Die große Koalition, bestehend aus CDU/CSU und SPD, hat in ihrem Koalitionsvertrag vom 11.11.2005 die Einführung international wettbewerbsfähiger Steuersätze und eine grundlegende Fortentwicklung des Unternehmensteuerrechts zum 01.01.2008 angekündigt.1 Der Referentenentwurf zur Unternehmensteuerreform 2008 ist der Bundesregierung am 05.02.2007 vorgelegt worden. Am 14.03.2007 ist der Entwurf der Unternehmensteuerreform 2008 vom Bundeskabinett beschlossen worden.2
Nachdem der Entwurf am 25.05.2007 offiziell vom Bundestag verabschiedet wurde, stimmte bereits am 06.07.2007 der Bundesrat dem Unternehmensteuerreformgesetz 2008 zu.
Den Kern des Unternehmenssteuerreformgesetzes bildet die Senkung der Unternehmensteuerbelastung von 38,65% auf ca. 30%, welcher durch eine Tarifsenkung der Körperschaftsteuer von 25% auf 15%, sowie die Senkung der Steuermeßzahl bei der Gewerbesteuer auf einheitlich 3,5% erzielt wird. Im Gegenzug sind zahlreiche Maßnahmen zur Gegenfinanzierung der Unternehmenssteuerreform 2008 geschaffen worden, wie zum Beipiel die Abschaffung des Betriebsausgabenabzugs der Gewerbesteuer, der Verlustausgleich beim Mantelkauf sowie die Einführung einer Zinsschranke, welche für Unternehmen die Abzugsfähigkeit von Zinsaufwendungen in Abhängigkeit zum Gewinn beschränken soll.3 Weiterhin sieht der Gesetzentwurf die Einführung einer einheitlichen Abgeltungsteuer für private Kapitalerträge vor.
Die Unternehmenssteuerreform 2008 ist zum 01.01.2008 in Kraft getreten und die Abgeltungsteuer wird ihr zum 01.01.2009 folgen.
In den folgenden Kapiteln der Seminararbeit möchte ich explizit auf die Auswirkungen und die Folgen der Änderungen in der Unternehmensteuerreform 2008 in Bezug auf die Thesaurierungsbegünstigungen bei Einzel- und Personenunternehmen und den Verlustausgleich bzw. Verlustabzug beim Mantelkauf durch Kapitalgesellschaften eingehen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Ertragsteuerarten
2.1 Einkommensteuer
2.2 Körperschaftsteuer
2.3 Gewerbesteuer
3 Wesentliche Änderungen bei Einzel- und Personenunternehmen
3.1 Einführung einer Thesaurierungsbegünstigung
3.1.1 Ablauf
3.1.2 Nachversteuerung
3.2 Fazit der Thesaurierungsbegünstigung
4 Gegenfinanzierungsmaßnahmen der Unternehmenssteuerreform
4.1 Mantelkauf
4.1.1 Überblick § 8c KStG n.F.
4.1.2 Schädlicher Beteiligungserwerb, § 8c Satz 1 KStG n.F.
4.1.3 Schädlicher Beteiligungserwerb, § 8c Satz 2 KStG n.F.
4.2 Fazit Mantelkauf
5 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert kritisch die Auswirkungen der Unternehmenssteuerreform 2008, insbesondere mit Fokus auf die Thesaurierungsbegünstigung bei Einzel- und Personengesellschaften sowie die neuen Regelungen zum Verlustabzug beim Mantelkauf von Kapitalgesellschaften.
- Grundlagen der Ertragsteuerarten
- Mechanismen der Thesaurierungsbegünstigung und Nachversteuerung
- Kritische Bewertung der Rechtsform- und Finanzierungsneutralität
- Analyse des Mantelkauf-Paragraphen (§ 8c KStG n.F.)
- Diskussion der Auswirkungen auf junge innovative Unternehmen
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Ablauf
Um in den Genuss der Thesaurierungsbegünstigung zu kommen, muss der Gesellschafter einen Antrag gemäß §34a Abs. 1 Satz 2 EStG, bei dem für die Einkommensteuer des Steuerpflichtigen zuständigen Finanzamt, stellen. Mit Hilfe des Antrags kann der Steuerpflichtige entscheiden, ob und in welcher Höhe er die Thesaurierungsbegünstigung für nicht entnommene Gewinne in Anspruch nehmen will. Um den Verwaltungsaufwand so einfach wie möglich zu gestalten und die Feststellungsfinanzämter nicht zu überfordern, können Mitunternehmer nur einen Antrag stellen, wenn ihre Beteiligung am Gewinn nach § 4 Abs. 1 oder § 5 EStG größer als 10% oder größer 10.000 Euro ist.
Abbildung 2 gibt einen Überlick zur Antragsberechtigung von Einzel- und Mitunternehmern.
Sobald der Gesellschafter der Einzel- oder Personengesellschaft den Antrag auf Thesaurierung gestellt hat, berechnet sich die Einkommensteuer mit einem Steuersatz von 28,25%. Auf die Einkommensteuer entfällt nun die anteilige Gewerbesteuer in Höhe des 3,8-fachen Gewerbesteuer-Meßbetrags. Anschließend wird von der verbleibenden Einkommensteuer der Solidaritätszuschlag in Höhe von 5,5% abgezogen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Die Arbeit gibt einen Überblick über die Hintergründe der Unternehmenssteuerreform 2008 und definiert das Ziel, die Auswirkungen auf Personengesellschaften und Kapitalgesellschaften zu untersuchen.
2 Ertragsteuerarten: Es werden die wesentlichen Steuern (Einkommen-, Körperschaft- und Gewerbesteuer) kurz erläutert, die Gegenstand der steuerlichen Reformmaßnahmen sind.
3 Wesentliche Änderungen bei Einzel- und Personenunternehmen: Dieser Teil behandelt die Einführung der Thesaurierungsbegünstigung, deren Anwendungsvoraussetzungen und die kritische Würdigung ihrer Effektivität im Vergleich zu Kapitalgesellschaften.
4 Gegenfinanzierungsmaßnahmen der Unternehmenssteuerreform: Hier wird der Mantelkauf analysiert, wobei insbesondere der neue § 8c KStG und die Auswirkungen auf den Verlustabzug bei Anteilseignerwechseln im Detail beleuchtet werden.
5 Zusammenfassung: Das Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Reform unter dem Aspekt des internationalen Wettbewerbs sowie der steuerlichen Belastung der verschiedenen Rechtsformen.
Schlüsselwörter
Unternehmenssteuerreform 2008, Thesaurierungsbegünstigung, Einkommensteuer, Körperschaftsteuer, Gewerbesteuer, Mantelkauf, Verlustabzug, § 34a EStG, § 8c KStG, Personengesellschaft, Kapitalgesellschaft, Rechtsformneutralität, Finanzierungsneutralität, Abgeltungsteuer, Solidaritätszuschlag.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit einer kritischen Bewertung der Unternehmenssteuerreform 2008 in Deutschland, insbesondere hinsichtlich der Änderungen im Einkommen- und Körperschaftsteuerrecht.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Thesaurierungsbegünstigung für Einzel- und Personengesellschaften sowie der Neuregelung des Mantelkauf-Paragraphen (§ 8c KStG) zur Gegenfinanzierung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu analysieren, ob die Reform ihr Ziel der Rechtsform- und Finanzierungsneutralität erreicht oder ob durch komplexe Regelungen neue Nachteile für bestimmte Unternehmen entstehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine systematische Analyse der steuergesetzlichen Änderungen unter Einbeziehung von Fachliteratur und aktuellen Stellungnahmen der Finanzverwaltung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Thesaurierungsbegünstigung (Ablauf, Nachversteuerung) und die Gegenfinanzierungsmaßnahmen, speziell die Beschränkung des Verlustabzugs bei Anteilseignerwechseln.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Kernbegriffen gehören Unternehmenssteuerreform 2008, Thesaurierungsbegünstigung, § 8c KStG, Mantelkauf und Rechtsformneutralität.
Warum wird die Thesaurierungsbegünstigung kritisch betrachtet?
Der Autor kritisiert, dass der Steuersatz nur bei einer 100%igen Thesaurierung greift und somit keine realistische Entlastung für viele mittelständische Personengesellschaften darstellt.
Wie wirkt sich die neue Mantelkaufregelung auf junge Unternehmen aus?
Der Autor weist darauf hin, dass insbesondere junge innovative Unternehmen, die auf Kapitalzufuhr angewiesen sind, durch die neuen Beschränkungen des Verlustabzugs in ihrem Zugang zum Kapitalmarkt behindert werden könnten.
- Arbeit zitieren
- Sebastian Schönherr (Autor:in), 2008, Kritische Bewertung der Unternehmensteuerreform 2008 im Hinblick auf die Änderung im Einkommen- und Körperschaftsteuerrecht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113580