Die aktuelle Eurobarometer-Umfrage vom April 2007 zeigt, dass viele Europäer
und Europäerinnen der Ansicht sind, Diskriminierung sei in der EU weit
verbreitet. So ist nach Meinung der Befragten die ethnische Herkunft der häufigste Grund für eine Diskriminierung bestimmter Bevölkerungsgruppen. Über
70% der Umfrageteilnehmer geben zu Protokoll, dass besonders Frauen, Behinderte
und ältere Menschen auf dem Arbeitsmarkt benachteiligt werden.
Nun stellt sich die Frage, ob diese Umfrage lediglich das Empfinden der Bevölkerung widerspiegelt oder ob tatsächlich eine Benachteiligung bestimmter
Personengruppen auf dem Arbeitsmarkt existiert.
Ziel dieser Arbeit ist es zu untersuchen und zu erläutern, ob und inwiefern bestimmte Bevölkerungsgruppen beispielsweise aufgrund ihrer Rasse, ihres Geschlechts, ihrer sexuellen Orientierung oder ihres Alters bei der Personalauswahl diskriminierendes Verhalten erfahren. Daher wird zum Verständnis zunächst der Begriff „Diskriminierung“ definiert und ihre verschiedenen Formen dargestellt. Des Weiteren werden verschiedene Gründe und Quellen für Diskriminierung wie Vorurteile und „Statistische Diskriminierung“ eingehend erläutert. Anschließend werden verschiedene empirische Studien vorgestellt, die die Benachteiligung bestimmter Personengruppen bereits während des Bewerbungsverfahrens untersuchten, ihre Ergebnisse dargelegt und mit anderen
ähnlichen Studien verglichen. Aufgrund der umfangreichen Literatur zu diesem
Thema ist es im Rahmen dieser Arbeit nicht möglich auf alle betroffenen Bevölkerungsgruppen einzugehen, so dass der Schwerpunkt auf die Merkmale
Rasse, Geschlecht, sexuelle Orientierung und Alter gelegt wurde. Der letzte
Teil dieser Arbeit befasst sich schließlich mit dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG), das am 18.08.2006 in Deutschland in Kraft trat, um die zuvor diskutierte Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt gesetzlich zu verbieten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt
2.1 Definition
2.2 Formen der Diskriminierung
2.2.1 Unmittelbare Diskriminierung
2.2.2 Mittelbare Diskriminierung
2.2.3 Strukturelle Diskriminierung
2.2.4 Institutionelle Diskriminierung
2.3 Quellen der Diskriminierung
2.3.1 Persönliche Vorurteile und Stereotypisierung
2.3.2 Statistische Diskriminierung
3. Werden bestimmte Personengruppen bei der Personalauswahl benachteiligt?
3.1 Diskriminierung aufgrund der Rasse
3.1.1 Feldexperiment zur Diskriminierung von Afroamerikanern
3.1.1.1 Aufbau des Experiments
3.1.1.2 Ergebnisse des Experiments
3.1.2 Studie zur Diskriminierung von Türken auf dem deutschen Arbeitsmarkt
3.1.2.1 „Semi-skilled jobs“
3.1.2.2 „Higher qualified jobs“
3.2 Diskriminierung aufgrund des Geschlechts
3.2.1 „Blindes Vorspielen“ bei der Einstellung von Musikerinnen
3.2.2 Forschungsprojekt der Universität Linz
3.3 Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung
3.4 Diskriminierung aufgrund des Alters
4. Das AGG – Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz
4.1 Ziel des AGG
4.2 Auswirkungen, Folgen und Risiken
4.2.1 Das Risiko des Streitfalls
4.2.2 Auswirkungen auf Stellenausschreibung und Bewerbung
4.2.3 Auswirkungen auf das Vorstellungsgespräch
4.3 Ausnahmeregelungen und Minderheitenförderung
4.3.1 §5 AGG: Positive Maßnahmen
4.3.2 §8 AGG: Zulässige unterschiedliche Behandlung wegen beruflicher Anforderungen
4.3.3 §9 AGG: Zulässige unterschiedliche Behandlung wegen der Religion oder Weltanschauung
4.3.4 §10 AGG: Zulässige unterschiedliche Behandlung wegen des Alters
5. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob und inwiefern bestimmte Bevölkerungsgruppen bei der Personalauswahl durch Diskriminierung benachteiligt werden. Dabei wird analysiert, wie sich Merkmale wie Rasse, Geschlecht, sexuelle Orientierung und Alter auf die Chancen im Bewerbungsprozess auswirken und welche Rolle das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) dabei spielt.
- Grundbegriffe und Formen der Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt
- Empirische Feldexperimente zur Diskriminierung von ethnischen Minderheiten
- Einfluss von Geschlechterrollen und sexueller Identität bei der Personalauswahl
- Auswirkungen von Altersdiskriminierung auf Einstellungschancen
- Rechtlicher Rahmen und Risiken durch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG)
Auszug aus dem Buch
3.1.1.1 Aufbau des Experiments
Im Rahmen des Experiments wurden knapp 5000 fiktive Bewerbungen an über 1300 Stellenanzeigen aus den Bereichen Verkauf, Verwaltung, Mitarbeiter und Kundenservice verschickt, wobei die eine Hälfte der erfundenen Bewerber typisch „schwarze“ Namen (wie Lakisha Washington oder Jamal Jones) und die andere typisch „weiße“ Namen (wie Emily Walsh oder Greg Baker) erhielt. Bei den Bewerbungsschreiben wurde besonders darauf geachtet, dass „Weißen“ und Afroamerikanern die gleichen Qualifikationen wie Berufserfahrung, Fremdsprachenkenntnisse etc. zugeschrieben wurden. Einziges Unterscheidungsmerkmal war demnach die Ethnie, die anhand des jeweiligen Namens für den potentiellen Arbeitgeber leicht zu identifizieren war.
An jede der ausgewählten Stellenausschreibungen wurden vier Bewerbungen gesendet, von denen zwei qualitativ hochwertiger und zwei minderwertiger waren. Um den Unterschied zu verdeutlichen wurden den qualitativ hochwertigeren Bewerbungen zahlreiche positive Eigenschaften hinzugefügt wie z. B. Arbeitserfahrung während der Sommerferien oder der Schulzeit, ehrenamtliche Arbeiten, besondere Computerkenntnisse, Fremdsprachenkenntnisse, Auszeichnungen oder Militärerfahrung. Jedoch durften diese nicht alle in einer einzigen Bewerbung auftauchen, da sonst die Gefahr bestanden hätte, dass der fiktive Bewerber für die ausgeschriebene Stelle überqualifiziert erscheint. Die zwei qualitativ gleichwertigen Bewerbungsschreiben bekamen jeweils einen „weißen“ und einen „schwarzen“ Namen. Um feststellen zu können, welche Gruppe bei der Bewerbung präferiert bzw. welche diskriminiert wird, wurden sämtliche Rückrufe für die Einladung zum Bewerbungsgespräch erfasst und anschließend einer detaillierten Auswertung unterzogen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Diskriminierung am Arbeitsmarkt ein und definiert den Fokus auf die Merkmale Rasse, Geschlecht, sexuelle Orientierung und Alter.
2. Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt: Das Kapitel erläutert den Begriff der Diskriminierung, unterscheidet ihre verschiedenen Formen sowie deren Ursachen wie Vorurteile und statistische Diskriminierung.
3. Werden bestimmte Personengruppen bei der Personalauswahl benachteiligt?: Anhand zahlreicher empirischer Studien wird untersucht, wie ethnische Herkunft, Geschlecht, sexuelle Orientierung und Alter die Einstellungschancen real beeinflussen.
4. Das AGG – Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz: Hier wird das 2006 in Deutschland eingeführte Gesetz vorgestellt, seine Auswirkungen auf den Bewerbungsprozess diskutiert und die rechtlichen Ausnahmeregelungen aufgezeigt.
5. Zusammenfassung und Ausblick: Die Arbeit resümiert, dass Diskriminierung weiterhin präsent ist, und kritisiert, dass das neue AGG zwar ein notwendiger Schritt war, in der praktischen Umsetzung jedoch noch Klärungsbedarf besteht.
Schlüsselwörter
Diskriminierung, Personalauswahl, Arbeitsmarkt, AGG, Gleichbehandlung, Stereotypisierung, Rassendiskriminierung, Gender, sexuelle Orientierung, Altersdiskriminierung, Bewerbungsverfahren, Empirie, Studien, Chancengleichheit, Arbeitsrecht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, ob und wie verschiedene Bevölkerungsgruppen bei der Personalauswahl diskriminiert werden, und bewertet die Rolle des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG).
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen Diskriminierung aufgrund von Rasse, Geschlecht, sexueller Orientierung und Alter, ergänzt durch eine juristische Einordnung des AGG.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, auf Basis empirischer Studien zu belegen, ob eine Benachteiligung bestimmter Gruppen während des Bewerbungsprozesses existiert und ob diese durch das AGG wirksam eingedämmt wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf die Auswertung und den Vergleich existierender empirischer Feldexperimente und Studien aus verschiedenen Ländern.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zur Diskriminierung, die Darstellung konkreter Studien zu verschiedenen Diskriminierungsmerkmalen und eine detaillierte Analyse der Auswirkungen des AGG.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Diskriminierung, Personalauswahl, Chancengleichheit, Arbeitsmarkt, AGG und Stereotypisierung.
Was zeigt das Experiment zu Afroamerikanern in Boston und Chicago?
Es belegt eine signifikante Benachteiligung von Bewerbern mit typisch „schwarzen“ Namen im Vergleich zu Bewerbern mit „weißen“ Namen bei identischer Qualifikation.
Wie wirkt sich das „blinde Vorspielen“ bei Musikerinnen aus?
Das Verfahren erhöht die objektive Vergleichbarkeit und hat zu einer signifikanten Verbesserung der Einstellungschancen für Frauen in Orchestern geführt.
Welche Herausforderungen bringt das AGG für Arbeitgeber mit sich?
Arbeitgeber müssen Prozesse stärker dokumentieren, um sich gegen Klagen wegen angeblicher Diskriminierung abzusichern, was einen hohen administrativen Aufwand bedeutet.
Gibt es Ausnahmen vom Benachteiligungsverbot im AGG?
Ja, in bestimmten Fällen sind unterschiedliche Behandlungen zulässig, etwa zur Förderung benachteiligter Gruppen (§ 5) oder bei beruflich zwingenden Anforderungen (§ 8).
- Quote paper
- Kerstin Müller (Author), 2007, Diskriminierung bei der Personalauswahl, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113643