Die Rechnungslegung nach IAS/IFRS hat in den vergangenen Jahren einen erheblichen Bedeutungszuwachs erfahren.5 Die Gründe für diesen Bedeutungszuwachs sind vielfältig. Sie liegen mitunter begründet in einer zunehmenden Konzentration der internationalen Waren-, Dienstleistungs- und Kapitalmärkte sowie in einer allgemeinen Internationalisierung der Unternehmertätigkeit.6 Internationale Kapitalmärkte und Investoren verlangen immer häufiger nach Vergleichbarkeit von Jahresabschlüssen. Eine Vielzahl von Unterschieden zwischen nationalen Normen und den zunehmend international anerkannten Regelungen nach IAS/IFRS lassen eine direkte Vergleichbarkeit jedoch nur eingeschränkt zu. Sind in Deutschland Handels- und Steuerbilanz über die Maßgeblichkeit bzw. umgekehrte Maßgeblichkeit verknüpft, so fehlt IAS/IFRS eine solche Interdependenz beider Systeme.7 Der Übergang von nationaler zu internationaler Rechnungslegung bedingt daher tendenziell größere Unterschiede zwischen Handels- und Steuerbilanz. Auch aus diesem Grund spielen Bilanzierungsfragen von Steuerlatenzen innerhalb internationaler Standards eine wesentlich größere Rolle als im HGB. Sie können nach IAS/IFRS wichtige Bilanzpositionen darstellen und den Abschluss damit wesentlich beeinflussen.8 Die zunehmende Bedeutung der internationalen Normen für die nationale Rechnungslegung erfordert aus diesem Grund eine Auseinandersetzung mit Ansatz, Bewertung und Ausweis latenter Steuern gem. IAS/IFRS. Ziel der Arbeit ist die Gegenüberstellung und Würdigung der Bilanzierung latenter Steuern in den Systemen IAS/IFRS und HGB. Es soll dargestellt werden, warum die zu vergleichenden Rechnungslegungssysteme eine unterschiedliche Behandlung dieser Latenzen vorsehen und wie aus latenten Steuern wichtigen Bilanzpositionen entstehen können. In Abschnitt 2 werden einleitend die Rahmenbedingungen der Bilanzierung latenter Steuern dargestellt. Abschnitt 3 dient der deskriptiven Beschreibung beider Systeme. Diese Beschreibung erfolgt für beide Normen unabhängig voneinander. Abgeschlossen wird dieser Teil mit einer kritischen Gegenüberstellung beider Systeme. In Abschnitt 4 schließt die Arbeit mit einem Fazit der vorausgegangenen Betrachtung.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Begriffsabgrenzung „latente Steuern“
1.2 Problemstellung
2 Rahmenbedingungen der Bilanzierung latenter Steuern
2.1 Rechtliche Rahmenbedingungen
2.2 Wirtschaftliche Rahmenbedingungen
2.3 Anspruchgruppen und Ziele
3 Bilanzierung latenter Steuern
3.1 Latente Steuern nach HGB
3.1.1 Ansatz latenter Steuern
3.1.1.1 Ansatz aktiver latenter Steuern
3.1.1.2 Ansatz passiver latenter Steuern
3.1.2 Bewertung latenter Steuern
3.1.3 Ausweis latenter Steuern
3.1.4 Abweichungen im Konzernabschluss
3.1.5 Würdigung Normen nach HGB
3.2 Latente Steuern nach IAS/IFRS
3.2.1 Ansatz latenter Steuern
3.2.1.1 Ansatz aktiver latenter Steuern
3.2.1.2 Ansatz passiver latenter Steuern
3.2.2 Bewertung latenter Steuern
3.2.3 Ausweis latenter Steuern
3.2.4 Würdigung der Normen nach IAS/IFRS
3.3 Kritische Würdigung der Normen nach HGB und IAS/IFRS
4 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Seminararbeit untersucht und vergleicht die Bilanzierung latenter Steuern nach deutschem Handelsrecht (HGB) sowie nach internationalen Rechnungslegungsstandards (IAS/IFRS), um die unterschiedlichen Ansätze zur Darstellung steuerinduzierter Differenzen und deren Einfluss auf die Finanz- und Ertragslage von Unternehmen zu analysieren.
- Grundlagen und Rahmenbedingungen der Steuerlatenzbilanzierung
- Gegenüberstellung des HGB-Timing-Konzepts und des IFRS-Temporary-Konzepts
- Ansatz, Bewertung und Ausweis aktiver und passiver latenter Steuern
- Bedeutung der Bilanzierung für den Konzern- versus Einzelabschluss
- Kritische Analyse der Transparenz und der bilanzpolitischen Spielräume
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Ansatz latenter Steuern
Dem Wortlaut des § 274 folgend sind latente Steuern nur anzusetzen, sofern sich die Differenzen in den folgenden Wirtschaftjahren wieder ausgleichen.27 Das HGB setzt Unterschiedsbeträge zwischen dem nach Handels- und Steuerrecht ermittelten Ergebnis also nur an, sofern diese zeitlich begrenzt sind.28 Bei diesen zeitlich begrenzen, sich in den folgenden Wirtschaftsjahren automatisch ausgleichenden Differenzen, handelt es sich um sog. timing-differences.29 Abbildung 4 gibt einen Überblick bezüglich Entstehungsmöglichkeiten latenter Steuern aufgrund zeitlicher Differenzen.
Außerdem werden nur Unterscheide erfasst, die erfolgswirksam gebildet und erfolgswirksam aufgelöst werden.30 Erfolgswirksame Differenzen werden sowohl bei Entstehung als auch bei Auflösung in der GuV abgebildet.31 Nach HGB führen daher nur zeitlich begrenzte und ergebniswirksam entstandene Abweichungen zwischen Handels- und Steuerbilanz zu einem Ansatz von latenten Steuern.32 Dem HGB liegt damit das sog. Timing-Konzept zugrunde.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Bilanzierung latenter Steuern als Brücke zwischen handelsrechtlichem Ergebnis und steuerrechtlicher Bemessungsgrundlage ein und definiert die Forschungsfrage.
2 Rahmenbedingungen der Bilanzierung latenter Steuern: Dieses Kapitel erläutert die rechtlichen Grundlagen und wirtschaftlichen Zusammenhänge, die den unterschiedlichen Anforderungen an den Ausweis latenter Steuern zugrunde liegen.
3 Bilanzierung latenter Steuern: Der Hauptteil beschreibt detailliert die Vorgehensweisen und Normen zur Bilanzierung latenter Steuern gemäß HGB und IAS/IFRS sowie deren kritische Würdigung.
4 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Unterschiede zwischen den beiden Systemen zusammen und bewertet die Notwendigkeit einer Anpassung der nationalen Normen an internationale Standards.
Schlüsselwörter
Latente Steuern, HGB, IAS/IFRS, Bilanzierung, Steuerlatenz, Timing-Konzept, Temporary-Konzept, Handelsbilanz, Steuerbilanz, Differenzenbetrachtung, Ansatzpflicht, Ausschüttungssperre, Konzernabschluss, Finanzlage, Ertragslage
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem kritischen Vergleich der Bilanzierung latenter Steuern zwischen dem deutschen Handelsrecht (HGB) und den internationalen Rechnungslegungsstandards (IAS/IFRS).
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Ansatz, die Bewertung und der Ausweis von temporären bzw. zeitlichen Differenzen zwischen Handels- und Steuerbilanz.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, warum die Systeme unterschiedliche Behandlungen vorsehen und wie sich diese Unterschiede auf die Bilanzpositionen und die Transparenz auswirken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verwendet eine deskriptive sowie eine vergleichende Analyse, die die theoretischen Normen der Rechnungslegungssysteme gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die spezifischen Ansätze für aktive und passive latente Steuern unter HGB und IAS/IFRS, inklusive Bewertungsmethoden und Ausweisvorschriften.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlüsselwörter umfassen Latente Steuern, Timing-Konzept, Temporary-Konzept, HGB, IAS/IFRS und Bilanzierung.
Worin liegt der Hauptunterschied beim Ansatz von Steuern auf Verlustvorträge?
Während das HGB für den Einzelabschluss ein Ansatzverbot für latente Steuern auf Verlustvorträge vorsieht, besteht nach IAS/IFRS ein Ansatzgebot bei hinreichender Wahrscheinlichkeit zukünftiger steuerpflichtiger Gewinne.
Wie beeinflusst die Maßgeblichkeit das HGB-System?
Die Verknüpfung von Handels- und Steuerbilanz (Maßgeblichkeit) führt dazu, dass Steuerlatenzen im HGB-System oft eine geringere Rolle spielen als im international orientierten IFRS-System, das diese Interdependenz nicht kennt.
- Citation du texte
- Heiko Kugeler (Auteur), 2008, Die Bilanzierung latenter Steuern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113964