Kinderlosigkeit in Deutschland


Referat (Ausarbeitung), 2007

22 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Motivation für den Kinderwunsch

3 Sozialstrukturelle Daten zur Kinderlosigkeit
3.1 Vorbemerkung
3.2 Eckdaten zur Kinderlosigkeit
3.3 Bildungsniveau und Kinderlosigkeit
3.4 Partnerschaft und Kinderlosigkeit

4 Besondere Problematik der ungewollten Kinderlosigkeit
4.1 Definition und Eckdaten
4.2 Ursachen der ungewollten Kinderlosigkeit
4.3 Psychosoziale Aspekte der ungewollten Kinderlosigkeit
4.4 Diagnostik und Therapiemöglichkeiten

5 Resümee

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Kinderlose nach Partnerschaftsstatus und Geschlecht 2003

Abbildung 2: Permanenz von Partnerschaften Kinderloser Männer und Frauen zwischen 2000 und 2003

1 Einleitung

Die Alterung der Bevölkerung ist aktuell ein intensiv diskutiertes Thema. Die Enquete-Kommission des Bundestags `Demographischer Wandel´ stellte im März 2002 nach fast zehn Jahren Arbeit ihren Abschlussbericht vor. Diesem Bericht zu Folge ist in Deutschland mit einer erheblichen Verschiebung des Altersaufbaus der Bevölkerung zu rechnen, also mit einer Verschiebung des quantitativen Verhältnisses zwischen Alten und Jungen. Diese Ergebnisse flossen in die Arbeit der durch die Regierung eingesetzten `Rürup-Kommission` ein, die im August 2003 zusammengefasst folgende Ergebnisse präsentierte:[1] „Aufgrund der stagnierenden Geburtenraten bei steigender Lebenserwartung müssen die sozialen Sicherungssysteme umgebaut werden, um die Abgabenlast der Erwerbstätigen zu mildern und die wachsende Zahl der nicht mehr Erwerbstätigen vor Altersarmut zu bewahren.“[2]

Diese Botschaft liefert seither der Politik die Legitimation sozialer Einschnitte, die weite Bevölkerungskreise unmittelbar trifft beziehungsweise beschäftigt. Ferner erhielt die Kinderlosigkeit als wesentlicher Aspekt des demographischen Wandels Raum in der gesellschaftlichen Diskussion.[3]

In dieser Arbeit soll daher betrachtet werden, wer in Deutschland aus welchen Gründen Kinderlos bleibt und welche Gegensteuerungsaspekte existieren. Dazu wird zunächst die Motivation für den Kinderwunsch betrachtet. Dem folgend werden die Sozialstrukturellen Daten zur Kinderlosigkeit dargestellt und ferner die Problematik der ungewollten Kinderlosigkeit betrachtet.

2 Motivation für den Kinderwunsch

Die Gründe für einen Kinderwunsch können ganz unterschiedlicher Art und Herkunft sein. Ebenso ist die Intensität des Kinderwunsches ganz individuell geprägt. Eine Unterteilung lässt sich beispielsweise vornehmen in traditionelle, kulturelle und psychosoziale Gründe.[4]

- Traditionelle Gründe

Für viele, insbesondere für Frauen, wird eine Schwangerschaft eng verbunden mit einer Heirat und einer Familie im traditionellen Sinne. Die Vorstellung eine Familie zu gründen, ist teilweise seit der Kindheit eine selbstverständliche und unangezweifelte Überlegung. Für viele Frauen stellt diese Vorstellung den zentralen Bezugspunkt ihres Lebensentwurfes dar, an den oft Entscheidungen in anderen Lebensbereichen gebunden sind beziehungsweise waren. So wird zum Beispiel die Wahl des Berufes, des Wohnortes oder des Partners mehr oder weniger stark von ihr beeinflusst.[5]

- Kulturelle/Gesellschaftliche Gründe

In vielen Kulturen stellen Kinder die Altersversorgung in manchen sogar den Reichtum der Familie dar. Auch in Deutschland ist das Thema Altersversorgung und Geburtenrückgang wie bereits in der Einleitung dargestellt in der Diskussion – politisch aktuell beispielsweise das Elterngeld und die Betreuungsmöglichkeiten wie Krippenplätze. Ferner können sich auch religiöse Gründe hinter dem Kinderwunsch verbergen. So ´dient´ in manchen Religionen der Sexualverkehr ausschließ- lich der Fortpflanzung. Im Katholizismus z. B. wird die Verhütung immer noch untersagt.[6]

- Psychosoziale Gründe

Auch in unserer heutigen Gesellschaft wird die Weiblichkeit einer Frau noch stark mit ihrer Gebärfähigkeit verbunden. Mit der Geburt eines Kindes wird die Weiblichkeit bestätigt und die Frau entspricht den gesellschaftlichen Normen und Standards. Ebenso wird die Männlichkeit mit der Zeugungsfähigkeit verknüpft. Oft entsteht der Kinderwunsch erst auf Druck des sozialen Umfeldes indem sich beispielsweise die Eltern ein Enkelkind wünschen oder im Freundesund Bekanntenkreis Kinder geboren werden und sich deren Alltag entsprechend verändert – hier entsteht der Kinderwunsch um weiterhin dazuzugehören. Mitunter ist es einfach das menschlichste Bedürfnis nicht allein zu sein, insbesondere im Alter. Eher vereinzelt wird den Frauen ein weiblicher Urinstinkt für den Kinderwunsch unterstellt.[7]

3 Sozialstrukturelle Daten zur Kinderlosigkeit

3.1 Vorbemerkung

Im Mittelpunkt der Analysen und Diskussionen zu den möglichen Ursachen steigender Kinderlosigkeit stehen die Frauen. Diese bekommen immer später Kinder. Den Angaben des Statistischen Bundesamtes zufolge liegt das mittlere Alter bei Erstgeburten inzwischen bei 29 Jahren. Während die Kinderlosigkeit von Frauen unter den Aspekten E- goismus, Karrierestreben, Unvereinbarkeit von Familie und Beruf sowie allgemeiner Kinderfeindlichkeit der Gesellschaft diskutiert wird, wurde bisher kaum nach den fehlenden Vätern gefragt. Es existiert immer noch das traditionellen Rollenverständnis, demzufolge Frauen für Kinder zuständig sind und somit wohl auch für die Kinderlosigkeit.[8]

Des Weiteren erfolgt eine Fixierung auf die Frauen bezüglich der Elternschaft im Zuge der amtlichen Datenerhebung, da der Mikrozensus ausschließlich die aktuelle Haushaltssituation erfasst. Das bedeutet, wer zum Zeitpunkt der Befragung nicht mit einem Kind im gemeinsamen Haushalt lebt – das trifft auf Väter nach Trennung oder Scheidung in den meisten Fällen zu – erscheint in der amtlichen Statistik als kinderlos. Berechnungen auf Basis der amtlichen Statistik zu Fertilität und Kinderlosigkeit basieren demnach ausschließlich auf der Erfassung der Mutterschaft. Da sowohl der Anteil kinderloser Männer und Frauen als auch die sozialstrukturelle Zusammensetzung dieser Gruppen Unterschiede aufweisen, ist eine differenziertere Betrachtung erforderlich.[9] Eine Fokussierung auf die weibliche Seite von Elternschaft und Kinderlosigkeit würde die Betrachtung des in Deutschland nach wie vor dominierenden „male-breadwinner-Prinzip“[10] und der traditionellen Rollenverteilung ausschließen. Männer beteiligen sich immer noch seltener an Erziehungsaufgaben und nehmen nur höchst selten den Erziehungsurlaub wahr. Sofern man unterstellt, dass eine egalitärere Aufgabenverteilung zwischen den Geschlechtern den Paaren eine Entscheidung für eine Elternschaft erleichtern könnte, sollte die Familienpolitik auch betrachten, welche Rahmenbedingungen nötig sind, um Männer stärker in Erziehungsfragen einzubinden. Familienpolitische Regelungen und die Geburtenrate in Frankreich und Skandinavien lassen annehmen, dass die Kinderlosigkeit so gesenkt werden könnte. In Deutschland herrscht diesbezüglich noch ein Forschungsdefizit, dass allmählich aufgearbeitet wird. Zu den sozialwissenschaftlichen Datensätzen, die die männliche Kinderlosigkeit berücksichtigen, gehören der `Family and Fertility Survey`, der `Familiensurvey` und das `Sozio-oekonomische Panel (SOEP)`. Das SOEP ist eine seit 1984 jährlich stattfindende Wiederholungsbefragung von Deutschen, Ausländern und Zuwanderern in den alten und neuen Bundesländern. Die nachfolgend referierten Ergebnisse basieren im Wesentlichen auf den Auswertungen des SOEP.[11]

3.2 Eckdaten zur Kinderlosigkeit

Die wichtigsten Rahmendaten zur Kinderlosigkeit betreffen die Überlegenheit der Kinderlosen innerhalb spezifischer Bevölkerungsgruppen sowie den Zeitpunkt des Übergangs zur Elternschaft - das Alter in dem der Status der Kinderlosigkeit beendet wird - und wer dauerhaft kinderlos bleibt. In den letzten Jahrzehnten ist der Anteil der dauerhaft Kinderlosen gestiegen. Ferner lässt sich ein Trend verzeichnen die Elternschaft länger aufzuschieben. Beide Aspekte haben einen negativen Einfluss auf die Fertilitätsrate, wobei der Aufschub der Elternschaft für die Fertilität der Bevölkerung von besonderer Bedeutung ist, da eine späte Elternschaft die Wahrscheinlichkeit reduziert, ein zweites oder weitere Kinder zu haben.[12]

Nach den erhobenen Daten kommt eine erste Mutteroder Vaterschaft nach dem 40. Lebensjahr nur noch selten vor, nach dem 45. Lebensjahr praktisch gar nicht mehr. Bei Frauen ist dies größtenteils durch den Eintritt der Menopause begründet. Bei Männern, die in der Regel zwei bis drei Jahre älter sind als ihre Partnerin, ist die späte Vaterschaft einerseits durch die Konzeptionsfähigkeit der Partnerin begrenzt. Zum anderen nimmt auch die Zeugungsfähigkeit der Männer im Alter ab.[13]

Im Vergleich ist die dauerhafte Kinderlosigkeit bei Männern mit ca. 25 Prozent höher gegenüber der der Frauen mit knapp 20 Prozent. Erklä- rungsansätze für diese Differenz sind z. B. ein Männerüberschuss, die fehlende Bekenntnis zur Vaterschaft oder die Bereitschaft von Männern mit mehr als einer Partnerin Kinder zu haben. Diese Erklärungsversuche sind allerdings noch nicht näher analysiert.[14]

Weiter zeigen die erhobenen Daten die Tendenz die Elternschaft immer weiter aufzuschieben. Verantwortlich für diesen Aufschub sind die verlängerten Ausbildungszeiten sowie die Übertragung der Bildungsressourcen in berufliche Statuspositionen. Da Frauen mit Nachteilen in der Erwerbskarriere rechnen müssen, wenn sie diese wegen Mutterschaft unterbrechen, ist der erhöhten Bildungspartizipation von Frauen besondere Bedeutung beizumessen. Obwohl Männer aufgrund der herrschenden Rollenverteilung weniger von diesen negativen beruflichen Konsequenzen betroffen sind, wirkt sich dieser Zusammenhang auch auf die männliche Kinderlosigkeit aus, da die meisten Partnerschaften bildungshomogen sind und die Entscheidung für eine Elternschaft in der Partnerschaft ausgehandelt wird und nicht vom individuellen Wunsch allein abhängt. Daher ist auch unter Männern mit höherem Bildungsniveau ein längerer Aufschub der Elternschaft festzustellen. Weiter wird der Bereitschaft zur Elternschaft meist eine grundlegende ökonomische Absicherung vorausgesetzt, die sich im Zusammenhang mit der beruflichen Etablierung ebenfalls verzögernd auf die Elternschaft auswirkt.[15] Grundsätzlich kann unterschieden werden zwischen jenen, die eine Elternschaft fortwährend aufschieben und denen die eine Elternschaft ablehnen. Eine klare Entscheidung gegen ein Kind ist allerdings eher selten, so dass vor allem dauerhaft kinderlos bleibt, wer die Auseinandersetzung mit der Kinder-Frage so weit aufschiebt, dass sie sich erübrigt. Die ungewollte Kinderlosigkeit spielt für die Anzahl der dauerhaft Kinderlosen mit ca. 3 Prozent[16] eine eher untergeordnete Rolle.[17]

3.3 Bildungsniveau und Kinderlosigkeit

In der öffentlichen Diskussion wird die Kinderlosigkeit von Akademikerinnen wiederholt mit der Zahl von über 40 Prozent beziffert. Diese Angaben basieren auf Daten des Mikrozensus. Demnach waren im Jahr 2000 über 40 Prozent der Hochschulabsolventinnen im Alter von 35 bis 39 Jahren kinderlos. Problematisch ist dabei, dass die Zahl in den Medien als genereller Indikator für dauerhafte Kinderlosigkeit von Akademikerinnen dargestellt wird. Ferner suggeriert die ausschließliche Erfassung der aktuellen Haushaltssituation im Mikrozensus unter Umständen Kinderlosigkeit, weil ein Kind vorübergehend oder dauerhaft nicht bei der Mutter lebt. Die ausschließliche Betrachtung der 35- bis 39jährigen Frauen beinhaltet eine weitere Fehlerquelle. Aufgrund der unter Punkt 3.2 bereits dargestellten aufgeschobenen Elternschaft wird ein nicht unwesentlicher Teil der Höhergebildeten noch jenseits des 35. bis 39. Lebensjahres erstmals ein Kind bekommen. Eine weitere Verzerrung entsteht dadurch, dass im öffentlichen Diskurs die Akademikerinnen mit Universitätsabsolventinnen gleichgesetzt werden. Die ebenfalls zu den Akademikerinnen zählenden Fachhochschulabsolventinnen bleiben bei der Nennung der kinderlosen Akademikerinnen unberücksichtigt. Sie sind in dieser Altersgruppe allerdings deutlich seltener kin-derlos als die Universitätsabsolventinnen.

[...]


[1] Vgl. Schmitt, C., Winkelmann, U., Wer bleibt Kinderlos?, 2005, S. 1.

[2] Schmitt, C., Winkelmann, U., Wer bleibt Kinderlos?, 2005, S. 1.

[3] Vgl. Schmitt, C., Winkelmann, U., Wer bleibt Kinderlos?, 2005, S. 1.

[4] Vgl. Fränznick, M., Wiener, K., Ungewollter Kinderlosigkeit, 1996, S. 17ff.

[5] Vgl. Fränznick, M., Wiener, K., Ungewollter Kinderlosigkeit, 1996, S. 17ff.

[6] Vgl. Fränznick, M., Wiener, K., Ungewollter Kinderlosigkeit, 1996, S. 17ff.

[7] Vgl. Fränznick, M., Wiener, K., Ungewollter Kinderlosigkeit, 1996, S. 17ff.

[8] Vgl. Schmitt, C., Winkelmann, U., Wer bleibt Kinderlos?, 2005, S. 2.

[9] Vgl. Schmitt, C., Winkelmann, U., Wer bleibt Kinderlos?, 2005, S. 2f.

[10] Schmitt, C., Winkelmann, U., Wer bleibt Kinderlos?, 2005, S. 3.

[11] Vgl. Schmitt, C., Winkelmann, U., Wer bleibt Kinderlos?, 2005, S. 3f.

[12] Vgl. Kreyenfeld, M., Huinink, J., Der Übergang zum ersten und zweiten Kind, 2003, S. 43-54.

[13] Vgl. Schmitt, C., Winkelmann, U., Wer bleibt Kinderlos?, 2005, S. 5f.

[14] Vgl. Schmitt, C., Winkelmann, U., Wer bleibt Kinderlos?, 2005, S. 6f.

[15] Vgl. Schmitt, C., Winkelmann, U., Wer bleibt Kinderlos?, 2005, S. 7f.

[16] Vgl. Strauß, B., Heft 20 – Ungewollte Kinderlosigkeit, 2004, S. 4.

[17] Vgl. Schmitt, C., Winkelmann, U., Wer bleibt Kinderlos?, 2005, S. 8.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Kinderlosigkeit in Deutschland
Hochschule
Fachhochschule Braunschweig / Wolfenbüttel; Standort Braunschweig
Veranstaltung
Sozialpolitik
Note
2,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
22
Katalognummer
V113742
ISBN (eBook)
9783640144501
ISBN (Buch)
9783640145799
Dateigröße
457 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kinderlosigkeit, Deutschland, Sozialpolitik
Arbeit zitieren
Dipl. Kffr. (FH) Christine Bönig (Autor), 2007, Kinderlosigkeit in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113742

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