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Gott, der Barmherzige und Gerechte. Islam und Christentum im Vergleich

Title: Gott, der Barmherzige und Gerechte. Islam und Christentum im Vergleich

Examination Thesis , 2016 , 81 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Fabian Dietrich (Author)

Theology - Systematic Theology
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Summary Excerpt Details

Das Leid auf dieser Erde, das alles Geschöpfliche mit einschließt, ist seit einiger Zeit nicht mehr vordergründig auf Naturgewalten vielfältiger Art zurückzuführen, sondern zum großen Teil auf das Wesen der Menschen selbst, dem offensichtlich ein verheerendes zerstörerisches Potential innewohnt. Wie ist es möglich, dass der Mensch sich so gravierend von der Beschreibung seines barmherzigen und gerechten Schöpfers unterscheidet? Warum überlässt der Schöpfer seine Schöpfung scheinbar sich selbst und übergibt sie noch dazu auf den ersten Blick tatenlos seiner mitunter unbarmherzigen und ungerechten Kreatur namens Mensch? Muss Er in seiner Allmacht und Allwissenheit nicht das Risikopotential erkannt haben? Und wenn ja, trifft ihn dann nicht zumindest ein Mitverursachen der Misere, dem Leid der Welt? Und wenn nein, müsste dann Gott vielleicht nur als barmherzig, nicht aber als allmächtig begriffen werden? Es stellt sich also frei nach Fulbert Steffensky zitiert die Frage: Kann man Gott damit davon kommen lassen?

Dem barmherzigen und gerechten Gott, steht sein Geschöpf, der Mensch gegenüber. Zwischen dem Schöpfer und dem Geschöpf sollte die belebte und unbelebte Schöpfung wohl behütet eingebettet sein. Allerdings hat die irdische Schöpfung unter vielfältigen menschlichen Verfehlungen zu leiden. Es hat den Anschein, als stünde das Geschöpf Mensch seinem Schöpfer diametral entgegen und die Schöpfung sei nicht sicher eingebettet, sondern vielmehr schmerzhaft zwischen beiden eingekeilt. Sie scheint sich selbst überlassen zwischen Gesetzmäßigkeit und Chaos; dem Menschen in hohem Maße ohnmächtig gegenüber stehend.

Die Menschheitsgeschichte kann (und sollte) zwar als eine Erfolgsgeschichte betrachtet werden allerdings kann (und sollte) sie ebenso als eine Tragödie begriffen werden. Je weiter diese Erfolgsgeschichte fortgeschrieben wird, desto höher wird gleichzeitig das in ihr enthaltene tragische Potential. Jeder Fortschritt birgt in des Menschen Händen zugleich unabsehbare Risiken für die gesamte Schöpfung. Diese Risiken sind heute größer denn je. Leider hat sich das tragische Potential schon auf mannigfaltige Weise auf der Erde manifestiert: Kriege, rücksichtslos Ausnutzung der Umwelt und anderer Geschöpfe und die Vernichtung ganzer Arten seien als hinweisgebende Schlagworte angezeigt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Die Grundlagen der Glaubensverständnisse von Muslimen und Christen

1.1 Die Buch gewordene Offenbarung

1.2 Die Fleisch gewordene Offenbarung

1.3 Gegenüberstellung der unterschiedlichen Offenbarungsvorstellungen

2. Die Stellung des Menschen in der Welt und seine Beziehung zu Gott

2.1 Der Mensch, ein schwacher Statthalter Gottes auf Erden

2.2 Der Mensch, das sündhafte Ebenbild

2.3 Die Sünde als Ursache für die Schwäche des Menschen

2.3.1 Die Erbsünde, die Sünde und der Mensch

2.3.2 Der Schaitan, die Sünde und der Mensch

2.3.3 Die Erbsünde und der Schaitan im Kontext der Menschenbilder

3. Die Barmherzigkeit Gottes

3.1 Gott, der barmherzige Vater

3.2 Gott, der barmherzige Erbarmer

3.3 Vgl. der göttlichen Barmherzigkeit mit Implikationen auf das Miteinander

4. Der gerechte Gott

4.1 Der wahrhaft-gerechte Gott

4.2 Gerechtigkeit Gottes als das gemeinschaftsgemäße Verhalten

4.3 Die Wahrhaftigkeit der Gemeinschaftsgemäßheit

5. Das Verhältnis zwischen Gottes Barmherzigkeit und Gerechtigkeit. Oder: Über des Menschen »Rechtfertigung«.

5.1 Gerecht durch Glauben und gute Taten

5.2 Rechtfertigender Glauben

5.3 Das Für und Wider der Auffassungen zur Heilserlangung

6. Der barmherzige und gerechte Gott im Kontext einer unbarmherzigen und ungerechte Welt

7. Zusammenfassende Überlegungen

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis von Barmherzigkeit und Gerechtigkeit Gottes im Islam und Christentum. Ziel ist es, das christliche und muslimische Gottesbild sowie das jeweilige Menschenbild vergleichend zu analysieren, um aufzuzeigen, wie diese Attribute Gottes das menschliche Handeln und die Vorstellung von Heil und Rechtfertigung prägen.

  • Vergleichende Analyse der Offenbarungsverständnisse (Koran vs. Bibel/Jesus Christus)
  • Untersuchung der menschlichen Sündhaftigkeit und der daraus resultierenden Bedürftigkeit nach göttlichem Erbarmen
  • Gegenüberstellung der Konzepte von Barmherzigkeit und Gerechtigkeit Gottes als zentrale Wesensattribute
  • Reflexion über die Auswirkungen dieser Gottesbilder auf ethisches Handeln und soziale Gerechtigkeit in einer unvollkommenen Welt

Auszug aus dem Buch

3.1 Gott, der barmherzige Vater

Neben Seiner Größe und Allmacht betont der christliche Glaube bereits von seinen jüdischen Wurzeln ausgehend die Barmherzigkeit, den Erbarmungswillen und die damit einhergehende Gnade Gottes, auf die der in seinem sündhaften Wesen behaftete Gläubige hoffen darf.

Im Psalter werden diese Attribute Gottes an vielen Stellen lobgepriesen und ihre große Bedeutung für den Menschen beschrieben. Sehr eindrücklich geht dies bspw. bereits aus der Überschrift von Psalm 103 hervor: „Preis der Barmherzigkeit des Herrn gegen sündige und schwache Menschen“. Die Menschen sollen Gott loben, weil er ihnen viel „Gutes getan hat“ (103,2): Er macht die Menschen fröhlich (5), unterweist Israel und deren Nachkommen in seinem heilsschaffenden Willen (7) und wird „nicht für immer hadern noch ewig zornig bleiben“ (9). Er „weiß, was für ein Gebilde“ der Mensch ist und somit auch um seine Sünden (14). Dennoch krönt er sie „mit Gnade und Barmherzigkeit (4). Er vergilt die Menschen „die ihn fürchten“ nicht nach deren Missetaten (10), sondern erbarmt sich über sie, wie „sich ein Vater über Kinder erbarmt“ (13) und vergibt ihnen ihre Sünden (3); denn seine Gnade ist „so hoch [wie] der Himmel über der Erde“ (11). Die Gnadenformel in Vers 8 pointiert dies, indem sie das Gotteswort aus Ex 34,6 aufnimmt: „Barmherzig und gnädig ist der HERR, geduldig und von großer Güte.“

Das Adjektiv »barmherzig« aus Ex 34,6 und Ps 103,8 lautet im hebräischen Original »rachum« und leitet sich vom Substantiv »rachamim« („Barmherzigkeit“) und dem Verb »rchm« („sich erbarmen“) ab. Diese Wortfamilie ist wiederum abgeleitet von dem hebräischen Wort »rechem«. Dieses Wort bedeutet im Deutschen „Mutterschoß“ und deutet sowohl im alt- als auch im neutestamentlichen Sprachgebrauch auf das Innerste des Menschen hin: Auf die „Eingeweide“, die als „Sitz der Gefühle“ verstanden werden.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in die Thematik der göttlichen Barmherzigkeit und Gerechtigkeit im Spannungsfeld der menschlichen Existenz und des Leids in der Welt.

1. Die Grundlagen der Glaubensverständnisse von Muslimen und Christen: Vergleich der Offenbarungskonzepte, wobei der Koran als „Buch gewordene Offenbarung“ und Christus als „Fleisch gewordene Offenbarung“ gegenübergestellt werden.

2. Die Stellung des Menschen in der Welt und seine Beziehung zu Gott: Analyse des Menschenbildes als Statthalter Gottes einerseits und als sündhaftes Wesen andererseits, inklusive der Ursachen der menschlichen Schwäche.

3. Die Barmherzigkeit Gottes: Eingehende Betrachtung der barmherzigen Wesenszüge Gottes sowohl in väterlicher (christlich) als auch in erbarmender (islamisch) Perspektive.

4. Der gerechte Gott: Untersuchung des Konzepts der göttlichen Gerechtigkeit als wahrhaftiges und gemeinschaftsgemäßes Handeln, das über bloße Vergeltung hinausgeht.

5. Das Verhältnis zwischen Gottes Barmherzigkeit und Gerechtigkeit. Oder: Über des Menschen »Rechtfertigung«.: Reflexion über die Vereinbarkeit von Gottes Barmherzigkeit und Gerechtigkeit im Kontext menschlicher Heilserlangung.

6. Der barmherzige und gerechte Gott im Kontext einer unbarmherzigen und ungerechte Welt: Auseinandersetzung mit der Rolle der Barmherzigkeit und Gerechtigkeit in einer modernen, oft als unbarmherzig wahrgenommenen Welt.

7. Zusammenfassende Überlegungen: Resümee der Ergebnisse über das christliche und muslimische Verständnis der göttlichen Barmherzigkeit und Gerechtigkeit.

Schlüsselwörter

Barmherzigkeit, Gerechtigkeit, Gott, Islam, Christentum, Offenbarung, Sünde, Rechtfertigung, Heilserlangung, Menschenbild, Koran, Bibel, Schöpfung, Religion, Theodizee.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht das Gottesbild des barmherzigen und gerechten Gottes im Islam und im Christentum und analysiert, wie diese beiden Religionen das Verhältnis zwischen göttlicher Barmherzigkeit und Gerechtigkeit sowie die Rolle des Menschen als Geschöpf Gottes verstehen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die Offenbarungsvorstellungen, das menschliche Selbstverständnis (Sünde und Gottebenbildlichkeit), die Konzepte von Gottes Barmherzigkeit und Gerechtigkeit sowie die Frage, wie ein Mensch vor Gott „rechtfertig“ oder „gerecht“ bestehen kann.

Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, die interreligiöse Perspektive auf Gottes Barmherzigkeit und Gerechtigkeit herauszuarbeiten und zu beleuchten, inwieweit diese Attribute das Leben und Handeln der Gläubigen bestimmen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theologisch-vergleichende Untersuchung, die sich auf eine fundierte Literaturanalyse und die Exegese zentraler Schriften (Koran und Bibel) sowie dogmatischer und theologischer Fachliteratur stützt.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Offenbarungen, die Bestimmung der menschlichen Stellung und Sündhaftigkeit, die detaillierte Analyse der Attribute „Barmherzig“ und „Gerecht“ bei Gott sowie die Diskussion um die Rechtfertigung des Menschen und das Leben in einer unvollkommenen Welt.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Barmherzigkeit, Gerechtigkeit, Offenbarung, Sünde, Rechtfertigung und Schöpfung geprägt.

Wie unterscheidet sich das Verständnis von Gottes Barmherzigkeit zwischen Christentum und Islam?

Während das Christentum die Barmherzigkeit oft durch die Person Jesu Christi als „barmherzigen Vater“ definiert, betont der Islam die Barmherzigkeit durch die Anrufungsformel „Basmala“ als grundlegendes Wesensattribut Allahs, das die gesamte Schöpfung umfasst.

Welche Rolle spielt die „Sünde“ in Bezug auf das Menschenbild?

Die Sünde dient in beiden Religionen als Erklärung für die Distanz zwischen Mensch und Gott. Während das Christentum das Konzept der Erbsünde zur Erklärung der Sündhaftigkeit nutzt, betont der Islam die Schwäche des Menschen, der sich durch Verführung (Schaitan) vom rechten Weg entfernt, aber durch Gottes Barmherzigkeit wieder zurückfinden kann.

Wird das Konzept der Gerechtigkeit im Islam und Christentum gleich bewertet?

Beide Religionen lehnen eine rein mechanische Vergeltung ab. Sowohl der Islam (mit dem ḥaqq-Begriff) als auch das Christentum (mit dem ṣәdāqāh-Begriff) betonen eine Gerechtigkeit, die auf Gemeinschaftsgemäßheit und die Wiederherstellung des Bundes mit Gott zielt.

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Details

Title
Gott, der Barmherzige und Gerechte. Islam und Christentum im Vergleich
College
University of Koblenz-Landau  (Evangelische Religionslehre)
Grade
1,7
Author
Fabian Dietrich (Author)
Publication Year
2016
Pages
81
Catalog Number
V1138314
ISBN (eBook)
9783346527448
ISBN (Book)
9783346527455
Language
German
Tags
Gott Christentum Islam Barmherzigkeit Gerechtigkeit Religion Zweifel Schöpfer Koran Bibel Schöpfung Offenbarung Liebe Geschöpf Menschen Jesus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Fabian Dietrich (Author), 2016, Gott, der Barmherzige und Gerechte. Islam und Christentum im Vergleich, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1138314
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