Sehen sich GrundschülerInnen Sendungen aus dem Fernsehprogramm der Erwachsenen an?

Eine empirische Untersuchung zum Fernsehkonsum von 9- bis 12-Jährigen


Bachelorarbeit, 2009

51 Seiten, Note: 1,2

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Stand der Forschung

3. Methodisches Vorgehen:

4. Theoretische Rahmung:
4.1 Die Geschichte des Kinderfernsehens
4.1.1 Vergleich zur heutigen Situation der Kinder in Bezug auf das Fernsehen
4.2 Programmvorlieben von Kindern und die Gründe dafür
4.2.1 Veränderung des Kinderprogramms
4.3 Gründe für die ‚Flucht in das Erwachsenenprogramm‛
4.3.1 Die Ansprüche der Kinder an die Medien und das Resultat für die Erwachsenen

5. Empirische Erhebung:
5.1 Mediale und nicht-mediale Freizeitgestaltung
5.2 Kindersendungen – Erwachsenensendungen
5.2.1 Persönliche Vorlieben der Grundschulkinder
5.2.2 Fernsehkonsum von 9-12Jährigen
5.2.3 Bezug zum Fernsehsender
5.2.4 Geräteausstattung von Kinderzimmern
5.3 Nutzung weiterer Medien

6. Fazit

7. Literaturliste:

1. Einleitung

„Es gibt einen häufig gesendeten Werbespot für Ivory-Seife, in dem zwei Frauen auftreten, die uns als Mutter und Tochter vorgestellt werden. Der Zuschauer soll nun raten, wer die Mutter und wer die Tochter ist – beide sehen aus wie Ende zwanzig und sind mehr oder weniger austauschbar. Mir erscheint dieser Werbefilm als ein ungewöhnlich direkter Beleg für die These, da[ss] die Unterschiede zwischen Erwachsenen und Kindern nach und nach erlöschen“ (Postman 2006: 115).

Dieses Zitat von Postman beschreibt den Prozess der Annäherung von Kindheit und Erwachsenendaseins. Nicht nur in Werbespots sondern auch allgemein im Fernsehen und in anderen Medien kann man Beispiele zur Unterstützung dieser These finden. Es lassen sich auch Ausprägungen des Denkansatzes erkennen, wenn man auf die Straße geht und die Kleidung von Erwachsenen und Kindern vergleicht. Welche gravierenden Unterschiede kann man feststellen, abgesehen von der Größe? Kleine Mädchen tragen heutzutage auch schon Lackschuhe, Miniröcke oder Blusen – genau wie Jugendliche oder im auffälligsten Fall wie ihre Mütter. Denn welche Frau gibt heutzutage noch gern ihr wahres Alter preis. Schönheit und Jugend sind in unserer heutigen Kultur Schönheitsideale Nummer Eins.

Aber ist es nur die Kleidung, die den Unterschied zwischen Kindern und Erwachsenen geringer werden lässt? Auch Verhaltensweisen haben sich geändert. Erwachsene wollen jung bleiben und ein wichtiges Indiz hierfür ist ‚Spaß haben‛. Man könnte dies gleichsetzen mit ‚sich kindlich benehmen‛. Bei den Kindern ist es das genaue Gegenteil. Nach Beobachtungen von Schauspielern im Kindesalter kann man erkennen, dass die Kinder als ‚süß‛ wirken, die sich altklug und vernünftig verhalten. Es findet kulturell eine Zueinanderbewegung von Erwachsenen- und Kindesalter statt.

Aus den von mir genannten Beispielen geht jedoch nur hervor, dass die Erwachsenen alles dafür tun, jung zu bleiben und ihre Kinder ihnen anzupassen, indem sie die Kleinen entsprechend anziehen und ihnen Sprüche beibringen, die Erwachsene im Alltag verwenden. Welche Indizien gibt es dafür, dass Kinder sich auch selbst an die Erwachsenenwelt annähern?

Eine zentrale Auffälligkeit besteht darin, dass Kinder sich für die Erwachsenenwelt interessieren. Und zwar nicht in dem Sinne, dass sie durch Beobachtungen von ihnen lernen, wie es im Kleinkindalter der Fall war, sondern eher in die Richtung, dass sie sich für die gleichen Themen interessieren. Das fängt bereits bei der Auswahl des Fernsehprogramms an. Hier haben Kinder den uneingeschränkten Zugang zu allen Informationen, die auch die Erwachsenenwelt bewegen. Besonders aus diesem Grund kann das Gleichgewicht zwischen den Generationen gefährdet werden, weil die Kinder die Erwachsenen in ihrer Rolle nicht mehr ernst nehmen, weil sie bereits viel über das Leben als Erwachsene wissen. Daher sollte dieses Thema besonders für Eltern interessant sein, da sie vielleicht Handlungen und Verhaltensweisen ihrer Kinder besser verstehen und nachvollziehen werden.

Die Frage, ob sich Kinder selbstständig für das Erwachsenenprogramm interessieren und es auch konsumieren, werde ich in dieser Arbeit behandeln. Die Auseinandersetzung mit dem Thema findet zum Einen mit Hilfe wissenschaftlicher Literatur statt, zum Anderen durch eine empirische Erprobung, die ich selbst durchgeführt habe. Um ein umfassendes Bild zu bekommen, habe ich auch Daten erhoben, die allgemein mit der Freizeitgestaltung der Kinder zusammenhängen. Zusätzlich habe ich Verhaltensweisen im Umgang mit dem Medium Fernsehen und Daten zur Nutzung anderer Medien abgefragt.

Der Aufbau der Arbeit ist wie folgt gegliedert. Zu Beginn werde ich den Stand der Forschung darlegen und gleichzeitig mein Themengebiet von den allgemeinen Inhalten der Thematik ‚Fernsehen‛ abgrenzen und erläutern. Im Anschluss werde ich auf meine gewählte Strategie bei der Erarbeitung von Informationen zum Thema eingehen und an dieser Stelle auch die Vorgehensweise bei der Erstellung des Fragebogens beschreiben, sowie den Fragebogen vorstellen. Nach der Methodik werde ich den theoretischen Rahmen dieser Arbeit präsentieren und sie in den historischen Kontext einbauen, der aus später erwähnten Gründen von Bedeutung sein wird. In diesem Teil werde ich auch auf bestimmte Vorlieben der Kinder eingehen, die für die eigentliche These von Bedeutung sind und im empirischen Teil der Arbeit noch einmal ergänzend aufgenommen werden.

Der Teil der Arbeit, indem ich meine Ergebnisse aus der empirischen Erhebung vorstelle, beginnt mit den allgemeinen Freizeitbeschäftigungen der Kinder, um den Stellenwert des Fernsehens in der Freizeitplanung der Kinder zu verdeutlichen. Im Anschluss folgt eine Präsentation der meist gesehenen Sendungen der Kinder. Darauf aufbauend werde ich die konsumierten Erwachsenensendungen näher erläutern. Um einige später genannte Gründe aus der Theorie zu überprüfen, werden beispielsweise die Sehdauer und die Geräteausstattung der Kinder mit meinen empirischen Funden verglichen. Um dann abschließend noch einen allgemeineren Blick über das Thema zu bekommen und das Medium Fernsehen mit anderen Medien zu vergleichen, werde ich noch einige Nutzungshäufigkeiten der übrigen Medien vorstellen.

Die Ausarbeitung soll abschließend in einem gebündelten Fazit münden.

2. Stand der Forschung

Das Thema ‚Fernsehen‛ ist ein sehr intensiv und differenziert erforschtes Gebiet. Seit der Entstehung des Mediums bis in die Gegenwart findet man Literatur, die sich zu unterschiedlichen Inhalten mit dem Fernsehen auseinandersetzen. Viele verschiedene Interessengruppen haben in diesem Bereich Untersuchungen angestellt, daher ist die Auswahl an Quellen sehr reichhaltig. Wissenschaftler aus unterschiedlichen Gebieten der Wissenschaft haben sich mit der Thematik befasst, unter anderem Baacke, Luhmann und Postman. Vor circa 30 Jahren kamen die Intentionen der privaten Fernsehsender hinzu, die Interesse daran hatten und noch haben ihr Publikum und dessen Vorlieben zu erforschen. Jedoch auch staatliche und kirchliche Institutionen haben Motivation an diesem Thema zu arbeiten und publizieren themenbezogene Bücher. Es gibt daher ein breites und umfangreiches Spektrum an wissenschaftlicher und nichtwissenschaftlicher Literatur.

Wenn man aber das vielseitige Thema ‚Fernsehen‛ auf den Bereich reduziert, der für diese Ausarbeitung relevant ist, verringert sich die Auswahl um ein Vielfaches, speziell weil ich mich auf relativ aktuelle Literatur beziehen muss, da das Thema in der Gegenwart ein anderes Gewicht bekommen hat als früher. Besonders wegen der Schnelllebigkeit des Mediums und der damit zusammenhängenden ständigen Veränderung der Programme und Programm-formate. Spezifisch auf meinen Themenbereich bezogen, sind mir keine Autoren und keine Literatur bekannt, die sich ausschließlich mit der Problemstellung beschäftigen, dass Kinder sich Fernsehsendungen aus dem Erwachsenenprogramm ansehen. Man findet dieses Phänomen jedoch recht häufig im Zusammenhang mit Kinder und Medien. Wenn man hingegen einen Ausschnitt aus dem Gesamtbild der Literatur zum Thema Kinder und Fernsehen betrachtet, kann man bei unterschiedlichen Autoren und in unterschiedlichen Quellen Parallelen erkennen, die man auf das hier thematisierte Problem anwenden kann. Praktische Belege dafür, dass Kinder Sendungen aus dem Erwachsenenfernsehen konsumieren, gibt es. Die Gründe für dieses Verhalten sind aber relativ schwer ausfindig zu machen. Empirische Untersuchungen, wie Interviews oder andere qualitative Erhebungen, die Aufschluss geben könnten, sind mir nicht bekannt. Der theoretische Hintergrund dieser Arbeit stammt daher aus pädagogischen und soziologischen Werken und nicht aus konkreten medienpädagogischen Studien.

Alles in allem kann man sagen, dass über das Thema ‚Fernsehen‛ viel geschrieben und diskutiert wurde und immer noch wird. Und das nicht nur aus wissenschaftlicher Sicht, sondern auch von Eltern, LehrerInnen, ErzieherInnen und zum Teil auch von den Kindern selbst. Der Themenbereich rund um das Fernsehprogramm, was sich Kinder wirklich ansehen, scheint allerdings allgemein nicht von großem Interesse zu sein.

3. Methodisches Vorgehen:

Aus unterschiedlichen Gesprächen mit Kindern im Grundschulalter habe ich entnommen, dass Fernsehen im Vergleich zu anderen Medien einen höheren Stellenwert in der kindlichen Alltagswelt einnimmt. Man konnte während der Gespräche auch bemerken, dass die Nutzung sich nicht nur auf das Kinderprogramm bezieht, sondern auch Interesse für das Erwachsenen-programm besteht. Nach intensiver Suche in der Fachliteratur und im Internet findet man Bestätigung für diese Beobachtung, jedoch keine theoretische Erhärtung dieser Behauptung. Um Klarheit darüber zu bekommen, ob und in wieweit diese Tendenz der Kinder vorhanden ist, habe ich eine empirische Untersuchung durchführt.

Wenn man Kinder im Alter von neun bis elf Jahren nach ihrem Fernsehverhalten befragen möchte, ist es von Vorteil, wenn die Datenerhebung einfach und kindgerecht gestaltet ist. Außerdem sollten in relativ kurzer Zeit viele Kinder gleichzeitig befragt werden können, da eine Grundschule, in der die Befragung stattfindet, nicht mehrere Stunden des Unterrichts für Befragungen bereitstellen kann. Aus den genannten Gründen habe ich einen Fragebogen entwickelt. Diese Befragungsmethode ist schnell durchführbar und alle Kinder können gleichzeitig daran arbeiten. Außerdem bietet dieses Verfahren auch Vorteile in Bezug auf den Datenschutz, der in der heutigen Zeit besonders wichtig ist. Die Fragebögen wurden von den Kindern anonym ausgefüllt und die von mir erstellten Elternschreiben bezüglich der Einwilligung, dass die Schülerinnen und Schüler an der Befragung teilnehmen dürfen, wurden durch die Lehrerinnen verteilt und wieder eingesammelt. Daher bin ich während der gesamten Erhebungszeit nie mit den vollständigen Namen der Kinder in Berührung gekommen.

Die Methode des Fragebogens bietet eine zusätzliche positive Handhabe. Es können geschlossene Fragen gestellt werden, die ein klares Ergebnis bringen. Das bedeutet, man stellt zu den gestellten Fragen Antwortmöglichkeiten zur Verfügung, zwischen denen sich die Kinder entscheiden sollen. Geschlossene Fragen können in diesem Fall genutzt werden, weil ich und auch die Kinder sehr gut über das Thema bescheid wissen, daher kann man bei der Faktenabfrage ein sehr eindeutiges Ergebnis erwarten (vgl. Kirchhoff 2008: 20). Im Übrigen sind Fragen mit Antwortmöglichkeiten für Kinder meist leichter zu beantworten, als offen gestellte Fragen. Ein Nachteil ist jedoch die dadurch entstehende Einschränkung.

Diese Annahmen wurden auch in den von mir durchgeführten Testläufen bestätigt. Es wurden vier aufeinanderfolgende Vortests durchgeführt, die eine anschließende Evaluation zusammen mit dem Kind und eine Korrektur des Fragebogens nach sich zogen. Zwei Mädchen und zwei Jungen wurden befragt, um Verständnisprobleme bereits im Vorfeld auszuschließen und das Zeitfenster zu bestimmen, in dem der Test ausgefüllt werden sollte. Die Anforderungen an die Kinder waren in dieser ersten Testphase sehr komplex, weil sie wussten, dass sie von mir genau beobachtet wurden. Am Ende fand noch eine gemeinsame Reflexion statt, bei der die Kinder ihre Meinung über alle Bereiche des Fragebogens preisgeben konnten. Diese Phase war enorm wichtig, weil man den Fragebogen mit den Kindern zusammen am besten „operationalisieren“ (Kirchhoff 2008: 20) kann, denn niemand kann Begriffe für Kinder besser verständlich machen oder umformulieren als Kinder selbst. Nach der vierten Testphase war der Fragebogen soweit ausgereift, dass er von Grundschulkindern, je nach persönlicher Geschwindigkeit, in einem Zeitrahmen von 30 Minuten bis 45 Minuten ausgefüllt werden konnte.

Die Endversion des Fragebogens beinhaltet als Hauptteil drei Tabellen, mit insgesamt 130 regelmäßig wiederkehrenden Fernsehsendungen (meist Serien, die täglich gezeigt werden), die im Monat Mai 2009 von den Sendern Das Erste, ZDF, RTL, Sat1, Pro7, RTL II, Super RTL, Kabel 1, VOX und dem Kinderkanal (KIKA) in der Zeit von 12:00 Uhr bis circa 21:15 Uhr ausgestrahlt wurden. Die Fernsehsender WDR, Premiere/ Sky (Disney Channel) und Nickelodeon wurden aus unterschiedlichen Gründen aus der Befragung ausgelassen. Bei dem Westdeutschen Rundfunk handelt es sich um einen regionalen Fernsehsender, der nicht deutschlandweit empfangen werden kann und daher mit nationalen Studien zum Vergleich nicht heran gezogen werden kann. Premiere/ Sky (Disney Channel) erreicht nur ein eingeschränktes Publikum, weil es sich bei Premiere/ Sky um ein Bezahlfernsehen-Programm handelt. Nickelodeon wurde aus der Befragung gestrichen, weil es nicht von allen Haushalten empfangen wird, da sich der Sender auf einem hinteren Sendeplatz befindet. Weitere Sender wurden bereits im Voraus ausgeschlossen, weil sie nicht von großen Teilen der Bevölkerung konsumiert werden.

Das Kerngerüst des Fragebogens besteht aus drei Haupttabellen, die sich nur nach der Sendezeit der beinhalteten Sendungen unterscheiden. Um möglichst umfassend die Kinder- und Erwachsenensendungen der Fernsehsender der Bundesrepublik zu erfassen, habe ich anhand von Programmzeitschriften alle sich wiederholende Sendungen, im Zeitraum von 12 Uhr bis 21:15 Uhr, der genannten Sender gesichtet.

In den drei Tabellen sind 130 Fernsehsendungen der 10 Fernsehsender alphabetisch aufgelistet. Die Kinder sollen zu jeder Sendung eine der vier Antwortmöglichkeiten ankreuzen: „Kenne ich nicht“, „Kenne ich, aber gucke ich nicht“, „Gucke ich manchmal“ oder „Gucke ich oft“ (siehe Anhang: Fragebogen). Dieses Verfahren ist einfach zu verstehen, gerade für Kinder, die vielleicht noch nie einen Fragebogen ausgefüllt haben.

Die erste Tabelle, mit der Bezeichnung Mittagsprogramm, beinhaltet alle Sendungen von 12 Uhr bis 14 Uhr. Die zweite Tabelle umfasst die Sendungen aus dem Nachmittags-programm. Dieses ist definiert als der Zeitraum zwischen 14 Uhr und 18 Uhr. Die Tabelle ist jedoch in zwei Teile geteilt worden, um keine Monotonie während des Ausfüllens aufkommen zu lassen. Aus dem gleichen Grund wurde auch die Tabelle des Abendprogramms geteilt, die die Sendungen aus den Zeitraum von 18 Uhr bis circa 21:15 Uhr beinhaltet.

Diese „Frageskelette“ (Kirchhoff 2008: 26) sind farbig hinterlegt worden, das heißt jede zweite Zeile ist gefärbt, während die übrigen weiß bleiben. Dies soll hauptsächlich der Orientierung dienen, jedoch durch die bunten Farben auch ansprechender auf die Kinder wirken. Ansprechende Optik erleichtert die Erfassung bestimmter Fragen. Überdies zeigt die optische Gestaltung dem Befragten, ob er mir ‚die Mühen wert‛ ist und ich ihn als Subjekt ernst nehme, oder ihn nur als Objekt meiner Untersuchung betrachte (vgl. Kirchhoff 2008: 25). Den Ansporn konnte man an den Kindern bemerken, weil sie nach Aussage der Lehrerin in Bezug auf Farbkopien nicht verwöhnt seien.

Die bereits angesprochene möglicherweise auftretende Monotonie, die lange Tabellen zweifellos mit sich bringen, sollte unterbrochen werden, in dem die Faktenabfrage durch Meinungs-, Einstellungs-, und Häufigkeitsabfragen unterbrochen wird. Diese Art der eingeschobenen Fragen wurde nach übergeordneten Themen erstellt. Sie dienen hauptsächlich der Meinungs- und Verhaltensabfrage. Die erste eingeschobene Fragebatterie befindet sich zwischen der ersten und zweiten Haupttabelle und behandelt den Themenbereich Bücher und Büchergenres. Es wurde gefragt, ob gelesen wird und wenn ja, welche Genres hauptsächlich konsumiert werden. Dieser Themenbereich wird aber sehr klein gehalten, weil er zwar in das übergeordnete Thema der Freizeitbeschäftigung passt, jedoch mit dem Hauptthema des Fernsehkonsums nur in soweit zu tun hat, dass er als Konkurrent auftritt.

Anders ist das bei der nächsten eingeschobenen Fragebatterie. Sie befindet sich in der Schnittstelle der zweiten Tabelle und fragt nach dem Bezug der Kinder zu einem Fernsehsender. Es wird gefragt, ob Kinder einen Lieblingssender haben, welcher dieser ist und ob sie schon einmal mit ihm Kontakt aufgenommen haben, wie beispielsweise dessen Homepage besucht, oder an einem Gewinnspiel teilgenommen haben. Die nachfolgende eingeschobene Fragenliste beinhaltet auf Grund ihrer Länge drei Themen. Als erstes werden die Tätigkeiten am Computer abgefragt, dann die Häufigkeiten vom allgemeinen Medienkonsum und zuletzt erste Fragen zum Fernsehverhalten. Dieses Thema wird in der letzten Tabelle noch vertieft, die sich in der Schnittstelle des Abendprogramms befindet. Die Rahmung des Fragebogens, also die ersten und die letzten Fragen sind verhältnismäßig leicht zu beantworten. Die Einleitung in den Fragebogen übernimmt eine geschlossene Frage zum Thema Freizeitgestaltung, in dem das Fernsehen als eine mögliche Antwort auftaucht. Man sollte sich von acht Möglichkeiten für maximal drei entscheiden. Weitergeführt sollte die Frage nach der Geräteausstattung der Kinder beantwortet werden. Den Schlussteil des Fragebogens bildeten zwei offen gestellte Fragen nach der eigenen Meinung bezüglich der persönlichen Lieblingssendungen und der Überlegung nach dem Grund, warum man gerne fernsehe. Aus den vorhandenen Erkenntnissen über das Fernsehprogramm resultierend, war es nicht notwendig viele offene Fragen ohne jede Antwortmöglichkeit zu stellen. Nur bei der Meinungsabfrage waren Fragen ohne Standardisierung sinnvoll, um ein umfangreicheres Bild zu bekommen. Die demographischen Daten, die für die spätere Auswertung von besonderer Bedeutung sind, wurden im Schlussteil abgefragt.

Die Vorarbeit zu diesem Fragebogen war eine umfangreiche Literatur- und Internetrecherche, sowie einige qualitative Gespräche mit Kindern am Ende des Grundschulalters.

4. Theoretische Rahmung:

Der Kern dieser Arbeit besteht aus der Beantwortung zweier Fragestellungen. Die grundlegende Frage behandelt den Sachverhalt, ob sich ältere Grundschulkinder heutzutage überhaupt Sendungen aus dem Fernsehprogramm für Erwachsene bewusst aussuchen und ansehen. Diese Frage wird von empirischen Studien positiv beantwortet und durch meine eigene Erhebung, im sich anschließenden Teil 5. Empirische Erhebung, bestätigt und ergänzt. Es ist jedoch wichtig zuerst die theoretische Grundlage zu schaffen um bei der Auswertung der empirischen Erhebung die Ergebnisse interpretieren zu können. An diese Frage anknüpfend ergibt sich die weiterführende Fragestellung, warum Kinder sich für Erwachsenensendungen interessieren. Diese Frage soll im folgenden theoretischen Teil der Arbeit behandelt werden. Man kann jedoch bereits an dieser Stelle sagen, dass es keine theoretische Erhärtung dazu gibt, warum Kinder am Ende der Grundschulzeit dazu neigen, lieber Sendungen zu sehen, die für Erwachsene konzipiert wurden, als explizite Kindersendungen. In der Forschungsliteratur steht häufig geschrieben, dass eine Tendenz zum Erwachsenenfernsehen empirisch beobachtet wurde. Hierzu gibt es einige gedankliche Ansätze von verschiedenen Autoren, die versuchen, dieses Phänomen zu beschreiben und ursächlich zu erklären. Eine Auswahl dieser Begründungsideen werde ich im folgenden Text vorstellen.

Wenn man eine Antwort auf die Frage sucht, warum Kinder Interesse am Fernsehprogramm für Erwachsene haben, ist es wichtig, den historischen Kontext dieses Themas mit einzubeziehen, weil Kinder schon seit der Erfindung und Verbreitung des Mediums, Sendungen aus dem Erwachsenenprogramm sehen. Dieses Handeln hatte jedoch völlig andere Gründe, als es bei den heutigen „Medienkinder[n]“ (Baacke 1999: 100) der Fall ist. Aus diesem Grund werde ich kurz in die Anfänge des Kinderfernsehens einleiten, damit der Unterschied zum heutigen Medienkonsum der Kinder deutlich wird.

4.1 Die Geschichte des Kinderfernsehens

Fernsehsendungen für Kinder wurden erstmals 1939 ausgestrahlt und konnten nur in Berlin in sogenannten Fernsehstuben öffentlich empfangen werden. Nur wenige privilegierte Privatleute, zumeist Funktionäre der NSDAP, hatten Zugang zu diesen Fernsehstuben. Daher wurden die Sendungen auch nur von ihren Familien gesehen. Es handelte sich bei der ersten Kindersendung um eine gefilmte Sportstunde. (vgl. Kübler 2002: 108) „Ein Sportlehrer demonstriert zusammen mit Kindern, wie ‚sachgemäße Kindergymnastik‛ betrieben werden kann und muss, eine Betreuerin oder Moderatorin, damals noch getreu dem Kindergarten-Jargon ,Tante‛ genannt, führt ebenfalls vorbildhaft vor, wie Kinder sich sinnvoll (zu) beschäftigen (haben), was sie (zu) singen, (zu) rezitieren und (zu) spielen (haben)“ (Kübler 2002: 108).

Bis 1940 wurden hauptsächlich Ideen aus dem Hörfunk verfilmt und gesendet. Das Kasperletheater, das Märchenspiel, die Singstunde und die Kindergymnastik, sowie das gemeinsame Basteln und die Spielstunden hatten alle ihren Ursprung im Radio. Ab 1940 versuchte sich das Fernsehen an einer Eigenproduktion, die Jugendstunde genannt wurde. Es handelte sich hierbei um ein Fernsehspiel mit dem Namen Ali und die Lausejungs, dass schätzungsweise vierzig Mal wiederholt wurde. Fremdproduzierte Filme kamen zur Zeit des Dritten Reiches kaum ins Programm. Jedoch bediente man sich anerkannten literarischen Vorlagen. Märchen, wie etwa die Abenteuer des Till Eulenspiegels oder Max und Moritz wurden vorgelesen und auch mit Handpuppen oder Marionetten in Form eines Puppentheaters nachgespielt. Bis zur kriegsbedingten Einstellung des Fernsehprogramms im Jahre 1941 überwogen aus Kostengründen die einfachen Studiodarbietungen wie Kindergymnastik und Spiel- und Bastelanleitung. (vgl. Kübler 2002: 108-109)

Auch im deutschen Nachkriegsfernsehen ab 1951 gab es zu Beginn keine starken Veränderungen im Bereich der Programmauswahl. Es war zunächst wieder eine Mischung aus „Mitmachspielen, Kasperletheater, Schattenspielen, Basteln und Singen“ (Kübler 2002: 109). Sehen konnten dieses Programm aber auch nur wenige Kinder, weil die Zahl der angemeldeten Geräte 1953 erst bei einigen Tausend lag. Die Verbreitung war jedoch so rasant, dass schon 1954 der 100.000. Fernsehteilnehmer registriert wurde und bereits drei Jahre später die erste Million an angemeldeten Geräten überschritten war. Ab 1956 kamen neue Produktionen mit ins Programm, wie beispielsweise die Augsburger Puppenkiste. Es kam zu dieser Zeit jedoch immer noch sehr selten vor, dass die Filmkameras außerhalb der Studios filmten. Die alten Schemata blieben vorerst bestehen. (vgl. Kübler 2002: 109)

Wegen der rasanten Verbreitung des Mediums Fernsehen und der sich verbreitenden kommerziellen Kindermedien auf Film, im Comic und im Fernsehen, fühlte sich der Gesetzgeber in der Pflicht die vermutete Bedrohung der Familie abzuwenden. Das „Gesetz zum Schutz der Jugend in der Öffentlichkeit“ und das „Gesetz über die Verbreitung jugendgefährdender Schriften“ „sollen die ‚innerlich gesunden Familien‛ mit ‚rechtschaffen erzogenen Kinder[n]‛ schützen“ (Kübler 2002: 110). Diese Gesetze beinhalteten unter anderem, dass Kinder unter sechs Jahren der Kinobesuch verboten wurde und dass der Fernsehkonsum ähnlich reglementiert werden sollte. Die Fernsehsender verschoben daraufhin das Kinderprogramm in den publikumsarmen Nachmittag. Zum heimlichen „oder auch ‚unheimlichen‛“ (Kübler 2002: 110) Kinderprogramm wurde deshalb das werbefreundliche Vorabendprogramm zwischen 18 Uhr und 20 Uhr. In dieser Zeit liefen Abenteuer-, Krimi- und Familienserien, die mit viel Werbung umrahmt wurden.

Man kann bereits anhand dieses über 50 Jahre zurückliegenden Beispiels erkennen, dass schon um 1950/60 sich die Kinder Sendungen angesehen haben, die nicht für sie, sondern für eine im Alter fortgeschrittene Altersgruppe produziert wurden. (vgl. Kübler 2002: 110-112) Die Kinder zu dieser Zeit hatten keine andere Wahl, weil nur nachmittags Sendungen für ihre Altersgruppe gezeigt wurden und sie in den Abendstunden keine Auswahl- beziehungsweise Ausweichmöglichkeiten hatten. Wenn sie also auch abends fernsehen wollten und durften, konnten sie nur das Programm der Erwachsenen konsumieren.

4.1.1 Vergleich zur heutigen Situation der Kinder in Bezug auf das Fernsehen

Bis in die heutige Zeit hat sich das Fernseh- und Kinderprogramm enorm verändert und ausgeweitet. Viele Sender zeigen bereits früh morgens an den Wochenenden Kinder-sendungen. Außerdem gibt es sogar mehrere spezielle Sender nur für Kinder (wie Kinderkanal, Nickelodeon und Super RTL), die von morgens 6 Uhr bis abends 20 Uhr nur Kindersendungen ausstrahlen. Ab 20 Uhr gibt es heutzutage viele Familiensendungen, die sehr auf die Interessen und Bedürfnisse von Kindern eingehen. Besonders die ‚Kindersender‛ haben da ein ausgedehntes ‚Familien-Abendprogramm‛.

Auch die Anzahl der Fernsehgeräte ist weiter gestiegen. Viele Haushalte sind mit Zweit- oder sogar Drittgeräten ausgestattet, sodass nahezu jedes Familienmitglied die Möglichkeit hat, sein eigenes Fernsehprogramm zu bestimmen. (vgl. Kunkel 1998: 118) Viele Grund-schülerInnen haben auch schon ein eigenes Fernsehgerät in ihrem Kinderzimmer stehen. Diese These wurde von mir bereits empirisch überprüft und das Ergebnis wird im Kapitel meiner empirischen Erprobung vorgestellt. (siehe Kapitel 5.2.4 Graphik 23)

Die 9-12 Jährigen haben ihre Hauptsehzeit von circa 18 Uhr bis 21 Uhr. Diese Sehzeiten kollidieren jedoch mit den Sehzeiten der Erwachsenen, die auch ab circa 19 Uhr vor dem Fernseher sitzen. (vgl. Baacke u. a. 1997: 227) Die Fernsehsender legen ihr Hauptaugenmerk darauf, für sie selbst interessante Konsumentengruppen anzusprechen. Am Abend ist es am effektivsten, sich an den Erwachsenen zu orientieren, weil man Kinder mit dem Familienprogramm ansprechen kann, Erwachsene jedoch nicht mit einem Kinderprogramm am Abend. Den Kindern fehle in dieser Hinsicht einfach die Lobby, so Erlinger. (vgl. Erlinger u. a. 1995: 431) Das bedeutet, dass es heutzutage am Abend für Kinder auf den Kinder-sendern ein ‚Familienprogramm‛ angeboten wird, jedoch auf den übrigen Sendern, Programme für Erwachsene gezeigt werden.

Der gravierende Unterschied zur früheren Kindergeneration besteht also darin, dass heutige Grundschülerinnen und Grundschüler oft frei darüber entscheiden können, womit sie sich beschäftigen wollen, weil sie zum Einen nahezu uneingeschränkten Zugang zum Medium Fernsehen haben, besonders wenn sie einen eigenen Fernseher haben und zum Anderen, weil es ein wesentlich größeres Spektrum an Angeboten gibt. (vgl. Schmidbauer 2000: 71)

4.2 Programmvorlieben von Kindern und die Gründe dafür

„Groß ist das Angebot an Fernsehsendungen für Kinder, noch größer ist das Angebot an Sendungen, die bei Kindern beliebt sind.“ (Baacke 1997: 8) Dieser Satz beschreibt das Phänomen um die Programmauswahl der GrundschülerInnen sehr treffend, denn Kinder sehen sich nicht nur Sendungen an, die für sie gemacht wurden. Man kann hierbei auch vom expliziten und impliziten Kinderprogramm sprechen. Unter dem expliziten Kinderprogramm versteht man alle Arten von Sendungen, die vom Sender als Kinderprogramm beschrieben werden und die für eine bestimmte Altersstufe von Kindern hergestellt wurden. Das implizite Kinderprogramm besteht zum Einen aus dem expliziten Kinderprogramm und zusätzlich aus Sendungen des gesamten ausgestrahlten Programmangebots, für die sich Kinder interessieren und die sie häufiger konsumieren (Erwachsenensendungen).

Nach empirischen Erhebungen und Interviews mit Kindern kann man dieses implizite Kinderprogramm näher eingrenzen. In der Dokumentation Kinder und Fernsehen in Deutschland von Schmidbauer veröffentlicht, wurde von Bauer festgestellt, dass die 6-13 jährigen Kinder am liebsten Zeichentrickfilme, Abenteuer-, Quiz- oder Showsendungen und Spielfilme sehen. (vgl. Bauer in: Schmidbauer 2000: 70-71) Also Sendungen, die sowohl für Kinder, als auch für Erwachsene produziert wurden. Man sollte meiner Meinung nach die hier verwendete Altersspanne in Bezug auf die Programmauswahl des Kindes nicht so weit fassen, wie Bauer es in diesem Fall gestaltet hat, da bereits nur wenige Jahre Unterschied im Kindesalter einen starken Fortschritt an Entwicklung darstellt. „Je älter die Kinder werden, umso weniger scheint das explizite Kinderprogramm ihren Fernsehwünschen zu entsprechen“ (Basic u.a. in: Schmidbauer 2000: 121).

Für die Vorschulkinder und die jüngeren Grundschulkinder scheint das explizite Kinderprogramm noch zufriedenstellend zu sein. Ältere Grundschulkinder tendieren dagegen eher zum impliziten Kinderprogramm, sowohl aus Gründen, die die Unterhaltung betreffen, als auch wegen der Informationen. Dort scheinen sie eher etwas zu finden, dass zu ihrer Alltagswelt und persönlichen Verfassung passt. (vgl. Schmidbauer 2000: 121)

Es gibt aber nicht nur Altersunterschiede, die in Bezug auf die Programmauswahl eine Rolle spielen; der geschlechtsspezifische Unterschied ist oft größer als der Altersspezifische (vgl. Baacke 1997: 284). Jungen mögen gewaltbetonte Serien und interessieren sich für kämpferische und actionreiche Auseinandersetzungen. Sie haben auch eine Vorliebe für Kampfgemeinschaften (zum Beispiel das A-Team oder Vier Freunde). „Einzelkämpfertum mit Zauberkräften ist nur einigen kleinen Jungen recht; den Älteren ist es unglaubwürdig“ (Schmidbauer 2000: 96). Außerdem erkennt man, je älter die Jungen werden, desto wichtiger ist die technische Ausstattung der Kämpferteams. Nach Schmidbauer seien es „raffinierte und futuristische Waffensysteme“ in Symbiose zu ihren tapferen Helden, welche den Jungen am Ende der Grundschulzeit besonders gut gefallen würden. (Schmidbauer 2000: 96-98)

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Details

Titel
Sehen sich GrundschülerInnen Sendungen aus dem Fernsehprogramm der Erwachsenen an?
Untertitel
Eine empirische Untersuchung zum Fernsehkonsum von 9- bis 12-Jährigen
Hochschule
Universität Bielefeld
Note
1,2
Jahr
2009
Seiten
51
Katalognummer
V1139763
ISBN (eBook)
9783346515261
ISBN (Buch)
9783346515278
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Medienkonsum, Fernsehen, Kinder, Grundschule
Arbeit zitieren
Anonym, 2009, Sehen sich GrundschülerInnen Sendungen aus dem Fernsehprogramm der Erwachsenen an?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1139763

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