Interkulturelle Komparation differenzierter Balkanstaaten in Bezug auf religiöse Konflikte mit dem Ziel der Harmonisierung

Die Brisanz der Thematik – eine Darstellung der Problematik und entsprechender Lösungsansätze


Praktikumsbericht / -arbeit, 2008
34 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung
1.1 Vorgehen im Praktikum
1.1.1 Das Wesen der Ethnologie
1.1.2 Die Umsetzung
1.2 Vorstellung der Praktikumsinstitutionen

2. Human- und nationaltheoretische Ansätze
2.1 Das interaktionistische Problem
2.2 Religion und Nationalität
2.3 Das Kosovo – Die Zündschnur des Pulverfasses auf dem Balkan

3 Besonderheiten des Balkans
3.1 Der Mythos
3.2 Multikulturalismus

4. UN – Praxis
4.1 Zielexplikation
4.2 Entwicklung und Maßnahmen

5. Interpretation und Lösungsansätze

6. Fazit

7. Literatur- und Quellenverzeichnis

Weiterführende Literatur

Anhang 1:

Anhang 2:

Anhang 3:

1. Einleitung

Der Praktikumsbericht impliziert eine inhaltliche Vorleistung unserer bevorstehenden Diplomarbeit. Unsere beiden Praktika wurden vor diesem Hintergrund geplant und mit diesem Schwerpunkt durchgeführt. Wir verarbeiten in unserer Abhandlung unsere jeweiligen Erfahrungen mit den Interviewpartnern.

Das Generalat der Franziskanerinnen in Graz wurde von Herrn Grimme, das franziskanische Bildungswerk in Großkrotzenburg von Herrn Pflücke besucht. Die Dauer der Praktika betrug jeweils sechs Wochen.

Wir unterscheiden im Folgenden nicht zwischen den einzelnen Lokalitäten und Praktikanten, da für uns die Gesamtheit der Fakten relevant ist. Die Differenzierung erfolgt lediglich nach den Kriterien, ob die Interviewpartner Betroffene oder Außenstehende des Balkankonfliktes sind und ob das Interview in der Krisenregion stattfand oder in einem externen Kontext[1].

Wir stellen im Anschluss die Vorgehensweise[2] in unserem Praktikum dar. Die Aufnahmen aus den Interviews und einige Literaturen dienen uns als Informationsmaterial für die Darstellung der Situation vor Ort. Im bewertenden Teil der Abhandlung setzen wir uns in konstruktiver und interpretativer Arbeitsweise kritisch mit der Thematik auseinander.[3] Eine Abgrenzung nach einzelnen Volksgruppen oder Nationen erfolgt nicht im Speziellen, sondern nur exemplarisch. Die Probleme, Interpretationen und Lösungsansätze sind auf die einzelnen Regionen analog übertragbar und müssen stets in der Gesamtheit des Balkankonflikts bewertet werden. Die Beiträge entstanden zum Großteil in der interaktiven Diskussion bei Zwischenbesprechungen während der Praktika. Es wird aus diesem Grund nicht zwischen den einzelnen Verfassern unterschieden, da der Text in jedem Fall die Meinung und Erfahrungswerte beider widerspiegelt.

Im Anhang haben wir ein Personenverzeichnis der Interviewpartner beigefügt, worin diese bezüglich ihrer Herkunft und Position charakterisiert werden. Des Weiteren befindet sich im Anhang der von uns erstellte Fragebogen als Basis der Interviews. Abschließend können die Anschriften und Ansprechpartner der Praktikumsinstitutionen eingesehen werden.

1.1 Vorgehen im Praktikum

Beide Praktika fanden auf einer ethnologischen[4] Basis statt. Aufgrund einiger Umstände wurde der eigentliche ethnologische Gehalt der Arbeit modifiziert. Durch die Vielfalt der Gesprächspartner und des zusätzlichen Materials aus der Region können wir dem Anspruch einer ethnologischen Arbeit gerecht werden.

1.1.1 Das Wesen der Ethnologie

Die Ethnologie[5] befasst sich mit Völkerkunde, das heißt der Erforschung fremder Kulturen[6]. Die Relation des Verstehens einerseits und der Deskription andererseits bilden den Rahmen der ethnologischen Feldforschung, der Ethnografie. Die ethnografische Feldforschung wird umschrieben als „[...] der [...] intensive Aufenthalt[[7] ] in einer fremden Kultur zum Zweck der Datensammlung aus der Nähe [...]“ (Schweizer 1999, S. 2).

Der konventionelle Ethnologieterminus umfasst die Wirtschaft, die sozialen Aspekte, die Politik, das Rechtswesen, die Erziehung, die Religionen und kollektives Wissen der Gemeinschaft (vgl. Schweizer 1999, S. 4). Dieses Wissen war vor dem Hintergrund der Kolonialpolitik erforderlich. Der innovative Ethnologiebegriff beschränkt sich auf die Werte und Normen der zu erforschenden Gesellschaft. Das bedeutet, die neuere Ethnologie hat sich auf die Sektoren des Sozialen und des Kulturellen spezialisiert.

Daran angelehnt stellen wir in dieser Arbeit primär die sozialen und kulturellen Dependenzen der Balkanvölker dar. In den Interviews ist das kollektive Wissen[8] inkludiert. Die anderen Teilsektoren der Ethnologie dienen uns sekundär als Begründung und Erklärung gesellschaftlicher Phänomene.

1.1.2 Die Umsetzung

Wir transferieren an dieser Position das theoretische Wissen der ethnologischen Forschung auf die Praxiserfahrungen in unseren konkreten Fällen. Die Aufgabenfelder wurden in beiden Praktika durch qualitative Interviews[9] dominiert. Die Interviews lassen sich in deren Umsetzung in drei wesentliche Phasen gliedern:

1.) Vorbereitung
2.) Durchführung
3.) Auswertung

In der ersten Phase haben wir uns inhaltlich anhand der Literaturen und Erfahrungen anderer Wissenschaftler bezüglich der Thematik vorbereitet. Auf Basis dessen haben wir einen Fragebogen (vgl. Anhang 1) erstellt, der uns als Gesprächsleitfaden diente. Der Fragebogen enthält Dimensionen zum generellen Kontext der Situation als auch Anteile, womit wir die Meinungen, Einstellungen und etwaige Lösungsalternativen der Interviewten erfragen wollten.

Der zweite Abschnitt implizierte eine hohe Aktivität, da wir in Kontakt zu den Personen traten. Die Interviews wurden zu großen Teilen auf Band aufgezeichnet und liegen uns in digitaler Form vor.[10] Je nach Gesprächsverlauf wurden nicht alle Fragen abgearbeitet. Wir gewannen die Erkenntnis, dass einheimische Völker des Balkans sehr gesprächig sind. Es bedurfte weniger Nachfragen oder einer Gesprächslenkung.[11] Für die Interviews wurden für die Befragten möglichst vertrauliche Kontexte geschaffen. Dies bedeutet, dass die Interviews häufig parallel zu den Mahlzeiten und während eines Spazierganges oder ähnlichem geführt wurden.

Innerhalb der dritten Periode arbeiteten wir die gewonnen Erkenntnisse erneut auf und analysierten sich daraus ergebende weitere Neuerungen[12] vor dem Hintergund, die genuinen Aussagen überprüfen zu können. Diese Phase stellt den zeitintensivsten und relevantesten Abschnitt dar. Wir belegen einen Teil der Fakten direkt mit den entsprechenden Interviews, die über Namen und Datum eindeutig identifizierbar sind. Aus Datenschutzgründen wurden die Namen einheitlich geändert.

Die Historie der Region wird von uns in den Interviews indirekt mit erfasst, dient uns aber lediglich als Argumentations- und Begründungszusammenhang. Wir berichten in dieser Arbeit nicht über die Abfolge einzelner Ereignisse der Geschichte.

1.2 Vorstellung der Praktikumsinstitutionen

Das Generalat der Franziskanerinnen in Graz beinhaltet differenzierte Teilsektoren, exemplarisch einen Kindergarten, ein Gymnasium mit Internat und die Koordinationsstelle für die Tätigkeiten der Klöster auf dem gesamten Balkangebiet. Letztere Teilinstitution stellt die für uns Relevante dar. Der Franziskanerorden unterhält zahlreiche Klöster. Das Generalat in Graz impliziert das „Mutterhaus“ für die Standorte auf dem südlicheren Balkan.[13] Aus Graz werden alle wichtigen Entscheidungen bezüglich der Hilfsarbeit und Personalpolitik getroffen. Viele der Schwestern[14] in Graz stammen aus den Krisengebieten, da sie während des Krieges flüchteten

(vgl. Schulverein der Grazer Schulschwestern 2007, pass.; vgl. Fietz 1996, S. 18f.; 53ff.).

Das franziskanische Bildungswerk in Großkrotzenburg ist eine Bildungsanstalt, welche Hochbegabtenförderung, Lehrerfortbildung, politische und bildungspolitische Seminare, Eltern- beziehungsweise Familienberatung und Seelsorge betreibt. Unsere Arbeit im Praktikum führte uns lediglich in die Bereiche der Erwachsenenbildung und Seelsorge, da wir in diesen Bereichen auf Personen aus den von uns untersuchten Kontexten trafen

(vgl. Franziskanisches Bildungswerk e. V. 2007, pass, vgl. Franziskanergymnasium Kreuzburg gGmbH 2007, pass.).[15]

2. Human- und nationaltheoretische Ansätze

Der Balkankonflikt beinhaltet die militärischen Auseinandersetzungen und Unabhängigkeitsbestrebungen der Teilstaaten des ehemaligen Jugoslawien. Dazu gehören: Slowenien, Kroatien, Serbien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Mazedonien (vgl. Microsoft 2005, pass). Die Autonomiebestrebungen verlaufen mit differenzierter Intensität und abweichenden Fortschritten.[16] Neben den Staaten des früheren Jugoslawien ist Albanien[17] für uns von Bedeutung.

2.1 Das interaktionistische Problem

„Das Hauptproblem lag in der Unfähigkeit, die richtige Mischung zwischen wirklichen Unterschieden und gemeinsamen Punkten zu finden“ (Banac 2007, S. 166). Dieses Faktum wurde zwischen den beiden Weltkriegen herauskristallisiert. Heutzutage ist die Aktualität relevanter als je zuvor.

Die Globalisierung lässt sich auf dem Balkan verspüren. Die Einzelstaaten sind aus ökonomischen Gründen gehalten, stärker zu kooperieren. Faktisch besteht zwischen Serben, Kroaten und Bosniaken keine Differenz. Letztere wird aufgrund der Abstammung gebildet (vgl. Mappes-Niediek 2005, S. 30). In der Historie kam es mehrfach zu Grenzverschiebungen auf dem Balkan, ähnlich den mitteleuropäischen Fürstentümern im 19. Jahrhundert vor der deutschen Reichsgründung (vgl. Banac 2007, S. 156ff.). Die Gebietsumverteilung wurde begleitet und begründet durch bewaffnete Auseinandersetzungen.

In Serbien existiert ein Sonderfall: das Kosovo. Letzteres ist ein Teilgebiet Serbiens, wird aber zu einem Großteil von Kosovo-Albanern bewohnt. Diese Mehrheit fühlt sich weder Serbien noch Albanien zugehörig und strebt daher einen unabhängigen Staat an (vgl. Punkt 2.3; vgl. Aliu 2007, S. 6; vgl. Interview mit Purel 13.08.2007, pass.).

Individuelle Völkergruppen werden zum Sündenbock für die jeweils Anderen. Eine Lösung offenbart die Anpassung der Minderheiten[18] an die zugehörige Ethnie. „Die Anforderung, sich der Mehrheit restlos anzupassen, mag grausam, intolerant und ungerecht sein. Aber sie enthält [...] ein Versprechen: dass wer sich ihr [der Mehrheit; Anm. d. Verf.] unterwirft, am Ende >>einer von uns<< ist und gleich behandelt wird wie alle anderen“ (Mappes-Niediek 2005, S. 32).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Sprachenkarte von Dalibar Brozovic (Quelle: Katicic 2007, S. 267)

Anhand der Grafik (Abb. 1)[19] wird die Vielfältigkeit der Lingualität ersichtlich. Die einzelnen Volksgruppen pflegen jeder eine eigene Sprache. Selbst innerhalb einer Nationalität lassen sich Differenzierungen herauskristallisieren. Faktisch handelt es sich lediglich um geringfügige Abwandlungen, exemplarisch Dialekte[20]. Die Nuancen können im deutschen Sinne mit den Nuancen nordischen Plattdeutsches und südlichem Schwäbisch verglichen werden. Ähnlich geringe Differenzen bestehen zwischen den Staatssprachen, da es sich früher um ein Land, Jugoslawien, handelte. In den Grenzregionen bestehen Vermischungen. Beispielgebend für das Zusammenwachsen der Sprachen steht der serbokroatische Dialekt. Die Herausbildung sprachlicher Unterschiede und Vermischungen wurde durch die Massenmigration zahlreicher Kriege im 14., 19 und 20. Jahrhundert vorangetrieben (vgl. Katicic 2007, S. 266).[21] Nach unserem Verständnis werden die einzelnen Sprachen, wie exemplarisch Kroatisch, Serbisch, Albanisch, Montenegrinisch, im jeweils anderen Land ebenso verstanden. Die Individuen können jedoch anhand regional und national typischer Wendungen, Schreibweisen beziehungsweise Betonungen identifiziert werden (vgl. Interview mit Hildegard am 13.08.2007; vgl. Interview mit Lena am 07.08.2007). Wir erkennen die Identifikation als Basis für eine Diskriminierung. Die Bürger sehen sich reziprok nicht als gleichwertige Individuen an, sondern entwickeln Wertigkeiten. Um diese zu verdeutlichen, suchen die Völker nach Merkmalen, anhand derer sie sich von anderen differenzieren können. Es interessieren in diesem Zusammenhang nicht die Fakten, sondern lediglich die Tatsache ein Unterscheidungsmerkmal zu finden, was einen Diskriminierungsgrund ermöglicht.

[...]


[1] Uns stehen weitere elektronische Aufzeichnungen zur Verfügung, die von einer Forschergruppe des Lehrstuhls L'analyse contemporaine des IEP à Paris, einer elitären französischen Universität, durchgeführt wurden. Die Forscher haben parallel zu unserem Praktikum die Interviews in der Krisenregion geführt. Wir hatten im Anschluss die Gelegenheit, uns mit diesen auszutauschen.

[2] Es wird nicht zwischen den beiden Praktika unterschieden, da wir die Interviews nach demselben Konzept lediglich an differenzierten Orten durchgeführt haben.

[3] Da wir es als sinnvoller erachten, unsere eigenen Gedanken an entsprechender Stelle mit denen aus der Literatur zu verknüpfen, führen wir diese zum Teil bereits im darstellenden Teil an. Umgekehrt bringen wir im Bewertungsteil literarisch belegte Fakten, um diese durch eigene Ansätze zu ergänzen oder zu kritisieren.

[4] Die Ethnologie erforscht und beschreibt fremde Kulturen.

[5] Die Begriffe Ethnologie und Ethnografie werden weitestgehend synonym verwendet. In der Detailanalyse der Begriffe umfasst ersterer Terminus die Forschung vor Ort. Letzterer Begriff impliziert den deskriptiven Teil der Datenerhebung (Microsoft 2005, pass). Wir verwenden die Begriffe in dieser Arbeit synonym.

[6] Die Anfänge der ethnografischen Forschung liegen in der Kolonialzeit begründet. Hier wurde in den westeuropäischen Mutterländern Wissen über das Leben der eingegliederten Gebiete benötigt, um die Ressourcen und Arbeitskräfte der Menschen optimal nutzen zu können (vgl. Schweizer 1999, S. 3).

[7] „[...] [die] allgemeine kommunikative Grundvoraussetzung reicht zur Erkenntnis der besonderen Hintergründe einer zu untersuchenden Gemeinschaft nicht aus. [...] Feldforscher müssen im ethnografischen Erkenntnisgang grundlegend herausfinden, wo Ähnlichkeiten bestehen und wo nicht. [...] ein Teil der Wissensgewinnung muss darauf abzielen, kulturelles Hintergrundwissen zu erlangen, damit man die speziellen Ergebnisse in einen weiteren kulturellen/gesellschaftlichen Rahmen einbetten kann“ (Schweizer 1999, S. 5f.). Von den Ethnologen wird eine kognitive Flexibilität verlangt, welche es ermöglicht von einem starren Fragen-Antwortmuster abzuweichen. Neben den Antworten müssen gleichzeitig neue Fragen generiert werden. Über diesen Erkenntniszweig ist es möglich, die fremde Kultur langfristig und detailgenau zu erforschen.

[8] Die Kosovo-Albaner verbindet die Vertreibungs- und Vernichtungsmaßnahmen mit der Politik Slobodan Milosevics. Diese Erfahrungen und gemeinsame Gegenaktivitäten halten die „Kosovaren“ zusammen. Das Wissen und die Empirie evozieren zum kollektiven Wissen der Gesellschaft. Als weiteres, treffendes Beispiel führen wir den Nationalstolz an, welcher die Völker verbindet und sich so zum kollektiven Wissen entwickelt (vgl. Punkt 2.3; vgl. Interview mit Purel vom 13.08.2007; Cora vom 05.08.2007; Cora/Lerna vom 04.08.2007; kosovo-albanischen Schwestern 09.08.2007).

[9] Im Gegensatz zu quantitativen Interviews ist es nicht Ziel empirische Daten zu erheben. Es werden primär Meinungen, Einstellungen und Lebenshaltungen erforscht, was möglich ist, da die Befragten über große Freiräume innerhalb ihrer Antworten verfügen. Zusätzlich influenziert die ungezwungene Situation die Interviews (vgl. Bortz 2006, S. 306ff.). In Anlehnung an die individuellen Meinungen der Gesprächspartner versuchen wir gewisse Regelmäßigkeiten beim Vergleich der Interviews zu erkennen.

[10] Wir haben nach unserer Vorstellung und des geplanten Vorhabens stets die Frage vorgeschaltet, ob wir das Gespräch aufzeichnen dürfen. In vereinzelten Fällen wurde dies durch die Gesprächspartner abgelehnt. In diesen Fällen stehen uns ungenaue Mitschriften und Erinnerungen zur Verfügung.

[11] Wir schließen daraus, dass die Einheimischen noch intensiv durch die kognitive Verarbeitung ihrer Erlebnisse und der persönlichen Vergangenheit eingenommen sind. Das alleinige Faktum der Gesprächsbereitschaft unsererseits signalisierte Hilfsbereitschaft und erweckte Vertrauen.

[12] Es existieren hierbei zwei Teilarbeitsschritte. Es erfolgte eine erste Auswertung zeitnah an das Interview, wobei wir wesentliche Schlussfolgerungen festhielten und Charakteristika zuwiesen. Aufgrund der hohen Interviewdichte und der ständigen Bearbeitung des Themas fielen uns zahlreiche Erkenntnisfortschritte erst in einer darauf folgenden, zweiten Analysephase auf.

[13] Wichtige Klöster befinden sich in Belgrad (Serbien), Zagreb (Kroatien), Skopje (Albanien) und Cetinje (Montenegro).

[14] Dies ist der gebräuchliche innerklostorale Terminus. Wir verwenden in dieser Arbeit die Begriffe „Schwester“ und „Nonne“ synonym. Innerhalb des Ordens gilt letzterer als unpersönlich und unhöflich.

[15] Wir sind gehalten an dieser Stelle Diskretion zu wahren, weshalb keine weitere Zuordnung erfolgt, welche Interviews in welcher Institution geführt wurden. Dies ist für die Thematik zudem nicht relevant, da die Herkunft und Erlebnisse der Interviewpartner entscheidend sind. Die Tatsache der christlichen Praktikumsinstitutionen bedingt, dass eine große Anzahl der Interviews mit Priestern und Nonnen geführt wurde. Vor diesem Hintergrund erörtern wir einen Lösungsansatz, der bereits innerhalb der Glaubensgemeinschaft ansetzt.

[16] Dies ist nicht der Schwerpunkt unserer Arbeit. Kroatien und Slowenien erreichten zuerst die Unabhängigkeit und sind inzwischen wirtschaftlich stabil. Die anderen Staaten sind rückständiger, weshalb die Bevölkerung in einem geringeren Wohlstand lebt.

[17] Albanien ist gekennzeichnet durch ein starkes soziales Gefälle, Korruption und Gewalttaten. Die Mafia unterhält einen starken Machtstatus. Ein Teil der Albaner lebt seit Generationen im Kosovo. Die Kosovo-Albaner verstehen sich selbst als eigene Ethnie, was Konflikte zwischen diesen und den Serben hervorruft. Zwischen den Albanern und Kosovo-Albanern haben sich über einen längeren Zeitraum enorme Differenzen herauskristallisiert, was ebenso Konfliktpotential bietet (vgl. Interview mit Purel vom 13.08.2007; Cora vom 05.08.2007; Cora/Lerna vom 04.08.2007; kosovo-albanischen Schwestern 09.08.2007).

[18] Der Terminus „Minderheiten“ ist relativ einzuordnen. Eine Minderheit stellen die Katholiken in Serbien als auch die Serben in Kroatien dar. Die Einheimischen versuchen auf inoffiziellem Weg, den Minderheiten die Lebensweise zu erschweren. Die Unterstützung durch die UN im Kosovo erfolgt in großem Maße an die Serben. Kosovo-Albaner werden kaum unterstützt, obwohl sie die Bevölkerungsmehrheit stellen. Die Anpassung der Kosovo-Albaner wird gleichermaßen gefordert.

[19] Dalibor Brozovic umfasst das gesamte Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens.

[20] Die Herausbildung der Sprache ist historisch begründet. Kroatien und Slowenien wurden dem westkirchlichen Mazedonien und Serbien dem ostkirchlichen Kulturkreis zugeordnet. Bosnien bezieht eine Mittelposition (vgl. Katicic 2007, S. 261). Daraus wird ersichtlich, dass der Lingualsektor ähnlich des Nationalbewusstseins auf historische Wurzeln zurückführbar ist. Aufgrund der differenzierten kulturellen Zuordnung und des Zusammenlebens in einem Staat waren die Konflikte nahezu vorprogrammiert.

[21] Die Evolution einzelner linguistischer Ausdifferenzierungen wird hier nicht weiter erörtert, da dies nicht Schwerpunkt der Arbeit ist. Entscheidend für die thematische Gewichtung ist die Identifikation anhand der Sprache und die resultierende Diskrimination.

Ende der Leseprobe aus 34 Seiten

Details

Titel
Interkulturelle Komparation differenzierter Balkanstaaten in Bezug auf religiöse Konflikte mit dem Ziel der Harmonisierung
Untertitel
Die Brisanz der Thematik – eine Darstellung der Problematik und entsprechender Lösungsansätze
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
1,3
Autoren
Jahr
2008
Seiten
34
Katalognummer
V113678
ISBN (eBook)
9783640141807
ISBN (Buch)
9783640141821
Dateigröße
1770 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Der Balkan-Konflikt ist auch nach Beendigung der Jugoslawienkriege immer noch ein Thema höchster Aktualität. Dies zeigt sich vor allem anhand des Kosovos. Die Interviews wurden mit Betroffenen aus der Krisenregion geführt, so dass ein authentischer Eindruck entsteht. Letzterer wird verstärkt durch das Heranziehen charakteristischer Vertreter einzelner Nationen als auch solche unterschiedlicher Altersgruppen. Für die Relativierung der Sichtweise werden gleichfalls Interviewpartner mit westeuropäischem Kontext befragt, die in einer bestimmten Relation zur Thematik stehen.
Schlagworte
Interkulturelle, Komparation, Balkanstaaten, Bezug, Konflikte, Ziel, Harmonisierung
Arbeit zitieren
Etienne Pflücke (Autor)Thomas Grimme (Autor), 2008, Interkulturelle Komparation differenzierter Balkanstaaten in Bezug auf religiöse Konflikte mit dem Ziel der Harmonisierung , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113678

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