Die Alterung der Bevölkerung ist aktuell ein intensiv diskutiertes Thema. Die Enquete-Kommission des Bundestags `Demographischer Wandel´ stellte im März 2002 nach fast zehn Jahren Arbeit ihren Abschlussbericht vor. Diesem Bericht zu Folge ist in Deutschland mit einer erheblichen Verschiebung des Altersaufbaus der Bevölkerung zu rechnen, also mit einer Verschiebung des quantitativen Verhältnisses zwischen Alten und Jungen. Diese Ergebnisse flossen in die Arbeit der durch die Regierung eingesetzten `Rürup-Kommission` ein, die im August 2003 zusammengefasst folgende Ergebnisse präsentierte: „Aufgrund der stagnierenden Geburtenraten bei steigender Lebenserwartung müssen die sozialen Sicherungssysteme umgebaut werden, um die Abgabenlast der Erwerbstätigen zu mildern und die wachsende Zahl der nicht mehr Erwerbstätigen vor Altersarmut zu bewahren.“ Diese Botschaft liefert seither der Politik die Legitimation sozialer Einschnitte, die weite Bevölkerungskreise unmittelbar trifft beziehungsweise beschäftigt. Ferner erhielt die Kinderlosigkeit als wesentlicher Aspekt des demographischen Wandels Raum in der gesellschaftlichen Diskussion. In dieser Arbeit soll daher betrachtet werden, wer in Deutschland aus welchen Gründen Kinderlos bleibt und welche Gegensteuerungsaspekte existieren. Dazu wird zunächst die Motivation für den Kinderwunsch betrachtet. Dem folgend werden die Sozialstrukturellen Daten zur Kinderlosigkeit dargestellt und ferner die Problematik der ungewollten Kinderlosigkeit betrachtet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Motivation für den Kinderwunsch
3 Sozialstrukturelle Daten zur Kinderlosigkeit
3.1 Vorbemerkung
3.2 Eckdaten zur Kinderlosigkeit
3.3 Bildungsniveau und Kinderlosigkeit
3.4 Partnerschaft und Kinderlosigkeit
4 Besondere Problematik der ungewollten Kinderlosigkeit
4.1 Definition und Eckdaten
4.2 Ursachen der ungewollten Kinderlosigkeit
4.3 Psychosoziale Aspekte der ungewollten Kinderlosigkeit
4.4 Diagnostik und Therapiemöglichkeiten
5 Resümee
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Hintergründe der steigenden Kinderlosigkeit in Deutschland. Dabei wird analysiert, wer aus welchen Gründen kinderlos bleibt, welche psychosozialen Belastungen mit ungewollter Kinderlosigkeit einhergehen und welche gesellschaftlichen sowie medizinischen Aspekte dabei eine Rolle spielen.
- Motivationen für den Kinderwunsch (traditionell, kulturell, psychosozial)
- Sozialstrukturelle Analyse der Kinderlosigkeit
- Einfluss von Bildungsniveau und Partnerschaftsstatus
- Problematik und Belastungsfaktoren der ungewollten Kinderlosigkeit
- Medizinische Diagnostik und Therapiemöglichkeiten bei Fertilitätsstörungen
Auszug aus dem Buch
4.3 Psychosoziale Aspekte der ungewollten Kinderlosigkeit
Die Diagnose einer Fruchtbarkeitsstörung stellt für Betroffene den Verlust eines Lebensplanes und erwünschten Lebenszieles dar. Diese Erkenntnis löst eine Reihe unterschiedlicher Gefühle wie Trauer, Hilflosigkeit, Wut, Neid sowie Gefühle von Minderwertigkeit und Ausgeschlossen sein aus. Die ausbleibende Schwangerschaft wird als Kränkung bezüglich der eigenen Weiblichkeit beziehungsweise Männlichkeit erlebt, insbesondere wenn Betroffene diese stark mit der Reproduktionsfähigkeit verknüpft haben. Psychische Folgen des unerfüllten Kinderwunsches können Einschränkungen hinsichtlich des Selbstwertgefühls, die emotionale Befindlichkeit sowie die eine allgemeine Lebensunzufriedenheit sein. Darüber hinaus können sich interpersonelle Probleme einstellen, insbesondere in der Partnerschaft oder im Kontakt zu Familie und Freundeskreis.
Im Sozialen Umfeld ergeben sich Probleme, weil sich Betroffene aus Scham aus sozialen Aktivitäten zurückziehen oder sich unverstanden fühlen, insbesondere wenn die Gründe für die Kinderlosigkeit unbenannt bleiben. Ferner wird ihnen, im Fall der Unkenntnis der Umwelt, vorgeworfen egoistisch, verantwortungslos, unreif, karrieresüchtig und unmoralisch zu sein. Sind die Gründe für die Kinderlosigkeit dagegen bekannt wird ihnen mit Mitleid und gut gemeinten Ratschlägen und Nachfragen begegnet, statt mit einem Gesprächsangebot.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der alternden Bevölkerung in Deutschland ein und verknüpft den demographischen Wandel mit der zunehmenden Kinderlosigkeit.
2 Motivation für den Kinderwunsch: Hier werden die verschiedenen Beweggründe für den Wunsch nach Kindern, unterteilt in traditionelle, kulturelle und psychosoziale Aspekte, beleuchtet.
3 Sozialstrukturelle Daten zur Kinderlosigkeit: Dieses Kapitel liefert eine differenzierte Betrachtung statistischer Daten zu Kinderlosen, wobei insbesondere der Einfluss von Bildung und Partnerschaftsformen hinterfragt wird.
4 Besondere Problematik der ungewollten Kinderlosigkeit: Das Kapitel definiert den Begriff der medizinischen Infertilität, analysiert die Ursachen, die psychischen Folgen für Paare und stellt aktuelle diagnostische sowie therapeutische Verfahren vor.
5 Resümee: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Bewertung der Situation und fordert gesellschaftliche Rahmenbedingungen, die eine frühere Familienbildung begünstigen.
Schlüsselwörter
Kinderlosigkeit, demographischer Wandel, ungewollte Kinderlosigkeit, Fertilität, Reproduktionsmedizin, Familienpolitik, Psychosoziale Aspekte, Fruchtbarkeitsstörungen, Infertilität, Sterilität, Partnerschaft, Lebensentwurf, Familienbildung, Geburtenrate, soziale Sicherungssysteme.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Ursachen und Auswirkungen der steigenden Kinderlosigkeit in Deutschland unter Berücksichtigung gesellschaftlicher, sozialstruktureller und medizinischer Faktoren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die Motivation für Kinder, die statistische Verteilung der Kinderlosigkeit, der Einfluss von Bildung und Partnerschaft sowie die Problematik ungewollter Kinderlosigkeit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Es soll aufgezeigt werden, wer in Deutschland aus welchen Gründen kinderlos bleibt und welche Gegensteuerungsaspekte beziehungsweise Belastungen existieren.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung sozialwissenschaftlicher Datensätze, insbesondere des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der Kinderwunsch-Motivation, die Darstellung sozialstruktureller Daten und eine tiefergehende Untersuchung der ungewollten Kinderlosigkeit inkl. medizinischer Therapieansätze.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Kinderlosigkeit, demographischer Wandel, Infertilität, Reproduktionsmedizin, Familienpolitik und psychosoziale Auswirkungen.
Warum spielt die Partnerschaftssituation für die Kinderlosigkeit eine so große Rolle?
Die Arbeit zeigt auf, dass der Wunsch nach einem Kind meist in eine längerfristige, stabile Partnerschaft eingebettet ist; Instabilitäten oder das Fehlen eines Partners verhindern oder verzögern die Realisierung des Kinderwunsches erheblich.
Welche Rolle spielt die Reproduktionsmedizin bei der Bewältigung ungewollter Kinderlosigkeit?
Die Medizin bietet diagnostische und therapeutische Optionen wie IVF oder ICSI an, allerdings sind diese mit emotionalen und zeitlichen Belastungen verbunden, weisen begrenzte Erfolgsquoten auf und sind zudem einer restriktiven Kostenregelung unterworfen.
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- Dipl. Kffr. (FH) Christine Bönig (Author), 2007, Kinderlosigkeit in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113742