"Mach' ich morgen." Zusammenhang von Prokrastination und Persönlichkeitsmerkmalen

Eine empirische Untersuchung


Bachelorarbeit, 2021

79 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Prokrastination
2.1.1 Erklärungsansätze der Prokrastination
2.1.2 Formen und Folgen von Prokrastination
2.1.3 Maßnahmen zur Überwindung von Prokrastination
2.2 Persönlichkeit
2.2.1 Persönlichkeitstheorien
2.2.2 Das Big-Five-Model der Persönlichkeit
2.2.3 Selbstkontrolle
2.3 Forschungsstand und Ableitung der Hypothesen

3 Methode
3.1 Stichprobe
3.2 Untersuchungsdesign und -durchführung
3.3 Messinstrumente
3.4 Datenaufbereitung und statistische Verfahren

4 Ergebnisse
4.1 Reliabilität
4.2 Deskriptivstatistische Datenanalyse
4.3 Inferenzstatistische Prüfung der Hypothesen

5 Diskussion
5.1 Zusammenfassung und Interpretation der Ergebnisse
5.2 Stärken und Schwächen der Studie
5.3 Implikation für Forschung und Praxis
5.4 Fazit

6 Literaturverzeichnis

Anhang
A) Fragebogen
B) Abbildungen
C) Tabellen

II Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1..rten der Selbststeuerung (eigene Darstellung nach Beckmann & Beckmann- Waldenmayer, 2020, S. 450)

Abbildung 2..erteilung Prokrastination über die gesamte Stichprobe

Abbildung 3..erteilung Selbstkontrolle über die gesamte Stichprobe

Abbildung 4..erteilung Gewissenhaftigkeit über die gesamte Stichprobe

Abbildung 5..erteilung Extraversion über die gesamte Stichprobe

Abbildung 6..erteilung Offenheit für neue Erfahrung über die gesamte Stichprobe

Abbildung 7..erteilung Verträglichkeit über die gesamte Stichprobe

Abbildung 8..erteilung Neurotizismus über die gesamte Stichprobe

Abbildung 9..rüfung der Linearität der ersten Hypothese

Abbildung 10..rüfung der Linearität der zweiten Hypothese

Abbildung 11..rüfung der Linearität der dritten Hypothese

Abbildung 12..rüfung der Linearität der vierten Hypothese

Abbildung 13..rüfung der Linearität der fünften Hypothese

Abbildung 14..rüfung der Linearität der sechsten Hypothese

III Tabellenverzeichnis

Tabelle 2 Deskriptive Kennwerte Prokrastination

Tabelle 3 Deskriptive Kennwerte Selbstkontrolle

Tabelle 4 Deskriptive Kennwerte Gewissenhaftigkeit

Tabelle 5 Deskriptive Kennwerte Extraversion

Tabelle 6 Deskriptive Kennwerte Offenheit für neue Erfahrung _

Tabelle 7 Deskriptive Kennwerte Verträglichkeit

Tabelle 8 Deskriptive Kennwerte Neurotizismus_

Tabelle 10 Korrelation nach Bravais Pearson der ersten Hypothese (H1)

Tabelle 11 Korrelation nach Bravais Pearson der zweiten Hypothese (H2)

Tabelle 12 Rangkorrelation nach Spearman der dritten Hypothese (H3)

Tabelle 13 Rangkorrelation nach Spearman der vierten Hypothese (H4)

Tabelle 14 Rangkorrelation nach Spearman der fünften Hypothese (H5)

Tabelle 15 Korrelation nach Bravais Pearson der sechsten Hypothese (H6)

Tabelle 16 T-Test für unabhängige Stichproben der siebten Hypothese (H7)

Tabelle 17 Statistik der achten Hypothese (H8)

Tabelle 18 Wilcoxon Test der Prokrastination in Bezug auf Altersgruppen

Tabelle 19 Deskriptive Kennwerte der Prokrastination in Bezug auf die Semestergruppe

Tabelle 21 Post-hoc-Test mit Bonferroni-Korrektur zur Prokrastination und Semestergruppen _

Tabelle 1 Reliabilitätsstärken der Untersuchungsvariablen

Tabelle 9 Test auf Normalverteilung aller Skalen mit Shapiro-Wilk Test _

Tabelle 20 Test auf Homogenität der Varianzen mit Levene-Test _

IV Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Thesis hat einen Umfang von 17.260 Wörtern. Grundlage ist der Leitfaden zum wissenschaftli-chen Arbeiten in der Wirtschaftspsychologie in der Version 1.1 vom 01.08.2019.

Zusammenfassung

In der vorliegenden Arbeit wird der Zusammenhang von akademischer Prokrastination und den Big- Five Persönlichkeitsmerkmalen thematisiert. Zusätzlich wird untersucht, inwiefern auch das Kon­strukt Selbstkontrolle mit Prokrastination zusammenhängt. Zudem werden Geschlechts-, Alters- und Semesterunterschiede hinsichtlich des Aufschiebeverhaltens analysiert. An der Online-Befragung nahmen Studierende (N. 407) verschiedener Hochschulen und Universitäten Deutschlands teil. Die Stichprobe umfasst 32% männliche und 68% weibliche Probanden im Durchschnittsalter von 17 bis 57 Jahren (M. 25.54, SD. 6.97). Für die Datenerhebung wurde der Academic Procrastination State Inventory (APSI-d) von Helmke und Schrader (2000), die Self-Control Skala (Seipel, 2014) und das NEO-FFI-30 (Körner et al., 2008) herangezogen.

Die Ergebnisse der Untersuchung berichten einen signifikanten Zusammenhang zwischen Gewissen­haftigkeit (r. -.47, p.lt; .001), Neurotizismus (r. .58, p.lt; 001) und Selbstkontrolle (r. .32, p.lt; .001) mit Prokrastination. Die restlichen Big-Five-Faktoren Extraversion, Offenheit für neue Erfahrung und Verträglichkeit zeigen keine Signifikanz auf. Weitere Ergebnisse ergeben, dass ein signifikanter Un­terschied zwischen weiblichen und männlichen Studierenden hinsichtlich ihres Prokrastinationsver- haltens besteht (t.405) = - 3.11, p.lt; .01). Auch bezüglich des Alters konnte ein signifikanter Unter­schied festgestellt werden (Chi[2] =.1.24, p <.01). Im Durschnitt prokrastinieren Studierende unter 22 Jahren häufiger als Studierende ab 26 Jahren. Hinsichtlich des Semesters gibt es ebenso einen signi­fikanten Unterschied zwischen den Anfangssemestern und höheren Semestern (F.1, 405) = 9.02, p.lt; .01, nP[2]. .02, N. 407).

Aufgrund der möglichen Konsequenzen die das Phänomen bei Betroffenen nach sich ziehen kann, wird empfohlen, die Forschung zu dieser Thematik weiter zu vertiefen.

Abstract

In the current study the relation between academic procrastination and the Big Five personality traits is going to be observed. Furthermore the self-control construct in relation to procrastination will be investigated. Moreover, the differences between age, gender and and University term-time regarding procrastination behavior are going to be analyzed. Students (N. 407) from various colleges and universities in Germany have opted to take a part in the online survey. The sample included 32% male and 68% female subjects with an average age of 17 to 57 years (M. 25.54, SD. 6.97). The Academic Procrastination State Inventory (APSI-d) by Helmke and Schrader (2000), the Self-Control Scale (Seipel, 2002) and the NEO-FFI-30 (Körner et al., 2008) were used for data collection. The results of the study reported a significant correlation between conscientiousness (r. -.47, p.lt; .001), neuroticism (r. .58, p.lt; 001) and self-control (r. .32, p.lt; .001) with procrastination. The remaining Big Five factors as Extraversion, Openness to Experience and Agreeableness show no significance. Further results show that there is a significant difference between female and male students regarding their procrastination behavior (t.405) = - 3.11, p.lt; .01). A significant difference with regard to the age was found (Chi[2] =.1.24, p <.01). On average, students under 22 years old procrastinate more often than students over 26 years old. Regarding the University term, there is also a significant difference between the students in their initial semesters and higher semesters (F.1, 405) = 9.02, p.lt; .01, nP[2]. .02, N. 407).

Due to the possible consequences and effects of this phenomen on the obesrved groups, it is recommended to intensify this field of research.

Danksagung

Ich möchte mich an erster Stelle bei meiner Familie bedanken, die mich während meines gesamten Studiums bedingungslos unterstützt und mir dieses Studium überhaupt ermöglicht haben.

Ein besonderer Dank geht auch an meine Betreuerin Frau Dr. Schultchen. Bedanken möchte ich mich besonders für Ihren Rat und Ihre zuverlässige, freundliche und vor allem hilfreiche Unterstützung.

Letztlich möchte ich auch allen Teilnehmenden meiner Befragung für die engagierte Mitarbeit dan­ken.

1 Einleitung

Während der Begriff Prokrastination für manche Menschen fremd ist, erkennen sich viele dennoch in dessen Definition wieder. Individuen prokrastinieren, indem sie eine wichtige Entschei­dung oder Aktivität von einem früheren auf einen späteren Zeitpunkt verlegen (Höcker, Engberding & Rist, 2017). Für sie ist das Aufschieben von eher unangenehmeren Tätigkeiten, wie die Abgabe der Steuererklärung, das Aufräumen der Wohnung, sowie dem Entrümpeln des Kellers, um sich an­genehmeren Dingen zu widmen, wie beispielsweise die eigene Lieblingsserie anzusehen, nicht fremd. Obwohl es den Betroffenen bewusst ist, dass das Aufschieben gewisser wichtiger Erledigungen ne­gative Konsequenzen mit sich bringen kann, zeigen sie dieses Verhalten auf.

Etwa 90% aller Untersuchungen dieses Phänomens stammen aus dem englisch-sprachigen Raum (Höcker et al., 2017, S. 14). Einer US-amerikanischen Studie zufolge, bezeichnen sich ca. 20% der Bevölkerung als „chronische Aufschieber“ (Ferrari, O'Callaghan & Newbegin, 2005). Jedoch gibt esmittlerweileauch in Deutschlandvermehrt Forschungen zum pathologischen Aufschieben. In der aufgeführten Studie handelt es sich um die sogenannte Alltags-Prokrastination bei der Aufgaben, die im alltäglichen und sozialenLeben anfallen, aufgeschoben werden. Deutlich mehr im Fokus steht bei der Prokrastinationsforschung und auch in der vorliegenden Arbeit die akademische Prokrastina- tion, womit das pathologische Aufschieben vonSchülern und Studierenden beiSchul- oder Studien­bezogenen Tätigkeiten gemeint ist (Höcker et al., 2017). Folglich könnte angenommen werden, dass prokrastinierendes Verhalten in akademischen Bereichen häufiger vorkäme oder negativere Konse­quenzen mit sich zöge, als vergleichsweise im Alltag- oder Berufsleben. Der richtige Erklärungsan­satz hierfür ist, dass „Prokrastination (...) bei Studierenden lediglich leichter festzustellen und zu untersuchen (ist), da diese als Probanden für Forscher leichter verfügbar sind und da die Anforderun­gen des Lernens und des Schreibens wissenschaftlicher Arbeiten vergleichsweise standardisierte Be­dingungen herstellen, in denen Prokrastination leicht erkennbar ist“ (Höcker et al., 2017, S. 14).

In einer ihrer Studien stellten die Forscher Schouwenburg, Lay, Pychyl und Ferrari (2004) fest, dass 80 - 95 % aller Studierenden im Verlauf ihres Lebens bereits prokrastiniert haben und 75% gaben an, während ihres Studiums dieses Verhaltensmuster aufzuzeigen. Ganze 20 bis 40% der Be­fragten sehen die Prokrastination als ein schwerwiegendes Hindernis ihrerseits an. Auch an der Uni­versität Münster zeigte eine Untersuchung (N. 836), dass prokrastinierendes Verhalten bei Studie­renden weit verbreitet ist. 14,6% der Befragten erreichten Prokrastinationswerte, die höher als die Mittelwerte der Studierender liegen, welche sich wegen ihres pathologischen Aufschiebeverhaltens in der Psychotherapie-Ambulanz der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster in eine Therapie begeben haben (Deters, 2006).

Obwohl Prokrastination weit verbreitet zu sein scheint und eine Vielzahl an Menschen davon betroffen sind, erhielt das pathologische Aufschieben erst in den letzten Jahren eine beachtliche Stellung im psychologischen Forschungsbereich. Da dieses Themengebiet bis heute nicht grundle­gend erforscht ist, stellt die akademische Prokrastination ein interessantes Forschungsthema dar. Es könnte davon ausgegangen werden, dass im Zentrum das Individuum mit seiner Persönlichkeit steht. Das Ergebnis, dass Prokrastination und Persönlichkeitsmerkmale korrelieren, erzielte Steel (2007) in seiner Metaanalyse.

Um weitere Erkenntnisse zu diesem Forschungsgebiet beizutragen, wird in der vorliegenden Arbeit der Zusammenhang von akademischer Prokrastination und Persönlichkeitsmerkmalen unter­sucht. Zudem soll erforscht werden, ob Selbstkontrolle als Prädiktor für die Anfälligkeit von prokras- tinierendem Verhalten verstanden werden kann. Ebenfalls steht im Interesse dieser Arbeit herauszu­finden, ob Unterschiede bezüglich des Geschlechts, der Semester oder der Altersgruppen, hinsichtlich Prokrastination bestehen. Im Folgenden wird im zweiten Kapitel ein Überblick über den für die Fra­gestellung relevanten theoretischen Hintergrund gegeben, aus dem die Forschungsfrage und die Hy­pothesen abgeleitet werden. Nach der methodischen Darstellung der Studie in Kapitel 3, werden in Kapitel 4 die Ergebnisse der erhobenen Untersuchung berichtet, diskutiert und abschließend in Kapi­tel 5 zusammengefasst.

2 Theoretischer Hintergrund

Wie bereits im einleitenden Teil dieser Arbeit erwähnt, liegt der Fokus in der Prokrastina- tionsforschung in erster Linie auf dem schulischen und akademischen Aufschiebeverhalten. Aus die­sem Grund, beziehen sich die für die vorliegende Studie herangezogenen Theorien, Modelle, Hypo­thesen und Studien überwiegend auf den akademischen Kontext. Einführend soll die Begrifflichkeit der Prokrastination definiert und nachfolgend in den akademischen Kontext eingeordnet werden. Weiterführend werden zuerst die Erklärungsansätze und anschließend die Formen der Prokrastination vorgestellt. Des Weiteren werden mögliche Maßnahmen zur Überwindung von Prokrastination er­läutert. Im darauffolgenden Abschnitt wird das Konstrukt Persönlichkeitsmerkmale genauer definiert und mithilfe des Big-Five-Modells dargestellt. Der vorletzte Abschnitt befasst sich mit der Interaktion zwischen den Konstrukten Selbstkontrolle und Prokrastination. Abschließend werden die For­schungsfragen und Hypothesen dargestellt.

2.1 Prokrastination

Der Begriff Prokrastination, unter dem auch zwanghaftes oder auch pathologisches Auf­schiebeverhalten verstanden wird, hat seinen Wortstamm in der lateinischen Sprache und leitet sich aus dem Verb „procrastinare“ ab. Das Verb setzt sich aus den Einzelteilen pro = “für“ und crastinus°= “morgen“ zusammen, die sich ins Deutsche als „vertagen“ oder „verschieben“ übersetzen lassen . Früher war damit „eine eher positiv bewertete Verhaltensweise gemeint, nämlich das reflektierte Auf­schieben von schwerwiegenden Entscheidungen bis zu einem günstigen Zeitpunkt, der einer Hand­lung mehr Erfolg sichert“ (Höcker et al., 2017, S.9). In der heutigen Zeit wird pathologisches Auf­schieben mit einer negativen Verhaltensweise assoziiert. Individuen „schieben“ längst überfällige Erledigungen vor sich hin oder zögern sie soweit es geht hinaus um angenehmere Dinge vorzuziehen, auch wenn sie wissen, dass dieses Verhalten eine negative Konsequenz mit sich ziehen kann (Ferrari, 1993). So bezeichnen auch Solomon und Rothblum (1984) die Prokrastination als ein unnötiges Auf­schieben von Aufgaben bis zu dem Zeitpunkt, an dem man Unzufriedenheit empfindet. Ähnlich de­finiert auch Steel (2007) das pathologische Aufschiebeverhalten. Er beschreibt Prokrastination als eine beabsichtigte und freiwillige Handlungsverlagerung die hinausgezögert wird, obwohl der Be­troffene Kenntnis darüber hat, sich danach in eine negative Situation zu begeben. Helmke und Schra­der (2000) bezeichnen Prokrastination als „dysfunktionales Aufschieben, Verschieben oder Vermei­dungsverhalten“ (Helmke & Schrader, 2000, S. 207). Für prokrastinierendes Verhalten existiert je­doch bis heute keine einheitliche Definition. So unterschiedlich wie die Beschreibungen dieses Phä­nomens der Forscher auch sind, führen sie in ihrem Kern auf die gleichen Merkmale zurück. Der häufigste gemeinsame Nenner dieser unterschiedlichen Definitionen ist, „dass Aktivitäten, die zur Erreichung wichtiger Ziele nötig sind, zugunsten anderer Aktivitäten aufgeschoben werden“ (Höcker 3 et al., 2017, S.12). Wenn von Prokrastination die Rede ist, fällt folglich auch häufig der Begriff „Auf­schieben“. Jedoch sollte an dieser Stelle deutlich hervorgehoben werden, dass Prokrastination nicht mit dem klassischen „Aufschieben“ gleichzusetzten ist. Das Aufschieben von Tätigkeiten im Alltag ist demnach nichts Außergewöhnliches. Jedes Individuum priorisiert seine Erledigungen unterschied­lich. Nur weil eine Tätigkeit aufgeschoben wird, weil einer anderen eine höhere Priorisierung zuge­ordnet wird, handelt es sich nicht zwangsläufig um Prokrastination. Demnach ist das Aufschieben von Erledigungen nicht direkt dysfunktional, sondern fordert die Organisation von alltäglichen Tä­tigkeiten. Entscheidend ist, dass es sich erst um ein dysfunktionales Verhaltensmuster handelt, wenn wichtigen Aufgaben, welche die zur Erreichung bestimmter Ziele erforderlich sind, konstant nicht nachgegangen wird und stattdessen andere Handlungen bevorzugt werden (Höcker et al., 2017).

Im folgenden Kapitel werden verschiedene psychologische Ansätze dargestellt, mit denen prokrastinierendes Verhalten erklärt werden kann.

2.1.1 Erklärungsansätze der Prokrastination

Bislang liegt für das komplexe Konstrukt Prokrastination noch keine allgemeingültige The­orie vor. Demnach können für dieses Phänomen verschiedene Erklärungsansätze herangezogen wer­den (Klingsieck, 2013).

Der erste Ansatz mit dem das pathologische Aufschieben erklärt werden kann, kommt aus dem Fachbereich der differentiellen Psychologie und Persönlichkeitspsychologie. Sie „erforscht Un­terschiede in biologischen, psychologischen und sozio-kulturellen Strukturen und Prozessen (a) zwi­schen Personen oder Gruppen (interindividuelle Sichtweise) oder (b) innerhalb einer Person (intrain­dividuelle Sichtweise) über die Zeit und/oder Situationen hinweg“ (Rauthmann, 2016, S.2). In diesem psychologischen Fachbereich wird zwanghaftes Aufschiebeverhalten als eine überdauernde Persön­lichkeitseigenschaft (trait procrastination) betitelt. Demzufolge haben bereits einige Forscher in ihren Studien versucht prokrastinierendes Verhalten in ein nomologisches Netzwerk einzuflechten. Auch Steel (2007) machte dies in seiner umfassenden Metaanalyse deutlich. In seiner Studie überprüfte der Forscher die Stärke des Zusammenhangs von verschiedenen Persönlichkeitsmerkmalen, wie bei­spielsweise Gewissenhaftigkeit oder Selbstkontrolle auf Zusammenhang mit Prokrastination. Die Er­gebnisse seiner Untersuchung verdeutlichen, dass prokrastinierendes Verhalten durchaus auf Persön­lichkeitsmerkmale zurückgeführt werden kann. Welche Zusammenhänge zwischen Prokrastination und Persönlichkeitsmerkmalen bestehen, wird im Rahmen dieser Arbeit folglich näher betrachtet.

Im Fokus der Motivations- und Volitionspsychologie sind Erläuterungen zu finden, aus wel­chem Grund sich manche Absichten in der Handlungssteuerung etablieren, während andere Absich­ten nicht ausgeführt werden. „Der Begriff Motivation bezieht sich auf Prozesse und Phänomene, die mit dem Setzen von Zielen aufgrund deren Wünschbarkeit und Realisierbarkeit zu tun haben“ (Achtziger & Gollwitzer, 2018, S. 361). Demnach kann gemutmaßt werden, dass wenn ein Indivi­duum nicht der Meinung ist, dass ein mögliches Ziel erreichbar und/oder wünschbar ist, wird es nicht die Motivation aufbringen, diesem entgegenzustreben. Als Volition dagegen wird die Umsetzung von Zielen beschrieben und basiert darauf, wie „die Umsetzung einer bereits gefassten Zielintention re­guliert wird“ (Achtziger & Gollwitzer, 2018, S. 361). Die Basis des motivations- und volitionspsy- chologischen Ansatzes ist darauf ausgelegt, dass Prokrastination eine Störung im Verlauf der Moti­vation und/oder Volition aufzeigt, welche zu einer Lücke (Intention-Action-Gap) zwischen der Ab­sicht zu handeln und der wirklichen Handlung führt (Steel, 2007).

Dem Rubikon-Modell der Handlungsphasen von Heckhausen und Gollwitzer (1987) nach, erfolgt eine Handlung erst, wenn vorher diverse Phasen der Absichtsbildung erfolgreich durchgeführt wurden. In diesem Modell wird der Handlungsverlauf in vier Phasen dargestellt. Diese vier Hand­lungsphasen differenzieren sich bezüglich der Aufgaben, welche sich einem Handelnden stellen, wenn dieser eine der Handlungsphase erfolgreich beenden möchte.

Die prädezisionale Handlungsphase stellt die erste Phase des Rubikon-Modells dar und ist kennzeichnend dafür, dass sich der Handelnde zunächst bewusst ist, welche seiner Wünsche und An­liegen er in die Tat umsetzen möchte. Letztlich wird in dieser Handlungsphase ein verbindliches Ziel festgelegt und somit der imaginäre Rubikon vom Wunsch zum Ziel überschritten (Heckhausen & Gollwitzer, 1987).

In der zweiten präaktionalen Phase überlegt der Handelnde welche Pläne und Strategien zu befolgen sind, um letztendlich das gesetzte Ziel zu erreichen. Diese volitionale Phase macht deutlich, dass schließlich von einer reinen Motivation das Ziel zu erreichen, ein Übergang zum wirklichen Erreichen des Ziels stattgefunden hat. Für Individuen die prokrastinieren, kann dies zunächst eine Hilfestellung sein, da dieses konkrete Planungsvorhaben eine bestimmte kognitive Strukturierung hervorbringt, welche Erleichterungen mit sich bringen kann. Andererseits kann eine Automatisierung des Planungsprozesses erfolgen (Heckhausen & Gollwitzer, 1987). Laut Helmke & Schrader (2000), planen Prokrastinierende detailliert unwichtige minimale Aufgaben, um tatsächlich geplante Arbeits­handlungen weiter aufschieben zu können (Helmke & Schrader, 2000).

In der nächsten aktionalen Phase, „versucht ein Handelnder, die in der präaktionalen Hand­lungsphase gefassten Pläne zur Realisierung des am Ende der prädezisionalen Handlungsphase ge­fassten Ziels in die Tat umzusetzen“. Dies wird durch ein beharrliches Verfolgen der Realisierung des Ziels und „die konsequente Wiederaufnahme unterbrochener Zielhandlungen ermöglicht“ (Acht­ziger & Gollwitzer, 2018, S. 360). Bei Individuen die Aufschiebeverhalten aufzeigen, kann eine be­reits angefangene Handlung durch hervorkommende Selbstzweifel oder durch die Ablenkung von kurzzeitig entlastenden oder ansprechenderen Erledigungen vorübergehend oder auch ganz beendet werden (Helmke & Schrader, 2000).

In der letzten postaktionalen Phase bewertet der Handelnde sein Ergebnis. Falls dieser das Ziel als befriedigend empfindet, verwirft er das am Ende dieser Phase gesetzte Ziel. Falls jedoch keine Zufriedenheit bei demjenigen aufkommt, verringert dieser entweder seine Anforderungen und verwirft folglich das Ziel oder behält das Ziel bei, überlegt erneute Handlungen und versucht darauf­hin wiederholt den erstrebten Zielzustand zu erlangen (Heckhausen & Gollwitzer, 1987). Demzufolge kann angenommen werden, dass der Verlauf der Motivation und Volition durch Prokrastinationsver- halten beeinträchtigt werden kann.

Der klinisch-psychologische Erklärungsansatz für pathologisches Aufschieben kommt aus der Psychoanalyse, in der kognitiven Verhaltenstherapie, sowie in der Neuropsychologie (Ferrari, Johnson & McCown, 1995). In einer aktuellen Studie untersuchte Caroline Schlüter zusammen mit ihrem Forschungsteam der Ruhr-Universität Bochum, Probanden (N. 264) bezüglich ihrer Hand­lungskontrolle und dem daraus resultierenden prokrastinierenden Verhalten. Mit einer Kernspinto­mografie bestimmte das Forscherteam das Volumen einzelner Hirnareale der Probanden und ihre funktionelle Vernetzung, während sie einen Fragebogen ausfüllten. Für den Fragebogen wurde die Handlungskontrollskala (HAKEMP 90) von Kuhl (1990) verwendet, um interindividuelle Unter­schiede in der Handlungskontrolle zu erfassen (Schlüter, Fraenz, Pinnow, Friedrich, Güntürkün & Geng, 2018). Hervorzuheben ist, dass die Amygdala dafür zuständig ist, Situationen zu bewerten, sowie vor denkbaren daraus resultierenden Folgen zu warnen (Wise & Rompre, 1989). Die Ergeb­nisse dieser Studie zeigen, dass Individuen mit einem größeren Amygdala-Volumen mehr Bedenken vor negativen Konsequenzen einer Handlung haben, somit zögern sie und prokrastinieren. Menschen mit geringerem Amygdala-Volumen sind folglich in entscheidungsbezogenen Kontexten tendenziell handlungsorientierter (Schlüter et al., 2018). Auch die Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, führt unterschiedliche klinische Untersuchungen hinsichtlich Prokrastination durch und stellte Zu­sammenhänge mit ADHS, Depression und Versagensangst fest. Im Zuge ihrer Studie entwickelten die Forscher hierzu ein Behandlungskonzept in der Prokrastinationsambulanz an der Universität Münster, welches im Kapitel „Maßnahmen zur Überwindung von Prokrastination“ näher erläutert wird (Höcker et al., 2017).

2.1.2 Formen und Folgen von Prokrastination

Im folgenden Kapitel wird die akademische Prokrastination als Form der Prokrastination genauer definiert. Die akademische Prokrastination ist wohl die bekannteste Form des pathologischen Aufschiebens. Fast jede existierende Studie zu Prokrastinationsverhalten bezieht sich auf den akade­mischen Kontext (Höcker et al., 2017). Auch in der vorliegenden Arbeit ist der Fokus ausschließlich auf die akademische Prokrastination gerichtet. Diese Prokrastinationsform richtet sich speziell auf das Aufschiebeverhalten im schulischen und akademischen Bereich.

Studierende sind durch ihr Hochschulstudium, welches bereits hohe fachliche Anforderun­gen an sie stellt, einem hohen Druck ausgesetzt. Es wird erwartet, dass sie ihr Wissen selbständig und eigeninitiativ erwerben, jedoch sind nicht alle Studierende dazu in der Lage dieser Herausforderung gerecht zu werden. Viele fangen schließlich an die anstehenden Aufgaben, die im Rahmen ihres Stu­diums zu erledigen sind, aufzuschieben. Beispielhaft für typische akademische Aufgaben sind das Lernen für eine Klausur, das Schreiben von Hausarbeiten oder auch die Vorbereitungen für eine Prä­sentation. Laut Steel (2007) ist prokrastinierendes Verhalten unter Studenten mit bis zu 70% an Be­troffenen weit verbreitet. Bisherigen Studien zufolge ist das Schreiben einer Hausarbeit die am häu­figsten prokrastinierte studienrelevante Tätigkeit. Ganze 40 % der Befragten gaben an immer oder größtenteils das Schreiben einer Hausarbeit aufzuschieben (Solomon & Rothblum, 1984). Wie bereits im einleitenden Teil dieser Arbeit erwähnt, ist prokrastinierendes Verhalten im schulischen Kontext nicht häufiger als im Berufs- oder Alltagsleben, jedoch ist es in diesem Bereich einfacher festzustellen (Höcker et al., 2017). Es stellt sich dennoch die Frage, wie diese hohe Prokrastinationsanzahl bei Studierenden zustande kommt. Lay und Burns (1991) fanden heraus, dass Individuen die an unstruk­turierten Studienprogrammen teilnehmen oder auch selbständige Personen, öfter von Prokrastination betroffen sind (Lay & Burns, 1991). Eine mögliche Ursache hierfür wäre, dass Studierende oder auch Selbständige an keine festen zeitlichen Termine in ihrem Alltag gebunden sind und demnach frei wählen können wann sie ihre Aufgaben, wie Lernen oder das Schreiben ihrer Hausarbeit, beginnen möchten. Sie können ihren Alltag nach Belieben selber planen und haben vorerst keine negativen Konsequenzen zu fürchten. Individuen die an feste Arbeitszeiten gebunden sind, haben demnach ein geringeres Zeitfenster ihre Aufgaben zu erledigen und somit ist die Verlockung prokrastinierende Verhaltensweisen aufzuzeigen geringer (Lay & Burns, 1991).

Die Folgen, die mit diesem Phänomen einhergehen, scheinen zunächst harmlos zu sein. Je­doch gibt es eine Studie die belegt, dass Prokrastinierende einen geringeren akademischen Erfolg haben, weniger Leistung bei spezifischen Aufgaben aufbringen oder gar zu schlechten Noten neigen (Ackerman & Gross, 2005). Naheliegend ist somit, dass prokrastinierendes Verhalten auf Dauer zu gesundheitlichen Schäden führen kann. Die Forscher Tice und Baumeister (1997) machen deutlich, prokrastinierende Studierende würden häufiger über ein erhöhtes Stresserleben klagen ihren Aufga­ben nachzukommen und fallen dadurch einen sogenannten „Teufelskreis“ aus dem sie sich schwer wieder retten können. Die Forschergruppe Patrzek, Sattler, van Veen, Grunschel und Fries (2015) fand in ihrer Studie heraus, dass Prokrastination ein akademisches Fehlverhalten fördert. Sie unter­suchten die Auswirkung von Prokrastination auf das Ausführen von Fehlverhalten, wie beispiels­weise das Kopieren von Abschnitten aus anderen Hausarbeiten, die Verwendung von verbotenen Hilfsmitteln in Klausuren oder anderweitigen Prüfungen sowie unter anderem der Fälschung von Da­ten in wissenschaftlichen Arbeiten. Die Ergebnisse dieser Untersuchung berichten, dass

Prokrastination jegliche Formen von akademischem Fehlverhalten beeinflusst. Der stärkste Effekt zeigte sich bei der Verwendung von betrügerischen Ausreden. Welche Maßnahmen zur Überwindung dieses Phänomens helfen können, wird im nachfolgenden Kapitel dargelegt.

2.1.3 Maßnahmen zur Überwindung von Prokrastination

Pathologisches Aufschieben von wichtigen Erledigungen im Alltag oder auch im schuli­schen Kontext versetzt die Betroffenen in einen sogenannten „Teufelskreis“. Besonders bei termin­lich gebundenen Aufgaben die Prokrastinierende meistern sollten, ist oft ein ähnlicher Situationsab­lauf erkennbar. Studierende haben beispielsweise einen bestimmten Abgabetermin für ihre Hausar­beit mit der sie jedoch erst so spät beginnen, dass sie in eine Stresssituation verfallen und erst kurz vor Abgabeende fertig werden oder gar den Termin verschieben müssen. Im letzteren Fall häufen sich im Verlauf des Studiums immer mehr Abgabe- und Klausurtermine bei denen der Betroffene kaum nachkommt.

Um solchen Szenarien entgegenzuwirken haben Höcker et al. (2017) in der Prokrastinations- Ambulanz der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) Münster auf Basis psychologischer Be­funde und Erklärungsansätze ein Behandlungsmanual entwickelt. Die Teilnehmenden sollen während eines sechswöchigen Trainings ihr derzeitiges Arbeitsverhalten, die daraus resultierenden Konse­quenzen reflektieren und mithilfe von Arbeitsmodulen verbessern. Das Ziel dieses Behandlungskon­zeptes ist es, dass Studierende ihre Arbeits- und Lerntätigkeiten mit einem positiven Gefühl konno­tieren und im Zuge dessen ein Erfolgserlebnis verspüren können. Das Behandlungsmanual setzt sich aus unterschiedlichen Modulen zusammen. Das Modul A wird als „pünktlich beginnen“ bezeichnet, das Modul B umfasst „realistisches planen“ und zuletzt das Modul C, betitelt mit „Arbeitsrestriktion und Bedingungsmanagement“. Die einzelnen Module können in verschiedenen Konstellationen mit­einander kombiniert werden. Beispielsweise Intervention A und B, nur Intervention C oder das Kom­binationsmodul ABC. Welche Modulkombination gewählt wird hängt davon ab, wie die Problem­stellung des Patienten definiert ist. Um diese patientenspezifische Problemstellung bestimmten zu können muss vorab eine Bedingungsanalyse durchgeführt werden. Hierzu muss im ersten Schritt der Intervention eine Selbstbeobachtung in Form des Münsteraner Arbeitstagebuchs erfolgen. Des Wei­teren wird ein individuelles Störungs- und Veränderungsmodell aufgestellt. Fakultativ kann zusätz­lich ein sogenannter „Masterplan“ erstellt werden oder/und auch das Modul K „kognitive Therapie“ hinzugezogen werden. Darauffolgend wird auf Basis der Module der patientenspezifische Arbeits­plan erstellt. Im nächsten Absatz werden die einzelnen Interventionsmodule genauer erläutert (Hö­cker et al., 2017).

Wenn ein Teilnehmender Probleme hat mit einer bestimmten Aufgabe zu beginnen, bietet sich das Modul A „pünktlich beginnen“ an. Zunächst sollte der Patient einen realistischen Beginnzeitpunkt wählen an dem dieser mit seiner Aufgabe starten möchte. Um die Gefahr zu umge­hen prokrastinierendes Verhalten zu zeigen, sollte hier die Uhrzeit exakt eingehalten werden. Auch der Arbeitsplatz an dem die Erledigung der Aufgabe stattfindet, sollte der Teilnehmende bereits be­stimmt haben (z.B. Schreibtisch). Das Modul A empfehlt zudem, sich mit einem Signalton an das Beginnen der Aufgabe zu erinnern. Hierfür eignet sich beispielweise ein Handywecker der anzeigt, dass der Patient zu einer bestimmten Uhrzeit mit der Aufgabe beginnen möchte. Zusätzlich sollte vor der Tätigkeit ein Ritual ausgesucht werden (z.B. das Hören eines bestimmten Liedes oder sich einen Tee zu kochen). Die Autoren heben hier die Wichtigkeit hervor, von Ritualen abzuwägen, die den Patienten dazu animieren könnten die Aufgabe aufzuschieben. Damit sind Tätigkeiten wie das Be­antworten von E-Mails oder Fernsehen gemeint. Um den Erfolg zu erhöhen, können motivierende Denkmuster beim Studierenden wie beispielsweise „Wenn ich heute mit dem Arbeiten fertig bin, dann..herangezogen werden.

Das Modul B „realistisch Planen“ ist für Patienten geeignet bei denen die Problematik be­steht, ihre Aufgaben nicht realistisch und strukturiert planen zu können. Demzufolge leiden die Be­troffenen unter Motivations- und Konzentrationsschwäche. Dieses Modul soll mithilfe eines struktu­rierten Arbeitsablaufs bei der Erledigung der Aufgaben unterstützen. Als erstes wird vom Patienten eine Zeiteinheit festgelegt, in der die Tätigkeit durchgeführt wird. Anschließend wird vom Teilneh­menden definiert, was in dieser Zeitspanne erledigt werden soll. Beispielweise möchte dieser in 60 Minuten einen Fachartikel lesen und sich hierzu bestimmte Grundbegriffe herausschreiben. In diesem Modul ist es wichtig, sich die Schrittfolge zum Erledigen der Aufgabe zu notieren und sich an diese zu halten. Nur so kann eine strukturierte Arbeitsweise gewährleistet werden. Da durchgehende Kon­zentration ein hohes Maß an kognitiven Ressourcen fordert, ist es sehr von Bedeutung, dass der Pa­tient Lernpausen einlegt. Die Länge sowie die Häufigkeit dieser Pausen ist von der individuellen Konzentrationsfähigkeit, als auch der Aufmerksamkeitspanne abhängig und sollte vom Betroffenen bestimmt werden. Abschließend in diesem Modul ist der Fokus auf ein bestimmtes Ziel in dieser Arbeits-/Lerneinheit zu setzen. Ein mögliches Ziel könnte sein, dass der Patient zu allen unverständ­lichen Grundbegriffen Recherche betrieben hat und folglich alle Kernbegrifflichkeiten nachvollzie­hen kann. Zudem ist es wichtig, dass sich der Teilnehmende realistische Pläne und Ziele setzt, um anschließend sein Erfolgserleben zu maximieren und sich somit von prokrastinierenden Verhaltens­weisen distanziert.

Bevor das Modul C genauer definiert wird, gibt es im Behandlungsmanual an diesem Punkt zwei mögliche Vorgehensweisen. Zum einen kann direkt an das Modul C „Arbeitsrestriktion und Bedingungsmanagement“ angeknüpft werden oder die Intervention wird mit einer Abschlusssitzung beendet. Falls das Modul C erfolgt, wird vorausgesetzt, dass noch ausreichend Zeit bis zur Prüfung oder dem Abgabetermin der zu erfassenden Arbeit besteht. Nur so kann eine Restriktion der Arbeitszeit durchgeführt werden, ohne dass dem Patienten zu viel Druck entgegengebracht wird. Die Autoren empfehlen hier eine Zeitspanne von mindestens vier Wochen.

Das Modul C wird als „Arbeitsrestriktion und Bedingungsmanagement“ betitelt und ist für Teilnehmende gedacht, die aufgrund von Prokrastination mit einem ständigen Unwohlsein zu kämp­fen haben. Die Betroffenen planen ein zu hohes Pensum an Erledigungen ein und schieben die zu erledigenden Aufgaben vor sich hin. Diesem Szenario zufolge können die Patienten die Freizeit von ihrer Arbeitszeit kaum noch unterscheiden. Häufig tritt bei ihnen dann der Gedanke „Eigentlich müsste ich heute noch diese Sache erledigen...“ auf. Diese Überlegungen lösen bei demjenigen schließlich ein unangenehmes Gefühl und somit ein gewisses Stresserleben aus. Um diesen Vor­kommnissen gegenzusteuern, wird das Prinzip der Arbeitsrestriktion, welches auf Basis von festge­legten Arbeits- und Lernzeiten aufgebaut ist, angewendet. Der Betroffene legt bestimmte Arbeits­oder Lernzeiten fest und widmet sich ausschließlich nur in diesem Zeitfenster den Aufgaben. Es nicht gestattet, dass sich der Patient außerhalb der bestimmten Zeiten mit seinen Erledigungen beschäftigt. Zielführend für diese Maßnahme ist, dass der Betroffene seine Denkweise von. Diese festgelegten Arbeitszeiten werden zunächst nach der jeweiligen Arbeitseffizient des Patienten bestimmt und kön­nen bei steigender Produktivität durch weitere Zeitfenster aufgestockt werden. Der Fokus des Moduls ist, dass der Arbeits- und Lernzeitraum so effektiv wie möglich genutzt wird, aber auch die Sichtweise seine Aufgaben erledigen „zu dürfen“ die Motivation des Teilnehmenden erhöht und folglich pro- krastinierendes Verhalten minimiert. Der Studierende erfährt somit eine Art psychischer Entlastung bei der er seine Freizeit ohne ein schlechtes Gewissen zu haben ausleben kann (Höcker et al., 2017).

Eine weitere Gegenmaßnahme wurde im Rahmen eines Verbundprojekts der Universität Bielefeld und dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) realisiert. Der Forscher Stefan Fries hat zusammen mit seinem Forschungsteam ein Konzept entwickelt, Prokrastinationstendenzen bei Stu­dierenden frühestmöglich zu erkennen. Mithilfe eines Trainings gegen Prokrastinationsverhalten sol­len Studierende vor den daraus resultierenden negativen Konsequenzen bewahrt werden. Das Trai­ning gliedert sich in die Phasen Diagnostik, Intervention und Evaluation. In der ersten Phase werden die Teilnehmenden mittels eines Interviews über ihre persönlichen Theorien zu akademischen Auf­schiebeverhalten befragt. Folglich werden aus ihren Antworten Fragebögen für das weitere Vorgehen erstellt. Der Hintergrund dieser Befragung ist, durch die subjektive Sichtweise der Teilnehmenden verschiedene Prokrastinationstypen, Handlungsverläufe oder auch Prokrastinationstendenzen zu identifizieren. Diese Ergebnisse stellen eine Basis für die Phase der Intervention in diesem Projekt dar. In der nächsten Phase des Projekts sollten mithilfe von entwickelten und getesteten Interventio­nen gegen die Prokrastination bei Studierenden, OpenSource-Lernplattformen zur Verfügung gestellt werden. Auf dieser Lernplattform befindet sich ein Behandlungsmanual unter der Bezeichnung „Trai­ning gegen das Aufschieben im Studium“, bei dem Studierende Trainingseinheiten zu verschiedenen Themen bezüglich der Vermeidung von Prokrastination finden. In der letzten Phase wurde anhand der Befragungsdaten von 52 Studierenden dargelegt, dass das Training zu einer deutlichen Verringe­rung der Prokrastination bei Studierenden geführt hat. Aufgrund der positiven Resonanz aller Betei­ligten und auch der ersichtlichen Effektivität des Trainings wird das Trainingskonzept zukünftig vor allem bei Studienberatern weiterverbreitet und angewendet (Patrzek, Gunschel & Fries, 2012).

2.2 Persönlichkeit

Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist wie bereits beschrieben, zu untersuchen, ob Zusammen­hänge zwischen Prokrastination und Persönlichkeitsmerkmalen bestehen. Um Parallelen zwischen den Konstrukten Persönlichkeit und Prokrastination ziehen zu können, wird in diesem Kapitel ein spezifischer Einblick in die theoretischen Ansätze der Persönlichkeit gewährt.

Die Persönlichkeit eines Individuums liefert Inhalt für eines der wichtigsten Themen im Psy­chologischen Forschungsbereich. Eine Vielzahl von Forschungsarbeiten beschäftigen sich mit der Frage, wie Persönlichkeit als solches definiert werden kann, wie ihr Entwicklungs- und Verände­rungsverlauf unter Einfluss bestimmter Faktoren ist und wie sie anhand gewisser Verhaltensweisen prognostiziert und gesteuert werden kann (Maltby, Day & Macaskill, 2010). Da es sich bei der Per­sönlichkeit um ein umfassendes Forschungsgebiet handelt, sind in der Literatur demnach zahlreiche Definitionen zu finden. Der Begriff Persönlichkeit stammt aus dem lateinischen „persona“ ab und bedeutet im deutschen „Theatermaske“ (Schmitt, Altstötter-Gleich & Platzer, 2010). Gordon Allport (1961), ein einflussreicher Wissenschaftler aus der Psychologie, veröffentlichte 1961 eine Definition der Persönlichkeit, die bis heute von vielen Forschern verwendet wird. Allport beschreibt die Persön­lichkeit als ein dynamisches Konstrukt, das für die intrapersonalen Prozesse eines Individuums zu­ständig ist und somit dessen Gedanken und Verhalten steuert. Die Persönlichkeit ist nach Eysenck (1970, S. 2) eine „mehr oder weniger stabile und dauerhafte Organisation des Charakters, Tempera­ments, Intellekts und Körperbaus eines Menschen, die seine einzigartige Anpassung an die Umwelt bestimmt.“ Hierbei umfasst der Charakter das konative Verhalten, das Temperament das affektive Verhalten, das Intellekt das kognitive Verhalten und abschließend der Körperbau das physische Ver­halten, welches zusätzlich die hormonelle Zusammensetzung umschließt. Pervin, Cevone und John (2005) fassten diese umfangreiche Definition von Eysenck (1970) vereinfacht zusammen. Für sie ist die Persönlichkeit als ein andauerndes Schema von Gefühlen, Kognitionen und Verhaltensweisen zu verstehen. Die Forscher bezeichnen sie als ein zeitlich überdauerndes stabiles Konstrukt (trait), wel­ches sich bezüglich des Denkens, Fühlen und Empfinden bei jedem Individuum unterschiedlich aus­zeichnet. Diese Einzigartigkeit ist laut Pervin et al. (2005) auf genetische Komponenten zurückzu­führen.

Im nächsten Kapitel werden einige Ansätze zum Konstrukt Persönlichkeit näher definiert. Darauffolgend wird auf das Big-Five-Modell der Persönlichkeit eingegangen, welches die Basis die­ser Untersuchung darstellt.

2.2.1 Persönlichkeitstheorien

Die Persönlichkeitsforschung ist ein breitgefächertes Forschungsgebiet in der Psychologie. Demnach gibt es nicht nur zahlreiche Definitionen, sondern auch unterschiedliche theoretische An­sätze um die Persönlichkeit aus verschiedenen Sichtweisen beschreiben zu können (Herzberg & Roth, 2014). Die Theorien dieses Konstrukts reichen bis zum Anfang des 19. Jahrhundert zurück. Einer der ältesten Denkansätze zur Persönlichkeit ist die Typenlehre, die unter anderem von Sheldon und Ste­vens (1942) gestaltet wurde. Diese folgt der Annahme, dass eine bestimmte Anzahl an Grundtypen existiert und die Menschen anhand von physikalischen Merkmalen kategorisiert werden (Sheldon & Stevens, 1942). Dieser Denkansatz wurde in der heutigen Forschung bereits verworfen. Heutzutage gibt es eine Vielzahl an fundierten Ansätzen zur Persönlichkeit. Besonders von Bedeutung ist für diese Untersuchung der eigenschaftstheoretische Ansatz, der die Grundlage für das im nächsten Ka­pitel genauer erläuterte Big-Five-Modell darstellt. Bevor dieser Ansatz aufgezeigt wird, werden di­verse andere bekannte Theorien vorgestellt.

Viele bedeutende Modelle aus der heutigen Persönlichkeitspsychologie sind auf psychoana­lytische Konzepte der Persönlichkeit zurückzuführen, die erstmals vom Forscher Sigmund Freud (1961) entwickelt und anschließend von weiteren Theoretikern optimiert und abgewandelt wurden. Laut Freud (1961) entfaltet sich die Persönlichkeit eines Individuums aus dem Gegenspiel zwischen aggressiven und die Lust suchenden biologischen Triebregungen und den verinnerlichten sozialen Zwängen, die diese Bedürfnisse hemmen. Er vertritt die Annahme, dass die Persönlichkeit das Re­sultat der Bemühung ist, diesen Konflikt zu lösen. Freud (1961) postuliert, dass sich die Struktur der Persönlichkeit aus den drei psychischen Systemen „Ich“, „Über-Ich“ und „Es“ zusammensetzt. Das „Es“ handelt nach Grundsatz der Lustbefriedigung. Das „Über-Ich“ repräsentiert eingeprägte Ideale und Normen von Eltern und Vorbildern und somit eine Richtschnur für die Urteilsfähigkeit. Das „Ich“ agiert nach dem Realitätsprinzip und dient als Vermittler zwischen den beiden anderen Instanzen. Diese drei Systeme werden beim Durchlaufen diverser psychosexueller Perioden aktiviert und ver­laufen nach Freud (1961) auf unterschiedlichen Bewusstseinsebenen. Diese Ebenen gliedern sich in Bewusste-, Unbewusste und Vorbewusste Ebenen.

Die humanistische Persönlichkeitstheorie ist als eine Art Gegenbewegung zum Behavioris­mus und der Psychoanalyse Mitte des 20. Jahrhunderts entstanden. Der Gegenstand dieser Theorie ist das Streben nach Selbstverwirklichung (Rammsayer & Weber, 2016). Wichtige Begründer dieser Persönlichkeitstheorie sind Rogers (1955) und Maslow (1954). Um seine Theorie zu stützen, stellte Maslow (1954) eine Bedürfnispyramide mit fünf Gruppen in hierarchischer Reihenfolge auf. Unter­schieden wird zwischen physiologischen und psychologischen Bedürfnissen. Vier dieser Gruppen stellen Mangelbedürfnisse dar, wie beispielsweise Hunger, Wohnen oder der Partner. An der Spitze der Bedürfnispyramide befindet sich das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung. In Rogers (1955) The­orie liegt der Fokus auf dem Verlangen nach Wertschätzung durch andere Individuen sowie der Selbstachtung. Zudem soll sich jede Person durch ihre Individualität auszeichnen, indem sie die Re­alität aus ihrer Sicht wahrnimmt und interpretiert.

Der behavioristische Persönlichkeitsansatz richtet sich nach dem objektiv beobachtbaren Verhalten von Individuen. Folglich wird angenommen, dass der Mensch nach seiner Geburt bis auf wenige angeborene Reflexe und instinkthafte Verhaltensmuster, ein „unbeschriebenes Blatt“ ist. Durch klassische Konditionierung, auch dem Signallernen genannt (Pavlov, 1928) und der operanten Konditionierung, dem Lernen durch Belohnung oder Bestrafung (Skinner, 1948), werden Verhaltens­weisen gelernt, durch die sich Routinen und somit die Persönlichkeit entwickelt. Hierbei ist die posi­tive und negative Verstärkung des Verhaltens ein entscheidendes Kriterium, durch das sich eine Reiz­Reaktionskette bildet. Die Ausprägung dieser Reiz-Reaktions-Kette wird durch die Wahl der Konse­quenz bedingt. Indem spezifische Reize eingesetzt werden, kann ein individuelles Verhalten der Per­son vorhergesagt werden.

Die kognitive Persönlichkeitstheorie basiert auf der Annahme, dass interindividuelle Unter­schiede durch eine inhomogene Verarbeitung von Erfahrung eintreten. Je nachdem wie ein Indivi­duum sein Umfeld wahrnimmt und es sich aufbaut, hat dies einen maßgeblichen Einfluss auf dessen Verhalten. Der Psychologe Georg Kelly (1955) ist einer der bekanntesten Vertreter dieses psycholo­gischen Ansatzes. Kellys (1955) Konstrukttheorie zufolge werden persönliche Erfahrungen in verbale oder präverbale Konstrukte gegliedert. Das Verhalten des Individuums ist demnach das Resultat der Antizipation dieser Konstrukte. Nach Kelly (1955) erfolgt dieses Prozedere mittels 11 Korollarien. Hierbei wird die Person, anders als beim behavioristischen Ansatz, in ihrem Verhalten und Erleben nicht gehindert.

Der eigenschaftstheoretische Ansatz definiert die Persönlichkeit anhand von einzelnen Traits. Unter Trait wird eine situationsunabhängige, zeitlich stabile und überdauernde Persönlich­keitsdisposition verstanden. Diese Eigenschaften sind nicht direkt beobachtbar, sondern äußern sich in Verhaltensweisen, wie beispielsweise der Mimik und Gestik. Längsschnittstudien zufolge, kann bei erwachsenen Individuen eine durchgehende Beständigkeit der Eigenschaften angenommen wer­den (Rammsayer & Weber, 2016). Wie stark bestimmte Eigenschaften bei einem Individuum ausge­prägt sind, wird durch die Häufigkeit und Intensität der beobachtbaren Verhaltensweisen definiert (Salewski & Renner, 2009). Die Grundgesamtheit dieser Eigenschaften wird somit als Persönlichkeit betitelt (Rammsayer & Weber, 2016). Grundlegend für die Eigenschaftstheorie ist der psychometrische Ansatz. Demzufolge sind alle Ausprägungen einer Person messbar und qualifizier­bar. Ein bekanntes Konzept des eigenschaftstheoretischen Ansatzes ist das Fünf-Faktoren-Model der Persönlichkeit nach Costa und McCrae (1992). Im folgenden Kapitel werden die Grundlagen und die Entstehung dieses Models genauer erläutert.

2.2.2 Das Big-Five-Model der Persönlichkeit

Das Bestreben, die Persönlichkeit von Individuen zu erfassen und zu definieren, hat eine lange Tradition. Bereits in der Antike beschäftigten sich Philosophen, Schriftsteller und Wissen­schaftler damit was die Persönlichkeit eines Menschen ausmacht und wie diese Persönlichkeit defi­niert werden kann. Die amerikanischen Forscher Allport und Odbert erstellten 1936 eine Übersicht von 18 000 Adjektiven aus dem Webster's New International Dictionary und filterten daraus 4500 Wörter, die sich zu einer Deskription von Persönlichkeitsmerkmalen eigneten. Hieraus entstand der lexikalische Ansatz auf dem das heutige Big-Five-Model der Persönlichkeit beruht. Die erstellte Liste von Allport und Odbert (1936) wurde schließlich von Cattell (1949), mithilfe statistischer Verfahren gekürzt und letztlich zu dem Persönlichkeitsinventar 16 personality factors (16pf), weiterentwickelt. Trotz fehlender Überzeugung der psychologischen Forschung zu dieser Thematik, plädierten For­scher (Fiske, 1949; Norman, 1963) für die fünf grundlegenden Faktoren Neurotizismus, Extraversion, Gewissenhaftigkeit, Offenheit für neue Erfahrung und Verträglichkeit. Die Wissenschaftler Costa und McCrae (1992) bestätigten, dass diese fünf Faktoren als stabile Grundlage für die Persönlichkeit existieren und entwickelten das Fünf-Faktoren-Inventar NEO-Personality Inventory (NEO-PI) zur Messung dieser Dimensionen. Parallel und unabhängig zu diesen Erkenntnissen bestätigten auch Sau­cier und Goldberg (1998) durch ihre Analysen die fünf Faktoren und führten erstmals den Begriff Big-Five ein. Diese wissenschaftlichen Forschungsergebnisse wurden auch im deutschsprachigen Raum von Angleitner und Ostendorf (1990) anerkannt.

Das Persönlichkeitsinventar nach Costa und McCrae (1992) ist bis heute der bekannteste Fragebogen zur Erfassung der Big-Five-Faktoren und hat sich auch mit der Übersetzung von Bor- kenau und Ostendorf (1993) als NEO-Fünf-Faktoren-Inventar (NEO-FFI) im deutschen Sprachraum etabliert. Das Big-Five-Model der Persönlichkeit gliedert sich in die fünf unabhängigen Faktoren Extraversion, Neurotizismus, Gewissenhaftigkeit, Offenheit für neue Erfahrungen und Verträglich­keit. Diese Persönlichkeitsfaktoren können in ihrer Ausprägung zwischen einem geringen und einem hohen Pol variieren (Simon, 2006). Jede Dimension des NEO-Persönlichkeitsinventars beinhaltet je­weils sechs Subfacetten, dies bedeutet, dass das Inventar nach einer hierarchischen Struktur aufgebaut ist. Da die einzelnen Faktoren sehr breit konzipiert sind, wird mithilfe der Subfacetten eine gezielte und individuelle Analyse der einzelnen Merkmale sichergestellt (Rammsayer & Weber, 2016).

Für die Untersuchung der vorliegenden Arbeit wird der NEO-FFI-30 verwendet (Körner et al., 2008). Wie dieser Fragebogen aufgebaut ist, wird im Kapitel Methoden genauer definiert. Folg­lich werden die fünf Faktoren des Big-Five-Models erläutert.

Extraversion

Individuen mit einem hohen Wert für Extraversion sind sehr gesellig und mögen somit die Anwesenheit anderer. Sie sind zudem sehr gesprächig und tauschen sich gerne mit anderen Menschen aus. Sie haben eine fröhliche und heitere Lebensweise und begegnen anderen mit Freundlichkeit und Herzlichkeit. Im Gegensatz hierzu, gelten introvertierte Individuen als weniger aktiv und leben eher zurückgezogen, als unter vielen Menschen. Ihre Art ist eher als reserviert und formell zu definieren (Simon, 2006).

Neurotizismus

Menschen bei denen Neurotizismus ausgeprägt ist, werden als temperamentvoll, besorgt und oftmals ängstlich beschrieben. Laut Eysenck und Eysenck (1968) hängt diese Dimension auch stark mit Depressivität, Spannungsgefühlen und Reizbarkeit zusammen. Sie reagieren bei Problemsituati­onen emotionaler als andere Individuen und weisen zudem eine erhöhte Stressreaktion auf. Sie zei­gen, im Gegensatz zu Personen bei denen Neurotizismus wenig ausgeprägt ist, emotional instabile Verhaltensweisen auf (Rammsayer & Weber, 2016).

Gewissenhaftigkeit

Rammsayer und Weber (2016) zufolge, zeigt diese Dimension vor allem bei sehr zuverläs­sigen, ordentlichen, pünktlichen, disziplinierten, und ehrgeizigen Menschen eine hohe Polung. Ge­wissenhafte Menschen gelten als sehr genau, sorgfältig und haben keine Bedenken Verantwortung zu übernehmen. Die gegensätzliche Ausprägung kennzeichnet die betroffenen Personen als eher nach­lässig oder verantwortungslos. Sie leben unbekümmert in den Tag hinein und gelten als planlos und unorganisiert.

Offenheit für neue Erfahrung

Menschen die hohe Werte auf dieser Dimension aufzeigen, sind sehr kreativ. Sie interessie­ren sich oftmals für Bereiche wie Kunst und sind offen für neue Eindrücke, Erfahrungen und Ideen. Individuen mit einer niedrigen Ausprägung in diesem Faktor, leben konservativer und zeigen für Kreatives nicht viel Interesse. Sie bevorzugen ihnen vertraute Dinge mehr als neue Erfahrungen zu sammeln (Rammsayer & Weber, 2016).

Verträglichkeit

„Verträglichkeit bezeichnet ein Verhalten, das dazu neigt, anderen entgegenzukommen, Konfrontation zu vermeiden, sich anzupassen und um Konformität zu bemühen“ (Simon, 2006, S. 120). Laut Rammsayer und Weber (2016), erfasst dieser Faktor das zwischenmenschliche Verhalten. Individuen mit einem hohen Verträglichkeitswert sind mitfühlend, kooperativ und hilfsbereit. Sie verhalten sich zudem bescheiden und aufrichtig. Personen mit einem niedrigen Verträglichkeitswert sind eher kühl, distanziert und egozentrisch.

2.2.3 Selbstkontrolle

In diesem Teil der Arbeit wird ein Einblick in das Konstrukt Selbstkontrolle gewährt. Es wird als ein zusätzliches Persönlichkeitsmerkmal neben den Big-Five für die Untersuchung über Zu­sammenhänge zwischen Prokrastination und Persönlichkeitsmerkmalen hinzugezogen.

Es ist allgemein bekannt, dass Schüler und Studierende in ihrer gesamten Schullaufbahn dem Druck ausgesetzt sind, die bestmöglichen Leistungen zu erbringen. Um diesen Anforderungen ge­recht zu werden ist der soziale Austausch mit anderen Schülern oder Studierenden sowie ein struktu­rierter Tagesablauf bzw. Lernablauf äußerst wichtig. Ein bedeutender und tragender Faktor der Schü­ler und Studierende hierbei begleitet ist die Selbststeuerung. Als Selbststeuerung wird die „Fähigkeit definiert, Entscheidungen zu treffen, eigene Ziele zu bilden und sie gegen innere und äußere Wider­stände umzusetzen“ (Fröhlich & Kuhl, 2003, S.222). Vor allem in einer besonderen Zeit, wie in der aktuell herrschenden Pandemie und der damit verbundenen Einschränkungen, werden Schüler und Studierende vor die Herausforderung gestellt, sich Lerninhalte eigenständiger zu erarbeiten. Seit be­reits zwei Semestern findet an Hochschulen kaum oder keine Präsenzlehre mehr statt, sondern nur Online-Vorlesungen. Manche Universitäten zeichnen diese Vorlesungen auf und stellen diese online, sodass Studierende kaum noch an feste Vorlesungszeiten gebunden sind und deren Alltag somit im­mer mehr an Struktur verliert. In diesem Fall ist eine gute Selbststeuerung der Studierenden von Vor­teil. Die Selbststeuerung versteht sich als übergeordneter Begriff der Komponenten Selbstkontrolle, sowie Selbstregulierung und ist geprägt durch eine gute Organisation und Motivation des Studieren­den (siehe Abbildung 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1. Arten der Selbststeuerung (eigene Darstellung nach Beckmann & Beckmann-Waldenmayer, 2020, S. 450)

Der Fokus dieses Faktors ist, dass die gesetzten Ziele trotz aufkommender Hindernisse um­gesetzt werden. Auf den akademischen Kontext bezogen würde das bedeuten, dass Studierende oder Schüler trotz herrschender Umstände ihren Klausuren oder anderen Prüfungen nachgehen. Obwohl die Begriffe Selbstkontrolle und Selbstregulierung oft als synonym verwendet werden, sollten sie aufgrund ihrer teils unterschiedlichen Eigenschaften und Folgen differenziert werden (Beckmann & Beckmann-Waldenmayer, 2020). Die Selbstregulation wird in der Psychologie auch als „innere De­mokratie“ bezeichnet, bei der sich viele Stimmen auftun, die individuelle sowie fremde Bedürfnisse, Werte und Gefühle bei Entschlüssen beachten und involvieren. Die Selbstregulation basiert darauf, sich individuelle Ziele zu setzen, die bedacht und flexibel umgesetzt werden. Der Unterschied zur Selbstkontrolle ist, dass die aufkommenden kritischen Stimmen nicht unterdrückt, sondern berück­sichtigt werden (Kuhl, 2001). Nach Deci und Ryan (2000) begünstigt die Selbstregulierung eine Selbstbestimmung des Individuums. Hierbei ist die Handlungsweise vom erstrebten Inhalt (Was?) als auch von der Intention der Zielverfolgung (Warum?) bedingt. Als Selbstkontrolle wird eine Art der willentlichen Steuerung beschrieben, bei der sich ein Individuum in der Konfliktsituation befindet sich zwischen verschiedenen Verhaltensweisen zu entscheiden, wobei jede einzelne Verhaltensweise positive oder negative Folgen mit sich ziehen kann. Hierbei wird bei Menschen die kognitive von der emotionalen Präferenz ausgespielt. Beckmann und Beckmann-Waldenmayer (2020) definieren Selbstkontrolle auch als Selbstdisziplin oder Willensstärke. In der Psychologie wird Selbstkontrolle auch als „innere Diktatur“ bezeichnet, da sie auf eine strikte Zielverfolgung fixiert ist und jede Hand­lungsintention, die nicht unmittelbar Zielführend ist unterbindet (Kuhl, 2001). Die Umsetzung der Ziele wird bei der Selbstkontrolle durch präzise Zielvornahmen vereinfacht (Gollwitzer, 1999). Die Forscher Gottfredson und Hirschi (1990) sehen aufgrund der Kontrolltheorien und der von ihnen 17 entwickelten General Theory of Crime (GTOC) die Selbstkontrolle als ein Persönlichkeitsmerkmal an. Laut den beiden Forschern tendieren Individuen mit einer geringen Selbstkontrolle dazu, abwei­chende Verhaltensweisen verschiedenster Art aufzuzeigen, sofern sich passende Möglichkeiten erge­ben (Gottfredson & Hirschi, 1990).

Da besonders in der momentanen Zeit ein hohes Durchhaltevermögen von Schülern und Studierenden gefordert wird, stoßen viele an ihre Grenzen. Individuen bei denen Selbstkontrolle aus­geprägt ist, fokussieren sich trotz aller hindernden Umstände auf ihr Ziel das Studium oder die Schule abzuschließen, auch wenn sich ihre Motivation aufgrund sämtlicher Einschränkungen am Minimum befindet (Kuhl, 2001). Die Tatsache, dass sich Individuen trotz eines eventuell aufkommenden Un­wohlseins einer Aufgabe widmen und diese erledigen, legt nahe, dass sie nicht zu prokrastinierendem Verhalten neigen (Solomon & Rothblum, 1984). Demnach könnte eine wenig ausgeprägte Selbstkon­trolle prokrastinierendes Verhalten begünstigen. Ob Selbstkontrolle als ein Persönlichkeitsmerkmal und der Faktor Prokrastination Zusammenhänge aufzeigen, wird in dieser Arbeit untersucht.

2.3 Forschungsstand und Ableitung der Hypothesen

Die möglichen Ursachen für prokrastinierendes Verhalten werden seit einigen Jahren in der Wissenschaft diskutiert. Um weitere Erkenntnisse in diesem Forschungsbereich zu gewinnen, unter­sucht die vorliegende Arbeit, inwiefern Zusammenhänge zwischen Prokrastination und Persönlich­keitsmerkmalen bestehen. In diesem Kapitel wird der aktuelle Forschungsstand zur Prokrastination, den Persönlichkeitsmerkmalen und der Selbstkontrolle dargestellt, um folglich aus den bisherigen wissenschaftlichen Ergebnissen die Forschungsfrage dieser Arbeit, die Hypothesen und die Zielset­zung ableiten zu können. In den bisherigen Studien zu dieser Thematik wurden unterschiedliche stan­dardisierte Erhebungsinstrumente verwendet, um die Ausprägungen der zu untersuchenden Kon­strukte messen zu können. Zur Darlegung des aktuellen Forschungsstands, werden die Ergebnisse dieser Studien genauer erläutert. Es ist erneut anzumerken, dass es sich bei den Studien zur Prokras- tination ausschließlich um akademische Prokrastination handelt. Als nächstes werden die Resultate der Studien vorgestellt, die den Zusammenhang von Prokrastination und den Persönlichkeitsmerk­malen Gewissenhaftigkeit, Extraversion, Offenheit für neue Erfahrung, Neurotizismus und Verträg­lichkeit, untersuchten.

Schouwenburg und Lay (1995) führten eine Studie zum Zusammenhang von Persönlich­keitsmerkmalen und Prokrastination durch. Die Probanden dieser Untersuchung waren 81 männliche und 271 weibliche Studenten einer kanadischen Universität. Die Alterspanne betrug 17 bis 49 Jahre und ergab ein Durchschnittsalter der Teilnehmenden von 21 Jahren. Um die Ausprägung der Prokras- tination bei den Probanden bestimmten zu können, wurde die von Lay (1988) entwickelte Prokrasti- nation Skala angewandt. Zur Messung der Persönlichkeitsmerkmale verwendeten die Forscher bei dieser Untersuchung die revidierte Version des NEO-Personality Inventory (NEO-PI-R) von Costa und McCrae (1992). Schouwenburg und Lay (1995) konnten mit ihrer Studie demonstrieren, dass der Persönlichkeitsfaktor Gewissenhaftigkeit sehr stark mit Prokrastination (r. -.67, p. <.001) korre­liert. Einen mittleren positiven Zusammenhang konnte die Forscher bei Prokrastination und Neuroti­zismus feststellen (r. .34, p.<.001). Die Merkmale Verträglichkeit und Extraversion korrelierten nur schwach mit Prokrastination (r. -.15, p.lt; .001, r. -.14, p.lt; .001), zeigten aber eine Signifikanz auf. Der Persönlichkeitsfaktor Offenheit für neue Erfahrung ergab kein signifikantes Ergebnis (r.=°.01 , p.lt; .001). Nach einer Faktoranalyse führten die Forscher eine multiple Regressionsanalyse durch. Bei der Regression von Prokrastination und den Big-Five-Faktoren ergab Gewissenhaftigkeit eine Varianz von 33% (semi-partial r. -.57, p.lt; .001) und Neurotizismus hingegen eine Varianz von 1% (semi-partial r. .09, p.lt; .02). Die anderen Faktoren wiesen keine Verbindung mit Prokrastination auf. Folglich konnten Schouwenburg und Lay (1995) mit den Ergebnissen in dieser Studie keine Unterschiede hinsichtlich des weiblichen und männlichen Geschlechts aufweisen.

Auch Milgram und Tenne (2000) untersuchten Zusammenhänge zwischen Prokrastination und Persönlichkeitsmerkmalen an Sozialwissenschaftsstudierenden der Universität Tel Aviv. An die­ser Studie nahmen insgesamt 130 Probanden (M. 28.39, SD. 5.1), von denen 47,7 % weibliche und 52,3% männliche Probanden waren, teil. Um die Ausprägung der Persönlichkeitsfaktoren zu messen, wurde auch bei dieser Studie die revidierte Version des NEO-Personality Inventory (NEO-PI-R) ein­gesetzt (Costa und McCrae, 1992). Zur Erhebung der Prokrastination wendeten die Forscher die Academic Procrastination Scale (APS) (Milgram, Mey-Tal & Levison, 1998) an. Die Ergebnisse die­ser Studie ergaben, dass auch hier der Faktor Gewissenhaftigkeit am stärksten mit Prokrastination korreliert (r. -.43, p.lt; .01). Für die Dimension Offenheit für neue Erfahrung und Prokrastination zeigte sich ein mittelstarker positiver Zusammenhang (r..36, p.lt; .01), während die Dimensionen Neurotizismus (r. .26, p.lt; .01) und Extraversion (r. -.28, p.lt; .01) nur eine leichte bis mittlere Kor­relation ergaben. Für den Faktor Verträglichkeit (r. .16, p.lt; .01) stellten Milgram und Tenne (2000) eine eher schwache Korrelation fest.

Watson (2001) führte 2001 eine Studie mit 349 kanadischen Universitätsstudierenden (M.=°21.98, SD. 5.16), von denen 256 weibliche und 86 männliche Probanden waren, durch. Diese Studie umfasste ebenso das Ziel, den Zusammenhang von Persönlichkeitsmerkmalen und Prokrasti- nation zu untersuchen. Zur Erfassung der fünf Persönlichkeitsfaktoren und ihren sechs Facetten ver­wendete der Forscher auch das NEO-PI-R von Costa und McCrae (1992). Die Ausprägung der Pro- krastination bei den Studierenden wurde mittels der Procrastination Assessment Scale for Stundents (PASS) gemessen (Solomon & Rothblum, 1984). Mit einer Regressionsanalyse konnte bei der Un­tersuchung unterschiedliche Zusammenhänge zwischen der Prokrastination und den Persönlichkeits­faktoren ermittelt werden. Die stärkste Korrelation zeigte sich beim Faktor Gewissenhaftigkeit (.° -.55, p.lt; .001). Der Faktor Neurotizismus hingegen, weist einen positiven mittleren Zusammenhang auf (r. .42, .lt;°.001). Die schwächste Korrelation macht sich beim Persönlichkeitsfaktor Extraver­sion ersichtlich (r. -.21 , p.lt; .001). Bei den Dimensionen Verträglichkeit und Offenheit für neue Erfahrung konnte kein Zusammenhang festgestellt werden.

Der Wissenschaftler Hakan Karatas (2015) untersuchte in seiner Studie an der Technischen Universität Yildiz ebenfalls den Zusammenhang dieser zwei Konstrukte. An der Studie nahmen 475 Probanden teil, von denen 33.9% weibliche und 66.1% männliche Studierende waren. Um die Pro- krastinationswerte bestimmen zu können, verwendete Karatas (2015) bei seiner Studie die Academic Procrastination Scale (APS) von Tuckman (1991). Die Persönlichkeitsfaktoren wurden mit dem Per­sonality Test Based on Adjectives (PTBA) von Bacanli, ilhan und Aslan (2009) untersucht, welcher auf der Grundlage des Modells der Big-Five Persönlichkeitsfaktoren von Costa und McCrae (1992) beruht. Den Ergebnissen der Studie zufolge, ist zwischen den Konstrukten Gewissenhaftigkeit und Prokrastination ein schwacher bis mittlerer negativer Zusammenhang (r. -.28, p.lt; .01) ersichtlich. Auch die Dimension Extraversion zeigt eine schwache negative Korrelation (r. -.16, p.lt; .01) mit Prokrastination auf. Die anderen Konstrukte wie Neurotizismus, Offenheit für neue Erfahrung und Verträglichkeit zeigten keinen signifikanten Zusammenhang. In dieser Studie wurde zusätzlich mit­tels eines T-Tests überprüft, ob Geschlechterunterschiede bezüglich akademischer Prokrastination und Persönlichkeitsmerkmalen bestehen. Den Ergebnissen zufolge unterscheiden sich weibliche und männliche Studierende nicht hinsichtlich ihres Prokrastinationsverhaltens (t.98) = - .32, p. .74).

In der bereits erwähnten Metaanalyse von Steel (2007), bei der unter anderem auch der Zu­sammenhang von Prokrastination und Persönlichkeitsmerkmalen untersucht wurde, ist ersichtlich, dass Gewissenhaftigkeit stark mit Prokrastination korreliert (r. -.62, p.lt; .001). Als eine Facette des Persönlichkeitsmerkmals Gewissenhaftigkeit zeigt der Faktor Selbstkontrolle gleicherweise eine hohe negative Korrelation auf (r. -.58, p.lt; .001). Beim Merkmal Neurotizismus wurde eine schwa­che bis leichte Kohärenz mit Prokrastination festgestellt (r. .24, p.lt; .001). Bei den Persönlichkeits­faktoren Extraversion und Verträglichkeit ist eine identische geringe Korrelation erkennbar (r. -.12, p.lt; .001). Zuletzt ist in dieser Studie deutlich, dass der Big-Five-Faktor Offenheit für neue Erfahrung den schwächsten Zusammenhang mit Prokrastinationsverhalten darlegt (r. .03, p.lt; .001). Steel (2007) konnte mit seiner Metaanalyse einen schwachen nicht signifikanten Zusammenhang von Ge­schlecht und Prokrastination bestätigen (R[2]. .01, F.1, 125) = 1.86, p. .18).

Den teils unterschiedlichen Ergebnissen des aktuellen Forschungsstands zum Zusammen­hang der Konstrukte Prokrastination und Persönlichkeitsmerkmale zufolge ist ersichtlich, dass es hier noch einer weiteren Nachforschung bedarf. Auf Grundlage dieser wissenschaftlichen Ergebnisse wer­den für diese Studie folgende Hypothesen aufgestellt:

Hypothese 1:

Es gibt einen negativen Zusammenhang zwischen Gewissenhaftigkeit und Pro- krastination.

Hypothese 2:

Es gibt einen positiven Zusammenhang zwischen Neurotizismus und Prokras- tination.

Hypothese 3:

Es gibt einen negativen Zusammenhang zwischen Extraversion und Prokrasti- nation.

Hypothese 4:

Es gibt einen positiven Zusammenhang zwischen Offenheit für neue Erfahrung und Prokrastination.

Hypothese 5:

Es gibt einen negativen Zusammenhang zwischen Verträglichkeit und Prokras- tination.

Die Forscher Dan Ariely und Klaus Wertenbroch (2002) führten zwei Studien am Massa­chusetts Institute of Technology (MIT) mit Studierenden zum Prokrastinationsverhalten und Selbst­kontrolle durch. Sie untersuchten wie sich die Leistungsverhältnisse der Probanden verändern, wenn sie sich diese eigenständigen Fristen für Abgaben setzen oder ihnen diese Abgabefristen vorgegeben werden. Insgesamt zeigen die Ergebnisse der Studie, dass die Selbstkontrolle bei selbstgesetzten Fris­ten sinkt und das pathologische Aufschiebeverhalten häufiger auftritt als bei vorgegeben Abgabefris­ten. Zudem wurde in der Untersuchung eine effektive Leistungssteigerung bei vorgegebenen Abga­beterminen ersichtlich.

In einer aktuellen Studie führten Guoqing Liu, Gang Cheng, Juan Hu, Yun Pan und Shouying Zhao (2020) an der Guizhou Normal Universität in China eine Untersuchung zu akademischer Selbst­wirksamkeit, Selbstkontrolle und Prokrastination durch. An der Studie nahmen 650 Masterstudie­rende teil, davon waren 351 weiblich und 226 männlich. Zur Messung der Ausprägungen der jewei­ligen Faktoren füllten die Probanden einen Fragebogen aus, der sich aus dem Academic Self-Efficacy of Postgraduate Students Questionnaire (Li, 2010), dem Academic Self-Control Questionnaire (Zhang, 2006) und dem Academic Procrastination of Postgraduate Students Questionnaire (Hu, 2008) zusammensetzt. Die Ergebnisse dieser Untersuchung berichten, dass Selbstkontrolle einen mittleren negativen Zusammenhang mit Prokrastination aufweist (r. -.42, p.lt; .01).

Aufgrund der bisherigen Forschung sowie der Annahme, dass Individuen mit einer ausge­prägten Selbstkontrolle seltener zu Prokrastination neigen, soll mit folgender Hypothese erneut un­tersucht werden, ob diese Annahme und die bisherigen Studien gestützt werden können:

Hypothese 6: Es gibt einen Zusammenhang zwischen Selbstkontrolle und Prokrastination.

Der aktuelle Forschungsstand berichtet einen schwachen bis keinen Zusammenhang des Ge­schlechts zum Prokrastinationsverhalten (vgl. Karatas, 2015; Steel, 2007). Die Forscherin Sichan He (2017) hat im Zuge ihrer Studie zur Prokrastination folgende Ergebnisse zu Geschlechterunterschie- den und dem Alter der Probanden erzielt. Zum einen konnte sie feststellen, dass es keinen signifikan­ten Unterschied zwischen weiblichen und männlichen Studierenden hinsichtlich der Prokrastination gibt (t.199) = .28, p. .79), zum anderen ergab ein Ergebnis ihrer Studie, dass unter 20-jährigen Studierenden den höchsten und Studierende zwischen 21 und 25 Jahren den zweithöchsten Prokras- tinationswert aufzeigten. In den höheren Altersgruppen machten sich niedrigere Werte von Prokras- tination deutlich. Insgesamt ergab die Untersuchung einen negativen Zusammenhang des Faktors Prokrastination und dem Alter (p = -.1, p.lt; .05). Den Ergebnissen ihrer Studie zufolge, sinkt die Prokrastination mit steigendem Alter des Studierenden. Aufgrund der geringen Forschungsgrundlage zu Geschlechter- und Altersunterschieden bei Prokrastinationsverhalten wird in dieser Untersuchung näher darauf eingegangen. Somit lassen sich die folgenden Hypothesen aufstellen:

Hypothese 7:

Weibliche und männliche Studierende unterscheiden sich hinsichtlich ihres Prokrastinationsverhaltens.

Hypothese 8:

Studierende unter 22 Jahren, Studierende zwischen 22 und 25 Jahren und Stu­dierende ab einem Alter von 26 Jahren unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Prokrastination.

Einen Neuheitsaspekt, den die vorliegende Arbeit zur Thematik Prokrastination aufbringt, ist zu untersuchen, ob sich die Ausprägung des Prokrastinationsverhaltens innerhalb der Studiense­mester unterscheidet. Daher wird folgende Annahme getroffen:

Hypothese 9:

Studierenden in Anfangs-, mittleren und in höheren Semestern unterscheiden sich hinsichtlich ihres Prokrastinationsverhaltens.

3 Methode

In diesem Kapitel wird die empirische Ausarbeitung der aufgestellten Hypothesen darge­stellt. Einleitend erfolgt die Erläuterung der Stichprobe, gefolgt vom Untersuchungsdesign und - durchführung. Anschließend werden die Messinstrumente für die durchgeführte Untersuchung defi­niert und letztlich ein Überblick zur Datenaufbereitung und den statistischen Verfahren gegeben.

3.1 Stichprobe

Da bei der vorliegenden Arbeit der Fokus auf der akademischen Prokrastination liegt, besteht die Stichprobe ausschließlich aus Studierenden. Für diese Studie wurden Teilnehmende aus allen Semestern und aus diversen Fachbereichen von verschiedenen Universitäten und Hochschulen Deutschlands befragt. 30 % der Probanden befinden sich im Anfangssemester (1. bis 2. Semester), 34 % im 3. bis 5. Semester und 36% bereits im 6. oder höheren Semester. Die Befragung erfolgte mittels eines Fragebogens der im Online-Campus der FOM veröffentlicht und auch über soziale Netz­werke geteilt wurde. Insgesamt nahmen 512 Probanden (N. 512) an der Untersuchung teil. Alle Teilnehmenden, welche die Befragung abgebrochen haben und auch solche, die die Überprüfungs­frage Studierender zu sein verneinten, wurden aus dem Datensatz entfernt. Demnach ergab sich eine Anzahl der Befragten von 409 Studierenden (N. 409). Die Stichprobe setzt sich aus 32 % männlichen und 68 % weiblichen Probanden zusammen. Die zu geringe Stichprobe des Geschlechts divers (.°2), kann die Repräsentativität der Stichprobe nicht gewährleisten und verursacht möglicher­weise eine Verzerrung der Ergebnisse. Aus diesem Grund wird das Geschlechtsmerkmal divers nicht weiter in die Untersuchung miteinbezogen und es ergibt sich letztlich eine Anzahl der Teilnehmenden von 407 Studierenden (N. 407) (Döring & Bortz, 2016). Die Alterspanne der Studierenden, die an der Untersuchung teilnahmen, beträgt 17 bis 57 Jahre (M. 25.54, SD. 6.97).

3.2 Untersuchungsdesign und -durchführung

Die im Zuge dieser Arbeit durchgeführte Studie liegt einem quantitativen wissenschaftsthe­oretischen Ansatz zugrunde. Zudem ist das Erkenntnisziel auf dem diese empirische Untersuchung basiert, grundlagenwissenschaftlich. Es wurden eigene Daten erhoben und keine Messwiederholung durchgeführt. Folglich handelt es sich hierbei um eine Erweiterung des wissenschaftlichen Kontextes und eine Querschnittsstudie (Döring & Bortz, 2016, S.183). Bei dieser Untersuchung wurde eine Stichprobe aus Studierenden mittels eines Online-Fragebogens zum Zusammenhang von Prokrasti- nation und Persönlichkeitsmerkmalen befragt. Die Probanden nahmen zu einem beliebigen Zeitpunkt und in einem nicht kontrollierbaren Umfeld (Zuhause oder Unterwegs) an der Befragung teil, sodass diese Untersuchung als Feldstudie definiert wird.

Der Ablauf der Studie gliedert sich wie folgt. Die Erfassung der Daten für diese empirische Studie erfolgte mittels einem vollstandardisierten Online-Fragenbogen via soscisurvey. Diese Me­thode wurde gewählt, da eine Online-Befragung einerseits eine zeitliche und räumliche Unabhängig­keit bietet und andererseits, mit geringem bis gar keinem finanziellen Aufwand verbunden ist. Zudem ist die Fehleranfälligkeit hierbei geringer, als bei einer manuellen Datenerhebung (Wagner & Hering, 2014, S. 662). Der Fragebogen setzt sich neben den demographischen Angaben, wie beispielsweise Alter, Geschlecht und Berufstätigkeit, zusätzlich aus drei Skalen zusammen. Die Prokrastination er­fasst der Academic Procrastination State Inventory (APSI-d) von Helmke und Schrader (2000). Die Ausprägung der Persönlichkeitsmerkmale wird mit dem NEO-FFI-30 (Körner et al., 2008) gemessen und die Selbstkontrolle der Probanden wurde mit der deutschen Version der Self-Control Skala (Sei­pel, 2014) ausgewertet. Der Link zum Fragebogen wurde über den Online Campus der FOM Mün­chen, aber auch durch unterschiedliche soziale Medien an so viele Personen wie möglich weiterge­leitet. Alle Probanden, die an der Umfrage teilnahmen, wurden zu Beginn darauf aufmerksam ge­macht, dass die Befragung zum Schutz von personenbezogenen Daten anonym ist. Die Bearbeitungs­dauer des Fragebogens betrug ca. 10 bis 15 Minuten. Letztlich erstreckte sich der Befragungszeitraum vom 02.02.2021 bis zum 19.03.2021.

3.3 Messinstrumente

Wie bereits im vorhergehenden Abschnitt erläutert, wurden die Daten für die vorliegende Arbeit mithilfe eines Fragebogens (siehe Anhang A) erhoben. Dieser setzt sich aus vier Erhebungs­instrumenten zusammen. Nach einer kurzen Einleitung beginnt der Fragebogen mit soziodemogra­phischen Fragen, gefolgt von den jeweiligen Skalen zur Prokrastination und abschließend den Per­sönlichkeitsmerkmalen. Insgesamt besteht der Fragebogen aus 84 Items.

Das erste Erhebungsinstrument, bestehend aus neun Items, ist der soziodemographische Teil des Fragebogens. In diesem Teil werden die Probanden unter anderem zu ihrem Alter, Geschlecht oder ihrer Beschäftigung befragt. Die nächsten 22 Items des Fragebogens sind dem APSI-d von Helmke und Schrader (2000) zuzuordnen. Der APSI-d erfasst das Prokrastinationsverhalten des Pro­banden. Die Skala beruht auf der niederländischen Fassung des Academic Procrastination State In­ventory (APSI) von Schouwenburg (1995) und wurde von Helmke und Schrader (2000) ins Deutsche übersetzt. Der APSI-d misst den Mangel an Unverzüglichkeit, also das Verschieben des Beginns von Aufgabenerledigungen und den Vorzug anderer konkurrierender Aufgaben. Der APSI-d gliedert sich in die drei Subdimensionen: State-Prokrastination im engeren Sinne, Angst und Unsicherheit, sowie Abneigung. Um Antworttendenzen entgegenzuwirken ist das Item „Sie sind/haben auch tatsächlich den Stoff gelernt, den Sie sich vorgenommen hatten“ in der Subdimension State-Prokrastination im engeren Sinne, negativ gepolt und musste für die Auswertung umgepolt werden. Die Beantwortung der Items erfolgt auf einer fünf-stufigen Likert-Skala von „niemals“ bis „immer/ständig“. Um ein­schätzen zu können wie stark die Items der Skala durchschnittlich miteinander korrelieren, wurde die Reliabilität des APSI-d mit dem Koeffizienten Cronbachs Alpha (a) ermittelt und ergab eine gute interne Konsistenz mit Werten zwischen a=.82 bis a = .89 (Helmke & Schrader, 2000).

Die zweite Skala des Fragebogens ist die deutsche Version der Self-Control Skala nach Sei­pel (2014). Sie beinhaltet 23 Items und misst die Ausprägung von Selbstkontrolle bei Probanden. Entwickelt wurde die Self-Control Skala von Gottfredson und Hirschi (1990) basierend auf der Ge­neral Theory of Crime (GTOC) und den Kontrolltheorien. Die GTOC nimmt an, dass deviantes Ver­halten durch eine Kosten-Nutzen-Abwägung eintritt und demnach rationalem Handeln zugeordnet werden kann. Darüber hinaus neigen Individuen mit einer geringen Ausprägung an Selbstkontrolle dazu, verschiedenste Formen abweichenden Verhaltens aufzuzeigen, sofern sich die mögliche Gele­genheit hierzu anbietet (Gottfredson & Hirschi, 1990). Grasmick, Tittle, Bursik, und Arneklev (1993) entwickelten auf dieser Grundlage die amerikanische Version der Self-Control Skala und entfernten nach einigen Analysen ein Item. Später übersetzte Seipel für eine eigene Untersuchung (1999, 2000) die amerikanische Version von Grasmick, et al (1993) ins Deutsche. Die Skala erfasst die sechs Sub­skalen: Impulsivität (Impulsivity), einfache Aufgaben (Simple Tasks), risikoreiches Verhalten (Risk­Seeking), körperliche Aktivität (Physical Activities), Selbstbezogenheit (Self-Centered) sowie Ge­reiztheit (Temper). Die Gütekriterien zeigen bezüglich der Reliabilität nach Cronbachs Alpha für die Subskalen einen Wert von a= .44 bis .76 und einen Gesamtwert aller Items von a= .68 auf. Somit ist die interne Konsistenz der Subskalen aufgrund der niedrigen Itemanzahl allgemein als zufriedenstel­lend zu beurteilen (Döring & Bortz, 2016, S. 271). Für die Beantwortung der Items sind fünfstufige Ratingskalen 1 = „trifft überhaupt nicht zu“, 2 = „trifft eher nicht zu“, 3 = „trifft gelegentlich zu“, 4 = „trifft eher zu“, 5 = „trifft voll und ganz zu“ vorgesehen (Seipel, 2014).

Die letzte Skala des Fragebogens ist das NEO Five Factor Inventory 30 Item Short Version (NEO-FFI-30), eine Kurzversion des NEO-FFI von Costa und McCrae (1992). Das von Costa und McCrae (1992) entwickelte NEO-FFI zur Messung von Persönlichkeitsmerkmalen ist ein internatio­nal einge-setztes Verfahren und wurde 1993 von Borkenau und Ostendorf ins Deutsche übersetzt. Dieses Verfahren überprüft die Ausprägungen der Merkmale Neurotizismus, Extraversion, Offenheit für Erfahrung, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit mit insgesamt 60 Items. Die Kurzform des NEO-FFIs basiert auf den Item-, Skalen- und Faktorenanalysen der ursprünglichen 60-Item-Ver- sion des NEO-FFI (Körner et al., 2008). Das Inventar besteht nun aus 30 Items mit je sechs Items pro Subskala. Die Antwortangabe für die Skala besteht aus einer vierstufigen Ratingskala mit 0 für „starke Ablehnung“ bis 4 für „starke Zustimmung“. Körner et al. (2008) konnten insgesamt eine ak­zeptable interne Konsistenz dieses Inventars anhand einer deutschen Bevölkerungsstichprobe (N. 1908) mittels Cronbachs Alpha ermitteln und erzielten Werte zwischen a = .67 und a = .81. Die Dimension Neurotizismus zeigte hier eine Reliabilitätsstärke von α = .81 und demnach eine gute interne Konsistenz. Die Analyse für das Persönlichkeitsmerkmal Gewissenhaftigkeit ergab einen Wert von α = .78. Für die Dimensionen Verträglichkeit und Extraversion konnte jeweils eine Reliabilitätsstärke von α = .75 und α = .72 gemessen werden und demnach sind alle drei Werte als akzeptabel einzustufen. Die niedrigste interne Konsistenz mit α = .67 wurde beim Persönlichkeitsmerkmal Offenheit für neue Erfahrung festgestellt und ist demnach als kritisch einzuordnen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 79 Seiten

Details

Titel
"Mach' ich morgen." Zusammenhang von Prokrastination und Persönlichkeitsmerkmalen
Untertitel
Eine empirische Untersuchung
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, München früher Fachhochschule
Note
1,7
Jahr
2021
Seiten
79
Katalognummer
V1140055
ISBN (eBook)
9783346516541
ISBN (Buch)
9783346516558
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Prokrastination, Persönlichkeitsmerkmale, BigFive, Selbstkontrolle, Persönlichkeit
Arbeit zitieren
Anonym, 2021, "Mach' ich morgen." Zusammenhang von Prokrastination und Persönlichkeitsmerkmalen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1140055

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