aus figuraler Perspektive (nur figurale Perzeption und figurales Räsonnement) in dritter Person

Im Grunde lassen sich die ersten drei Punkte unter den vierten subsumieren. Die Identifizierung des Erzählers mit einer seiner Figuren korreliert gewissermaßen mit der Abkehr von einer äußerlichen, objektiven Realität, inhibiert somit eine objektive psychologische Deutung der Innenwelt anderer Figuren[4] und verbietet dem Erzähler –eben wegen seiner subjektiven, figuralen Perspektive – den Erfahrungs- und Reflexionshorizont der betreffenden Figur zu übertreten. Genette nennt diesen Erzähltypus einen intern fokalisierten[5], d. h. das Zentrum des Perzipierens und Räsonierens ist ein figurenbewusstseinsinterner Ort, der Platz des Erzählens ist – mit Beißners Worten – die Seele der Hauptgestalt. Diese interne Fokalisierung ist wohl das zentrale Strukturmerkmal dessen, was Beißner mit dem Begriff der Einsinnigkeit auszudrücken versucht – der Erzähler ist außerstande eine Sinnlichkeit zu übertreten, er erzählt mit den Sinnen einer einzigen Figur. Beißner selbst charakterisiert an anderer Stelle seine Einsinnigkeit derart:

[…] es ist immer eine Gestalt vorhanden, […] in deren Bewusstsein sich der ganze Roman erzählt.[6]

Beißners Einsinnigkeit also – so kann man vorerst konstatieren – lässt sich weitestgehend aber nicht ausschließlich mit Genettes interner Fokalisierung identifizieren.

Nun ist zwar das Zentrum des Perzipierens und Räsonierens in Kafkas Romanen ein figureninternes, doch wird auf die jeweils fokale Figur – wie Beißner bemerkt – von einer narrativen Instanz in der dritten Person referiert. Doch wie ist eine derartige Erzählung von innen und außen zugleich möglich? Abhilfe schafft Genettes vielfältiger Kriterienkatalog zur Analyse der Erzählsituation. Unterscheidet man nämlich zwischen Erzählmodus und Erzählstimme, oder spezifischer: zwischen Figur, die sieht[7], und Erzähler, der spricht, so entschärft sich die Konfusion. Kafkas Identifizierung von Erzähler und Figur darf nicht als ontologische Gleichsetzung verstanden werden. Vielmehr tangiert die Identifizierung lediglich die Fokalisierung, nicht aber den Standpunkt des Erzählers. Für diesen Standpunkt des Erzählers ist nun weniger die grammatische Kategorie der Person, mit der der Erzähler auf die Figuren referiert, entscheidend als vielmehr – so Genette – die Anwesenheit des Erzählers als Figur in seiner Geschichte oder die Abwesenheit des Erzählers als Figur in seiner Geschichte.[8] Ist der Erzähler selbst als Figur in seiner Geschichte anwesend, so nennt Genette ihn homodiegetisch, ist dies nicht der Fall, so nennt er ihn heterodiegetisch.[9] Josef K. – um dies zu exemplifizieren – ist zwar Fokus der Wahrnehmung, des Denkens etc., allerdings nicht ontologisch mit dem Erzählerinstanz identisch – die Erzählerinstanz im Proceß ist auf erzählter Ebene weder als Josef K. noch als andere Figur anwesend. Das einsinnige Erzählen in der dritten Person lässt sich also ebenso – um es mit Genettes Terminologie auf den Punkt zu bringen – als heterodiegetisches, intern fokalisiertes Erzählen klassifizieren. An folgendem Exemplum soll dies veranschaulicht werden:

Aber an K.s Gurgel legten sich die Hände des einen Herrn, während der andere das Messer ihm ins Herz stieß und zweimal dort drehte. Mit brechenden Augen sah noch K., wie die Herren, nahe vor seinem Gesicht, die Herren Wange an Wange aneinandergelehnt, die Entscheidung beobachteten.[10]

Zuerst zum zweiten Satz: Während das die visuelle Wahrnehmung denotierende Verb ‚sehen’ den bewusstseinsimmanenten Standpunkt bezeugt, verweist der Name K., d. h. die grammatische Kategorie der dritten Person, auf eine erzählende Instanz, die sich mit K. nicht ontologisch identifizieren lässt. Die heterodiegetische narrative Instanz also erzählt intern fokalisiert. Ein Einwand allerdings lässt sich erheben. Der narrative Modus der internen Fokalisierung im strengsten Sinne verweigert die Nennung des Namens der fokalen Figur – wie im vorliegenden Fall geschehen. Nicht etwa weil der Name den Erfahrungs- und Bewusstseinshorizont der fokalen Figur übersteigt, sondern weil die Nennung des Namens nicht mit der aktuellen Bewusstseinsleistung K.s korrespondiert, sondern eine externe, von der narrativen Instanz gegebene Information darstellt. Ja im strengsten Sinn muss sogar Folgendes konzediert werden: „Restlos verwirklicht wird die interne Fokalisierung nur im “inneren Monolog“ […].[11] Zu den vorliegenden Zwecken allerdings soll von interner Fokalisierung oder Einsinnigkeit auch dann gesprochen werden – und dies ist ganz im Sinne von Genette und Beißner –, wenn der Erfahrungs- und Bewusstseinshorizont der fokalen Figur nicht transzendiert wird.[12] Für den Josef K.s Tod darstellenden Passus gilt also interne Fokalisierung oder auch Einsinnigkeit im weiteren Sinne.[13]

Zum ersten Satz: Hier macht es den Anschein, als würde der Fokus des Bewusstseins kein figureninterner sein. Vielmehr – so könnte man meinen – muss die Perspektive, da ein figurenbewusstseins-indizierendes Verb fehlt, jenseits K.s Bewusstseins lokalisiert werden. Darauf allerdings lässt sich erwidern, dass die interne Fokalisierung nicht notwendig ein derartig deklaratives Verb verlangt. Die Existenz eines derartig deklarativen Verbs bei der Erzählung von Ereignissen und die damit korrelierende Verschiebung der Ereigniserzählung auf den Nebensatz einerseits und die Absenz eines solchen deklarativen Verbs andererseits stellen das vorliegende Zitat bzgl. nur zwei unterschiedliche Modi des Erzählens aus interner Perspektive dar. Ein Beleg dafür ist die Möglichkeit, das narrative Segment in der ersten Person wiederzugeben, ohne dabei den semantischen Gehalt grundlegend zu verändern:[14] ‚An meine Gurgel legten sich die Hände des einen Herren, während der andere das Messer mir tief ins Herz stieß und zweimal dort drehte.’

Bevor der Proceß genauer auf Beißners These, Kafka erzählt stets einsinnig, untersucht werden soll, scheint es zweckmäßig, noch ein weiteres für Beißner gewichtiges, typisches Strukturmerkmal des kafkaesken und somit des einsinnigen Erzählens zu explizieren: nämlich die augenscheinliche – aber laut Beißner dennoch nur schein-bare – zeitliche Distanz der Erzählinstanz zum Erzählten. Freilich erzählt die narrative Instanz im Präteritum, dennoch ist – so Beißner – der Erzähler dem Erzählten nicht voraus.

Der Erzähler – das ist das Geheimnis der Wirkung – ist nirgends dem Erzählten voraus, auch wenn er im Praeteritum erzählt. Das Geschehen erzählt sich selber im Augenblick, in paradox praeteritaler Form; es erzählt sich aus einseitiger, aber durchaus einheitlicher Sicht und korrigiert nicht – das wäre trivial, wäre platte Entzauberung – den in solcher Sicht möglichen und fast unvermeidbaren Irrtum.[15]

Obwohl der Erzähler im Präteritum erzählt, dem Erzählten also voraus ist, nimmt er nicht vorweg, was auf erzählter Ebene zeitlich erreicht ist.[16]

Die wichtigsten Strukturmerkmale dessen, was Beißner mit Einsinnigkeit meint, sind nun dargelegt. Mit Genettes Typologie lässt sich diese Einsinnigkeit folgendermaßen paraphrasieren: Eine narrative heterodiegetische Instanz erzählt intern fokalisiert und relational zum Erzählten zu einem späteren Zeitpunkt gewissermaßen eine Mindestreichweite zum Erzählten wahrend – d. h. nicht proleptisch der erreichten zeitlichen Position auf Ebene der Basiserzählung vorgreifend[17] – eine Geschichte.

Im Folgenden soll Beißners These am Proceß ex negativo überprüft werden, d. h. anhand von Passus, welche die Allgemeingültigkeit der Einsinnigkeit zu falsifizieren imstande sind. Zuerst sollen dabei – vornehmlich der Chronologie des Erzählverlaufs folgend – etwaige Erzählerkommentare, -wertungen und damit korrelierende Veränderungen in der Fokalisierung untersucht werden, um dann – allerdings eher andeutungsweise – derartige Phänomene zu besprechen, welche Genettes Typologie zufolge die Ordnung und Dauer betreffen.[18] Nachdem eine Bestandsaufnahme der Negativbelege für Beißners Einsinnigkeit geleistet worden ist[19], soll die Funktion jener Einsinnigkeitsbrüche besprochen werden.

b) Brüche in der Einsinnigkeit

i) Änderungen der Fokalisierung

Ein erster Negativbeleg, auf den in der Forschung oft hingewiesen wird[20], ist der erste Satz des Proceß-Romans:

1) Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet.[21]

Erst später erfährt K. und somit auch der Leser von der Verhaftung K.s. Deswegen liegt es nahe, hier wegen der Information über K.s Verhaftung eine distanzierte und somit K.s Bewusstein transzendierende Erzählinstanz zu vermuten, welche dem Erzählten, das mit K.s Erwartung einsetzt, sein Frühstück zu bekommen, sehr wohl voraus ist. Der Konjunktiv ‚hätte’ allerdings – auch darauf ist in der Forschung hingewiesen worden[22] – verweist eher auf das Räsonnement des Protagonisten, verneint jedenfalls in Bezug auf die Schuldfrage einen mehr als K. wissenden oder gar 0-fokalisierten Erzähler.

Gemäß Beißners grundsätzlichem Einwand gegen Kritik an der Allgemeingültigkeit der Einsinnigkeit, „man sollte nicht von »Ambiguität« reden, wo die erste Möglichkeit (der früheren Information der Mittelpunktsgestalt) durchaus mit den sonst beobachteten Eigenschaften Kafkaischer Erzählung übereinstimmt“[23], interpretiere ich den gesamten zitierten Passus als einen intern fokalisierten, als – um den Erzählmodus konkret zu benennen – erlebte Gedankenrede Ks, auch die scheinbar von außen getätigte Feststellung von K.s Verhaftung. Denn durchaus kann K. von dem Ausbleiben seines Frühstücks auf eine Verhaftung schließen. Wieso lautet seine Reaktion auf die explizite Verhaftung sonst: „Es sieht so aus“? K. scheint schon vor dem performativen Sprechakt der Verhaftung von seiner Verhaftung zu ahnen. Der zitierte Passus also gibt – wie ich meine – keine eindeutige Evidenz für einen Bruch in der einsinnigen Erzählhaltung.

Anders vielleicht folgender Fall aus dem ersten Kapitel[24]:

[...]


[1] Vgl. Friedrich Beißner: Der Erzähler Franz Kafka. Und andere Vorträge. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1983 (= suhrkamp taschenbuch 516).

[2] Vgl. Gérard Genette: Die Erzählung. Aus dem Französischen von Andreas Knop. 2. Aufl. München: Fink 1998 (= UTB 8083).

[3] Beißner: Der Erzähler Franz Kafka. S. 37-38.

[4] Die Betonung liegt hier auf objektiv. Selbstverständlich deuten die Figuren Kafkas die Innenwelt des Gegenübers, doch stets im Modus des Glaubens, nie im Modus des Wissens. Darauf soll später noch eingegangen werden.

[5] Genette: Die Erzählung: S. 134.

[6] Beißner: Der Erzähler Franz Kafka. S. 95.

[7] Selbstverständlich lässt sich dieses Kriterium nicht auf den visuellen Aspekt reduzieren. Die Figur sieht ja nicht nur, sie fühlt und denkt etc. gleichermaßen. Nicht umsonst vermeidet Genette den traditionellen Begriff des ‚point of view’ und zieht den Begriff der Fokalisierung vor. (Vgl. Genette: Die Erzählung. S. 134.)

[8] Die Konfusion rührt ja daher, dass eine interne Fokalisierung eine Erzählung in der ersten Person vermuten lässt. Dies allerdings keinesfalls wegen der Annahme, die Fokalisierung bestimme die grammatische Kategorie der Person. Dann nämlich müsste ein eigentlich nicht fokalisierter Erzähler, wenn er etwa wertend oder kommentierend in der ersten Person von sich redet, zugleich als intern fokalisierter Erzähler klassifiziert werden (allwissend und nicht allwissend zugleich?). Dies ist aber schon intuitiv nicht der Fall. Ebenso kann eine narrative Instanz von sich selbst in der dritten Person reden, ohne dass man ihm eine 0-Fokalisierung unterstellt. Das entscheidende und die Konfusion hervorrufende Kriterium also muss ein anderes sein. (Vgl. auch Genette: Die Erzählung. S. 174-176.)

[8] Vgl. ebd. S. 175.

[10] Franz Kafka: Der Proceß. Roman 1925. Berlin: Berliner Wissenschafts-Verlag 2006 (= Juristische Zeitgeschichte 25, Abteilung 6 Recht in der Kunst – Kunst im Recht). (Textgrundlage: Franz Kafka, Der Proceß. Roman in der Fassung der Handschrit. Hrsg. von Malcolm Pasley) S. 149.

[11] Genette: Die Erzählung. S. 137.

[12] Beißner verfährt ähnlich. Auch er bemerkt, dass in Kafkas Romanen gewisse Informationen nicht das aktuelle Bewusstsein der fokalen Figuren meinen: „Es gibt also in Kafkas Stil – und ganz legitim – auch »Mitteilungen an den Leser«: gleich im ersten Satz des Amerika-Romans »Der Verschollene« etwa die Altersangabe und andre Informationen. Es gibt aber nirgends Reflexion neben der Handlung und über die Gestalten.“ (Beißner: Der Erzähler Franz Kafka. S. 143.) Auch Beißner behält den Terminus Einsinnigkeit bei und lässt dafür das Kriterium des Bewusstseins- und Erfahrungshorizonts gelten.

[13] Auch Genette verwendet den Begriff der internen Fokalisierung eher im weiteren Sinn. Ein Kriterium, welches eine derartige Klassifikation anführt, „besagt, daß es möglich sein muß, das betreffende narrative Segment in der ersten Peron wiederzugeben […]“ (Genette: Die Erzählung. S. 137.), ohne eine Modifikation der Satzsemantik zu erwirken. ‚Mit brechenden Augen sah ich noch, wie die Herren, nahe vor meinem Gesicht, Wange an Wange aneinandergelehnt, die Entscheidung beobachteten.’ Dies scheint zu funktionieren. Im Übrigen lässt auch Beißner dieses Verfahren gelten: „Im allgemeinen darf man die Richtigkeit der einsinnigen Perspektive überall dort anerkennen, wo die Möglichkeit einer Umwandlung zu einer im Praeteritum vorgetragenen Ich-Erzählung besteht.“ (Beißner: Der Erzähler Franz Kafka: S. 145.)

[14] Vgl. oben Anm. 13.

[15] Beißner: Der Erzähler Franz Kafka. S. 40.

[16] Wie dies in concreto vonstatten geht, wird sich zeigen.

[17] Analepsen, d. h. zeitliche Rückgriffe, werden von Beißners These ja nicht ausgeschlossen, sofern sie intern fokalisert erzählt werden.

[18] Diese Trennung wird vorgenommen, da ich meine, dass die Phänomene der Ordnung und Dauer im Proceß figurenbewusstseinsimmanent erzählt werden, nicht also – wie von einigen Interpreten vorgeführt – als Negativbelege für die Einsinnigkeit geltend gemacht werden können. (Wirkliche Prolepsen, welche ein tatsächlicher Negativbeleg für das letztbesprochene Strukturelement der Einsinnigkeit wären, kommen meines Erachtens im Proceß nicht vor.)

[19] Diese Bestandsaufnahme konzentriert sich auf die mehr oder weniger augenscheinlichen Belege, erhebt also keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

[20] Vgl. etwa Winfried Kudszus: Erzählhaltung und Zeitverschiebung in Kafkas ’Prozeß und Schloß’. In: Deutsche Vierteljahrsschrift 38 (1964). S. 192-207. Hier S. 192.

[21] Kafka: Der Proceß. S. 3.

[22] Vgl. etwa Heinz Ide: Franz Kafka ’Der Prozeß’. In : Jahrbuch der Wittheit zu Bremen 6 (1962). S. 19-58. Hier S. 22.

[23] Beißner: Der Erzähler Franz Kafka. S. 145.

[24] Es wird stets von Pasleys Zählung ausgegangen.

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Von einsinnigem Erkennen und einsinnigem Erzählen
Untertitel
Kafkas Erzähltechnik im Roman 'Der Proceß'
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Institut für Literaturwissenschaft)
Veranstaltung
Kafkas Romane
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
28
Katalognummer
V113516
ISBN (eBook)
9783640143849
ISBN (Buch)
9783640143856
Dateigröße
506 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erkennen, Erzählen, Kafkas, Romane
Arbeit zitieren
Michael Steinmetz (Autor), 2006, Von einsinnigem Erkennen und einsinnigem Erzählen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113516

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