Diese Bachelorarbeit befasst sich mit der Frage „Besteht ein Zusammenhang zwischen der Rezeption politischer Satire im deutschen Fernsehen und der Einstellung gegenüber der Politik?“. Dafür wird zunächst die theoretische Fundierung zur politischen Satire und ihrem Auftreten in der deutschen Fernsehlandschaft dargelegt. Anschließend wird das Konstrukt der politischen Einstellung in diesem Kontext definiert und dessen relevante Teilaspekte erläutert. Im letzten Teil der Theorie werden schließlich zwei Perspektiven dargelegt, die gegenläufige Wirkungen für die Rezeption politischer Satire vermuten lassen. Zum einen handelt es sich dabei um die Theorie der Mediamalaise und zum anderen um die Theorie des Virtuous Circle nach Pippa Norris. Die Forschungsfrage wird mittels einer Querschnittsbefragung beantwortet. Die erhaltenen Befunde sowie daraus resultierende Anschlussmöglichkeiten für weiterführende Forschung werden im letzten Kapitel diskutiert.
"Ich glaube wirklich, dass Satiriker oder Kabarettisten, die ernsthaft glau-ben mit ihrer Arbeit gesellschaftlich konkret was verändern zu können, den Job nicht richtig verstanden haben. Und ich habe das Gefühl, dass die Leute selten so politisch waren, wie im Moment. Und dazu leistet Satire halt einen Beitrag von vielen." Diese Aussage tätigte Oliver Welke in einem Interview mit dem Journalisten Jörg Wagner. Er selbst schreibt seinem eigenen Berufsstand damit ein eher geringes Wirkungspotential auf Zuschauer und Gesellschaft zu. Dennoch sind in den letzten Jahren immer neue Programme aufgetreten, die sich der Politik auf humorvolle Art und Weise zuwenden und ein stetig wachsendes Publikum generieren konnten.
Mehr Satire im deutschen Fernsehen und, zumindest laut Oliver Welke, ein immer politischeres Publikum. Gibt es zwischen diesen beiden Entwicklungen einen Zusammenhang? Welchen Einfluss üben diese Programme auf ihre Rezipienten aus? Steigern sie das Interesse an Politik und tragen damit zum Erhalt einer stabilen Demokratie bei oder fungieren sie durch ihren meist negativen Tenor doch eher als Katalysator für steigenden Zynismus und sinkendes Vertrauen in die Politik?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Politische Satire – Definition und Funktion
2.1 Politische Satire im deutschen Fernsehen
2.2 Die heute show als erfolgreichste deutsche Fernsehsatire
3 Politische Einstellung als Dimension der politischen Kultur
3.1 Political Efficacy
3.2 Political Cynicism und Political Trust
4 Politische Satire und politische Einstellungen
4.1 Die Theorie der Mediamalaise
4.2 Die Theorie des Virtuous Circle
5 Forschungsfragen und Hypothesen
6 Methode
6.1 Operationalisierung der wesentlichen Konstrukte
6.1.1 Politische Einstellung (abhängige Variable)
6.1.2 Politische Beteiligung (abhängige Variable)
6.1.3 Nutzung traditioneller Medienangebote (abhängige Variable)
6.1.4 Regelmäßiger Konsum und Rezipienten politischer Satire (unabhängige Variable)
6.1.5 Politikinteresse, wirtschaftliche Lage, Bildungsgrad (intervenierende Variablen)
6.1.6 Rezeptionsmotive
6.2 Entwicklung des Fragebogens und Pretest
7 Ergebnisse
7.1 Stichprobe
7.2. Rezipienten und Nicht-Rezipienten und die Einstellung zur Politik
7.3 Rezipienten und Nicht-Rezipienten und politische Partizipation
7.4 Rezipienten und Nicht-Rezipienten und traditioneller Medienkonsum
7.5 Rezeptionsmotive politischer Satire
8 Diskussion
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Rezeption politischer Satire im deutschen Fernsehen und der politischen Einstellung der Zuschauer. Dabei wird insbesondere analysiert, ob Satire zur politischen Mobilisierung beiträgt oder zynische Einstellungen fördert.
- Analyse des Einflusses von Satireformaten (z.B. heute show) auf politische Einstellungen.
- Untersuchung der politischen Partizipation in Abhängigkeit vom Satirekonsum.
- Vergleich von Rezipienten und Nicht-Rezipienten hinsichtlich ihrer Mediennutzung.
- Anwendung und Überprüfung von Mediamalaise- und Virtuous-Circle-Theorien auf den deutschen Kontext.
Auszug aus dem Buch
4.1 Die Theorie der Mediamalaise
Unter Mediamalaise ist im Allgemeinen eine Missstimmung gegenüber der Politik zu verstehen, welche durch die eben beschriebene kausale Wirkung des Medienkonsums auf die Einstellung entsteht. Es handelt sich dabei um unintendierte, negative Medienwirkungen, die prinzipiell bei allen Medienrezipienten zu erwarten sind (Wolling, 2006, S. 243). Im Gegensatz zu der Kultivierungsforschung, zu deren Theorie eine deutliche Nähe feststellbar ist, beschäftigt sich die Mediamalaise-Forschung ausschließlich mit politischen Medienwirkungen (Wolling, 2006, S. 244). Meist stellt dabei, wie auch in dieser Untersuchung, die Einstellung zur Politik die abhängige Variable dar. Teilweise wird jedoch auch die politische Partizipation untersucht (ebd.).
1974 schilderte Miller mit Hilfe eines Trendvergleichs für die Jahre 1964 bis 1970 die Beobachtung, dass das Vertrauen der amerikanischen Bevölkerung in ihre politischen Institutionen im Laufe der Jahre nachgelassen hat (Miller, 1974, S. 951). Michael Robinson brachte die wachsende Entfremdung der Bevölkerung vom politischen Prozess in einen Zusammenhang mit der steigenden Abhängigkeit der Amerikaner von der politischen Berichterstattung des Fernsehens. Mitte der 70er Jahre formulierte er daraus seine „Videomalaise“ Hypothese. Laut derer ist nicht die Mediennutzung selbst, sondern die Art, wie Politik in den Medien und hierbei speziell im Fernsehen, dargestellt wird ausschlaggebend für das negative Politikbild der Zuschauer (Robinson, 1976, S. 426).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Hinführung zum Thema des Booms politischer Satire im deutschen Fernsehen und Erläuterung der Relevanz für die politische Kommunikation.
2 Politische Satire – Definition und Funktion: Abgrenzung von Satire, Kabarett und Comedy sowie Darstellung der Funktion von Satiresendungen in Deutschland.
3 Politische Einstellung als Dimension der politischen Kultur: Theoretische Herleitung der Konzepte Political Efficacy, Political Cynicism und Political Trust.
4 Politische Satire und politische Einstellungen: Gegenüberstellung der Theorien der Mediamalaise und des Virtuous Circle zur Wirkungsweise von Medien auf politische Einstellungen.
5 Forschungsfragen und Hypothesen: Formulierung der zentralen Untersuchungsziele und Ableitung der Hypothesen.
6 Methode: Beschreibung der methodischen Durchführung der Querschnittsbefragung, der Operationalisierung der Variablen und des Pretests.
7 Ergebnisse: Präsentation der empirischen Befunde inklusive der Stichprobenbeschreibung und Analyse der Hypothesen.
8 Diskussion: Zusammenfassende Interpretation der Ergebnisse im Lichte der Theorie sowie Reflexion über Limitationen der Untersuchung.
Schlüsselwörter
Politische Satire, heute show, Politische Einstellung, Political Efficacy, Political Cynicism, Politische Partizipation, Mediamalaise, Virtuous Circle, Medienkonsum, Mediennutzung, Politische Kultur, Nachrichtensatire, Fernsehforschung, Quantitative Forschung, Politische Kommunikation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Bachelorarbeit untersucht, ob und wie der Konsum politischer Satire im deutschen Fernsehen die Einstellung der Zuschauer zur Politik beeinflusst.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die Rolle von TV-Satire, die politische Einstellung der Bürger, deren politische Partizipation sowie das allgemeine politische Informationsverhalten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die zentrale Frage ist, ob ein Zusammenhang zwischen der Rezeption politischer Satire im deutschen Fernsehen und der Einstellung gegenüber der Politik besteht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde eine quantitative Querschnittsbefragung (Online-Fragebogen) mit 123 Teilnehmern durchgeführt, deren Daten statistisch ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Begriffe und Medientheorien, die Operationalisierung der Konstrukte sowie die Auswertung der empirischen Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Politische Satire, politische Einstellung, politische Partizipation, Mediamalaise und die Theorie des Virtuous Circle.
Wie unterscheidet sich die Arbeit von US-Studien?
Im Gegensatz zu vielen US-Studien, die oft "Videomalaise" feststellen, findet diese Arbeit keine signifikanten Unterschiede beim politischen Zynismus und ordnet sich eher der Theorie des Virtuous Circle zu.
Warum wurde ein Online-Fragebogen gewählt?
Der Online-Modus wurde gewählt, um eine kurze Feldzeit zu gewährleisten und den Einfluss eines Interviewers auf die Antworten zu minimieren.
Welchen Einfluss hat Satire auf die politische Partizipation?
Die Ergebnisse zeigen, dass eine höhere Rezeptionsintensität von politischer Satire – in Verbindung mit einem starken Politikinteresse – positiv mit einer höheren politischen Beteiligung korreliert.
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- Anonym (Author), 2018, Der Zusammenhang zwischen der Rezeption politischer Satire im deutschen Fernsehen und der Einstellung gegenüber der Politik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1137548