Inversion christlicher Symbole im Satanismus

Von Symbolen des Bösen und ihrer antithetischen Herkunft


Hausarbeit, 2008

15 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Gliederung

1. Einführung

2. Symbole und ihre Bedeutung im Christentum und im Satanismus

3. Das lateinische Kreuz und sein inverses Spiegelbild
3.1 Das christliche Kreuz
3.2 Das Petruskreuz
3.3 Das inverse Kreuz

4. Die apokalyptische Zahl 666
4.1 Biblischer Hintergrund
4.2 Satanistische Übernahme

5. Satanismus: Eine Spiegelreligion?

7. Bibliographie

1. Einführung

In den Lehren des Neuen Testaments wird ein dualistisches Bild von Gott und Satan entworfen: Als Gegenspieler Gottes wird der Teufel zum Verursacher von Tod, Sünde und Irrlehren erklärt.[1] Wenn Gott und Satan als konträre Pole postuliert werden, so erscheint es offenkundig, dass ein Symbol für den einen Pol in seiner Umkehrung auf den anderen Pol verweist. Die vorliegende Arbeit möchte zwei der bekanntesten satanistischen Symbole – das inverse Kreuz und die Zahl 666 – auf ihre christlichen Ursprünge hin untersuchen. Mit Rückblick auf die These, dass von einer Inversion der christlichen Symbolik im Satanismus angegangen werden kann, soll eruiert werden, ob der Satanismus zugleich als Spiegelreligion des Christentums zu betrachten ist.

Satanismus bildet einen weiten, unscharfen Begriff. In der hiesigen Arbeit soll der Vielfalt halber keine Einschränkung auf nur einen Teilaspekt des Satanismus erfolgen. So wird gleichwohl historischer als auch moderner Satanismus in der Untersuchung analysiert. Der Schwerpunkt liegt jedoch im Allgemeinen auf dem reaktiven, paradigmatisch konformen und dem autarken, sekundär achristlichen Satanismus – als zwei extrem unterschiedliche Spielarten des Satanismus.[2] Zu erwähnen ist weiterhin, dass eine profunde Abhandlung satanistischer Symbolgeschichte bisher noch nicht vorliegt. Die folgende Analyse kann im Bereich des Satanismus nur den Versuch leisten, eine Symbolgeschichte zu umreißen, da die Fäden beizeiten abreißen. Die auftretenden Lücken und Ungereimtheiten sind indessen selbst Aussage über das Sujet: Ein Satanismus der unzählige Formierungen und Deformierungen – von projiziertem über konformen bis zu expliziten Satanismus –, dessen subkultureller Charakter eine Überlieferung erschwert und dessen mediale Präsentation vielfach das Bild nicht präzisiert sondern verfälscht hat, kann eine stringente Symbolgeschichte schwerlich liefern.

2. Symbole und ihre Bedeutung im Christentum und im Satanismus

Bevor der Blickwinkel auf konkrete Symbole gerichtet werden soll, ist es dienlich zunächst den Symbolbegriff anzureißen und die Bedeutung von Symbolen gemeinhin im Christentum als auch im Satanismus zu ermitteln. Das Wort „Symbol“ stammt von dem griechischen Wort „symballein“ ab und bedeutet „zusammenwerfen“, bzw. „zusammenfügen“.[3] Gemäß einem griechischen Brauch zerbrachen Gastfreunde Schiefertafeln, Ringe oder Würfel und gaben einander zwecks späterer Wiedererkennung eine der abgebrochenen Scherben.[4] Diese fungierten als Ausweise für die Nachfahren, indem überprüft werden konnte, ob eine Scherbe in den Bruchrand der anderen passte.

Wie diese Scherben referieren Symbole auf eine zweite Hälfte, mit der sie zusammengefügt etwas Ganzes erschließen:[5] Etwas Konkretes trifft mit einer Realität höher Ordnung zusammen, so dass eine Bedeutung offenbart wird.[6] Infolge der Ähnlichkeit zwischen dem Symbol und dem Symbolisierten kann Geistiges vergegenwärtigt werden. Durch die Entcodierung eines Symbols erschließen sich dem Betrachter eine Reihe von Assoziationen und Vorstellungen, es werden gleichsam Informationen vermittelt und Emotionen hervorgerufen.[7] Symbole lassen sich in Ursymbole, Allegorien und verweisende Zeichen differenzieren.[8] Während der Verweischarakter auf die Bedeutung bei Ursymbolen so evident ist, dass er von den Menschen aller Rassen, Kulturen und Religionen erfasst werden kann, sind die Allegorien durch reine Setzung des menschlichen Geistes bestimmt und ohne Vorkenntnisse unentschlüsselbar. Verweisende Zeichen unterdessen bewegen sich zwischen den konträren Polen der Ursymbole und Allegorien. In der vorliegenden Arbeit werden die christlichen Symbole Kreuz und Petruskreuz – als verweisende Zeichen – sowie die Zahl 666 – als Allegorie – untersucht. Für den hiesigen Kontext wichtig zu eruieren ist des Weiteren, welche Funktionen Symbole im Christentum und im Satanismus erfüllen. Heilige Symbole im Christentum bezwecken in ihren tiefgründigen Bedeutungen, die Grundsätze und Überlieferung des Glaubens zu sichern.[9] Sie sind als Instrumente der Anbetung zu begreifen, die den Glauben zu konzentrieren und fördern gedenken. Satanisten bedienen sich ebenfalls seit jeher eines starken Symbolismus.[10] Die gängigsten satanistischen Zeichen sind dem Okkultismus, der Astrologie und in inverser Form dem Christentum entnommen.[11] So wurde rituell in den traditionellen Schwarzen Messen das Christentum karikiert, indem christliche Symbole ihrem Sinn widersprechend verwendet oder umgekehrt wurden.[12] Okkulte Symbole dienten weiterhin dem Zweck, den Teufel in satanistischen schwarzmagischen Praktiken zu beschwören.

3. Das lateinische Kreuz und sein inverses Spiegelbild

3.1 Das christliche Kreuz

Das religiös-existentielle Kreuz-Symbol ist nachweisbar mehr als zweihunderttausend Jahre alt.[13] An dieser Stelle muss davon abgesehen werden, eine ganzheitliche Symbolgeschichte des Kreuzes zu erörtern. Stattdessen beschränkt sich die Analyse auf die Darstellung des christlichen Kreuzes und dessen geläufigste Symboliken. Dieses gilt als weit verbreitetes Zeichen der Christenheit.[14] Als seine historische Form besteht das lateinische Kreuz. Bei diesem ist der Querbalken kürzer als der Längsbalken und nach oben verschoben.[15] Seine Bedeutung leitet sich aus dem biblisch überlieferten Kreuztod Christis ab. Der als Mensch inkarnierte Gott soll den Zyklus des menschlichen Daseins durchlaufen haben, um die Menschen durch seinen Tod von ihren irdischen Fesseln zu befreien.[16] Das Kreuzsymbol verweist nicht nur auf das Hinrichtungswerkzeug Jesu, sondern primär auf die Überwindung des Todes, die sich in der Auferstehung manifestiert.[17] Es ist somit Symbol für das ewige Leben und den Triumph über den Tod.

Des Weiteren versinnbildlicht das Kreuz durch seine vertikale und horizontale Ausrichtung die Vereinigung der Gegensätze, die seit dem Sündenfall und der Vertreibung aus dem Paradies das ursprüngliche Verhältnis zwischen Gott und dem Menschen prägen:[18] Die Horizontale steht für die Materie, das Irdische, die vertikale Linie deutet auf das Göttliche. Ihre Schnittstelle ist Kraftpunkt, aus dem sich die Welt in die verschiedenen Himmelsrichtungen entfaltet. Das Kreuz ist gleichsam Symbol für die Qualen, die Jesus Christus im Sterben erleiden musste, die Erlösung des Menschen und die Überwindung der dualen Weltsicht. Ungeachtet der Polyvalenz des Kreuzsymbols wird das lateinische Kreuz von Anhängern des Christentums verwendet, um die Zugehörigkeit zu dieser Religion zu bekennen:[19] So finden sich Kreuzesdarstellungen in Kirchen, auf Bibeln, Schmuckstücken und Gräbern. Die Form des Kreuzes äußert sich des Weiteren in dem Segensgestus und beim Sichbekreuzigen.[20]

[...]


[1] Schmidt 2003 S.24

[2] Kategorien entnommen von Schmidt 2003 S.10f.

[3] Kirchhoff 1985 S.9

[4] Forstner 1977 S.13

[5] Kirchhoff 1985 S.9

[6] Forstner 1977 S.13

[7] Gibson 2000 S.7

[8] Kirchhoff 1985 S.10f.

[9] Gibson 2000 S.21

[10] ebd. S.65

[11] Vgl. Jaeger & Pletsch 2002 S.19-22

[12] Gibson 2000 S.65f.

[13] Baudler 1997 S.345

[14] Herrmanns 1988 S.14

[15] Becker 1998 S.155

[16] Bauer & Dümotz & Golowin 2004 S.201

[17] Biedermann 1998 S.250

[18] Bauer & Dümotz & Golowin 2004 S.203

[19] Bihler 1994 S.241

[20] Becker 1998 S.156

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Inversion christlicher Symbole im Satanismus
Untertitel
Von Symbolen des Bösen und ihrer antithetischen Herkunft
Hochschule
Universität Siegen  (Romanische Literaturwissenschaft - Hispanistik und französische Literatur )
Veranstaltung
Das Böse
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
15
Katalognummer
V113982
ISBN (eBook)
9783640142958
ISBN (Buch)
9783640143429
Dateigröße
473 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Inversion, Symbole, Satanismus, Böse, Kreuz, 666, Spiegelreligion, Symbolik, Petruskreuz
Arbeit zitieren
Laura Dorfer (Autor), 2008, Inversion christlicher Symbole im Satanismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113982

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