Die "Herder-Verlegenheit" der frühen Bundesrepublik (1945-1960)


Hausarbeit, 2008

9 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 Ein Resümee der Herder - Rezeptionen im Dritten Reich

3 Die Herder – Forschung nach 1945
3. 1 Was bleibt von Herder?

4 Herder - Rezeptionen innerhalb der Germanistik von 1945 - 1960

5 Zusammenfassung

Literatur

1 Einleitung

Anfangs ist zu erwähnen, dass Johann Gottfried Herder in der frühen Bundesrepublik unpolitisch gelesen werden sollte und eher ein „Fußnotendasein“ besaß; auch wurde der Humanist keiner expliziten Wissenschaft zugeordnet. Innerhalb dieser Arbeit „Die „Herder – Verlegenheit“ der frühen Bundesrepublik […]“ wird aufgezeigt, was von Johann Gottfried Herder nach Ende des Dritten Reiches blieb und welche Ergebnisse die Herderforschung innerhalb der Germanistik darlegt.

2 Ein Resümee der Herder - Rezeptionen im Dritten Reich

Zur Zeit des Dritten Reiches wurden die Schriften des Humanisten Herder weitgehend politisch aufgegriffen und passte diese der Ideologie des Hitler - Regimes an; man sprach sogar von einer

„Herder – Renaissance“ nach 1933. Friedrich Berger, damals Privatdozent in Tübingen, deutet diese Hochschätzung Herders einerseits so „[…], dass Herder in den vergangenen Jahrzehnten weniger gewürdigt worden ist als ihm gebührt, und andererseits, dass Anzeichen dafür vorhanden sein müssen, dass das Interesse für ihn gewachsen ist“[1].

Es wurde innerhalb des Hitler - Regimes behauptet, dass Affinitäten zwischen dem Staats- und Gesellschaftssystem und den Vorstellungen Herders bestünden. Benno von Wiese behauptete gar, dass der Humanist „der erste Prophet des untergehenden Abendlandes“[2] gewesen sei. Man glaubte quasi, ein Staatssystem erreicht zu haben, welches Herder prophezeit hatte.

Alle nationalsozialistischen Bilder, die von Herder im Dritten Reich existierten, mündeten jedoch in die Metapher des „großen Erziehers“[3] hinein, d. h. teilweise wurde der Humanist mit Adolf Hitler gleichgesetzt (beispielsweise durch Friedrich Berger) oder er galt als „Prophet“ und „Seher“.

Vor allem Äußerungen Herders gegenüber dem Judentum wurden von den Nationalsozialisten missbraucht; wohingegen seine Humanitätsidee und die religiösen Überzeugungen weniger Beachtung fanden.

Summa summarum waren die Rezeptionen eher uneinheitlich: Das Bild Johann Gottfried Herders zur Zeit des Hitler – Regimes war nicht fest umrissen; der Humanist galt zuweilen als „[…] Begründer der Rassenkunde, und mal als Antisemit, mal als Erzieher der Nation und mal als Gewährsmann deutscher Kulturüberlegenheit […]“[4].

Doch meinte Herder mit dem Begriff der „Nation“ die Einheit des Volkes, welches sich durch eine Gemeinsamkeit der Sprache, Kultur und Abstammung auszeichnete und sich nicht an ein Staatssystem gebunden fühlte. Denn die Vorstellungen des Humanisten, den Begriff der „Nation“ betreffend, befinden sich immer im Einklang mit den Menschheits- und Humanitätsideen.

Anhand dieser Ausarbeitung wird deutlich, dass Herder in der Zeit des Nationalsozialismus wirksam zu Ideologiezwecken vereinnahmt wurde.

Des Weiteren ist zu beachten, dass die Werke Herders meist unhistorisch gedeutet wurden; man ordnete den Humanisten nicht seiner Epoche zu, sondern beanspruchte ihn „zeitnah“, d. h. im Geist des Nationalsozialismus. Dies wurde als angemessene erkenntnistheoretische Interpretationsperspektive gewichtet.

3 Die Herder – Forschung nach 1945

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war die Aufarbeitung der Schriften Johann Gottfried Herders weniger ein Neubeginn als vielmehr ein Aufbau. Den Forschern der Nachkriegsgeneration blieb es überlassen, das „dunkelste Kapitel der Menschheit“ zu interpretieren bzw. zu durchleuchten. Beispielhaft hierzu können die Germanisten Eberhard Lämmert, welcher das Schaffen Herders hervorhob, sowie Benno von Wiese genannt werden, der seinerseits als konservativer Herder – Forscher durch Lämmert kritisiert wurde. Wiese wirft auf die Frage auf, ob Herder als Mitverantwortlicher für die fachgeschichtliche verhängnisvolle Identifikation von Nationalgeist und Nationalsprache innerhalb der Machtergreifung der Nationalsozialisten verantwortlich gemacht werden könne. Lämmert attackierte den „vorbelasteten“ Herder – Spezialisten Benno von Wiese, welcher in einer Schrift von 1940 behauptet hatte, dass „[…] von Herder eine geistesgeschichtliche Entwicklung ausgehe, die bis in die Bewegung des Nationalsozialismus hinein gewirkt hat“[5]. Lämmert fragt sich daraufhin, ob Herder „[…] zu den Tätern oder den Opfern [des Dritten Reiches] zu rechnen ist“[6].

Was also bleibt von Johann Gottfried Herder nach 1945? Innerhalb der Herder – Forschung muss die Problematik geklärt werden, ob das Denken dieses Humanisten jener menschlichen „Allmacht“ oder „absoluten Macht“ entgegenwirken kann, die seit der Zeit des Hitler – Regimes zur Realität gehört.

[...]


[1] Becker, Bernhard: Herder-Rezeption in Deutschland. Eine ideologiekritische Untersuchung, Mandelbachtal 1987, S. 133

[2] ebd., S. 136

[3] Schneider, Jost (Hrsg.): Herder im „Dritten Reich“, Bielefeld 1994, S. 62

[4] Schneider, Jost (Hrsg.): Herder im „Dritten Reich“, Bielefeld 1994, S. 10

[5] Schneider, Jost (Hrsg.): Herder im „Dritten Reich“, Bielefeld 1994, S. 9

[6] ebd., S. 9

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Die "Herder-Verlegenheit" der frühen Bundesrepublik (1945-1960)
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
2,0
Autor
Jahr
2008
Seiten
9
Katalognummer
V113881
ISBN (eBook)
9783640144723
ISBN (Buch)
9783640145959
Dateigröße
375 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Herder-Verlegenheit, Bundesrepublik, Herder, Johann Gottfried Herder
Arbeit zitieren
Franziska Schau (Autor), 2008, Die "Herder-Verlegenheit" der frühen Bundesrepublik (1945-1960), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113881

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