Psychische Störungen im Film am Beispiel von "Joker" (2019)


Bachelorarbeit, 2021

39 Seiten, Note: 2.7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Mentale Störung im Spielfilm
2.1 Einfluss der Darstellung im Film
2.2 Grenzen der Darstellung im Film
2.3 Filmbeispiel: A Beautiful Mind

3. Batman und Joker: Die Entstehung
3.1 Die Faszination um den Joker

4. Filmanalyse Joker(2019)
4.1 Figurenanalyse
4.2 Arthur Fleck

5. Die Hauptaussagen des Films

6. Fazit

7. Abbildungsverzeichnis

8. Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

„Why so serious?“ - Mit diesem berühmten Zitat aus „The Dark Knight" (USA 2008) wird der verrückte Clown mit weißem Gesicht, grünen Haaren und aufgemaltem roten Lachen verbunden, der die Welt brennen sehen will. Der Gegenspieler Batmans begeistert seit den 1940er Jahren nicht nur Comic-Fans. Er steht für das Wahnsinnige, das Böse und ist die antagonistische Kraft im Batman-Universum. Aus seinem „Warum so ernst?“ Wurde 2019 in „Joker“ von Regisseur Todd Phillips "Was kriegt man, wenn man einen psychisch kranken Einzelgänger kreuzt mit einer Gesellschaft, die ihn im Stich lässt und wie Abfall behandelt?“1. Der Film leitet einen Wandel des modernen Comicfilms ein. Er handelt von „Arthur Fleck - de[m] Joker bevor er der Joker war - ein[em] psychisch(...) kranke[n] und gebrochene[n] Mann mit einer verzerrten Beziehung zu seiner Mutter“2.

Kein anderer Film wurde in den letzten Jahren so intensiv diskutiert, „sowohl im deutschen und internationalen Feuilleton als auch in der Filmpodcast- Landschaft“3. Auf der einen Seite wurde der Film von Zuschauern wie auch Kritiken gefeiert und gelobt. Bei den Filmfestspielen in Venedig gewann er den Goldenen Löwen. Joaquin Phoenix, der den Joker spielte, gewann einen Oscar als „Bester Hauptdarsteller“. Auf der anderen Seite wird die Darstellung von Gewalt in diesem Film kritisiert. Er sei gewaltverherrlichend, grotesk und der Joker als diabolische Terrorfigur stilisiert.4 Der Mann hinter der Clownsmaske wurde in den vergangenen Jahren in Comics wie auch Filmen als das reine Böse dargestellt, das in seinem Handeln von purer Mordlust getrieben wird. Doch Todd Philips' Film zeigt eine andere Seite des größten Gegenspieler Batmans: einen erfolglosen Stand-up-Comedian am Rande der Gesellschaft, der an psychischen Störungen leidet.

Der Film beleuchtet seine tragische Vergangenheit und wirft dabei die Frage auf: Ist der Joker wirklich von Grund auf böse oder lediglich eine missverstandene tragische Figur? In dieser Bachelorarbeit soll dieser Frage nachgegangen werden. Eine weitere Frage auf die eingegangen werden soll: Ist der Joker eine Verherrlichung eines Mörders oder ein Spiegel der Gesellschaft? Zunächst soll auf die Bedeutsamkeit der Darstellung mentaler Störungen im Spielfilm sowie ihren möglichen Einfluss eingefangen werden. Thematisiert werden soll aber auch die Frage, welche Schwierigkeiten und Grenzen mit der filmischen Darstellung psychischer Störungen einhergehen. Daraufhin wird der Hintergrund der Figuren Batman und Joker erläutert, wie die Figuren entstanden und warum sie so populär sind. Hier wird insbesondere auf die Faszination eingegangen, die der Mann hinter Clownsmaske weckt. Darauf folgt eine Analyse des Films von 2019, um herauszuarbeiten, was geschehen musste, damit „aus Arthur Fleck der Joker wurde: der Erzfeind Batmans, der offenbar aus reiner Freude heraus wahllos Menschen tötet und dadurch Angst und Chaos in Gotham verbreitet.“5 Was sind die Hauptaussagen des Films und warum wurde er „zu einem der umstrittensten Filme des Jahres?“6

2. Mentale Störung im Spielfilm

Psychische Erkrankungen sind weit verbreitet, jedoch wissen die Menschen darüber immer noch zu wenig über sie. Aus Angst davor, verurteilt zu werden, sprechen die Betroffenen selber zumeist nicht offen über ihre Krankheit. So kann der einzige Kontakt zu diesem Thema häufig nur über den Film hergestellt werden. Daher ist es wichtig, sowohl auf den Einfluss wie auch auf die Grenzen der Darstellung psychischer Störungen im Film einzugehen. Unter allen menschlichen Sinneswahrnehmungen ist die visuelle Wahrnehmung am effektivsten, wenn Informationen vermittelt oder Emotionen hervorgerufen werden sollen.7 Genau diese Macht, machen sich die Filmemacher zunutze, ,,kombinieren sie mit auditiven Reizen, und schaffen so das ultimative Wachtraum-Erlebnis: den Film.''8 Der Zuschauer wird in eine Trance versetzt, gekennzeichnet durch ,,Versunkenheit, Konzentration und Aufmerksamkeit''9. Je mehr die Charaktere und die Geschichte des Films den

Zuschauer in ihren Bann ziehen, desto intensiver wird auch der Zustand der Trance.10 „Filme ermöglichen es den Zuschauern auch, über ihre eigenen Gefühle und Erfahrungen nachzudenken. Wenn ein Film aktuelle Ereignisse hervorruft, kann er Emotionen und Reaktionen hervorrufen, die von Freude bis Angst reichen.Jokerist ein solcher Film.“11

2.1 Einfluss der Darstellung im Film

„Ein Film hinterlässt immer einen Eindruck - der Zuschauer bleibt betroffen, bewegt, aufgewühlt, irritiert oder gleichgültig zurück.“12 Der Rezipient versetzt sich in die Perspektive der Figuren, unabhängig davon, ob diese Menschen aus dem tatsächlichen Leben oder lediglich Schauspieler sind. Er fühlt und leidet mit ihnen. Manchmal ist es schwer, sich von dieser Vereinnahmung zu lösen. Filme bieten die Möglichkeit, in eine andere Welt einzutauchen, die als real erscheint. So kann es dazu kommen, dass der Zuschauer vergisst, dass es sich bei der Filmwelt nur um eine Konstruktion handelt. Er nimmt hierbei nur wahr, was ihm dargeboten wird, und denkt nicht an das, was ihm vorenthalten wird, wie beispielsweise das Drehbuch, die Regie, Kamera, Technik oder Montage.13 Das Dargestellte wird mit den Sinnesorganen aufgenommen, „und das gleichzeitige Hören und Sehen verstärkt den Eindruck der Echtheit des Dargebotenen, wie dies bei kaum einem anderen Medium gelingt“14.

„Grundsätzlich gibt es zwei Arten, wie der Film psychische Störungen veranschaulichen kann“15: einerseits, im Spielfilm, „durch die Darstellung von Menschen mit psychischen Störungen anhand von Schauspielern“16, anderseits „im Dokumentarfilm durch Menschen, die von dieser Störung direkt betroffen sind.“17 Im Spielfilm geht es um „das ,So-tun-als-ob'“18. Sieht der Zuschauer sich im Fernsehen beispielsweise einen Film des Genres Western an, in dem zwei Revolverhelden sich mit ernstem Blick gegenüberstehen und bedrohen, weiß der Zuschauer, dass es sich in diesem Augenblick „nicht um einen realen Ernstfall handelt, [sondern] dass der Kampf nur gespielt ist. Der Schauspieler empfindet nicht den Hass, den er seinem Rivalen gegenüber so echt zum Ausdruck bringt. Genauso wenig empfindet er die Liebe, die er seiner Liebsten gegenüber bekundet.“19 Das heißt, dass die Liebe und der Hass, die der Zuschauer in einem Film zur Kenntnis nimmt, echt erscheinen, es aber in Wahrheit nicht sind. Er empfindet das, was die Schauspieler spielen, als authentisch und echt.20

Deshalb bietet der Film „eine Möglichkeit, sich einem schwierigen Themengebiet wie dem der psychischen Krankheiten anzunähern und stellt eine Ergänzung zu den schriftlichen Ausführungen dar.“21 Über den Film erhalten diese Krankheiten eine Gestalt und es wird „verdeutlicht, was in den Vorstellungen über Krankheitsbilder auftaucht oder auch in direkter Erfahrung mit psychisch Kranken erlebt wird.“22 Geschaffen wird ein persönlicher Bezug, indem den Menschen, die unter psychischen Störungen leiden, ein Name und Gesicht gegeben wird. Dies wiederum führt dazu, dass der Zuschauer dazu angeregt wird, sich mit diesem Leiden auseinanderzusetzen.23 Erst nämlich durch das „Hineinversetzen in die Lage des oder der Protagonisten gelingt es, nachzuvollziehen, was es heißt, mit einer psychischen Störung zu leben.“24

2.2 Grenzen der Darstellung im Film

Die Kunst gibt die Realität immer verzerrt wieder, was dem Zuschauer bewusst sein muss.25 Auch Filme geben nicht die Psychopathologie selbst wieder, sondern sind lediglich ein Abbild dieser.26 „Das Medium dient sozusagen als ,Vermittler' zwischen der psychischen Störung und deren Abbild im Film.“27 Auf der einen Seite steht die Realität oder Wirklichkeit, worunter die psychische Störung verstanden wird.28 Diese kann „in allen erdenklichen Formen und Variationen individuelle Ausprägungen annehmen“29. Auf der anderen Seite befindet sich „das filmische Abbild dieser psychischen Beeinträchtigung.“30. So kommt es dazu, dass Repräsentationen, die auf dem Bildschirm zu sehen sind, eingegrenzt werden. Findet ein Übergang „von der ,primären Wirklichkeit' zur ,medialen Wirklichkeit' [statt], müssen ,Verluste' hingenommen werden“31. Diese Verluste lassen sich durch die Begriffe „Fixierung“, „Isolierung“ und „Reduzierung“ beschreiben.32 Isolierung bedeutet, dass bestimmte Teile aus ihrem Zusammenhang genommen und isoliert dargestellt werden.33 So wird nicht die vollständige Leidensgeschichte gezeigt. Jedoch kann der Filmemacher ,,das Bild der psychischen Störung durch gewisse inszenatorische Vorkehrungen noch wirklicher im Sinne von aussagekräftiger machen.''34 Der Begriff der Fixierung meint das Einfrieren der Zeit. Allerdings wird durch die Bewegung, den Schnitt und die Musik gleichzeitig eine Dynamisierung ermöglicht. Die Reduzierung bezieht sich auf die Sinnesebenen. Bei einem Film fehlt z.B. die Geruchsebene. Durch den Einsatz gewisser Bild- und Tonebenen können die fehlenden Sinneseindrücke ersetzt werden. So kann beispielsweise ein Kommentar eingefügt werden, der einen Geruch beschreibt.

Der Film als Medium muss mit einem gewissen Verlust von Realität umgehen können.35 Das heißt, „dass der Film die psychische Störung nur unvollständig darstellen kann.“36

Des Weiteren wird häufig kritisiert, Filme würden sich Krankheiten zunutze machen.37 Filmische Charaktere, die an mentalen Störungen leiden, sind oft nur eine Verkörperung der Krankheit.38 Dadurch geht der Bezug oder die Ähnlichkeit zu echten Menschen verloren und der Zuschauer kann sich nicht mit den Charakteren identifizieren.39 Auch Therapien oder Psychiatrien werden häufig negativ dargestellt.40 Unter anderem werden sie ,,als eine einschließende Anstalt dargestellt [.Dies] knüpft an eine filmische Tradition an, welche die psychiatrische Anstalt als Institution zur Unterdrückung ihrer Insassen kritisiert.''41 Das Media Framing42 der psychischen Störungen in Filmen ist meist negativ, ungenau oder schlichtweg falsch.43 „Die Präsentations-, Definitions- und Interpretationsmuster (Media Frames) für psychische Erkrankungen sind in der Regel eng und irreführend und stellen psychisch Kranke meist holzschnittartig als gewalttätig, gefährlich, vom Leben enttäuscht und/oder unschuldig- naiv dar.“44

Auch wenn das Medium Film einen Zugang zu psychischen Störungen ermöglicht, sollte stets beachtet werden, dass die bloße ,,Darstellung der Psychopathologie die persönliche Erfahrung mit psychisch kranken Menschen nicht [ersetzen kann]“45. Es bleibt immer eine gewisse Distanz. Wie viel Verständnis einem Betroffenen gegenüber, letztlich aufgebracht werden kann, wird erst deutlich, wenn dieser dem Rezipienten gegenübersteht. Erst der direkte Kontakt mit Menschen, die an psychischen Störungen leiden, zeigt, bis zu welchem Grad die Psychopathologie verstanden wurde.46 „Der Film ist hierfür eine wichtige Referenz und ermöglicht es, Informationen, die häufig abgewehrt werden, aufnehmen zu können. Die vermittelten Informationen schaffen Spielraum für die eigenen Auseinandersetzung mit dem Thema.“47

2.3 Filmbeispiel: A Beautiful Mind

Es gibt eine Reihe von Filmen unterschiedlichster Genres, die sich mit psychischen Störungen auseinandersetzen. Bekannte Werke sind beispielsweise: „Einer flog über das Kuckucksnest“ (USA 1975), „Psycho“ (USA 1960), „Das Schweigen der Lämmer" (USA 1991) oder „Citizen Kane“ (USA 1941). Diese Filme „haben Stereotype über Menschen mit psychischen Störungen entscheiden mitgeprägt.“48 Hiermit sind Stereotype wie beispielsweise der des psychopathischen Gewalttäters gemeint, der in vielen Slasher-/Horrorfilmen zu sehen ist, wie etwa Norman Bates in Alfred Hitchcocks „Psycho“ (USA 1960). Eine psychische Erkrankung aber ist „weder eine Voraussetzung, noch alleinige Ursache von Gewalttätigkeit.“49 Eine solche Darstellung hat zur Folge, dass Menschen sich „gegenüber psychisch Erkrankten argwöhnisch“50 verhalten und Abstand zu ihnen halten.

Psychische Störungen zählen zweifellos „zu den faszinierendsten Phänomenen, die ein Filmemacher auf die Leinwand bringen kann.“51 Jedoch ist ein Individuum weitaus „mehr als das, was mit ihm ,nicht stimmt'.“52 Das Menschsein lässt sich nicht auf die Psychopathologie reduzieren. Psychisch Kranke verfügen genau wie alle anderen Menschen über Tugenden und Charakterstärken, die sie meistens einsetzen, um Schwierigkeiten zu bewältigen. Dies sind Filme, die dem gerecht werden, was den Menschen ausmacht.53 Sie sind nämlich weniger sensationslüstern oder einseitig und schaffen „ein Bewusstsein für die Komplexität und Faszination des Menschseins“54.

Das „zum besten Film des Jahres 2002“ ausgezeichnete Drama „A beautiful Mind - Genie und Wahnsinn“ (USA 2001) beispielsweise kann seinem Publikum helfen, Menschen die an psychischen Störungen - vor allem an der Schizophrenie - leiden, besser zu verstehen. Der Film handelt von dem jungen, ausgesprochen intelligenten Mathematikstudenten John Forbes Nash jr., der ein Außenseiterdasein führt. Nach seiner Dissertation zum Thema der Entscheidungstheorie wird Nash zum Professor ernannt und erlebt einen Aufstieg. Er heiratet eine seiner Studentinnen und arbeitet als Codeknacker für den Geheimdienst. Doch bald verfolgt ihn seine Arbeit und er sieht überall um sich verschlüsselte Botschaften, die er entschlüsseln zu müssen glaubt. Im

Alter von 30 Jahren fällt es Nash schwer, zwischen Realität und Schein zu unterscheiden. Er bildet sich einen Zimmergenossen ein und auch seiner Frau und Freunden erscheint er immer seltsamer. Nicht nur sein Leben, sondern auch das seiner Mitmenschen verändert sich. Nash ist geplagt von ständigen Zweifeln an sich selbst und der Welt. Nach seinem Aufenthalt in der Psychiatrie kümmert sich seine Frau um ihn und gelang dabei an ihre Grenzen der Belastbarkeit. Der Film zeigt eindrücklich, was viele Schizophrene durchleiden: Verwirrtheit und Angst. „A beautiful mind“ zeigt einen Menschen, der an Schizophrenie leidet und nicht gewalttätig ist; einen Menschen, der seine Krankheit am Ende des Films besiegt55, und „eine Genesung, die gerade deshalb möglich ist, weil die Welt, in der er lebt, nicht als bedeutungslos dargestellt wird“56. Anders als in „Joker“ erhält John F. Nash Unterstützung von seinen Angehörigen, die Arthur Fleck nicht erfährt. Russell Crowes Drama zeigt, wie belastend, schwierig und auch „gefährliche ■ •) es für die Angehörigen sein kann.“57 Was beide Filme zeigen, ist, „wie wichtig und notwendig die Unterstützung durch (...) Angehörige für Menschen ist, die an dieser bösartigen Krankheit leiden.“58

3. Batman und Joker: Die Entstehung

Die Superheldenfigur Batman ist wohl weltweit eine der populärsten Comic­Figuren. „Er ist eine Identifikationsfigur, eine Projektionsfläche für allerlei imaginäre Wünsche, Indikator für gesellschaftliche Ideale, geteilte ethische Vorstellungen und ein sinnstiftender Mythos.“59 Die Umstände, unter denen Batman erfunden und erschaffen wurde, sind jedoch umstritten. Als offizieller Schöpfer der Figur gilt bis heute Bob Kane.60 Nach dem erfolgreichen Auftritt Supermans in den sogenannten DC-Comics wurde Kane 1939 als Zeichner damit beauftragt, eine neue Superheldenfigur zu erschaffen. Kane setzte sich daraufhin mit seinem Ghostwriter Bill Finger zusammen, „der ungenannt als Autor und Mitschöpfer einiger der bekanntesten Superheldencomics das

Genre maßgeblich mitbestimmte.“61 Das Resultat dieser Zusammenarbeit erschien 1939 in der 27. Ausgabe der „Detektive Comics“ in Form der Geschichte „The Case of the Chemical Syndicate“.62

Batman ist ein Millionärssohn namens Bruce Wayne, der als Kind mitansehen musste, wie ein Unbekannter seine Eltern erschoss. Dies bewog ihn dazu, gegen die Verbrechen und Bösewichte seiner Stadt Gotham City vorzugehen und diese von ihnen zu befreien. Einer der größten und bis heute bekanntesten Gegenspieler Batmans wurde bereits 1940 in einem Batman-Comic vorgestellt: der Joker. Die Figur des Jokers hat keine explizite Entstehungsgeschichte. Erst in dem Comic „The Killing Joke“ (1988) von Alan Moore wird seine Herkunft näher beleuchtet. Dort heißt es, der Joker sei ein Ingenieur in einer Chemiefarbik gewesen, der versuchte, als Clown auf Kleinkunstbühnen Geld zu verdienen, um mit seiner schwangeren Frau über die Runden zu kommen. Da seine Karriere als Komödiant erfolglos blieb, ließ er sich auf einen krummen Deal ein. Zwei Männer wollte er in die Fabrik schleusen um die daneben gelegene Spielkartenfabrik auszurauben. Als er während des Auftrags vor der Polizei und Batman floh, stürzte er in einen Abwasserkanal in seiner alten Chemiefabrik.63 Seit diesem Tag ist sein Gesicht entstellt, seine Haut ist weiß, seine Lippen sind tiefrot, „sein Mund [ist] zu einem grotesken Lächeln verzerrt und seine Haare [sind] grün gefärbt.“64 Was seine Geschichte noch tragischer macht, ist der Umstand, dass seine Frau und auch sein ungeborenes Kind bei einem Unfall ums Leben kommen.65 „Der traumatische Schock über die physische Verwandlung und den Tod seiner Frau mitsamt ungeborenem Baby lösen schließlich den Wahnsinn in ihm aus.“66 In den darauffolgenden Jahrzehnten wird die Entstehung des Joker nicht weiter thematisiert. Erst in Andy Kuberts Comic „Gib dem Affen Zucker“ aus Jahr 2013 „wird die weiße Haut des Jokers dadurch erklärt, dass seine Tante Eunice zu Bleiche greift, um ihn zu säubern“67. Allerdings wird diese Geschichte des „Clown Prince of Crime“ von Fans eher als unterhaltsam eingeordnet. Somit bleibt die Herkunft des Joker weiterhin ein Geheimnis.

Im Medium des Films dann erzählte Tim Burton „Batman“ von 1989 eine neue Entstehungsgeschichte des Jokers. Dort hat der größte Gegenspieler Batmans zudem erstmalig - und bis 2019 auch zum einzigen Mal - einen vollen Namen: Jack Napier. Auch in diesem Film stürzt Joker wie in „The Killing Joke“ in ein Chemikalienbecken.68 Nach Jacks Chirurgie verwandelt er sich „physisch in den uns bekannten Joker.“69 Christopher Nolans „The Dark Knight“ (USA 2008) lässt die Herkunft des Jokers dann wieder offen. In diesem Film nennt der Joker verschiedenen Gründe für sein Aussehen und den Ursprung seiner Narben.70 „Version 1: Sein alkoholkranker Vater wollte ihm ,ein Lächeln ins Gesicht zaubern'. Version 2: Der Joker hat sich die Narben selbst zugefügt, um seiner entstellten Frau seine Liebe zu beweisen.“71 Drehbuchautor Jonathan Nolan verrät allerdings, dass vermutlich beide Entstehungsgeschichten nicht wahr sind. Die Konsequenz der simplen Idee dieser Lüge ist beachtenswert.72 „Denn wurde vor diesem Film der Hintergrund des Jokers kaum thematisiert, entwickelte er sich nun zu einem offenen Geheimnis. Man weiß nicht, wie der Joker entstanden ist. Und gerade das macht ihn spannend.“73

3.1 Die Faszination um den Joker

Batman und Joker sind zwei gegensätzliche Charaktere. Batman als tragische Figur hat einen Schicksalsschlag erlitten und möchte deshalb anderen Menschen helfen, damit sie nicht dasselbe erleben müssen wie er. Sein Ziel ist es, Verbrecher zur Strecke zu bringen, allerdings ohne zu töten. Er handelt nach einem persönlichen moralischen Kodex und glaub an das Gute im Menschen und an Ordnung. Er zeigt, dass jeder Mensch für Frieden in der Welt kämpfen sollte. Jokers Ziel hingegen ist es, Batman das Gegenteil zu beweisen: Dass es immer Verbrecher wie ihn geben wird, egal, wie sehr Batman sich bemüht, das Böse aus Gotham City zu vertreiben, und Batmans

[...]


1 Joker(US 2019, 1:44:59).

2 Livingstone, Josephine(2019).

3 Attig, Christiane(2019).

4 Vgl. Rolling Stone(2019).

5 Artig, Christiane(2019).

6 Canvas,Michael(2019).

7 Vgl. Wedding&Boyd&Niemiec(2011, S. 16).

8 Ebd.

9 Ebd.

10 Vgl. Wedding&Boyd&Niemiec(2011, S. 16).

11 McLean(2020).

12 Pupato, Katharina(2002, S. 11).

13 Vgl. Ebd.

14 Ebd.

15 Ebd. S. 25.

16 Ebd.

17 Ebd.

18 Ebd.

19 Pupato, Katharina(2002, S. 25).

20 Vgl. Ebd.

21 Ebd. S. 12.

22 Ebd.

23 Vgl. Ebd.

24 Ebd.

25 Vgl. Clark, Hillary Anne(2008).

26 Vgl. Pupato, Katharina(2002, S. 43).

27 Pupato, Katharina(2002, S. 43).

28 Vgl. Ebd.

29 Ebd.

30 Ebd.

31 Ebd.

32 Vgl. Ebd.

33 Vgl. Ebd. S.44.

34 Ebd.

35 Ebd. S.45f.

36 Ebd. S. 46.

37 Vgl. Zimmermann, Jaqueline (2003,S. xiv).

38 Vgl. Rubin, Lawrence (2012, S.11).

39 Vgl. Rubin, Lawrence (2012, S.11).

40 Vgl. Fellner, Markus (2006, S. 79f).

41 Fellner, Markus (2006, S. 79).

42 Media Framing: die „Art und Weise, wie eine Medienform Informationen organisiert und der Öffentlichkeit darbietet, die sie dann interpretiert“ (Wedding&Boyd&Niemiec(2011, S. 25).

43 Vgl. Wedding&Boyd&Niemiec(2011, S. 25).

44 Ebd.

45 Pupato, Katharina (2002, S. 73).

46 Vgl. Ebd. S. 73f.

47 Ebd. S. 74.

48 Marton, Angelika (2020).

49 Hauschild, Jana(2015).

50 Ebd.

51 Wedding&Boyd&Niemiec(2011, S. 27).

52 Ebd.

53 Vgl. Ebd.

54 Ebd.

55 Vgl. Real Psychologist Reviews Mental Illness(2018).

56 Walsh, Keith(2019).

57 Berg-Peer, Janine(2013).

58 Ebd.

59 Banhold, Lars(2017, S. 7).

60 Vgl.Ebd. S. 21.

61 Vgl. Banhold, Lars(2017, S. 21).

62 Vgl. Ebd.

63 Vgl. Sowa, Steven(2018).

64 Ebd.

65 Vgl. O.V(2015).

66 O.V.(2015).

67 O.V.(2015).

68 Vgl. O.V.(2015).

69 Ebd.

70 Vgl. Ebd.

71 Ebd.

72 Vgl. Ebd.

73 Ebd.

Ende der Leseprobe aus 39 Seiten

Details

Titel
Psychische Störungen im Film am Beispiel von "Joker" (2019)
Hochschule
Universität Regensburg
Note
2.7
Autor
Jahr
2021
Seiten
39
Katalognummer
V1139577
ISBN (eBook)
9783346514431
ISBN (Buch)
9783346514448
Sprache
Deutsch
Schlagworte
psychische, störungen, film, beispiel, joker
Arbeit zitieren
Nicole Kramer (Autor:in), 2021, Psychische Störungen im Film am Beispiel von "Joker" (2019), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1139577

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