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Diasporische Identitäten. Afghanische Frauen in Deutschland zwischen Fundamentalismus und Säkularismus

Titel: Diasporische Identitäten. Afghanische Frauen in Deutschland zwischen Fundamentalismus und Säkularismus

Bachelorarbeit , 2021 , 43 Seiten , Note: 1

Autor:in: Giovanna Silvestro (Autor:in)

Ethnologie / Volkskunde
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Das Ziel dieser Arbeit ist es darzulegen, wie afghanische muslimische Frauen in Deutschland ihre Biografie verändern. Im Schatten des religiösen Fundamentalismus, die sie vom Leben verbannt, zum Tragen einer Burka vom Kindesalter gezwungen hat, finden sie in der Diaspora ganz neue Wege, ihre subjektive Identität neu zu definieren und sich in dem neuen sozialen Umfeld einzufinden. Primär soll die Frage erläutert werden, warum Frauen sich dazu entscheiden, dem Fundamentalismus den Rücken zu kehren und sich nicht mehr mit der Unterdrückung abzufinden.

Es soll auf die Erkenntnisse und Erfahrungen der muslimischen Frauen, in Bezug auf eine säkulare Lebensweise in der Diaspora, eingegangen werden.
Mithilfe von Interviews habe ich versucht, folgende Fragen zu beantworten.
Wie wichtig ist für afghanische Frauen in der Diaspora, das eigene Selbstbild aus der Tradition und Herkunft, für ihre subjektive Identität? Welchen Einfluss hat die Diaspora auf die Selbstwahrnehmung? Es wurden 12 Interviews durchgeführt und anhand von Diaspora Theorien analysiert.

Eine These lautet, dass Wunschvorstellungen zur Selbstverwirklichung der Frauen, resilient sind und trotz Fundamentalismus vorhanden.

Eine zweite These ist, dass muslimische afghanische Frauen durchaus sehr selbstbewusst sind und bereit sich in ein Säkulares Umfeld neu definieren, in den meisten Fällen, die Chancen zur Selbstverwirklichung als Frau (und Mensch) nutzen und sich von den religiösen Lebensmodelle verabschieden.
Desweiteren wird in der Arbeit auf den Paschtunwali Codex und den patriarchalischen Fundamentalismus der Taleban eingegangen, sowie auf die gescheiterte Säkularisierung Afghanistans.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Gescheiterte Säkularisierung

3 Der afghanische misogyne Islamismus

4 Afghanische Migration und Frauen

5 Diasporatheorien und Diskurse

5.1 Theorie der Aufrechterhaltung von Gruppenidentität

5.2 Die Orientierung zum Ursprungsland

6 Methoden

7 Diasporische Identitäten afghanischer Frauen in Deutschland. Wie definieren sie ihre Identität?

7.1 Flucht und Diasporadasein

7.2 In der Heimat vor der Flucht

7.3 Die Orientierung zum Ursprungsland

7.4 Von der Imaginierten zur neuen Heimat

7.5 Lebensentwürfe

7.6 Abschottung und Isolation in der Diaspora

7.7 Haben Sie eine Burka getragen?

8 Schlussbemerkung

9 Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Identitätsbildung junger afghanischer Frauen in der Diaspora in Deutschland vor dem Hintergrund ihrer Fluchterfahrungen und der Konfrontation mit westlichen säkularen Werten. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, wie diese Frauen ihre subjektive Identität zwischen kultureller Herkunft, dem patriarchalischen Erbe aus Afghanistan und den neuen Lebensbedingungen in Deutschland (neu) konstruieren und ob Traditionen diesen Veränderungsprozess behindern.

  • Analyse der Fluchtursachen und des Traumas des Diasporadaseins
  • Untersuchung von Identitätskonzepten in Migrationskontexten
  • Rolle von Religion, Tradition und Bildung für die weibliche Selbstbestimmung
  • Empirische Untersuchung mittels qualitativer, narrativ-biografischer Interviews
  • Diskussion der Integration und des Verhältnisses zum "Homeland"

Auszug aus dem Buch

7.2 In der Heimat vor der Flucht

Diese allgemeinen Fragen sollten eine Art Momentaufnahme der Erinnerungen sein, an das Homeland, an die eigene Kindheit oder Jugend in der Heimat, an die Abstammungsfamilie, eventuell den gesellschaftlichen Status und Ethnie der Familie sowie an die Fluchtursachen. Diese Frauen stammen meistens aus gebildeter Familie und sind verschiedenen Alters nach Deutschland gekommen oder mit den Eltern geflüchtet.

Für Tawala erfolgte die Flucht bewusst und in ihrem erwachsenen Alter. Hier werden die ersten Einblicke in den traumatischen Hintergrund von diasporischen Menschen und die Risiken, die sie als berufstätige Frauen unter der Taliban-herrschaft in Kauf genommen haben, erfassbar. Tawala, die als Journalistin für einen bekannten Sender arbeitete, berichtet von ihrer langen und gefährlichen Flucht mit ihren Angehörigen:“ Als der Einfluss der Taliban auf unsere Redaktion stärker wurde, und es zu Anschlägen mit Toten in meinem Umfeld kam, habe ich mit meinem Mann Afghanistan verlassen. Ich bekam Drohungen von Taliban und drei meiner Kolleginnen kamen ums Leben. Andere Mitarbeiter wurden schwer verletzt. Da hatten wir keine andere Wahl, als die Koffer zu packen und zu fliehen. Wir fuhren zu dritt, da ich mein erstes Kind hatte. Zuerst flüchteten wir nach Pakistan, danach in den Iran, dann weiter in die Türkei, wo wir 2 Monate blieben, bis zur gefährlichen Überführung mit dem Boot nach Griechenland. Am schlimmsten war es an zwei Stationen unserer Flucht: einmal in Bulgarien, wo mein Mann verhaftet wurde und nach fünfzehn Tagen gegen Lösegeld und mit anwaltlicher Hilfe freigelassen wurde. Die zweite schwerste Phase war an der Grenze zwischen Serbien und Ungarn, wo wir 35 Tage buchstäblich auf der Straße ohne jegliche humanitäre Hilfe verbringen mussten .“

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung skizziert die historische und politische Ausgangslage Afghanistans, geprägt durch Krieg und Unterdrückung von Frauen, und definiert das Forschungsziel, diasporische Identitäten afghanischer Frauen empirisch zu untersuchen.

2 Gescheiterte Säkularisierung: Das Kapitel analysiert die gescheiterten Versuche zur Modernisierung Afghanistans seit 1919, die am Widerstand konservativer Eliten und dem Festhalten an patriarchalischen Stammesstrukturen scheiterten.

3 Der afghanische misogyne Islamismus: Hier wird der Zusammenhang zwischen dem politischen Islam, dem Paschtunwali-Kodex und der systematischen Unterdrückung der Frau thematisiert, wobei Misogynie als zentrales Element der Weltanschauung der Taliban herausgearbeitet wird.

4 Afghanische Migration und Frauen: Dieses Kapitel behandelt die Fluchtursachen und Migrationsbewegungen afghanischer Frauen nach Deutschland, wobei der Wandel vom männlich dominierten Migrationsphänomen hin zu einer stärkeren Rolle der Frauen beleuchtet wird.

5 Diasporatheorien und Diskurse: Es werden theoretische Grundlagen des Diasporabegriffs erläutert, insbesondere Mechanismen der Gruppenidentität und die Orientierung zum Ursprungsland als identitätsstiftende Elemente.

6 Methoden: Beschreibung des explorativen, qualitativen Forschungsdesigns unter Anwendung narrativ-biografischer Interviews, um subjektive Lebenswelten der befragten Frauen zu erfassen.

7 Diasporische Identitäten afghanischer Frauen in Deutschland. Wie definieren sie ihre Identität?: Dieser Hauptteil analysiert die Interviews und untersucht, wie die Frauen Flucht, Identitätskonstruktion, Rollenverteilung und das Spannungsfeld zwischen Tradition und Freiheit in Deutschland erleben.

8 Schlussbemerkung: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse: Die Frauen streben mehrheitlich nach individueller Selbstverwirklichung in Deutschland, bewahren jedoch kulturelle Identitäten und Symbole, während eine physische Rückkehr nach Afghanistan in der aktuellen politischen Lage als unrealistisch eingestuft wird.

9 Literaturverzeichnis: Umfassendes Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Dokumente.

Schlüsselwörter

Diasporische Identität, Afghanistan, Taliban, Flucht und Migration, Frauenrechte, Paschtunwali, Säkularisierung, Identitätsbildung, Qualitative Sozialforschung, Politische Bildung, Geschlechterrollen, Partizipation, Integration, Heimat, Narrativ-biografische Methode

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie junge afghanische Frauen, die nach Deutschland geflüchtet sind, ihre persönliche Identität in der Diaspora entwickeln und welche Rolle dabei ihr kulturelles Erbe und die Erfahrungen mit dem politischen System in Afghanistan spielen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zu den zentralen Themen gehören Fluchterfahrungen, der Einfluss des Paschtunwali-Kodex, die Rolle des politischen Islam, der Prozess der Integration in die deutsche Gesellschaft sowie die Konstruktion von Identität zwischen zwei Kulturen.

Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?

Das Ziel ist die Erstellung eines diasporischen Porträts auf Basis qualitativer Interviews, um zu verstehen, wie diese Frauen ihre Identität neu definieren und ob Traditionen sie an dieser Entfaltung hindern.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt einen explorativen, qualitativen Ansatz und führt semistrukturierte, narrativ-biografische Interviews durch, um die subjektiven Weltkonstruktionen und Lebenswege der befragten Frauen zu erforschen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Erfahrungen der Frauen in Bezug auf Flucht, die Definition ihres Identitätsverständnisses, ihre Lebensentwürfe als Mütter in Deutschland sowie ihre Auseinandersetzung mit traditionellen religiösen Symbolen wie der Burka.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie diasporische Identität, afghanische Migration, Frauenemanzipation, Paschtunwali, Säkularisierung und qualitative Sozialforschung charakterisieren.

Spielt die Religion eine zentrale Rolle für die Identität der befragten Frauen?

Nach den Ergebnissen der Arbeit spielt die Religion für die Mehrheit der befragten Frauen in der neuen Gestaltung ihres Lebens in Deutschland keine zentrale Rolle mehr; sie distanzieren sich von religiös begründeten Zwängen und Unterdrückung.

Wie stehen die interviewten Frauen zur Rückkehr nach Afghanistan?

Die Mehrheit der Frauen kann sich aufgrund der aktuellen politischen Lage, der Wiederkehr der Taliban und der erlittenen Traumata keine tatsächliche Rückkehr in das Heimatland der Eltern vorstellen.

Ende der Leseprobe aus 43 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Diasporische Identitäten. Afghanische Frauen in Deutschland zwischen Fundamentalismus und Säkularismus
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Ethnologie)
Note
1
Autor
Giovanna Silvestro (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2021
Seiten
43
Katalognummer
V1138898
ISBN (eBook)
9783346518828
ISBN (Buch)
9783346518835
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Talebanen Pashtun Fundamentalismus Diaspora Afghanistan afghanische Frauen in Deutschland afghanische migration
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Giovanna Silvestro (Autor:in), 2021, Diasporische Identitäten. Afghanische Frauen in Deutschland zwischen Fundamentalismus und Säkularismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1138898
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  43  Seiten
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