Ziel dieser Hausarbeit ist es, anhand von drei Gedichten aus der ersten Schaffensdekade
Gottfried Benns, zu verfolgen, wie Menschlichkeit und Männlichkeit einen Ausdruck finden.
Die Gedichte, mit deren Hilfe dies geschehen soll, sind, das Schlussgedicht aus dem 1912
veröffentlichten „Morgue“-Zyklus, „Requiem“, das 1913 erschienene Gedicht „Don Juan
gesellte sich zu uns“ und das 1917 im Zyklus „Fleisch“ veröffentlichte Gedicht „Der Arzt II“.
Im Vorfeld der Analysen wird auf die expressionistischen Darstellungsverfahren Gottfried
Benns einzugehen sein, um diese dann in den Gedichten in ihrer Anwendung näher zu
betrachten. Den Mittelpunkt dieser Abhandlung bilden die Analysen der drei Gedichte, im
Hinblick auf die Darstellung von Menschlichkeit und Männlichkeit. In diesem Zusammenhang
soll auch auf die Beziehungen der Geschlechter und deren unterschiedliche Darstellung
eingegangen werden, um Parallelen zum Don-Juan-Mythos aufzuzeigen. Daran schließt sich
ein Kurzessay an, der einem möglichen Einfluss Gottfried Benns auf moderne Autoren zu
Beginn des 21. Jahrhunderts nachgehen soll, sowie einige Gedanken zu potentiellen
Konstituenten für eine Literatur des 21. Jahrhunderts formuliert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Expressionistische Darstellungsverfahren Gottfried Benns
3. Die Darstellung von Menschlichkeit und Männlichkeit
3.1 Die Gedichte
3.1.1 „Requiem“
3.1.2 „Don Juan gesellte sich zu uns“
3.1.3 „Der Arzt II“
3.2 Die Darstellung der Geschlechter und die Beziehungen zwischen ihnen im Kontext des Don-Juan-Mythos
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Ziel der vorliegenden Arbeit ist die Analyse von Menschlichkeit und Männlichkeit in drei ausgewählten Gedichten aus der ersten Schaffensdekade von Gottfried Benn („Requiem“, „Don Juan gesellte sich zu uns“, „Der Arzt II“) unter Berücksichtigung expressionistischer Darstellungsverfahren.
- Expressionistische Darstellungsverfahren wie Zynismus und Montage im Werk Gottfried Benns.
- Untersuchung der Darstellung von Männlichkeit und Menschlichkeit in den gewählten Lyrikbeispielen.
- Analyse der Geschlechterbeziehungen und deren Einordnung in den Kontext des Don-Juan-Mythos.
- Untersuchung des poetologischen Einflusses und der literarischen Konstituenten im Wandel zum 21. Jahrhundert.
- Betrachtung der psychologischen und soziologischen Dimensionen menschlicher Existenz innerhalb der Bennschen Lyrik.
Auszug aus dem Buch
3.1.1 „Requiem“
Auf jedem Tische zwei. Männer und Weiber kreuzweis. Nah, nackt, und dennoch ohne Qual. Den Schädel auf. Die Brust entzwei. Die Leiber gebären nun ihr allerletztes Mal.
Jeder drei Näpfe voll: von Hirn bis Hoden. Und Gottes Tempel und des Teufels Stall nun Brust an Brust auf eines Kübels Boden begrinsen Golgatha und Sündenfall.
Der Rest in Särge. Lauter Neugeburten: Mannsbeine, Kinderbrust und Haar vom Weib. Ich sah von zweien, die dereinst sich hurten, lag es da, wie aus einem Mutterleib.
Als fünftem und letztem Gedicht, des 1912 erscheinen Zyklus „Morgue“, kommt ihm eine zentrale Rolle zu, die im folgenden kurz beleuchtet werden soll, um dann auf den eigentlichen Untersuchungsgegenstand zu stoßen.
„Requiem“ unterscheidet sich dahingehend von den anderen vier Zyklus-Gedichten, da es das einzige mit mehreren Strophen ist, ein konsequentes Reimschema (Kreuzreim) verfolgt und inhaltlich beziehungsweise formal die voranstehenden Gedichte noch einmal aufgreift.
Der Titel „Requiem“ suggeriert dem Leser, dass das Thema behutsam, ja sogar in gewissem Maße emotional bearbeitet wird, denn ein Requiem ist eine Toten- oder Seelenmesse im katholischen Glauben. Bereits nach den ersten zwei Verszeilen wird dieses Bild zerstört. Im gesamten Gedicht vollzieht sich dieser systematische Zerstörungsakt auf zwei Ebenen: der inhaltlichen und der formalen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel erläutert das Ziel der Arbeit, die Darstellung von Menschlichkeit und Männlichkeit in drei ausgewählten Gedichten Benns zu analysieren und deren Bezug zum Don-Juan-Mythos herzustellen.
2. Expressionistische Darstellungsverfahren Gottfried Benns: Hier werden die zentralen Stilmittel der frühen Benn-Lyrik, insbesondere Zynismus und Montage, als Ausdrucksformen einer neuen Wirklichkeitserfahrung dargelegt.
3. Die Darstellung von Menschlichkeit und Männlichkeit: Dieses Kapitel bildet den analytischen Hauptteil, in dem drei Gedichte einzeln interpretiert und anschließend im Hinblick auf Geschlechterbeziehungen reflektiert werden.
3.1 Die Gedichte: Dieser Abschnitt bietet die detaillierte Textanalyse der Gedichte „Requiem“, „Don Juan gesellte sich zu uns“ und „Der Arzt II“.
3.1.1 „Requiem“: Analyse der formalen und inhaltlichen Zerstörung sakraler Denkmuster und der Darstellung des Menschen als bloße Körpermasse.
3.1.2 „Don Juan gesellte sich zu uns“: Untersuchung der Motivik von Triebhaftigkeit und der gestörten Kommunikation zwischen den Geschlechtern in einem vitalistischen Kontext.
3.1.3 „Der Arzt II“: Analyse der existentiellen Frage nach der Berechtigung des Menschen, der hier auf eine Stufe mit dem Tier gestellt wird.
3.2 Die Darstellung der Geschlechter und die Beziehungen zwischen ihnen im Kontext des Don-Juan-Mythos: Zusammenfassende Betrachtung der Geschlechterrollen und der Schwierigkeiten in ihrer zwischenmenschlichen Kommunikation im Licht des Don-Juan-Mythos.
Schlüsselwörter
Gottfried Benn, Expressionismus, Morgue-Zyklus, Don-Juan-Mythos, Menschlichkeit, Männlichkeit, Lyrikanalyse, Zynismus, Montage, Geschlechterbeziehungen, Literaturwissenschaft, Moderne, Leiblichkeit, Existenzialismus, Körperbilder.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Darstellung von Menschlichkeit und Männlichkeit in der frühen Lyrik Gottfried Benns anhand dreier ausgewählter Gedichte aus seiner ersten Schaffensdekade.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die expressionistischen Stilmittel des Zynismus und der Montage, die Erforschung der Geschlechterrollen sowie die kritische Auseinandersetzung mit dem Don-Juan-Mythos.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, nachzuverfolgen, wie Benn Menschlichkeit und Männlichkeit durch seine spezifischen poetologischen Verfahren darstellt und ob sich in diesen Texten eine Einordnung in den Don-Juan-Mythos vornehmen lässt.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die sowohl die formale Ebene (Reim, Interpunktion, Binnenstruktur) als auch die inhaltliche Interpretation der Gedichte im zeitgeschichtlichen und mythologischen Kontext verbindet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine allgemeine Einführung in Benns expressionistische Verfahren und die spezifische, detaillierte Analyse der Gedichte „Requiem“, „Don Juan gesellte sich zu uns“ und „Der Arzt II“.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem der „Morgue“-Zyklus, die „Vitalistisch-baalhafte“ Gedichtart, die Zerstörung tradierter Werte und die poetologische Darstellung der menschlichen Hinfälligkeit.
Welche Rolle spielt der „Morgue“-Zyklus für die Argumentation des Autors?
Der „Morgue“-Zyklus dient als Ausgangspunkt der Untersuchung, an dem die typisch Bennschen Darstellungsverfahren wie Zynismus und die Quantifizierung menschlicher Körperteile besonders deutlich demonstriert werden können.
Wie wird das Konzept des Don-Juan-Mythos in Bezug auf Gottfried Benn beurteilt?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass direkte Parallelen zum klassischen Don-Juan-Mythos nur schwer zu ziehen sind und meist nur über vage Assoziationen oder Randmotive in der Lyrik Benns existieren.
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- Tobias Sichert (Author), 2002, ... und dennoch ohne Qual. Zur Darstellung von Menschlichkeit und Männlichkeit im Kontext des Don-Juan-Mythos in der frühen Lyrik Gottfried Benns, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/11390