[...] Satanismus bildet einen weiten, unscharfen Begriff. In der hiesigen Arbeit soll der Vielfalt halber keine Einschränkung auf nur einen Teilaspekt des Satanismus erfolgen. So wird gleich-wohl historischer als auch moderner Satanismus in der Untersuchung analysiert. Der Schwerpunkt liegt jedoch im Allgemeinen auf dem reaktiven, paradigmatisch konformen und dem autarken, sekundär achristlichen Satanismus – als zwei extrem unterschiedliche Spielarten des Satanismus. Zu erwähnen ist weiterhin, dass eine profunde Abhandlung satanistischer Symbolgeschichte bisher noch nicht vorliegt. Die folgende Analyse kann im Bereich des Satanismus nur den Versuch leisten, eine Symbolgeschichte zu umreißen, da die Fäden beizeiten abreißen. Die auftretenden Lücken und Ungereimtheiten sind indessen selbst Aussage über das Sujet: Ein Satanismus der unzählige Formierungen und Deformierungen – von projiziertem über konformen bis zu expliziten Satanismus –, dessen subkultureller Charakter eine Überlieferung erschwert und dessen mediale Präsentation vielfach das Bild nicht präzisiert sondern verfälscht hat, kann eine stringente Symbolgeschichte schwerlich liefern.
Gliederung
1. Einführung
2. Symbole und ihre Bedeutung im Christentum und im Satanismus
3. Das lateinische Kreuz und sein inverses Spiegelbild
3.1 Das christliche Kreuz
3.2 Das Petruskreuz
3.3 Das inverse Kreuz
4. Die apokalyptische Zahl 666
4.1 Biblischer Hintergrund
4.2 Satanistische Übernahme
5. Satanismus: Eine Spiegelreligion?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht zwei zentrale Symbole des Satanismus – das inverse Kreuz und die Zahl 666 – hinsichtlich ihrer christlichen Ursprünge und ihrer Bedeutungsumkehrung. Dabei wird erörtert, ob der Satanismus in seiner Gesamtheit als eine bloße Spiegelreligion des Christentums verstanden werden kann oder ob moderne Strömungen eine eigenständige religiöse Identität entwickelt haben.
- Analyse der Symbolgeschichte und Bedeutung von Symbolen im christlichen und satanistischen Kontext.
- Untersuchung des lateinischen Kreuzes und seiner inversen Verwendung als satanistisches Symbol.
- Erörterung des biblischen Hintergrunds und der Rezeption der apokalyptischen Zahl 666.
- Differenzierung zwischen historischem, reaktivem Satanismus und modernem, achristlichem Satanismus.
- Kritische Reflexion der These des Satanismus als "Spiegelreligion".
Auszug aus dem Buch
Das inverse Kreuz
Das Symbol des auf den Kopf gestellten lateinischen Kreuzes referenziert gegenwärtig nur noch in theologisch aufgeklärten Kreisen auf die Kreuzigung des Apostel Petrus. Hingegen wird es nunmehr von der breiten Öffentlichkeit als antichristliches sowie satanistisches Symbol begriffen. Der historische Ursprung hierfür findet sich in den Schwarzen Messen im 17. Jahrhundert. In diesen die christliche Messe pervertierenden und karikierenden rituellen Praktiken wurden schwarzmagische Handlungen ausgeübt. Die Entweihung der römisch-katholischen Messe wurde insbesondere durch die Umkehrung der christlichen Kulthandlungen gefrönt: Rückwärtslesen der Messtexte, Verbrennen und Schänden der Hostie, Schlagen und Bespucken des Abbild Christi sowie das Auspeitschen oder Umdrehen des Kreuzes bzw. Kruzifixes. Es finden sich in der Ausübung der Schwarzen Messen zu jener Zeit in den verschiedenen Gruppierungen Unterschiede im Ritual. Im Folgenden sollen diejenigen Praktiken vorgestellt werden, in denen das kultische Element des Kreuzes von besonderer Bedeutung war. Hierbei ist zu erwähnen, dass das Kreuz in umgedrehter Form nur in Einzelfällen verwendet wurde und erst im modernen Satanismus zu einem der einflussreichsten Symbole hochstilisiert wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Das Kapitel stellt die dualistische Gegenüberstellung von Gott und Satan dar und formuliert die Forschungsfrage, ob der Satanismus als Spiegelreligion des Christentums fungiert.
2. Symbole und ihre Bedeutung im Christentum und im Satanismus: Es werden der Ursprung des Symbolbegriffs sowie die unterschiedlichen Funktionen religiöser Zeichen im Christentum und Satanismus theoretisch erarbeitet.
3. Das lateinische Kreuz und sein inverses Spiegelbild: Das Kapitel analysiert die christliche Bedeutung des lateinischen Kreuzes und des Petruskreuzes sowie deren rituelle Umkehrung im Satanismus.
4. Die apokalyptische Zahl 666: Hier wird der biblische Ursprung des Zahlensymbols in der Johannesoffenbarung untersucht und dessen Übernahme in die moderne satanistische Ideologie dargelegt.
5. Satanismus: Eine Spiegelreligion?: Das Kapitel diskutiert kritisch die gängige These des Satanismus als "Spiegelreligion" und unterscheidet dabei zwischen reaktiven und eigenständigen, achristlichen Spielarten.
Schlüsselwörter
Satanismus, Christentum, Symbole, Inversion, Kreuz, Petruskreuz, 666, Apokalypse, Schwarze Messe, Spiegelreligion, Aleister Crowley, Okkultismus, Gematrie, Antichrist, Ritualistik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Symbolgeschichte ausgewählter satanistischer Zeichen und deren Herkunft aus christlichen Kontexten.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Bedeutung von Symbolen, die Umkehrung christlicher Riten und die historische Entwicklung satanistischer Weltbilder.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Das Hauptziel ist zu klären, ob der Satanismus als eine abhängige "Spiegelreligion" des Christentums betrachtet werden kann oder als eigenständige Form existiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine symbolgeschichtliche und phänomenologische Analyse, ergänzt durch die Auswertung einschlägiger Literatur und historischer Quellen.
Welche Aspekte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert das inverse Kreuz, die apokalyptische Zahl 666 sowie die theoretische Unterscheidung zwischen reaktivem und explizitem Satanismus.
Welche Begriffe charakterisieren diese Arbeit am besten?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Symbolinversion, christliche Tradition, okkulte Riten und die Differenzierung religiöser Identitäten geprägt.
Warum wird das Petruskreuz im satanistischen Kontext häufig missverstanden?
Das Petruskreuz wurde ursprünglich im Gedenken an das Martyrium des Apostels Petrus genutzt, wird jedoch in der heutigen Öffentlichkeit meist als reines antichristliches Symbol fehlinterpretiert.
Welche Rolle spielt Aleister Crowley in diesem Kontext?
Aleister Crowley gilt als bedeutende Figur, die durch seine bewusste Identifikation mit der Zahl 666 maßgeblich zur Popularisierung dieses Symbols im modernen Satanismus beigetragen hat.
- Citation du texte
- Laura Dorfer (Auteur), 2008, Inversion christlicher Symbole im Satanismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/113982