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Ist es gerecht, das Grundrecht auf Meinungsfreiheit zugunsten des Rechts der Menschenwürde in bestimmten Fällen einzuschränken?

Title: Ist es gerecht, das Grundrecht auf Meinungsfreiheit zugunsten des Rechts der Menschenwürde in bestimmten Fällen einzuschränken?

Seminar Paper , 1998 , 13 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Claudia Hoppe (Author)

Philosophy - Philosophy of the 20th century
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"Ist es gerecht, das Grundrecht auf Meinungsfreiheit zugunsten des Rechts der Menschenwürde in bestimmten Fällen einzuschränken?" Dies ist der Titel und gleichzeitig die Grundfrage dieser Hausarbeit. Die Arbeit behandelt ein sehr heikles Thema, nämlich die Frage, ob man Pornographie verbieten sollte, weil sie menschenverachtend ist.

Nach einer kurzen Ausführung über John Ralws' Begriff der Gerechtigkeit befasse ich mich mit der Frage, warum rechtsradikale Äußerungen in Deutschland verboten sind. Der Grund dafür liegt darin, dass sie menschenverachtend sind bzw. die Würde bestimmter Menschen untergraben. Jedoch gibt es auch andere Dinge, die menschenverachtend sind, wie z.B. Pornografie. Pornographische Darstellungen enthalten häufig diskriminierende und demütigende Aspekte (zumindest empfinde ich als Frau dies so), dennoch ist sie aus diesem Grund nicht verboten. Selbstverständlich möchte ich die Drastigkeit des nationalsozialistischen Weltbildes gegenüber bestimmten Menschengruppen durch so einen Vergleich nicht herunterspielen.

Mitte der achtziger Jahre gab es dann eine Kampagne, die von der Frauenzeitschrift "EMMA" ins Leben gerufen worden war, die genau diese Thematik zum Gegenstand hatte und die den Namen PorNOgraphie trug. Dahinter verbarg sich ein Gesetzesentwurf, der im Zivilrecht angesiedelt war, und der es Frauen und Mädchen ermöglichen sollte, Anklage zu erheben, wenn sie sich durch bestimmte pornographische Darstellungen diskriminiert, verletzt, gedemütigt oder als Frau entwertet fühlen.

Am Ende meiner Arbeit komme ich zu dem Schluss, dass ich persönlich ein solches Gesetz (mit gewissen Einschränkungen) zwar befürwortet hätte, es jedoch trotzdem sehr schwierig ist, etwas mit dem Verweis auf die Verletzung der Menschenwürde verbieten zu wollen, da sich jeder in der einen oder anderen Hinsicht in seiner Würde verletzt fühlen könnte.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Was Gerechtigkeit eigentlich ist bzw. wie eine gerechte Gesellschaft aussieht

Gründe und Hintergründe für ein Verbot rechtsradikaler Äußerungen

Rechtlich Grundlage eines Verbotes rechtsradikaler und nationalsozialistischer Äußerungen

Pornographie und Nationalsozialismus - gibt es eine Parallele ?

Der Versuch eines Gesetzesentwurfs gegen Pornographie

Argumente, die für ein Verbot von Pornographie sprechen

Argumente, die immer wieder von Kritikern des Anti-Pornographie-Gesetzes hervorgebracht werden

Konkrete Argumente für das von EMMA vorgeschlagene Anti-Pornographie-Gesetz

Abschließende Reflexion und Bewertung der Thematik

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen dem Grundrecht auf Meinungsfreiheit und dem Recht auf Menschenwürde, wobei sie insbesondere die strafrechtliche Relevanz von rechtsradikaler Propaganda sowie die Debatte um ein mögliches Anti-Pornographie-Gesetz analysiert.

  • Philosophische Grundlagen der Gerechtigkeit nach John Rawls
  • Die Legitimität von Einschränkungen der Meinungsfreiheit in einer Demokratie
  • Strafrechtliche Aspekte bei der Leugnung nationalsozialistischer Verbrechen
  • Kritische Analyse von Pornographie als menschenverachtendes Element
  • Diskussion über das von der Zeitschrift EMMA vorgeschlagene Anti-Pornographie-Gesetz

Auszug aus dem Buch

Argumente, die für ein Verbot von Pornographie sprechen

Pornographie schafft ein ganz bestimmtes Frauenbild, das Frauen als für männliche sexuelle Bedürfnisse allzeit verfügbares Wesen definiert, zu Menschen zweiter Klasse degradiert. Und Bilder, die man sich von Menschen macht, haben Auswirkungen auf die gesellschaftliche, soziale und psychische Realität derer, von denen ein solches Bild besteht, und derer, die sich ein solches Bild machen. Frauen leiden nicht nur unter diesem erschreckenden Frauenbild, sondern werden durch Pornographie auch zu Opfern eines regelrechten Frauenhasses, wobei dieser Begriff "Frauenhaß" analog zum Begriff "Rassenhaß" gebildet ist, denn Pornographie ist in diesem Sinne Rassenhaß, sie propagiert Volksverhetzung gegen Frauen, und daß rassistische Äußerungen in Deutschland verboten sind und wo die Gründe dafür liegen, habe ich ja schon weiter oben dargelegt.

Ein Ausdruck dieses Frauenhasses sind Vergewaltigungen. In allen Untersuchungen zum Thema Vergewaltigung kam heraus, daß es Vergewaltigern nicht um sinnlichen Genuß oder sexuelle Befriedigung geht, sondern um Status, Kontrolle und Dominanz. Die Vergewaltigung ist etwas, bei dem der Mann seine "Macht" über die Frau am deutlichsten demonstrieren kann, wobei ihm die Sexualität nur als "Mittel zum Zweck" dient. Anhand umfangreicher Forschungsergebnisse ist nachgewiesen, daß Pornokonsumenten dem sog. "Vergewaltigungsmythos" anhängen, welcher besagt, daß Frauen nach anfänglichem Widerstand den erzwungenen Geschlechtsakt, die Vergewaltigung also, genießen. Auf diesem Vergewaltigungsmythos beruht der größte Teil pornographischer Produktionen. "In vielen aggressiven pornographischen Darstellungen wird das Opfer gezeigt, als wünsche es sich heimlich den Angriff und würde schließlich sexuelles Vergnügen daran finden." Das dieser Sachverhalt noch nicht grundlegend als falsch anerkannt wird gezeigt die Tatsache, daß Frauen im Falle einer Vergewaltigung vor Gericht immer noch als für die Tat mitverantwortlich angesehen werden.

Zusammenfassung der Kapitel

Was Gerechtigkeit eigentlich ist bzw. wie eine gerechte Gesellschaft aussieht: Die Autorin legt die theoretischen Grundlagen der Gerechtigkeit nach John Rawls dar und definiert den "Urzustand" als Basis für faire gesellschaftliche Regeln.

Gründe und Hintergründe für ein Verbot rechtsradikaler Äußerungen: Das Kapitel erläutert die historische Verantwortung Deutschlands nach dem Nationalsozialismus und begründet, warum die Verbreitung dieser Ideologie zum Schutz der freiheitlich-demokratischen Grundordnung eingeschränkt werden muss.

Rechtlich Grundlage eines Verbotes rechtsradikaler und nationalsozialistischer Äußerungen: Es wird die strafrechtliche Praxis gegen die "Auschwitzlüge" und Volksverhetzung analysiert, wobei die Abwägung zwischen Meinungsfreiheit und dem Schutz der Menschenwürde im Zentrum steht.

Pornographie und Nationalsozialismus - gibt es eine Parallele ?: Die Autorin vergleicht die menschenverachtenden Tendenzen im Nationalsozialismus mit den Inhalten bestimmter pornographischer Darstellungen, um die Debatte um eine stärkere Regulierung einzuleiten.

Der Versuch eines Gesetzesentwurfs gegen Pornographie: Hier wird die Kampagne der Zeitschrift EMMA und der dazugehörige Gesetzesentwurf vorgestellt, der Frauen rechtliche Schritte gegen diskriminierende und gewalttätige Pornos ermöglichen sollte.

Argumente, die für ein Verbot von Pornographie sprechen: Dieses Kapitel verweist auf Forschungsergebnisse, die einen Zusammenhang zwischen dem Konsum gewalttätiger Pornographie und der erhöhten Bereitschaft zu Aggression und Gewalt gegenüber Frauen aufzeigen.

Argumente, die immer wieder von Kritikern des Anti-Pornographie-Gesetzes hervorgebracht werden: Die Autorin setzt sich kritisch mit Gegenargumenten wie der Pressefreiheit und der widerlegten "Katharsisthese" auseinander.

Konkrete Argumente für das von EMMA vorgeschlagene Anti-Pornographie-Gesetz: Es wird argumentiert, dass ein solches Gesetz ein notwendiges Unrechtsbewusstsein schaffen würde, um die Würde der Frau gegenüber gewaltverherrlichenden Darstellungen zu schützen.

Abschließende Reflexion und Bewertung der Thematik: Die Autorin fasst ihren Standpunkt zusammen und hinterfragt kritisch, wo die Grenzen der staatlichen Regulierung zum Schutz der Menschenwürde in einer pluralistischen Gesellschaft liegen.

Schlüsselwörter

Meinungsfreiheit, Menschenwürde, Gerechtigkeit, John Rawls, Nationalsozialismus, Volksverhetzung, Pornographie, EMMA, Frauendiskriminierung, Gewaltprävention, Vergewaltigungsmythos, Recht, Grundgesetz, Anti-Pornographie-Gesetz, Ethik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht, ob und inwieweit Einschränkungen der Meinungsfreiheit gerechtfertigt sind, wenn sie dem Schutz der Menschenwürde dienen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Felder sind die philosophische Gerechtigkeitsdefinition, das Verbot nationalsozialistischer Propaganda sowie die rechtliche Debatte um ein Anti-Pornographie-Gesetz.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?

Ziel ist es zu klären, unter welchen Bedingungen der Staat Grundrechte wie die Meinungsfreiheit einschränken darf, um Individuen vor menschenverachtenden Inhalten zu schützen.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?

Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse (vornehmlich Rawls und juristische Fachartikel) sowie der reflektierten Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Debatten und Gesetzesvorschlägen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil behandelt die moralische und rechtliche Begründung von Verboten bei rechtsradikalen Äußerungen und die Analyse pornographischer Inhalte unter dem Aspekt der strukturellen und direkten Gewalt.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Zu den wichtigsten Begriffen gehören Meinungsfreiheit, Menschenwürde, Gerechtigkeit, Verfassungsrecht und die Debatte um die Regulierung gewalttätiger Pornographie.

Warum wird im Kontext der Pornographie das Konzept der "Katharsisthese" diskutiert?

Das Konzept wird von Kritikern angeführt, um zu behaupten, Pornographie baue Aggressionen ab; die Autorin entkräftet dies jedoch unter Verweis auf die moderne Gewaltforschung, die diese These widerlegt hat.

Welche Rolle spielt der "Urzustand" nach Rawls für die Argumentation?

Der Urzustand dient als theoretisches Modell, um zu veranschaulichen, wie Menschen hinter einem "Schleier des Nichtwissens" zu fairen Gerechtigkeitsgrundsätzen gelangen können, die als Maßstab für die Bewertung der Meinungsfreiheit dienen.

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Details

Title
Ist es gerecht, das Grundrecht auf Meinungsfreiheit zugunsten des Rechts der Menschenwürde in bestimmten Fällen einzuschränken?
College
Humboldt-University of Berlin  (Institut für Philosophie)
Course
Ungerechtigkeit und Anerkennung
Grade
1,7
Author
Claudia Hoppe (Author)
Publication Year
1998
Pages
13
Catalog Number
V113861
ISBN (eBook)
9783640151769
ISBN (Book)
9783640154173
Language
German
Tags
Grundrecht Meinungsfreiheit Rechts Menschenwürde Fällen Ungerechtigkeit Anerkennung Thema Meinungsfreiheit
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Claudia Hoppe (Author), 1998, Ist es gerecht, das Grundrecht auf Meinungsfreiheit zugunsten des Rechts der Menschenwürde in bestimmten Fällen einzuschränken?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113861
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