Als Gott noch in Frankreich lebte, da wusste noch jeder, was „Savoir-vivre“ und „Laisser-faire“ bedeuten. Heute dreht sich alles um Lifestyle, und aus dem „Laisser-faire-Prinzip“ wurden „Take it easy!“. Was früher „en vogue“ war, ist heute „trendy“, und eine Mode, die irgendwann „passé“ war, ist heute „out“.
Auf diese Weise beschreibt der populärwissenschaftliche Autor Bastian Sick die Bredouille, in der sich seiner Ansicht nach die deutsche Sprache befindet, die in neuester Zeit von Anglizismen überschwemmt wurde und selbst etablierte Gallizismen zu verdrängen vermag.
Ich möchte mit dieser Arbeit versuchen den Ursachen dieses beobachteten Sprachwandelprozesses auf den Grund zu gehen und auf Basis der Jugendsprache zu analysieren.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DER ANGLIZISMUS
2.1. Die Lexikalische Einheit
2.2. Die idiomatische Verwendung
2.3. Die syntaktische Konstruktion
2.4. Denglisch
3. INTERNETKOMMUNIKATION
3.1. Der Chat
3.2. Das Internetforum
3.3. Gästebücher in Onlinenetzwerken
4. ANGLIZISMEN IM INTERNET
4.1. Anglizismen im jugendlichen Chat
4.2. Anglizismen im jugendlichen Forum
4.3. Anglizismen in Gästebüchern von Onlinenetzwerken
5. FAZIT
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Ausmaß und die Verwendung von Anglizismen in der Chat- und Forensprache Jugendlicher im Alter von 13 bis 17 Jahren, um den Einfluss der englischen Sprache auf diesen digitalen Sprachgebrauch zu analysieren und eine mögliche inflationäre Entwicklung zu prüfen.
- Strukturanalyse der Internetkommunikation (Chat vs. Forum)
- Differenzierung verschiedener Anglizismus-Typen (lexikalisch, idiomatisch, syntaktisch)
- Untersuchung der jugendlichen Sprachkreativität und Identitätsstiftung
- Vergleich der Sprachwahl in unterschiedlichen digitalen Umgebungen
- Einordnung der Anglizismen im Kontext der "privaten Öffentlichkeit"
Auszug aus dem Buch
3.1. DER CHAT
Der Chat unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht von anderen schriftsprachlichen Medien. Androutsopoulos spricht hierbei von „informelle(r) Netzkommunikation“ (Androutsopoulos 2003:182). Aufgrund des Modells der konzeptionellen Mündlichkeit von Koch und Oesterreicher, welches besagt, dass eine Situation von kommunikativer Nähe herrschen muss (s. Androutsopoulos 2003:182), lässt sich erklären, warum die im Chat vollzogene Schriftsprache eher an der Mündlichkeit grenzt. Die Geschwindigkeit, in der ein Chatgespräch vollzogen wird befindet sich eher an der Geschwindigkeit eines mündlichen Gespräches, als an einem Briefwechsel.
Demnach ist es klar, dass für eine solch hohe Geschwindigkeit Möglichkeiten gefunden werden müssen dem Schriftsprachlichen gerecht zu werden. Hierbei bedient sich der Chatter an einer großen Auswahl von Elementen, die ihm erlauben die Informationen, trotz des „Umwegs“ über die Tastatur in annehmbarem Tempo auszutauschen. Dieser Elementenpool umfasst nicht nur die sog. Emoticons, Grafostilistik oder Akronyme, sondern eben auch Dialekte sowie Anglizismen. All diese Elemente bedeuten in jeder Hinsicht eine Art Abgrenzung vor anderen Menschen, die sich nicht dieser Gruppe zugehörig empfinden (sollen).
Demnach gibt es vor allem in der Chatsprache auch die Möglichkeit viele Sprachformen, die in realitas auch bestehen zu übertragen und „Fremden“, nicht der Sprache zugehörigen Menschen dies zu signalisieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Vorstellung der Problematik des Sprachwandels durch Anglizismen und Definition des Untersuchungsrahmens innerhalb der Jugendsprache.
2. DER ANGLIZISMUS: Theoretische Abgrenzung der verschiedenen Formen von Anglizismen, wie lexikalische Einheiten, idiomatische Verwendungen und syntaktische Konstruktionen.
3. INTERNETKOMMUNIKATION: Analyse der medialen Bedingungen von Chat, Foren und Gästebüchern als spezifische Orte der digitalen Sprachproduktion.
4. ANGLIZISMEN IM INTERNET: Empirische Betrachtung der Verwendung von Anglizismen in jugendlichen Chatrooms, Foren und Profil-Gästebüchern.
5. FAZIT: Zusammenfassende Bewertung, dass keine inflationäre Überflutung durch Anglizismen vorliegt und die Verwendung eher Ausdruck jugendlicher Kreativität und Identität ist.
Schlüsselwörter
Anglizismen, Jugendsprache, Internetkommunikation, Chat, Forum, Gästebücher, Denglisch, Sprachwandel, Netzkommunikation, Identität, Soziolinguistik, Medienkompetenz, Digitale Sprache.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Einfluss des Englischen auf die deutsche Sprache, speziell im Kontext der digitalen Kommunikation unter Jugendlichen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Theorie der Anglizismen, die Besonderheiten der Internetkommunikation und die Sprachpraxis Jugendlicher in Online-Medien.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu analysieren, ob die Sprache Jugendlicher in Chats und Foren tatsächlich von einer inflationären Verwendung von Anglizismen geprägt ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt eine qualitative Analyse von Chatmitschnitten und Beiträgen in Foren sowie Gästebüchern durch, gestützt auf soziolinguistische Modelle.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Definition von Anglizismen, die Beschreibung der Kommunikationsformen und die praktische Auswertung der gesammelten Textbeispiele.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Anglizismen, Jugendsprache, Internetkommunikation, Identitätsstiftung und Sprachwandel.
Wie unterscheidet sich die Sprache im Chat von der in Internetforen?
Der Chat ist konzeptionell mündlicher und geschwindigkeitsorientiert, während Foren oft reflektierter und sprachlich sorgfältiger gestaltet sind.
Was versteht der Autor unter "privater Öffentlichkeit"?
Dies bezeichnet Gästebücher oder Profile in sozialen Netzwerken, die zwar öffentlich einsehbar sind, aber oft einen persönlichen, privaten Charakter der Kommunikation aufweisen.
Gibt es Anzeichen für eine starke Beeinträchtigung der deutschen Sprache?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass kein "Sprachbrei" vorliegt, sondern vielmehr ein kreativer und bewusster Umgang der Jugendlichen mit neuen Begriffen stattfindet.
- Quote paper
- Stefan Rohde (Author), 2007, Anglizismen in der deutschen Chat- und Forensprache Jugendlicher, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113598