In unserer Gesellschaft zählt Jugend und Schönheit und die Werbung bestätigt diese These,
die nunmehr ein Fakt geworden ist. Prominente Schauspielerinnen, wie zum Beispiel die 70-
jährige Jane Fonda, und diverse Models werben für Anti-Falten-Produkte und ein
jugendliches Aussehen bis ins hohe Alter. Da diese Frauen selbst unter dem enormen Druck
stehen, dem gängigen Schönheitsideal zu entsprechen, ist ihnen auch sicherlich nicht bewusst,
wie sehr sie die „normale“ Frau von nebenan in Bezug auf ihr Äußeres verunsichern.
Gesellschaftlich betrachtet wird alt gleichgesetzt mit hässlich, zerbrechlich, wertlos. Ist eine
Frau alt und wertlos sobald sie das Klimakterium erreicht hat und keine Kinder mehr gebären
kann? Männer hingegen wirken trotz oder gerade wegen angegrauter Schläfen attraktiv und
begehrenswert. Als Erklärung hierfür sei die männliche Zeugungsfähigkeit bis ins hohe Alter
angefügt. Statistisch gesehen haben es Männer im Alter allgemein leichter als Frauen: Zum
Einen erreichen sie kein so hohes Alter wie Frauen und haben dadurch auch seltener mit
Vereinzelung zu kämpfen und zum Anderen sind sie seltener krank. Darüber hinaus sind alte
Männer, aufgrund ihrer meist lückenlosen Erwerbstätigkeit, nicht in dem Maße von Armut im
Alter betroffen wie es bei Frauen der Fall ist. Die genannten Gründe waren ausschlaggebend
für mich, das Thema Alter(n) von Frauen näher zu beleuchten. Hierbei interessieren mich vor
allem die Probleme und Herausforderungen, vor denen heutige und zukünftig alte Frauen
stehen (werden). Diesbezüglich möchte ich die allgemeine Sozialisation der gegenwärtig 70 –
80-jährigen Frauen näher beleuchten, ihre Lebenslagen, sowie Altersrisiken darlegen, und die
weibliche Lebensbewältigung im Alter untersuchen.
Als letzte Lebensphase verstehe ich die Zeit nach der Pensionierung, die in der Soziologie
auch gern als drittes Lebensalter bezeichnet wird. Auf das vierte Lebensalter, also die relativ
kurze Zeit vor dem Tod, werde ich nicht näher eingehen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Alter und Altersbilder
2.1 Definition Alter und Altern
2.2 Altersbilder und Stereotype
2.3 Trends und Alter
3 Alter und Geschlecht
3.1 Ist das Alter weiblich?
3.2 Veränderungen weiblichen Alterns
4 Weibliches Altern und Lebenslagen
4.1 Lebenslagen alter Frauen
4.2 Weibliche Altersrisiken
5 Weibliche Lebensbewältigung im Alter
6 Schlussbemerkungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die spezifischen Probleme und Herausforderungen, mit denen Frauen in der letzten Lebensphase konfrontiert sind. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse der historischen Sozialisation, der Lebenslagen und der geschlechtsspezifischen Altersrisiken, um ein Verständnis für die weibliche Lebensbewältigung im Alter zu entwickeln.
- Historische Entwicklung der Frauenrollen und deren Einfluss auf das Alter
- Sozioökonomische Faktoren und das Risiko von Altersarmut
- Physische und psychische Gesundheit sowie subjektives Wohlbefinden
- Bewältigungsstrategien bei Veränderungen wie Verwitwung und Berufsende
- Gesellschaftliche Teilhabe und Partizipationsmöglichkeiten
Auszug aus dem Buch
Bildung und Beruf
Vor 1945 hatte die Mehrheit der Jungen und Mädchen kaum die Chance eine weiterbildende Schule zu besuchen. Im Kaiserreich, in der Weimarer Republik und während des Nationalsozialismus war Bildung eine Frage der Schichtzugehörigkeit und des Geschlechts. Letzteres zeigt sich vor allem in der Berufsbildung. Die große Mehrheit der heute über 80-jährigen Frauen verließ nach acht Jahren die Volksschule ohne eine Berufsausbildung zu beginnen. Sie wurden dann meist als Bedienstete in Haushalten oder auf Bauernhöfen eingestellt. Frauen aus der städtischen Arbeiterklasse wurden Industriearbeiterinnen, denen jedoch kaum die Möglichkeit einer fundierten Ausbildung gegeben wurde. Sie mussten vielmehr „ungelernte Tätigkeiten mit extrem niedrigen Lohnstufen ausführen, die bei Frauen des Geschlechtes halber noch unter denen für Männer mit gleichwertiger Tätigkeit lag“ (Sickendiek 1999, S. 165). Unter dieser Entlohnungspraxis litten Industriearbeiterinnen noch bis in die 1980er Jahre – in ost wie west. In den 1920er Jahren gelang es einem Großteil der Frauen als Verkäuferin oder Büroangestellte zu arbeiten. Allerdings wurden diese Berufe noch schlechter entlohnt als die Industriearbeit (vgl. ebd.).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den gesellschaftlichen Druck auf Frauen, jugendlich zu bleiben, und stellt die Forschungsfrage nach den Problemen und Herausforderungen für heute und zukünftig alternde Frauen.
2 Alter und Altersbilder: Dieses Kapitel definiert die Altersphasen aus soziologischer Sicht und analysiert, wie negative Altersbilder und gesellschaftliche Trends das Älterwerden beeinflussen.
3 Alter und Geschlecht: Es werden die biologischen und sozialen Unterschiede zwischen den Geschlechtern thematisiert sowie die statistische Dominanz von Frauen im hohen Alter beleuchtet.
4 Weibliches Altern und Lebenslagen: Dieser Teil analysiert die historischen Lebensläufe heutiger Seniorinnen und identifiziert zentrale Altersrisiken wie Armut, Vereinzelung und gesundheitliche Probleme.
5 Weibliche Lebensbewältigung im Alter: Hier werden Bewältigungsstrategien für kritische Einschnitte im Leben, wie Veränderungen der Sexualität, Verwitwung und der Übergang in den Ruhestand, untersucht.
6 Schlussbemerkungen: Das Fazit fasst die zentrale Benachteiligung von Frauen zusammen und betont die Notwendigkeit eines gesellschaftlichen Wandels bei Altersbildern sowie verbesserter politischer Rahmenbedingungen.
Schlüsselwörter
Alter, Frauen, Altersarmut, Geschlechtsspezifische Benachteiligung, Lebenslauf, Alter(n)ssoziologie, Altersbilder, Altersrisiken, Lebensbewältigung, Singularisierung, Verrentung, Gesundheit im Alter, soziale Partizipation, Biografieforschung, Erwerbsarbeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die spezifische Lebenssituation von Frauen in der letzten Lebensphase, wobei besonders die Probleme und Herausforderungen im Vordergrund stehen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt unter anderem Altersarmut, Vereinzelung, gesundheitliche Belastungen, den Einfluss der historischen Sozialisation sowie die Bewältigung von Veränderungen wie dem Berufsende.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Lebenslagen und Risiken alternder Frauen darzulegen und zu untersuchen, wie diese ihre Lebensphase im Alter meistern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse soziologischer und demografischer Literatur, ergänzt durch Datenberichte und Fachstudien zum Thema Altern.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bereiche Definitionen von Alter, den Einfluss des Geschlechts auf das Altern, die Analyse spezifischer Lebenslagen sowie die Darstellung konkreter weiblicher Bewältigungsstrategien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Alter(n)ssoziologie, Altersarmut, Geschlechtsspezifische Benachteiligung, Lebenslauf und weibliche Lebensbewältigung.
Wie beeinflusst die historische Sozialisation das Altern heutiger Frauen?
Frauen, die zwischen 1920 und 1940 geboren wurden, wuchsen oft in konservativen Strukturen auf, hatten weniger Bildungschancen und waren finanziell stark von Ehemännern abhängig, was ihre heutige Situation im Alter maßgeblich bestimmt.
Warum sind Frauen laut der Autorin stärker von Altersarmut betroffen?
Durch familienbedingte Erwerbsunterbrechungen, Teilzeitarbeit und eine oft unterbrochene Erwerbsbiografie konnten viele Frauen keine ausreichenden eigenen Rentenansprüche erwerben.
Welche Rolle spielt die Verwitwung für die Lebensbewältigung?
Verwitwung stellt einen gravierenden Einschnitt dar; Frauen müssen hierbei lernen, ohne ihren Partner und dessen soziale Kontakte zurechtzukommen, wobei sie jedoch häufig eine höhere soziale Kompetenz bei der Bewältigung zeigen als Männer.
- Citation du texte
- Sarah Henkel (Auteur), 2008, Frauen und Alter(n) - Probleme und Herausforderungen in der letzten Lebensphase, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113606