Schulisches Schreiben ist eine große Herausforderung für Lehrkräfte und Lernende jeden Alters. Als fester Bestandteil des Rahmenlehrplans ist der Erwerb der Schreibkompetenz jedoch unumgänglich.
Das Schreiben selbst beinhaltet verschiedene Teilkompetenzen, auf welche in der Arbeit noch eingegangen wird. Im Zuge des Seminars Schreiben zu Literatur – Schreibdidaktik in Theorie und Praxis wurde gruppenweise eine Schreibaufgabe formuliert, welche von Lernenden der neunten Klasse bearbeitet wurde. In dieser Arbeit soll ein Schreibauftrag zu Peter Bichsels literarischer Kurzgeschichte Die Tochter hinsichtlich seiner Förderung von Schreibkompetenz untersucht werden. Dafür wird einleitend die Schreibkompetenz näher definiert. Anschließend werden einzelne literarische Kompetenzen nach Kaspar H. Spinner genauer betrachtet und die Schreibaufgabe in Hinblick auf die Förderung dieser Kompetenzen untersucht. Als Untersuchungsgrundlage dienen die Arbeitsergebnisse der Lernenden der neunten Klasse, sowie die von ihnen ausgefüllten Feedbackbögen.
Schreibaufträge dienen der Förderung literarischer Kompetenzen. Inwieweit fördert jedoch der Schreibauftrag zu Peter Bichsels Die Tochter die literarische Schreibkompetenz der Lernenden?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Schreibkompetenz
3 Entwicklung der Schreibkompetenz
4 Ziele von Unterricht und Schreibaufgaben
5 Literarische Kompetenzen nach Spinner
5.1 Subjektive Involviertheit und genaue Wahrnehmung miteinander ins Spiel bringen
5.2 Perspektiven literarischer Figuren nachvollziehen
5.3 Sich auf die Unabschließbarkeit des Sinnbildungsprozesses einlassen
6 Schreibauftrag zu Bichsels Die Tochter
7 Auswertung des Schreibauftrages in Hinblick auf die Kompetenzerfüllung
8 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit ein strukturierter Schreibauftrag zur Kurzgeschichte „Die Tochter“ von Peter Bichsel die literarische Schreibkompetenz von Lernenden der neunten Klasse fördern kann. Dabei wird analysiert, wie durch produktionsorientierte Aufgabenstellungen literarische Lernprozesse initiiert und die Schreibentwicklung unterstützt werden können.
- Definition und Entwicklung von Schreibkompetenz
- Handlungs- und produktionsorientierte Schreibdidaktik
- Literarisches Lernen nach Kaspar H. Spinner
- Rezeption und kreative Produktion im Literaturunterricht
- Analyse von Schülerfeedback zur Wirksamkeit von Schreibaufträgen
Auszug aus dem Buch
5.1 Subjektive Involviertheit und genaue Wahrnehmung miteinander ins Spiel bringen
Der erste hier betrachtete Aspekt ist, die subjektive Involviertheit und genaue Wahrnehmung miteinander ins Spiel zu bringen. Spinner bemerkt, dass die persönliche Referenz unabdingbar für literarisches Verstehen ist. Diese persönliche Referenz ist gleichzusetzen mit der subjektiven Involviertheit. Subjektivität dient als Grundlage für den objektiven Umgang mit literarischen Texten.
Das Wiederfinden subjektiver Strukturen in literarischen Texten, die Identifikation mit Figuren oder Situationen, eröffnet Einblicke in Aspekte, die auch die Eigenerfahrung der Lernenden überschreitet und somit erweiterte Selbsterkenntnis schafft (vgl. Literarisches Lernen: Spinner 8). Durch die Identifikation wird also die Selbstreflexion angeregt und gefördert - durch Verfremdung und Wiedererkennung literarischer Textelemente (vgl. ebd.). Spinner erwähnt, dass Forschungsergebnisse bereits beweisen konnten, dass dadurch wichtige Leseerfahrungen gemacht werden können, die literarisches Bewusstsein dahingehend erweiterten, dass einprägsame Momente geschaffen wurden. Das Auseinandersetzen mit dem literarischen Text, die aufmerksame Textwahrnehmung und die subjektive Involviertheit können sich wechselseitig steigern.
Zu erwähnen ist hier, dass diese Identifikation mit literarischen Textelementen von der Klassenstufe abhängig ist, in der sich die Lernenden befinden. In Grundschulen finden solche subjektiven Vergleiche deutlich angeleiteter statt. Die Lernenden werden oftmals aufgefordert, einen direkten Vergleich zwischen sich selbst und den Figuren des literarischen Textes zu ziehen, wohingegen dieser Vergleich in der Sekundarstufe weniger direkt stattfindet. Hier wird dieser Vergleich indirekt gefordert, subjektive Erfahrungen dienen hauptsächlich zur Erweiterung der Imagination des literarischen Textes (vgl. ebd). Die Wahrnehmungserweiterung der literarischen Elemente durch subjektive Involviertheit leitet zum zweiten hier betrachteten Aspekt über.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die Bedeutung des schulischen Schreibens dar und erläutert die Forschungsabsicht, den Schreibauftrag zu Peter Bichsels Kurzgeschichte auf seine Förderung literarischer Kompetenzen hin zu prüfen.
2 Schreibkompetenz: Dieses Kapitel definiert Schreibkompetenz als ein komplexes Geflecht aus sozialen, kommunikativen und sprachlichen Fähigkeiten, die sowohl technologische als auch semiotische und operative Dimensionen umfasst.
3 Entwicklung der Schreibkompetenz: Hier werden verschiedene didaktische Modelle zur Schreibentwicklung diskutiert, darunter kognitive, kommunikative sowie epistemisch-heuristische Ansätze und spezifische Schreibstrategien.
4 Ziele von Unterricht und Schreibaufgaben: Das Kapitel erläutert die Rolle des produktionsorientierten Literaturunterrichts und stellt das Phasenmodell nach Waldmann vor, welches als Grundlage für produktive Verfahren im Unterricht dient.
5 Literarische Kompetenzen nach Spinner: Dieses Kapitel führt die elf Aspekte des literarischen Lernens nach Kaspar H. Spinner ein, wobei drei spezifische Kompetenzen für die anschließende Analyse des Schreibauftrags detailliert definiert werden.
6 Schreibauftrag zu Bichsels Die Tochter: Es wird dargelegt, warum die Wahl der Kurzgeschichte „Die Tochter“ aufgrund ihrer Interpretationsspielräume und ihres Lebensweltbezugs besonders geeignet für Lernende der neunten Klasse ist.
7 Auswertung des Schreibauftrages in Hinblick auf die Kompetenzerfüllung: Dieses Kapitel analysiert die Arbeitsergebnisse der Lernenden und das Feedback, um zu beurteilen, inwieweit die gesetzten literarischen Lernziele erreicht wurden.
8 Fazit: Die abschließende Zusammenfassung bestätigt, dass der Schreibauftrag trotz des hohen Schwierigkeitsgrades des literarischen Textes die Schreibkompetenz der Lernenden wirksam fördert und motiviert.
Schlüsselwörter
Schreibkompetenz, Literarisches Lernen, Peter Bichsel, Die Tochter, Schreibdidaktik, Produktionsorientierung, Textrezeption, Sekundarstufe, Literaturunterricht, Kaspar H. Spinner, Schreibprozess, Schreibauftrag, Textanalyse, Selbstreflexion, Interpretationsfähigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie ein gezielter Schreibauftrag basierend auf einer literarischen Kurzgeschichte dazu beitragen kann, die Schreibkompetenz und das literarische Lernen bei Schülern der neunten Klasse zu fördern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Themenfelder umfassen die theoretischen Grundlagen der Schreibdidaktik, die Modelle literarischen Lernens nach Kaspar H. Spinner und die praktische Anwendung von produktionsorientierten Verfahren im Deutschunterricht.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, zu evaluieren, ob und wie der spezifische Schreibauftrag zu Peter Bichsels „Die Tochter“ die Schüler dazu befähigt, literarische Texte tiefergehend zu verstehen und sich aktiv mit ihnen auseinanderzusetzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Kombination aus theoretischer Fundierung durch einschlägige Fachliteratur (z.B. Wrobel, Spinner, Iser) und einer empirischen Auswertung von Schülerarbeitsergebnissen sowie Feedbackbögen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Definitionen von Schreibkompetenz, die Modelle zum literarischen Lernen und die konkrete didaktische Planung des Schreibauftrags inklusive einer anschließenden Analyse der Schülerergebnisse dargelegt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Schreibkompetenz, literarisches Lernen, Produktionsorientierung, Schreibdidaktik und die Analyse literarischer Texte im schulischen Kontext.
Warum wurde gerade die Kurzgeschichte „Die Tochter“ von Peter Bichsel als Grundlage gewählt?
Die Autorin wählte den Text aufgrund seiner hohen Interpretationsdichte, der „offenen“ Textstellen (Gaps) und des direkten Lebensweltbezugs, der für Neuntklässler besonders ansprechend und motivierend wirkt.
Welche Erkenntnisse lieferte das Feedback der Lernenden?
Die Lernenden gaben an, dass die stufenweise Aufgabenstellung ihnen half, den Text besser zu durchdringen. Zudem wurde die Möglichkeit, eigene Sichtweisen und Emotionen in die fiktiven Briefe einzubringen, als sehr positiv empfunden.
- Arbeit zitieren
- Annemarie Tippel (Autor:in), 2020, Förderung literarischer Kompetenzen durch Schreibaufträge. Anhand von Peter Bichsels "Die Tochter", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1140013