Der Falklandkrieg im Lichte des Realismus


Hausarbeit, 2005

14 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Realismus nach Morgenthau

3. Der Falklandkonflikt
3.1 Akteure des Konflikts und deren Konstellation
3.2 Konfliktgegenstand und dessen Ursachen
3.3 Konfliktaustragung
3.4 Konfliktbeendigung

4. Der Falklandkonflikt im Lichte des Realismus
4.1 Argentinien
4.2 Großbritannien

5. Schlussbetrachtungen

1. Einleitung

Für uns Europäer ist diese Gegend das Ende der Welt, der spontan niemand eine weltpolitische Bedeutung zugestehen würde. Desto größer war die Verwunderung, als es 1982 wegen dieser Inselgruppe vor der südlichen Spitze Südamerikas zu einer kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Argentinien und Großbritannien kam. Die Argentinier nennen sie die Malvinas, in Europa sind diese Inseln, die mit einem Male weltweit im Flutlicht der Weltöffentlichkeit standen, als die Falkland-Inseln bekannt. (Im folgenden Aufsatz werden beide Namen genutzt werden.)

Doch warum kam es zu diesem Konflikt? Warum glaubten die Argentinier sich die Inselgruppe einfach erobern zu können? Und warum hielt Großbritannien so verbissen an seiner kleinen Kolonie fest?

Diesen Fragen wird die vorliegende Arbeit im Lichte der von Morgenthau begründeten realistischen Schule zu klären versuchen. Dabei soll zunächst eine kurze Einführung in den klassischen Realismus gegeben und anschlie- ßend der Falkland-/Malvinas-Konflikt in seinen Grundzügen vorgestellt werden. Danach wird jener Konflikt unter den Gesichtspunkten der Grundaussagen des Realismus untersucht werden.

2. Der Realismus nach Morgenthau

Der Realismus ist die am weitesten verbreitete Großtheorie der internationalen Beziehungen, er entstand gesellschaftlich-politisch provoziert vor dem Hintergrund der Weltkrise in der Mitte des 20. Jahrhunderts und kann als direkte Antwort auf den Idealismus verstanden werden (Knapp/Krell 2004: 62). Nach Morgenthau „war der Kern dieser idealistischen Denkweise die gefährliche Abwertung der politischen Macht in der internationalen Politik“ (Gu 2000: 38), welche spätestens durch Beispiele wie den Faschismus, den Stalinismus, dem Scheitern des Völkerbundes und dem Zweiten Weltkrieg offen gelegt wurde. Vielmehr müsse man die Welt rea listisch und nüchtern betrachten und erkennen, dass „Kampf und Macht universellen Charakter in Raum und Zeit haben und daher eine unwiderlegbare Erfahrungstatsache darstellen“ (Gu 2000: 38).

Nach Morgenthau wird das internationale System als Anarchie, also als ein System ohne verbindliche Ordnungsstrukturen, verstanden. Das Bestehen in einem solchen anarchischen System ist folglich ein Überlebenskampf, die einzigen relevanten Akteure der internationalen Beziehungen sind somit die Nationalstaaten, welche in diesem Überlebenskampf „ihr Verhalten rational an der Verfolgung ihrer Eigeninteressen ausrichten“ (Lauth/Zimmerling 2003: 148).

Die zentrale Kategorie des klassischen Realismus ist die bereits erwähnte Macht, welche das Mittel zur Verwirklichung von Nationalinteressen und somit das „Fundamentalelement der Politik“ (Gu 2000: 42) darstellt. Machtpolitik betreibt eine Nation dann, wenn sie sich bei der Verfolgung bestimmter Zielsetzungen der internationalen Politik bedient: „Die Macht ist das, was das Politische vom Nicht-Politischen abgrenzt“ (Gu 2000: 41) und „kann alles umfassen, was die Beherrschung von Menschen durch Menschen bewirkt und erhält“ (Jacobs 2003: 45).

Das zentrale Antriebsmoment der internationalen Beziehungen ist folglich das Streben nach Macht, welches die nationalen Interessen realisieren soll:

„Internationale Politik ist, wie alle Politik, ein Kampf um die Macht. (...) Politik im engeren Sinne sucht entweder Macht zu erhalten, Macht zu vermehren oder Macht zu demonstrieren“ (Morgenthau zitiert in: Lauth/Zimmerling 2003: 148).

Hierbei spricht man von drei Typen der Außenpolitik, nämlich der Statusquo-Politik, der Imperialismus-Politik und der Machtdemonstrationspolitik (Gu 2000: 42). Als wichtigstes Ziel internationaler Politik kann somit die Stabilisierung eines Mächtegleichgewichts (balance of power) verstanden werden um Frieden zu sichern. Frieden wird hierbei als Abwesenheit von Krieg definiert und unterliegt wegen der menschlichen Konfliktbereitschaft einer ständigen Bedrohung (Lauth/Zimmerling 2003: 148). „Macht ist also Mittel und Gegenstand des Interesses zugleich und kann letztendlich sogar zum Selbstzweck werden“ (Morgenthau zitiert in: Jacobs 2003: 46).

Deshalb appelliert Morgenthau an eine mögliche und sinnvolle Zügelung des Machttriebes, wonach die Macht sittlich und vernünftig und nicht nur zur Begegnung von Machtübergriffen durch Gegenmachtbildung eingesetzt werden soll (Knapp/Krell 2004: 64). Man muss den Realismus daher zu den normativen Theorien im weiteren Sinne zählen, da er die „Klugheit –das Abwägen der Folgen alternativer politischer Handlungenals die höchste aller Tugenden“ betrachtet, eine Zähmung der Macht durch Moral fordert und dieses Vorgehen im Sinne einer realistischen Verantwortungsethik als sinnvoll für die Sicherung des Weltfriedens erklärt. Den einzig wirkungsvollen Weg zur Wahrung von Frieden und Stabilität in der internationalen Politik sieht Morgenthau also im Konzept von statesmanship , d.h. einer moralisch fundierten Diplomatie, die den „Frieden durch Ausgleich“ schaffen kann (Jacobs 2003: 47-49).

Der Realismus steht in einer langen Tradition des politischen Denkens und wurde von einer Reihe realistisch gesinnter Autoren intellektuell vorbereitet. So sind unter anderem in den Werken von Thukydides, Machiavelli, Hobbes, Nietzsche, Weber, Schuman, Lippmann und Niebuhr verschiedene wichtige Grundgedanken des Realismus wiederzufinden (Knapp/Krell 2004: 62), auf welcher an dieser Stelle aber nicht näher eingegangen werden soll.

3. Der Falklandkrieg

3.1 Akteure des Konflikts und deren Konstellation

Der Krieg um Falkland von 1982 wurde von den Nationen Argentinien und Großbritannien ausgetragen, welche somit –neben dem Streitobjekt Falkland und seinen Bewohnern selbstals Hauptakteure bezeichnet werden können. Dabei wurde die amtierende argentinische Militär-Junta maßgeblich von dem 1981 an die Macht geputschten General Leopoldo Galtieri und dessen Wirtschaftsminister Roberto Alemann vertreten. Auf Seiten der britischen Regierung waren vor allem die Premierministerin Margaret Thatcher entscheidend an diesem regellosen Konfliktaustrag beteiligt (Haffa/Werz 1983: 185-186).

Als weitere Einfluss nehmende Nebenakteure in diesem Konflikt können außerdem die Mitgliedsstaaten der Europäischen Gemeinschaft, welche Argentinien mit einem Wirtschaftsembargo sanktionierten, die anderen lateinamerikanischen Staaten, die Argentinien ihre Neutralität zusicherten, und die USA, der Papst und der UN-Sicherheitsrat, die erfolglos zu vermitteln versuchten, genannt werden (Haffa/Werz 1983: 182-198).

3.2 Konfliktgegenstand und dessen Ursachen

Die Falkland-/Malvinas-Inseln und deren Dependenzen, South Georgia und die Süd-Sandwich-Inseln, stellen in diesem Krieg nicht nur den Konfliktgegenstand dar, sondern sind völkerrechtlich betrachtet ein hochgradig komplizierter Fall. Dies liegt vor allem daran, dass seit der Entdeckung der Falklands im 16. Jahrhundert durch sowohl Briten als auch Franzosen (welche „ihren Anteil“ der Inseln später an Spanien verkauften) die Besitzansprüche über die Inseln bis heute ungeklärt sind und die Souveränitätsfrage somit rechtlich völlig umstritten ist, was eine Lösung auf Grundlage des Völkerrechts unmöglich macht (Haffa/Werz 1983: 185). Aufgrund dieser ungeklärten Besitzverhältnisse erheben beide Nationen Anspruch auf die Inseln, worin die Hauptursache für diesen Konflikt zu suchen ist. (Die unterschiedlichen Gründe zum Festhalten an der jeweiligen Position und die daraus resultierenden Handlungen werden im Kapitel 4 noch eingehender behandelt.)

Als Anlass des Krieges ist die Besetzung von South Georgia am 22. März 1982 durch argentinische Truppen zu nennen, die der argentinischen Bevölkerung gegenüber als „Befreiung der Malvinas“ und der britischen Seite gegenüber als Beschützungsmaßnahme für eine Gruppe Alteisenhändler, die dort für Großbritannien eine alte Fabrik auflösen sollen, bezeichnet wurde (www.falklandkrieg.de).

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Der Falklandkrieg im Lichte des Realismus
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Grundseminar: Internationale Beziehungen
Note
1,3
Autor
Jahr
2005
Seiten
14
Katalognummer
V113754
ISBN (eBook)
9783640144570
ISBN (Buch)
9783640145850
Dateigröße
402 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Falklandkrieg, Lichte, Realismus, Grundseminar, Internationale, Beziehungen
Arbeit zitieren
Katharina Klinge (Autor), 2005, Der Falklandkrieg im Lichte des Realismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113754

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