Förderung der Gesundheitskompetenz junger, von Arbeitslosigkeit betroffener Menschen


Hausarbeit, 2021

28 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Fachbegriffe und Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Bezug zum Studium - Themenwahl
1.2. Ziel - Herangehensweise - Methodik

2. Theoretische Aufarbeitung
2.1. Thematische Abgrenzung und Begriffsdefinition
2.1.1. Arbeitslosigkeit allgemein
2.1.2. Sonderfall Arbeitslosigkeit junger Erwachsener
2.1.3. Status des Ausbildungsmarkts
2.1.4. Gesundheit und Krankheit
2.1.5. Gesundheitskompetenz
2.1.6. Gesundheitliche Herausforderungen
2.2. Stand der Forschung
2.2.1. Schwierige Übergänge
2.2.2. Blick der Jugend auf sich selbst
2.2.3. Blick auf die Gesundheit von Jugendlichen
2.2.4. Arbeitslosigkeit und Gesundheit bei jungen Erwachsenen

3. Förderung und Limitierung von Gesundheitskompetenz
3.1. Ansätze der allgemeinen Förderung
3.2. Förderung der Gesundheitskompetenz der Jugend
3.3. Limitierungen
3.3.1. Selbstlimitierende Faktoren
3.3.2. Limitierung durch fehlende Daten
3.3.3. Limitierung durch fehlende Ressourcen

4. Fazit/Ausblick

5. Literatur/Quellen

Fachbegriffe und Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

In diesem Abschnitt wird der Bezug des Themas zum Studium der Sozialen Arbeit und zum Fach Gesundheitswissenschaft geklärt und das Ziel, sowie die Herangehensweise an das Thema und die angewandte Methodik dargestellt.

1.1. Bezug zum Studium - Themenwahl

Das Thema der vorliegenden Arbeit wurde vor dem Hintergrund des Studienschwerpunkts Gesundheitswissenschaften gewählt, auf der Basis des Interesses der Verfasserin für Maßnahmen der Arbeitsintegration für junge Erwachsene im Rahmen von Praxis-Erfahrungen des Studiums. Im sozialen Arbeitsfeld der Arbeitsintegration stellten sich in der Praxis Herausforderungen rund um die Themen von gesundheitlichen Einschränkungen, psychischen Belastungen, riskantem Verhalten, Ausprägung der Gesundheitskompetenz von jungen Menschen.

1.2. Ziel - Herangehensweise - Methodik

Ziel dieser Arbeit ist es, herauszuarbeiten, ob die Förderung der Gesundheitskompetenz im Rahmen einer Gesundheitsförderung in Fördermaßnahmen für arbeitslose junge Erwachsene eine signifikante Relevanz aufweist. Methodisch wurde das Themenfeld auf der Basis einer systematischen Recherche der aktuellen Literatur der Erscheinungsjahre 2000 bis 2020 erschlossen; umfangreich recherchiert nach bestem Wissen und Gewissen in der Universitätsbibliothek zu Köln (im Lockdown teilweise geschlossen), in Datenbanken wie google scholar sowie in Quellen des eigenen Bestands. Zunächst sollen die angesprochenen Fachbegriffe definiert und erläutert, mit ihren gängigen Abkürzungen in einem Verzeichnis aufgeführt werden - bei nur kurzzeitigen Erwähnungen in Fußnoten. Folgend auf die Abhandlung der Allgemein-Begriffe, wie Arbeitslosigkeit, Gesundheit, wird das Thema Gesundheitskompetenz zunächst allgemein, dann bezogen auf die besondere gesundheitliche Situation junger Erwachsener herausgearbeitet.

Im mittleren Teil erfolgt die Einordnung des Themas in größere Studien, wie “YOYO” - ein europäisches Forschungsprojekt, “KIGGS” - einer Studie zum Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen vom Robert-Koch-Institut, Berlin. Ergänzend folgen zum Thema Lebenszufriedenheit junger Erwachsener Erkenntnisse aus den neuesten “Shell”-Jugendstudien. Anschließend wird die Auseinandersetzung mit fördernden und limitierenden Faktoren in der allgemeinen Gesundheitskompetenzförderung im Rahmen von Jugendförderungsmaßnahmen herausgearbeitet. Die Förderfaktoren werden anhand einer ergiebigen österreichischischen Studie von Höld und Kollegen, aus den Jahren 2015 - 2018 eingeordnet. Hemmende Faktoren werden aus dem selbstlimitierenden Effekt jugendlicher Verhaltensmuster, der begrenzten Verfügbarkeit diesbezüglicher Literatur und den mangelnden Ressourcen entsprechender Fördermaßnahmen entwickelt. Abschließend werden die Ergebnisse zusammengefasst und mit einem Ausblick versehen.

Zum leichteren Lesefluss werden Nomen in dieser Arbeit überwiegend männlich bezeichnet ohne dass andere Genera ausgeschlossen sein sollen. Alle Genderformen sind gemeint und werden gleichermaßen wertgeschätzt.

2. Theoretische Aufarbeitung

Hier sollen die thematisch erwähnten Begriffe definiert werden. In Bezug auf den Begriff Arbeitslosigkeit werden die rechtlichen Vorgaben von Arbeitsfähigkeit und die besonderen Bestimmungen für das Jugendalter gegeneinander abgegrenzt. Ein kurzer Blick auf den Ausbildungsmarkt wird gefolgt von einem Abriss zu den Themen Gesundheit, Krankheit und Gesundheitskompetenz. Ein Blick auf die gesundheitlichen Herausforderungen durch Arbeitslosigkeit rundet diesen Abschnitt ab.

2.1. Thematische Abgrenzung und Begriffsdefinition

2.1.1. Arbeitslosigkeit allgemein

Gemäß § 138 SGB III sind diejenigen Personen als arbeitslos anzusehen, die als Arbeitnehmer1 gelten, sich nicht in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung2 befinden, dem allgemeinen Arbeitsmarkt zur Verfügung3 stehen und sich um Aufnahme einer Beschäftigung bemühen4. Ein Anspruch auf Zahlung von Arbeitslosengeld nach dem SGB III (ALG A) ist frühestens nach einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsdauer von zwölf vollen Monaten gegeben (§147 SGB III).

2.1.2. Sonderfall Arbeitslosigkeit junger Erwachsener

Jugendliche sind grundsätzlich ab dem fünfzehnten Lebensjahr erwerbsfähig (vgl. § 8 SGB II) . Wenn junge Erwachsene respektive Jugendliche keinen Anspruch auf ALG A haben (vgl. §147 SGB III, vgl. 2.1.1.), können Bestimmungen des SGB II anwendbar sein. Ab dem vollendeten fünfzehnten Lebensjahr kann der Heranwachsende im Rechtskreis SGB II die Rolle “erwerbsfähiger Leistungsberechtigter” in einer sogenannten BG5 übernehmen. Mit Elternteilen bildet er gemeinsam eine BG bis er selbst heiratet oderdas 25. Lebensjahr vollendet hat. Ab diesem Alter bzw. Familienstand gesteht das SGB II Personen das Recht auf eine eigene Wohnung zu. Damit kann eine eigene BG begründet werden (vgl. Fachliche Weisungen der BA zu § 7 SGB II). Mit Einführung des SGB II im Jahr 2005 haben sich die Träger der Jugendhilfe aus dem Bereich der sozialpädagogisch flankierenden Maßnahmen der Jugendberufshilfe zurückgezogen, so Münder und Hofmann (2017).

2.1.3. Status des Ausbildungsmarkts

Eine Anzahl von knapp 30.000 junger Menschen, rund 70 Prozent, die als Bewerber um einen Ausbildungsplatz gelten, haben einen solchen bis Ende September 2020 noch nicht und auch keine Alternative dazu gefunden, so die Statistik der BA. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies eine Zunahme von knapp zwanzig Prozent, wobei auch Auswirkungen der gegenwärtigen Pandemie eine (untergeordnete) Rolle spielen (Statistik der BA, 2020, 32-33).

2.1.4. Gesundheit und Krankheit

Eine klassischen Definition von Gesundheit wurde 1946 durch die damaligen Pioniere der WHO vorgelegt6. Diese hatten dabei das gesamte Gesundheitssystem im Sinne von public health7 im Blick; demzufolge ist Gesundheit mehr als die Abwesenheit von Krankheit (Kickbusch, 1999). Sowohl der Gesundheits- als auch der Krankheitsbegriffwerden wissenschaftlich divers und kontrovers diskutiert. Gesundheit gelte als eine Art Grundrecht und sei daher eine gesellschaftliche Aufgabe und Verpflichtung, so Sommerfeld (2016). Die Ottawa Charta8 (WHO 1986) ist richtungsweisend. Gesundheitsfragen nehmen in der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bedeutung einen zunehmend höheren Rang ein: im Jahr 2007 betragen die Ausgaben für Gesundheitsthemen 10,3 Prozent des BIP9 in den OECD-Ländern (Soellner et al., 2009).

Das aktuelle Ordnungssystem der WHO für funktionale Gesundheit, die ICF10, bindet soziale und Umweltbedingungen mit ein (Bischkopf et al., 2017). Hieraus wird die Relevanz der Sozialen Arbeit für die Psychiatrie und den gesamten Gesundheitssektor abgeleitet (Sommmerfeld et al., 2016).

2.1.5. Gesundheitskompetenz

Auf das Erfordernis von potentieller individueller Befähigung einer Gesellschaft weisen Dettmers und Bischkopf (2019) hin; dies bedeutet, sich gesundheitlich relevante Informationen zu beschaffen, diese zu interpretieren, einzuordnen und für sich nutzbar zu machen. Laut Dettmers und Bischkopf (2019) kommen für die so genannte Gesundheitskompetenz drei Handlungsstränge der WHO in Betracht: advocate, enable, mediate: erstens Partnerschaftlichkeit mit und Stellvertretung von Betroffenen, zweitens Selbstbefähigung von Menschen, drittens gesundheitspolitische Vernetzung der Professionen - Studien wiesen die positive Korrelation der genannten Items mit dem individuellen Gesundheitsstatus sowie der Lebenserwartung von Menschen nach (Dettmers und Bischkopf, 2019).

Soellner und Kollegen (2009) entnehmen dem Schulgesetz NRW (Erster Teil, § 2 Absatz 5) den bildungspolitischen Auftrag von Schule, “gesundheitsbezogene Kompetenzen” junger Menschen zu fördern (Soellner et al., 2009, S. 104). Wie die Autoren (2009) schreiben, bestehe in der Wissenschaft kein Konsens zu einer Definition des Begriffs health literacy11, der divers diskutiert werde (Soellner et al., 2009, S. 105). Die Autoren brachten ein Projekt auf den Weg, mit dem bisherige Modelle “integriert und erweitert” werden sollen und fanden folgende Hauptkriterien für die Fähigkeit einer Gesundheitskompetenz heraus: “die Komponenten Selbstregulation, Selbstwahrnehmung und die Verantwortungsübernahme für die eigene Gesundheit” (Soellner et al., 2009, S. 112; vgl. 3.1.). Analog der gängigen Lese- und Schreibkompetenz müsse sich eine Lebenskompetenz ausprägen, die Menschen bemächtige, sich in komplexen Gesundheitssystemen nutzbringend orientieren zu können (Soellner et al., 2009; vgl. 3.1.).

2.1.6. Gesundheitliche Herausforderungen

Es werden zunächst gesundheitliche Auswirkungen der Arbeitslosigkeit auf Erwachsene und folgend gesundheitliche Beeinträchtigungen im Leben heranwachsender Arbeitsloser aufgezeigt.

Anhand des kumulativen Stress-Modells ( Jackson & Warr, 1984) zeigt sich , dass, verglichen mit erwerbstätig Beschäftigten, signifikant höhere Werte bei Arbeitslosen in Bezug auf die Aspekte subjektives Wohlbefinden, Angst, Depression, unspezifische Krankheitssymptome auftreten (Jackson & Warr, 1984, zitiert in Paul, Hassel & Moser, 2009). Die Autoren geben die Prävalenz psychiatrisch relevanter Erkrankungen mit 34 Prozent an gegenüber 16 Prozent beim erwerbstätigen Bevölkerungsanteil. Erhöhte Stresslevel aufgrund kumulierter Faktoren, wie frustraner Stellensuche, abnehmender Einkommensverhältnisse, zunehmender sozialer Isolation und gesellschaftlicher Stigmatisierung führen den Autoren zufolge zu einer linear steigenden Korrelation bezüglich Dauer der Arbeitslosigkeit und Anstieg psychischer Störungen. Die Autoren nehmen bei fortgesetzter Dauer die Aussagen des Adaptations-Modells ( Warr & Jackson, 1985) an , mit Konsequenzen wie: Gewöhnung an die Situation der Arbeitslosigkeit, Abnahme von Bewerbungsversuchen, geänderte Beurteilung der Wertigkeit von Arbeit, Verschiebung von Interessenlagen, Aktivitäten und Alltagsroutinen ( Warr & Jackson, 1985, 1987, zit. in Paul, Hassel & Moser, 2009). Die Autoren (2009)

[...]


1 Definition gemäß der “Fachlichen Weisungen der BA zu §7 SGB II, Randziffer 14.3“: “...wer während einer bestimmten Zeit für einen anderen nach dessen Weisung eine Tätigkeit ausübt, für die er als Gegenleistung eine Vergütung erhält”

2 eine Beschäftigung im Rahmen von mindestens 15 Wochenarbeitsstunden

3 dagegen Abgrenzung zum Status arbeitsuchend: Personen,die arbeitsunfähig krank oder erwerbsunfähig sind, Personen, die sich in Maßnahmen “der aktiven Arbeitsmarktpolitik” (§16 SGB III) befinden

4 Bemühungen analog zu einem achtstündigen Arbeitstag

5 Bedarfsgemeinschaft

6 “ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht allein das Fehlen von Krankheit und Gebrechen.“

7 Fachgebiet der Gesundheitswissenschaften zur Verhinderung von Krankheit, Steigerung von Gesundheit und Wohlbefinden von Gruppen und Bevölkerungen durch gemeinschaftliche Anstrengungen (Dettmers und Bischkopf, 2019)

8 “Among the key ideas and values in the Charter [25 years ago] are peace, social justice and equity, ecosystem health, empowerment, a 'whole of government' approach and the settings approach. The implementation of these concepts are now challenges for the next generation of health promoters” (Hancock, 2011, Abstract).

9 Bruttoinlandsprodukt

10 International Classification of Functioning, Disability and Health

11 englisch für: Gesundheitskompetenz

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Förderung der Gesundheitskompetenz junger, von Arbeitslosigkeit betroffener Menschen
Hochschule
DIPLOMA Fachhochschule Nordhessen; Abt. Bonn
Note
1,0
Autor
Jahr
2021
Seiten
28
Katalognummer
V1138098
ISBN (eBook)
9783346510563
ISBN (Buch)
9783346510570
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gesundheitskompetenz, Jugend, Arbeitslosigkeit, Jugendarbeitslosigkeit, Gesundheitsverhalten, Jugendhilfe, Jugendhilfemaßnahmen, Prävention
Arbeit zitieren
Nora Feder (Autor:in), 2021, Förderung der Gesundheitskompetenz junger, von Arbeitslosigkeit betroffener Menschen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1138098

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