Der positive, lebensbejahende Inhalt Hilde Domins Werke gepaart mit ihrem Schreibstil, den sie selbst mit dem Prinzip der "unspezifischen Genauigkeit" beschrieb, macht ihr Werk so einzigartig. Eines ihrer prominenteren Gedichte "Landen Dürfen" wird im ersten Teil dieser Arbeit analysiert und dazu gängige Interpretationsmöglichkeiten vorgestellt. Des Weiteren hat Hilde Domin aber eben nicht "nur" Gedichte verfasst, sondern auch immer wieder Essays und Werke veröffentlicht, in denen sie selbst über das Schreiben und den Literatur- beziehungsweise Interpretationsprozess reflektierte. Darauf baut der zweite Teil dieser Arbeit auf und unternimmt eine Analyse von "Hilde Domins Poetikverständnis".
Anschließend wird die aktuelle Flüchtlingssituation in Nordafrika beziehungsweise Europa seit 2015 skizzieren und die Politik Europas und der deutschen Bundesregierung, ebenso wie die gängige gesellschaftliche Meinung zu dieser Politik unter dem Thema "gesamtpolitische Entwicklungen" kritisch aufgelöst. Vor dem Hintergrund Hilde Domins liberaler, offenherziger Lyrik wird dies sicherlich eine interessante Gegenüberstellung ergeben. Hierbei soll die Frage geklärt werden, inwiefern Hilde Domins Aussagen heute noch relevant für die aktuelle politische Situation sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Analyse des Gedichts Landen dürfen vor dem Hintergrund Hilde Domins Biografie
3. Hilde Domins Poetikverständnis
4. Aktuelle Flüchtlingssituation in Europa und „gesamtpolitische Entwicklungen“
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Poetikverständnis der Lyrikerin Hilde Domin sowie die inhaltliche Relevanz ihres Gedichts „Landen dürfen“ im Kontext der europäischen Flüchtlingspolitik seit 2015. Das primäre Ziel ist es, die Verbindung zwischen Domins lyrischer Auseinandersetzung mit Identitätsverlust und Exilerfahrung und den aktuellen gesellschaftspolitischen Herausforderungen im Umgang mit Geflüchteten aufzuzeigen.
- Analyse der Biografie und Lyrik von Hilde Domin
- Untersuchung des Konzepts der „unspezifischen Genauigkeit“
- Thematisierung von Flucht, Exil und Identitätsverlust
- Kritische Beleuchtung der europäischen Flüchtlingspolitik
- Gegenüberstellung von literarischer Barmherzigkeit und politischem Realismus
Auszug aus dem Buch
2. Analyse des Gedichts Landen dürfen vor dem Hintergrund Hilde Domins Biografie
Das vorliegende Gedicht „Landen dürfen“ wurde 1987 von Hilde Domin in ihren „Gesammelten Gedichten“ veröffentlicht. Aufgrund ihrer eigenen Biografie, welche von ihrer Flucht 1933 aus Deutschland geprägt war, beschäftigte sie sich in ihren Gedichten und Werken allgemein oft mit der Situation von Geflüchteten und beschreibt deren Situation in der fremden Umgebung. Dies macht Domin ebenso im vorliegenden Gedicht, indem sie die Begebenheit thematisiert, dass ein Flüchtlingsboot an einer Küste ankommt und die Flüchtlinge kenntlich machen müssen, woher Sie kommen. Diese Thematik hat einen äußerst aktuellen Bezug, da gerade in den letzten Monaten (ebenso wie wahrscheinlich leider auch in den kommenden) etliche Flüchtlingsboote, welche in Nordafrika ablegen, nicht in Europa an Land gehen dürfen. Bekanntestes Beispiel hierfür ist sicherlich die „Lifeline“, welches ein Schiff ist, das in privater deutscher Hand ist und im Mittelmeer im Juni unterwegs war, um Flüchtende vor dem Ertrinken zu retten und sie sicher an europäisches Festland zu bringen. Bei dieser Mission durfte das Schiff weder in Italien noch in Malta in einen Hafen einlaufen, bis sich schließlich Malta mit anderen EU-Ländern über die Aufnahme der Flüchtlinge einigen konnte. Unter bestimmten Auflagen durfte die Lifeline dann in einem maltesischen Hafen einlaufen. Der Kapitän der die Seenotrettungsmission gefahren war, steht nun in Deutschland und Malta vor Gericht, da er die Menschen auf den beiden Flüchtlingsbooten nicht hätte bergen sollen, sondern die Rettung und Bergung der Menschen weit entfernten Schiffen der lybischen Küstenwache überlassen sollte. In Deutschland, ebenso wie in ganz Europa beherrscht die Migrationsdebatte nicht erst seitdem die Presse und den gesellschaftlichen Diskurs. Dementsprechend lässt sich für das Gedicht Hilde Domins „Landen Dürfen“ zum jetzigen Zeitpunkt ein äußerst aktueller Bezug herstellen, welches die Analyse umso spannender gestaltet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die Biografie Hilde Domins und führt in die zentrale Fragestellung ein, inwieweit ihre Lyrik und ihr Poetikverständnis heute noch relevant für die aktuelle politische Situation sind.
2. Analyse des Gedichts Landen dürfen vor dem Hintergrund Hilde Domins Biografie: Dieses Kapitel verknüpft autobiografische Bezüge der Autorin, wie den Exilaufenthalt und die damit verbundene „Wiedergeburt“, mit der modernen Thematik der Flüchtlingskrise und der Identitätsproblematik Geflüchteter.
3. Hilde Domins Poetikverständnis: Hier wird Domins Verständnis von Lyrik als „Gegenkraft gegen Außensteuerung“ und als ethische Pflicht zur Benennung gesellschaftlicher Missstände dargelegt.
4. Aktuelle Flüchtlingssituation in Europa und „gesamtpolitische Entwicklungen“: Das Kapitel bietet einen historischen Überblick über den Arabischen Frühling und die daraus resultierende Flüchtlingssituation in Europa sowie die kritische Auseinandersetzung mit der europäischen Abschottungspolitik.
5. Fazit: Das Fazit resümiert, dass die Barmherzigkeit und Weltoffenheit, wie sie Hilde Domin in ihren Werken vertrat, ein notwendiger Gegenpol zur aktuellen politischen Abschottung sein könnten und plädiert für eine stärkere Integration solcher Lyrik in den Schulunterricht.
Schlüsselwörter
Hilde Domin, Landen dürfen, Lyrik, Exil, Identitätsverlust, Flüchtlingspolitik, Politische Dichtung, Arabischer Frühling, Europa, Abschottung, Barmherzigkeit, Poetik, Integration, Gesellschaftskritik, Literatur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das literarische Werk Hilde Domins im Kontext ihrer persönlichen Exilerfahrung und setzt dieses in einen direkten Bezug zur aktuellen europäischen Flüchtlingspolitik.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind das Poetikverständnis von Hilde Domin, die literarische Aufarbeitung von Flucht und Heimat sowie die kritische Reflexion der sogenannten Flüchtlingskrise und der politischen Reaktionen in Europa.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage zielt darauf ab, zu klären, inwiefern Hilde Domins Aussagen und ihr Verständnis von Dichtung als „Gegenkraft“ heute noch relevant für die aktuelle politische Situation im Umgang mit Migranten sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse des Gedichts „Landen dürfen“ mit biografischen und essayistischen Quellen der Autorin kombiniert und diese Analyse um einen politikwissenschaftlichen Kontext zur europäischen Migrationsdebatte ergänzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil erfolgt eine detaillierte Analyse des Gedichts unter Berücksichtigung von Domins Biografie, eine Erläuterung ihres Poetikverständnisses durch ihre Poetik-Vorlesungen und Essays sowie eine Analyse der politischen Entwicklungen in Europa seit dem Jahr 2015.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Hilde Domin, Flucht, Identität, Exil, Poetik, Politische Lyrik, Abschottungspolitik und gesellschaftlicher Rechtsruck.
Wie deutet der Autor die Metaphorik in „Landen dürfen“?
Der Autor interpretiert das Gedicht nicht nur autobiografisch hinsichtlich der Ankunft im Exil, sondern sieht darin auch ein universelles Sinnbild für den Identitätsverlust und die bürokratischen Hürden, mit denen Flüchtende in der modernen Gesellschaft konfrontiert sind.
Welchen Stellenwert räumt Domin der Lyrik in einer industrialisierten Gesellschaft ein?
Domin sieht Lyrik als notwendige Gegenkraft gegen Außensteuerung und als Möglichkeit, Augenblicke der Unabhängigkeit aufzurichten, um das Menschsein inmitten einer funktionalen Konsumgesellschaft zu bewahren.
Welche Lösungsansätze für gesellschaftliche Probleme werden im Fazit genannt?
Der Autor schlägt vor, die liberalen und barmherzigen Werke von Hilde Domin gezielt in den Schulkanon aufzunehmen, um einen gesamtgesellschaftlichen Effekt gegen rechtspopulistische Tendenzen zu erzielen.
- Citar trabajo
- Julian Knoll (Autor), 2018, Hilde Domins Poetikverständnis in "Landen dürfen" im Kontext der Flüchtlingskrise, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1139389