Digitale Literatur. Produktion und Rezeption von Cyberpoesie


Hausarbeit, 2021

10 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Arbeitsdefinitionen: Digitale Literatur und Cyberpoesie

3. Formen der Cyberpoesie
3.2. Interaktive Lyrik

4. Verhältnis Werk-Autor*in-Leser*in
4.1. Die Rolle des Werks
4.2. Rolle der Autor*innen
4.3. Die Rolle der Leser*innen

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Dass die Digitalisierung neue Kommunikationsmöglichkeiten eröffnet und damit zu einer Veränderung des Kommunikationsverhaltens der Menschen miteinander geführt hat, steht in der heutigen außer Frage. Auch die Literatur blieb von dem Einfluss digitaler Medien nicht unberührt. “Literatur ist Kommunikation. Sie wird zwischen den Konstituenten Sender, Empfänger und Botschaft aufgespannt, oder literaturspezifischer ausgedrückt, zwischen deren Konkretisierungen Autor, Leser und Werk.”1 Im Falle von analoger Literatur ist dieses “Werk” ein gedruckter Text, der in einem Printmedium veröffentlicht wird. Charakteristisch für diese Veröffentlichungsform von Literatur ist ihre Unveränderbarkeit - die Wörter folgen einer von den Autor*innen festgelegten Abfolge, der Text als solcher ist “monomedial”2. Anders sieht es bei digitaler Literatur aus: Die aktive Einflussnahme der Leser*innen auf die Abfolge der Bestandteile des Werks und die Verwendung multimedialer Bestandteile sind Beispiele für die Elemente digitaler Literatur. Welche Besonderheiten sich aus diesem Charakteristikum digitaler Literatur hinsichtlich des Produktions- und Rezeptionsprozesses ergeben , werde ich in meiner Hausarbeit am Beispiel von Cyberpoesie analysieren. Damit einhergehend soll die Frage beantwortet werden, ob Produzent*in und Rezipient*in von Cyberpoesie noch “Autor*in” und “Leser*in” im klassischen Sinne sind oder ob es sich hierbei vielmehr um “Künstler*in” und “Betrachter*in” handelt.

Cyberpoesie ist nur eine von verschiedenen Formen digitaler Literatur. Meiner Meinung nach ist es aber eben jene Form, die das Repertoire an digitalen Gestaltungsmöglichkeiten am meisten ausschöpft, weshalb sich ihre Rezeption am gravierendsten von der Rezeption analoger Literatur unterscheidet. Aus diesem Grund wird sich meine Analyse auf die Produktion und Rezeption speziell der Cyberpoesie beschränken.

2. Arbeitsdefinitionen: Digitale Literatur und Cyberpoesie

Digitale Literatur, Netzliteratur, Computerliteratur - es gibt verschiedene Bezeichnungen für jene literarischen Werke, die sich durch den “sinnstifende[n] und literarischen Mehrwert erzeugende[n] Einsatz medienspezifischer Stilmittel”3 auszeichnen. Man versteht darunter also Produktionen, die über den Text hinaus Gestaltungselemente verwenden, welche sich nur durch die Verwendung digitaler Medien, in der Regel eines Computers, realisieren lassen. Digitale Literatur ist nicht zu verwechseln mit digitalisierter Literatur bzw. Literatur im Netz. Letztere bedient sich zwar auch der Möglichkeiten digitaler Medien, allerdings dienen diese hier lediglich als Träger- bzw. Speichermedium. Während sich digitalisierte Literatur in analoge Literatur umwandeln lässt, ohne dass dabei ein bedeutungstragendes Element verloren geht, ist dies bei digitaler Literatur nicht möglich. Um ihre volle Wirkung entfalten zu können, ist digitale Literatur sowohl in der Produktion als auch in der Rezeption auf das digitale Medium angewiesen.

Ebenso wie analoge Literatur kann auch digitale Literatur in verschiedene Gattungen eingeteilt werden. Wie eingangs bereits erwähnt, ist die Cyberpoesie (auch genannt: Computerlyrik, Computerpoesie, Computerdichtung oder e-poetry) eine Gattung der digitalen Literatur und entspricht, wie die Bezeichnungen bereits zu erkennen geben, dem, was die Lyrik als Gattung der analogen Literatur ist4. Turkowska beschreibt sie als “Literaturform, die die Grenze des Sprachlichen in Richtung des digitalen multimedialen Gesamtkunstwerkes überschritten hat.”5

3. Formen der Cyberpoesie

Auch die Cyberpoesie selbst als eine Gattung der digitalen Literatur kann in verschiedenen Formen erscheinen. Welche Elemente in einem digitalen Gedicht zu finden sind, hat Einfluss auf den Produktions- und Rezeptionsprozess. Aus diesem Grund wird eine Auswahl der Formen von Cyberpoesie in den folgenden Unterkapiteln erläutert. Dabei muss erwähnt werden, dass es neben den genannten Formen noch die aleatorische Lyrik sowie die HTML-Lyrik gibt6. Diese Formen werden in der vorliegenden Arbeit jedoch nicht näher behandelt, da es sich hier einerseits nicht mehr um von einem Menschen geschaffene Gedichte handelt (im Falle der aleatorischen Lyrik), andererseits das Gedicht und die poetische Sprache nur noch rudimentär als solche erkennbar sind (im Falle der HTML-Lyrik).

3.1. Multimediale Lyrik

Multimediale Lyrik zeichnet sich, wie der Name bereits vermuten lässt, durch die Bereicherung des Textes mit multimedialen Elementen aus. Bei diesen Elementen kann es sich um Bilder, Graphiken, farbige visuelle Elemente bzw. Computereffekte sowie Töne oder Melodien handeln7. Multimediale Lyrik ist damit also die Form der Cyberpoesie, welche dem Leser im Hinblick auf die Vielfalt der verschiedenen Gestaltungsmöglichkeiten den stärksten Input liefert. Laut Turkowska bewirkt “[d]ie Verbindung von Schriftbild und Rezitation [...] eine[...] größere[...] Konzentration auf die Textebene”8, obwohl “der lyrische Text nur eine Komponente bildet”9. Ob das tatsächlich der Fall ist, wird in Abschnitt 4.3. näher erläutert.

3.2. Interaktive Lyrik

Die interaktive Lyrik zeichnet sich durch die Interaktion zwischen Leser*innen und Gedicht aus, wobei diese Interaktion häufig darin besteht, dass die Leser*innen einen im Text vorkommenden Link anklicken. Das Anklicken des Links (oder anderer entsprechend programmierter im Gedicht vorkommender Elemente) führt zu Veränderungen im Text10. Zudem hat eine solche Form der Interaktion Auswirkungen sowohl Rezeptionsprozess als auch auf die Rolle von Autor*innen und Leser*innen, welche ebenfalls unter 4.3. näher erläutert werden. Eine spezielle Form der interaktiven Lyrik ist die Hyperlyrik. In einem Hypergedicht werden Hyperlinks in den Text eingebettet. Durch das Anklicken eines solchen Links werden die Leser*innen zu einem weiteren Gedicht geleitet, “was den jeweiligen lyrischen Text in einen neuen Kontext stellt und ihm eine neue Bedeutung verleiht”.11 Während Turkowska die Hyperlyrik als eigenständige Form der Cyberpoesie vorstellt12, wird siein dieser Arbeit der interaktiven Lyrik zugeordnet, da sich auch hier die volle Wirkung des Gedichts nur durch die Interaktion der Leser*innen mit dem Text entfalten kann. Zudem ist die Hyperlyrik laut Bauer eine eher selten anzutreffende Form der Cyberpoesie13.

3.3. Animierte/kinetische Lyrik

Im Grunde genommen unterscheidet sich die animierte bzw. kinetische Lyrik nicht großartig von der konkreten Poesie im analogen Medium. Sie “beruht auf dem Einsatz der Bewegung von Buchstaben und Wörtern und ihrer visuellen Veränderung”14 und ist damit die Form der Cyberpoesie, bei der die Leser*innen die geringste Ablenkung vom eigentlichen Gedichttext erfahren.

4. Verhältnis Werk-Autor*in-Leser*in

4.1. Die Rolle des Werks

Die Anordnung “Werk-Autor*in-Leser*in” in dieser Reihenfolge ist ganz bewusst so gewählt. Auf den ersten Blick scheint es sinnvoller, die Autor*innen an die erste Stelle zu setzen - schließlich ist es ihre Idee, die am Anfang der Produktion eines jeden Werks steht. Im Endeffekt ist jedoch die angestrebte Endform des Werks entscheidend dafür, welche Arbeitsprozesse die Autor*innen durchlaufen. Während Autor*innen analoger Literatur von vornherein wissen, dass sie für den reinen Schaffensprozess nur Papier und Stift benötigen, müssen Autor*innen digitaler Literatur zunächst ein Konzept entwickeln, andem sie sich bei der Produktion ihres Werks orientiert. Damit hat das Werk schon Einfluss auf die Autor*innen, bevor der direkte Schaffensprozess überhaupt begonnen hat. Auch der Rezeptionsprozess ist vom Werk abhängig - die unterschiedlichen Formen der Cyberpoesie haben einen wesentlichen Einfluss darauf, wie die Interaktion zwischen Leser*innen und Werk aussieh. Zudem bewirken sie, je nach Form, unterschiedlich starke Veränderungen der Rolle von Leser*innen und Autor*innen. Einen wesentlichen Anteil daran trägt der Grad der Interaktivität, den das jeweilige Gedicht hat und die Anzahl bzw. Art der multimedialen Elemente, auf die die Konzentration der Leser*innen fällt. Diese Erscheinung wird in Abschnitt 4.3. näher erläutert.

[...]


1 Bauer, Elisabeth Carolin: Frankophone digitale Literatur. Geschichte, Strukturen und Ästhetik einer neuen Mediengattung. Bielefeld: transcript Verlag, 2016, S. 78.

2 ebd., S. 78.

3 Bauer, Elisabeth Carolin: Frankophone digitale Literatur, S. 13.

4 ebd., S. 19.

5 Turkowska, Eva: Literatur auf der Datenautobahn. Zur Rolle der digitalen Literatur im Kommunikations- und Medienzeitalter. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren, 2016, S. 18.

6 ebd., S. 23.

7 Turkowska, Eva: Literatur auf der Datenautobahn, S. 62.

8 ebd.

9 ebd.

10 ebd., S. 64

11 ebd., S. 65

12 ebd.

13 Bauer, Elisabeth Carolin: Frankophone digitale Literatur, S. 20.

14 Turkowska, Eva: Literatur auf der Datenautobahn, S. 62.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
Digitale Literatur. Produktion und Rezeption von Cyberpoesie
Hochschule
Universität Leipzig  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Literatur und Medien
Note
1,0
Autor
Jahr
2021
Seiten
10
Katalognummer
V1140740
ISBN (eBook)
9783346522177
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Digitale Literatur, Cyberpoesie, E-Poetry, Interaktive Lyrik, Computerpoesie
Arbeit zitieren
Janosch Püschel (Autor:in), 2021, Digitale Literatur. Produktion und Rezeption von Cyberpoesie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1140740

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