Anglizismen in der deutschen Chat- und Forensprache Jugendlicher


Seminararbeit, 2007
15 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Anglizismus
2.1. Die Lexikalische Einheit
2.2. Die idiomatische Verwendung
2.3. Die syntaktische Konstruktion
2.4. Denglisch

3. Internetkommunikation
3.1. Der Chat
3.2. Das Internetforum
3.3. Gästebücher in Onlinenetzwerken

4. Anglizismen im Internet
4.1. Anglizismen im jugendlichen Chat
4.2. Anglizismen im jugendlichen Forum
4.3. Anglizismen in Gästebüchern von Onlinenetzwerken

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

(Sick 2006:210):

Als Gott noch in Frankreich lebte, da wusste noch jeder, was „Savoir-vivre“ und „Laisser-faire“ bedeuten. Heute dreht sich alles um Lifestyle, und aus dem „Laisser-faire-Prinzip“ wurden „Take it easy!“. Was früher „en vogue“ war, ist heute „trendy“, und eine Mode, die irgendwann „passé“ war, ist heute „out“.

Auf diese Weise beschreibt der populärwissenschaftliche Autor Bastian Sick die Bre­douille, in der sich seiner Ansicht nach die deutsche Sprache befindet, die in neuester Zeit von Anglizismen überschwemmt wurde und selbst etablierte Gallizismen zu ver­drängen vermag.

Ich möchte mit dieser Arbeit versuchen den Ursachen dieses beobachteten Sprachwandel­prozesses auf den Grund zu gehen und auf Basis der Jugendsprache zu analysieren. Da die gesamte Jugendsprache – falls sie überhaupt als solche zu registrie­ren ist – sehr umfangreich ist, werde ich mich bei meinen Untersuchungen auf die Chat- und Forensprache von Jugendlichen der Altersgruppe von 13-17 beschränken. In der Forschung ist bisher relativ eindeutig markiert, dass die Chatsprache näher in die mündliche Sprache einzuordnen ist, die Forensprache hingegen eher „konzeptionell schriftlich“ ist (Androutsopoulos 2003:175). Diese Unterscheidung kann ich in dieser Arbeit ausnutzen, indem ich die Anglizismen, die im Chat auftreten, versuche auch in Foren oder Gästebüchern zu finden, um somit zu gewährleisten, dass die von mir be­obachteten Phänomene nicht rein schriftlich oder konzeptionell mündlich auftreten. Somit sollte es dann möglich sein einen gefilterten Anglizismenpool der momentanen Jugendsprache aufzubauen und damit entweder die inflationäre Verwendung von Angli­zismen zu bestätigen oder zu widerlegen.

2. Der Anglizismus

Ein Anglizismus ist ein „aus dem Englischen in eine nicht-englische Sprache übernom­mener Ausdruck“ (Bußmann 2002:81). Hierbei unterscheidet Hadumod Bußmann im Lexikon der Sprachwissenschaft drei Typen:

1. Die lexikalische Einheit
2. Die idiomatische Verwendung
3. die syntaktische Konstruktion

Des Weiteren wird der Begriff des „Denglisch“ angeführt, der „Ausdrücke bezeichnet […], bei denen englische Ausdrücke in deutschen Wortbildungs- und Flexionsmustern verwendet werden“.

Im Folgenden werde ich näher auf die verschiedenen Formen von Anglizismen einge­hen.

2.1. Die Lexikalische Einheit

In der am leichtesten zu erkennenden Form des Anglizismus werden englische Begriffe direkt in den Sprachgebrauch übernommen:[1]

(1) Hooligan
(2) Boss
(3) Bestseller

Viele weitere lexikalische Anglizismen haben ihren Ursprung im technischen Bereich, insbesondere der Computertechnologie, weil eine Übersetzung in die deutsche Sprache unter Umständen äußerst schwierig ist[2], zum Anderen ist eine Übersetzung auch oft nicht erwünscht, wenn die Kommunikation mit Hilfe dieser Fachsprache funktioniert.

Aus diesem Grund lasse ich bei meiner Analyse die computersprachlichen Begriffe au­ßen vor, da die Gefahr zu groß ist, dass dadurch echte Anglizismen verschleiert werden.

2.2. Die idiomatische Verwendung

Unter der idiomatischen Verwendung im Bezug auf den Anglizismus versteht man eine Ausdrucksweise, die eine feststehende englische Phrase in die deutsche Sprache transfe­riert wird. Hierbei bleibt die Bedeutung erhalten:

(4) World Wide Web

2.3. Die syntaktische Konstruktion

Ein Anglizismus, der sich in einer syntaktischen Konstruktion ausdrückt, ist unter Um­ständen schon schwieriger zu identifizieren. Neben den englischsprachigen Phrasen wie

(5) up to date
(6) Roller skating

lässt sich auch schon die Phrase

(7) das Beste aus etwas machen

als Anglizismus durch eine syntaktische Konstruktion sehen. Beispiel (6) ist im Laufe der letzten 50 Jahre zwar im Gesamten in die deutsche Alltagssprache eingegangen (vgl. Carstensen:110), aber dennoch bleibt dieses Redewendung ein Anglizismus, der vom Englischen to make the best of something herrührt.[3]

Auch der populäre Ausdruck

(8) das macht Sinn

ist ein Anglizismus, der aus dem Englischen „that makes sense“ in die deutsche All­tagssprache eingegliedert worden ist. Bastian Sick argumentiert gegen diese Redewen­dung, indem er das Verb „machen“ von der althochdeutschen Bedeutung als Wort für herstellen, fertigen und gestalten sieht, was keinerlei Zusammenhang zu dem Wort „Sinn“ enthielte und somit semantisch im Deutschen eine falsche Ausdrucksweise sei (s. Sick 2004:49f.). Ob diese Argumentation auch wissenschaftlich vor allem im Bezug auf den Bedeutungswandel der Worte zu bestätigen ist sei dahingestellt, aber dennoch zeigt dieses Beispiel einen weiteren Einschub der englischen in die deutsche Sprache.

2.4. Denglisch

Wenn bei englischen Ausdrücken deutsche Wortbildungs- und Flexionsmuster verwen­det werden spricht man von Denglisch.

So wird beispielsweise aus dem Englischen Wort Power für Kraft in Analogie zu dem Adjektiv entkräftet das Verb ausgepowert (vgl. Bußmann 2002:82).

Diese Art Analogien zu bilden tritt im Chat nicht nur in der Beziehung Deutsch – Eng­lisch auf, sondern existiert auch in anderen Sprachen. So bilden türkisch-deutsche Chatter auch deutsche Sätze nach türkischen Grammatikregeln. Hierbei kann vermutet werden, dass dies dazu dient sich ihrer speziellen sozialen Schicht zugeordnet zu zeigen (vgl. Androutsopoulos 2003:186).

Besonders dieser Art des Anglizismus widmet Hermann Zabel in „Denglisch, nein danke!“ sein Vorwort. Dort heißt es:

Europas Charme liegt in der Vielfalt seiner Kulturen, auch der seiner Sprachen, sie darf nicht in einem anglo-amerikanischen Sprachbrei versinken!“ (Zabel 2003:11)

[...]


[1] Die folgenden Beispiele entstammen dem Anglizismen Wörterbuch (1993).

[2] Schon bei dem Begriff Internet treten große Schwierigkeiten auf.

[3] Zeitungsartikel zu dieser Phrase sind im Anglizismen Wörterbuch Band 1 auf Seite 110 zu finden.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Anglizismen in der deutschen Chat- und Forensprache Jugendlicher
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Germanistisches Institut )
Veranstaltung
Proseminar Jugendsprache
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
15
Katalognummer
V113598
ISBN (eBook)
9783640147618
ISBN (Buch)
9783640161430
Dateigröße
401 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Anglizismen, Chat-, Forensprache, Jugendlicher, Proseminar, Jugendsprache, Linguistik
Arbeit zitieren
Stefan Rohde (Autor), 2007, Anglizismen in der deutschen Chat- und Forensprache Jugendlicher, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113598

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