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Anders auch als nach dem Ersten Weltkrieg ist Deutschland nun vollständig von den Truppen der vier Siegermächte besetzt und jeder eigenen staatlichen Gewalt beraubt. Vor allem führt diese zweite Niederlage das Ende des deutschen Nationalstaates in seiner 1871 von Bismarck begründeten Form herauf. Preußen, Kernland dieses Reiches, wird aufgelöst, die Ostprovinzen werden abgetrennt, die nationale Einheit geht verloren. Unter der Herrschaft der Besatzungsmächte fallen dann jene Entscheidungen, die die Entwicklung der Bundesrepublik in vielfacher Hinsicht bis heute bestimmen. Sie gehen vor allem darauf zurück, daß sich die politischen und sozialen Ordnungsvorstellungen der Siegermächte schon bald nach der Besetzung als unvereinbar erweisen. Deutschland wird seit der Jahreswende 1946/47 im Zeichen des Kalten Krieges zum Kampffeld des ideologischen und machtpolitischen Konflikts zwischen Ost und West, zwischen den Hauptkontrahenten Sowjetunion und USA. Dieser Gegensatz führt über eine Vielzahl von Stationen nicht nur zur Spaltung Deutschlands in zwei Staaten, die in sich in gegenüberstehende militärisch-politische Blöcke eingebunden werden. Er bestimmt letztendlich auch darüber, welche politischen Kräfte und welches politisch-soziale System diesseits und jenseits der innerdeutschen Grenze zum Zuge kommen” (Fragen an ..., 328) Die wichtigsten Entscheidungen und entscheidenden Ereignisse bezüglich der Entwicklung Deutschlands fanden in den Jahren 1945 bis 1949 statt. Mit eben dieser Zeit beschäftigt sich das vorliegende Referat. Dabei geht es insbesondere um die sich wandelnden und oftmals doch recht unterschiedlichen Vorstellungen der vier alliierten Siegermächte bezüglich der Neuordnung und zukünftigen Behandlung Deutschlands, die nach der bedingungslosen Kapitulation in Deutschland zunächst die Regierungsgewalt übernehmen. Aber auch die gleich-zeitig stattfindende Entstehung der Parteien, mit ihren unterschiedlichen Programmen, Forderungen und Entwicklungen bezüglich der zukünftigen Gestalt und Ordnung Deutschlands, sowie die Neugründung der Gewerkschaften werden thematisiert. Am Ende der Neugestaltung Deutschlands stand die Teilung in zwei Staaten, die Bundesrepublik Deutschland (BRD) und die Deutsche Demokratische Republik (DDR), die rund 40 Jahre existierte.
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Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Alliierte Deutschlandpolitik und allgemeine Entwicklung
3. Entstehung der Parteien und ihre jeweiligen Vorstellungen
4. Bildung der Gewerkschaften
5. Literatur
6. Anhang: Zeittafel der entscheidenden Ereignisse 1945-1949
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die politische und soziale Neuordnung Deutschlands zwischen 1945 und 1949, wobei der Fokus auf den unterschiedlichen Strategien der alliierten Besatzungsmächte sowie der gleichzeitigen Parteien- und Gewerkschaftsbildung in den Besatzungszonen liegt, die letztlich zur Staatsgründung der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik führten.
- Alliierte Besatzungspolitik und wirtschaftliche Rahmenbedingungen
- Entwicklung und Programmstrukturen der politischen Parteien
- Prozess der gewerkschaftlichen Neuorganisation und Interessenvertretung
- Auswirkungen des beginnenden Kalten Krieges auf die deutsche Teilung
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
”Die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht, mit der am 8 Mai 1945 in Europa der Zweite Weltkrieg endet, besiegelt für das deutsche Volk einen ungleich tieferen politischen Sturz, als es ihn je zuvor in seiner Geschichte erlebt hat. Anders auch als nach dem Ersten Weltkrieg ist Deutschland nun vollständig von den Truppen der vier Siegermächte besetzt und jeder eigenen staatlichen Gewalt beraubt. Vor allem führt diese zweite Niederlage das Ende des deutschen Nationalstaates in seiner 1871 von Bismarck begründeten Form herauf. Preußen, Kernland dieses Reiches, wird aufgelöst, die Ostprovinzen werden abgetrennt, die nationale Einheit geht verloren.
Unter der Herrschaft der Besatzungsmächte fallen dann jene Entscheidungen, die die Entwicklung der Bundesrepublik in vielfacher Hinsicht bis heute bestimmen. Sie gehen vor allem darauf zurück, daß sich die politischen und sozialen Ordnungsvorstellungen der Siegermächte schon bald nach der Besetzung als unvereinbar erweisen. Deutschland wird seit der Jahreswende 1946/47 im Zeichen des Kalten Krieges zum Kampffeld des ideologischen und machtpolitischen Konflikts zwischen Ost und West, zwischen den Hauptkontrahenten Sowjetunion und USA. Dieser Gegensatz führt über eine Vielzahl von Stationen nicht nur zur Spaltung Deutschlands in zwei Staaten, die in sich in gegenüberstehende militärisch politische Blöcke eingebunden werden. Er bestimmt letztendlich auch darüber, welche politischen Kräfte und welches politisch-soziale System diesseits und jenseits der innerdeutschen Grenze zum Zuge kommen” (Fragen an ..., 328)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Das Kapitel skizziert den Zusammenbruch des deutschen Nationalstaates nach 1945 und stellt die zentrale Fragestellung der Arbeit bezüglich der Neuordnung unter den divergierenden Interessen der Siegermächte vor.
2. Alliierte Deutschlandpolitik und allgemeine Entwicklung: Hier werden die zwischenstaatlichen Konferenzen und politischen Leitlinien der Alliierten analysiert, die von anfänglicher Kontrolle und Demontage bis hin zur systemischen Spaltung im Zeichen des Kalten Krieges reichten.
3. Entstehung der Parteien und ihre jeweiligen Vorstellungen: Dieses Kapitel behandelt die Zulassung und inhaltliche Ausrichtung der Parteien in den verschiedenen Besatzungszonen, einschließlich der Zwangseinigung von SPD und KPD zur SED in der SBZ.
4. Bildung der Gewerkschaften: Es wird die Entstehung von Betriebsvertretungen und der gewerkschaftlichen Organisation nach 1945 beschrieben, wobei der Fokus auf dem Konflikt zwischen Einheitsgewerkschaft und Industrieverbandsprinzip liegt.
5. Literatur: Auflistung der für die Arbeit herangezogenen historischen Quellen und Sekundärliteratur.
6. Anhang: Zeittafel der entscheidenden Ereignisse 1945-1949: Eine chronologische Dokumentation der wesentlichen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ereignisse im untersuchten Zeitraum.
Schlüsselwörter
Alliierte Besatzungspolitik, Kalter Krieg, Deutschlandpolitik 1945-1949, Parteienbildung, Gewerkschaften, Bizone, Staatsgründung, Grundgesetz, SBZ, Reparationen, Demontage, SED, CDU, SPD, Sozialismus
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die politische und gesellschaftliche Entwicklung Deutschlands in der unmittelbaren Nachkriegszeit von 1945 bis 1949 unter dem Einfluss der alliierten Besatzungszonen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen umfassen die alliierte Besatzungspolitik, die politische Neuordnung durch Parteien, die Entwicklung der Gewerkschaften sowie die ökonomischen Rahmenbedingungen jener Jahre.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Prozesse aufzuzeigen, die von der bedingungslosen Kapitulation 1945 über die zunehmende politische Entfremdung der Alliierten bis hin zur Gründung von BRD und DDR führten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?
Es handelt sich um eine historische Aufarbeitung auf Basis von zeitgenössischer Dokumentation, historischen Fachbüchern und einer detaillierten chronologischen Analyse der Ereignisse.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die politische Strategie der Siegermächte, die Parteienlandschaft in Ost und West sowie die gewerkschaftliche Organisation unter den jeweiligen Besatzungsbehörden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Besatzungszonen, Alliierter Kontrollrat, Währungsreform, Parteienzulassung, Einheitsgewerkschaft und die deutsche Teilung.
Welche Rolle spielten die unterschiedlichen Besatzungsmächte bei der Parteienbildung?
Während die Sowjetunion bereits früh Parteien "von oben" zuließ und die SED forcierte, agierten die westlichen Mächte zögerlicher und befürworteten teilweise eine Entwicklung von unten nach oben.
Warum scheiterte die Einheitsgewerkschaft in den Westzonen?
Die Westalliierten lehnten ein zentralistisches Modell der Einheitsgewerkschaft aus Misstrauen gegenüber politischer Einflussnahme ab und favorisierten stattdessen das Industrieverbandsprinzip.
- Citation du texte
- Dipl. Geogr. Christian Momberger (Auteur), 1999, Neuordnungsvorstellungen der Gewerkschaften und Parteien und Alliierte Deutschlandpolitik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113736