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Das Bedeutungsspektrum des Phänomens der Arbeit bei Hannah Arendt und im Judentum

Titre: Das Bedeutungsspektrum des Phänomens der Arbeit bei Hannah Arendt und im Judentum

Dossier / Travail , 2020 , 32 Pages , Note: 1,7

Autor:in: Gabriele Bensberg (Auteur)

Philosophie - Philosophie du XXe siècle
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Zunächst werden Hannah Arendts Thesen zur Vita activa vorgestellt, wobei das Schwergewicht auf der Teilkomponente Arbeit liegt. Es folgt ein Vergleich zwischen Arendts Thesen und der Einschätzung von Arbeit im Judentum. Während Hannah Arendt den Stellenwert der Arbeit in Antike, Christentum und Moderne profund abhandelt, finden (orthodoxe) jüdische Stellungnahmen zur Arbeit in ihrem Werk kaum Berücksichtigung. In einem dritten Schritt wird auf die Besonderheiten der (orthodoxen) jüdischen Haltung gegenüber den Bereichen der Arbeit eingegangen.

Hannah Arendt studierte Philosophie, evangelische Theologie und griechische Philosophie an den Universitäten Marburg, Freiburg und Heidelberg. Obwohl ihre jüdische Familie assimiliert und nicht religiös war und sie selbst sich mit ihrer Studienwahl eher dem christlichen Kulturkreis zuwandte, hat sie sich doch immer auch als Jüdin definiert.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 sammelte Arendt im Auftrag des Zionisten Kurt Blumenfeld antisemitische Presseveröffentlichungen und wurde von der Gestapo verhaftet. Nach ihrer Freilassung flüchtete sie zunächst nach Paris und 1941 von Frankreich aus in die Vereinigten Staaten; 1951 erhielt sie die amerikanische Staatsbürgerschaft. Seit 1963 war sie Professorin an der University of Chicago, und 1967 erhielt sie einen Ruf an die Graduate Faculty der New School for Social Research in New York.

Einem breiteren Publikum wurde Arendt vor allem durch ihre Kommentare zum Prozess gegen Otto Adolf Eichmann bekannt, der am 15. April 1961 in Jerusalem begann und über den sie als Reporterin für die Zeitschrift "The New Yorker" berichtete. Ihre berühmten Aussagen zur sogenannten "Banalität des Bösen" werden bis heute höchst kontrovers diskutiert, und ihre kritischen Anmerkungen zur Kooperation der sogenannten Judenräte mit den Nationalsozialisten stießen in Israel auf heftigste Kritik.
Zu den bekanntesten Werken Hannah Arendts gehört die Publikation "Vita activa", die als ihr philosophisches Hauptwerk gilt und eine Zusammenstellung einzelner Vorlesungen darstellt. Das Werk erschien erstmals 1958 unter dem englischsprachigen Originaltitel "The Human Condition" in Chicago.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die drei Komponenten der Vita activa

2.1 Handeln

2.2 Herstellen

2.3 Arbeit

3 Der Stellenwert der Arbeit

3.1 Die Verachtung der Arbeit in der Antike

3.2 Arbeit als Gegenpol zur Vita contemplativa in Antike und Christentum

3.3 Arbeit zwischen Jobholding und Reproduktion in der Moderne

4 Die Sicht der Arbeit im Judentum

4.1 Biblische Stellungnahmen zur Arbeit

4.2 Der göttliche Auftrag: Seid fruchtbar und mehret euch

4.3 Gattungswesen versus Erwählung

4.4 Die Heiligung des Sabbats

4.5 Sabbat und Stiftshütte

5 Fazit

6 Schluss

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Bedeutungsspektrum des Phänomens der Arbeit durch einen Vergleich zwischen Hannah Arendts philosophischen Thesen zur Vita activa und der Sichtweise des Judentums. Ziel ist es aufzuzeigen, inwiefern Arendts Charakterisierung des Menschen als Gattungswesen, der in Arbeit und Fortpflanzung aufgeht, durch jüdische religiöse Konzepte wie die Erwählung und die Heiligung des Sabbats differenziert oder gar in Frage gestellt wird.

  • Hannah Arendts philosophische Hauptbegriffe: Handeln, Herstellen und Arbeit.
  • Die historische Entwicklung der Arbeitsbewertung von der Antike bis zur Moderne.
  • Das Verhältnis von Arbeit und Fortpflanzung im Kontext der Lebensnotwendigkeiten.
  • Religiöse jüdische Perspektiven auf Arbeit, Sabbatgebot und Stiftshütte.
  • Die kritische Auseinandersetzung mit der Einordnung des Menschen als reines Animal laborans.

Auszug aus dem Buch

4.4 Die Heiligung des Sabbats

Hannah Arendt attestiert in der einzigen ausführlichen Textstelle, die sich mit dem Judentum beschäftigt, den Menschen des Alten Testaments ein kreatürliches Mitschwingen im Sinne der Natur, zu der die Arbeit als Sorge für das physische Überleben sowie der immer wieder einsetzende Ablauf von Zeugen, Gebären und Tod gehören:

„Den Menschen des Alten Testaments, denen anders als der klassischen Antike, das Leben heilig war, galten weder Arbeit noch Tod als Übel, und sie wären nicht auf den Gedanken gekommen, in ihnen einen Einwand gegen das menschliche Leben zu sehen. Die Geschichten der Erzväter zeigen, wie frei von Todesfurcht ihr Leben war, unbedürftig einer irdischen Unsterblichkeit oder irgendwelcher Aussichten auf ein ewiges Leben, wie sehr sie wußten, der Erde ‚heiliger Einfall ist der vertrauliche Tod’ (Rilke).“

In diesem Zusammenhang erläutert sie noch einmal, dass der Segen der Arbeit in dem rhythmischen Wechsel zwischen Anstrengung und Erholung bzw. Arbeit und Ruhe bestehe.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Vorstellung von Hannah Arendts Biografie und der Einbettung ihres Werks "Vita activa" in den akademischen sowie historischen Kontext.

2 Die drei Komponenten der Vita activa: Definition der menschlichen Grundtätigkeiten Handeln, Herstellen und Arbeit sowie deren Differenzierung bei Hannah Arendt.

3 Der Stellenwert der Arbeit: Untersuchung der historischen Entwicklung der Arbeitsbewertung von der antiken Verachtung über christliche Einflüsse bis zur modernen Arbeitsgesellschaft.

4 Die Sicht der Arbeit im Judentum: Analyse der jüdischen Perspektive auf Arbeit, Fruchtbarkeitsgebote und Sabbatheiligung als Gegenentwurf zur rein säkularen Definition des Menschen.

5 Fazit: Kritische Reflexion über die Übertragbarkeit von Arendts Thesen auf religiöse Weltbilder und die Bedeutung des individuellen Selbstverständnisses.

6 Schluss: Betrachtung von Arendts persönlicher Einstellung zum Judentum und die Resonanz ihres Werks innerhalb der jüdischen Welt.

Schlüsselwörter

Hannah Arendt, Vita activa, Arbeit, Judentum, Sabbat, Gattungswesen, Erwählung, Handeln, Herstellen, Animal laborans, Religion, Philosophie, Stiftshütte, Lebensnotwendigkeit, Moderne.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert das Phänomen der Arbeit, indem sie die philosophischen Thesen von Hannah Arendt mit jüdischen religiösen Traditionen und Sichtweisen in einen kritischen Vergleich setzt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen umfassen die Definition der "Vita activa", die historische Bewertung körperlicher und geistiger Arbeit sowie die spezifisch jüdische Deutung von Sabbatruhe, Schöpfungsauftrag und Erwählung.

Welches Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?

Die Arbeit hinterfragt, ob Arendts reduzierte Sicht auf den Menschen als reines "Animal laborans", das in einem natürlichen Rhythmus von Arbeit und Konsum aufgeht, den religiösen Dimensionen des Judentums gerecht wird.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?

Es handelt sich um eine geisteswissenschaftliche Analyse, die primäre philosophische Texte von Hannah Arendt mit exegetischen und religiösen Quellen des Judentums vergleicht und in einen systematischen Dialog bringt.

Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil erörtert zunächst Arendts Unterscheidung der drei Grundtätigkeiten, um dann die historische Abwertung von Arbeit und die jüdische Gegenposition durch die Heiligung des Sabbats und der Stiftshütte detailliert darzustellen.

Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Vita activa, Sabbat, Erwählung, Animal laborans und die kritische Auseinandersetzung mit säkularen versus religiösen Menschenbildern.

Inwiefern unterscheidet sich die jüdische Sabbatruhe von Arendts Verständnis von Erholung?

Für Arendt ist Ruhe ein natürliches Gegenstück zur Anstrengung; im Judentum hingegen ist der Sabbat eine bewusste, heilige Unterbrechung, die der Nähe Gottes dient und nicht bloß dem biologischen Ausgleich.

Warum wird im Text das Konzept der Stiftshütte (Mischkan) herangezogen?

Die Errichtung der Stiftshütte dient als Referenzpunkt, um zu zeigen, dass bestimmte handwerkliche Tätigkeiten im Judentum eine heilige Qualität besitzen können, die weit über das bloße "Herstellen" von Konsumgütern hinausgeht.

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Résumé des informations

Titre
Das Bedeutungsspektrum des Phänomens der Arbeit bei Hannah Arendt und im Judentum
Cours
Proseminar: Hannah Arendts Vita activa
Note
1,7
Auteur
Gabriele Bensberg (Auteur)
Année de publication
2020
Pages
32
N° de catalogue
V1137366
ISBN (ebook)
9783346531827
ISBN (Livre)
9783346531834
Langue
allemand
mots-clé
bedeutungsspektrum phänomens arbeit hannah arendt judentum
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Citation du texte
Gabriele Bensberg (Auteur), 2020, Das Bedeutungsspektrum des Phänomens der Arbeit bei Hannah Arendt und im Judentum, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1137366
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Extrait de  32  pages
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