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Selbstreflexion als Widerstreit in Erkenntnis und Interesse

Selbstreflexion als Bruchstelle zwischen ideologiekritischen und kommunikationstheoretischen Motiven im Werk von Jürgen Habermas

Titel: Selbstreflexion als Widerstreit in Erkenntnis und Interesse

Hausarbeit , 2021 , 23 Seiten

Autor:in: Kira Kramer (Autor:in)

Philosophie - Philosophie der Gegenwart
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Zusammenfassung Leseprobe Details

In der Hausarbeit soll der Begriff der Selbstreflexion hinsichtlich der Doppelverwendung in Erkenntnis und Interesse untersucht werden, um die Diskrepanz zwischen Nachkonstruktionen und Kritik als theoriegeschichtlichen Konflikts in Habermas Werk zwischen Ideologiekritik einerseits und Kommunikationstheorie andererseits zu deuten.

Hierfür werde ich zunächst auf die von Iser und Strecker vorgeschlagene Einteilung der Habermaschen Theorieentwicklung tiefer eingehen. Diese Einteilung liefert die Vorarbeit, um daran anschließend den Begriff der Selbstreflexion zu untersuchen. Neben einer Positionsbestimmung des Begriffs in Erkenntnis und Interesse versuche ich sowohl seine kritische Wendung als auch seine spätere Funktion als Nachkonstruktion in ein Verhältnis zu setzen.

Im Ergebnis möchte ich zeigen, dass, obwohl die kritische Selbstreflexion in Erkenntnis und Interesse die primäre Rolle beansprucht, der Kritikbegriff gegenüber ‚orthodoxer‘ Ideologiekritik bereits so modifiziert wird, dass die wesentlichen Weichen für eine Verschiebung in Richtung Kommunikationstheorie und einer damit einhergehenden Priorisierung der rationalen Nachkonstruktion gestellt werden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Erkenntnis und Interesse als theoriegeschichtliche Bruchstelle

2. Drei Modelle zum Verständnis von Habermas‘ Werk

2.1 Ideologiekritik

2.2 Erkenntnisanthropologie

2.3 Kommunikationstheorie

3. Selbstreflexion: Zwischen Kritik und rationaler Nachkonstruktion in Erkenntnis und Interesse

3.1 Die Position der Selbstreflexion

3.2 Selbstreflexion als Kritik

3.3 Selbstreflexion als rationale Nachkonstruktion

4. Schluss

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht den Begriff der Selbstreflexion in Jürgen Habermas' Werk „Erkenntnis und Interesse“ als zentralen Konfliktpunkt zwischen ideologiekritischen Ansätzen und kommunikationstheoretischen Erklärungsmodellen. Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die bei Habermas vorhandene Doppeldeutigkeit des Begriffs – einerseits als kritisch-therapeutisches Instrument, andererseits als rationale Nachkonstruktion – eine theoriegeschichtliche Verschiebung in seinem Denken markiert.

  • Analyse der dreistufigen Theorieentwicklung bei Habermas nach Iser und Strecker.
  • Untersuchung der doppelten Verwendung des Begriffs Selbstreflexion in „Erkenntnis und Interesse“.
  • Herausarbeitung der kritisch-therapeutischen Wendung der Selbstreflexion unter Einbezug der Psychoanalyse.
  • Rekonstruktion der rationalen Nachkonstruktion als Vorläufer der Kommunikationstheorie.
  • Interpretation des Werks als theoretischer Umschlagpunkt von der Ideologiekritik hin zur Kommunikationstheorie.

Auszug aus dem Buch

3.1 Die Position der Selbstreflexion

Der Begriff der Selbstreflexion zieht sich durch das gesamte Werk Erkenntnis und Interesse, angefangen bei Kant und Hegel. Bereits hier beginnt die zweifache Verwendung des Begriffs, denn, wie Habermas später bemerkt, decke der „traditionelle, auf den deutschen Idealismus zurückgehende Sprachgebrauch von ‚Reflexion‘“ beides ab: Nachkonstruktion und Kritik. Dabei rechnet Habermas Kant tendenziell der Nachkonstruktion, Hegel tendenziell der Kritik zu.

Kants transzendentallogische Fragestellungen verhelfen der Erkenntnistheorie erstmals zu einem Bewusstsein über sich selbst, womit die Erkenntnistheorie erstmals auch den Charakter einer Erkenntniskritik annimmt. Die Rationalität beginnt sich die Vernunft transparent zu machen, sie sei allerdings „noch nicht auf den Inbegriff methodologischer Grundsätze zusammengeschrumpft“, da Kants Analyse von den notwendigen subjektiven Bedingungen möglicher Erfahrung ausgeht und damit „einen Typus nicht-objektivistischer Begründungen“ schafft. Hier ist also nur die Voraussetzung für eine Selbstreflexion der Erkenntniskritik angelegt.

Hegel geht insofern über Kant hinaus, argumentiert Habermas, als dass seine „Metakritik“ die transzendentalen Bedingungen sowie auch das erkennende Subjekt selbst, das diese Leistungen vollzieht, nicht länger als notwendig und unhintergehbar gegeben annimmt, wie es noch Kant getan hat, sondern selbst als produziert begreift. Die Dimension der Selbstreflexion habe sich insofern durch Hegels radikale Selbstkritik der Erkenntnistheorie überhaupt erst geöffnet. Nun geht es Habermas aber nicht darum, die Geschichte der zunehmenden Etablierung der Selbstreflexion aufzudecken, sondern ihre fortlaufende Verstellung: Hegel habe die Erkenntniskritik letztlich nicht weit genug getrieben, befindet Habermas, und sie durch „identitätsphilosophische Voraussetzungen […] präokkupiert“ – diese finden sich in der Gegebenheit des „absoluten Wissens“, den Hegels Idealismus annimmt und selbst nicht mehr hinterfragt. Insofern soll die Selbstreflexion bei Hegel zwar eigentlich den Weg zu der Erkenntnis des Absoluten ebnen, in Wirklichkeit sei diese, so Habermas‘ Vorwurf, aber bereits eine uneingestandene positive Setzung, die den Prozess der Selbstreflexion letztlich nicht mehr nötig habe. Hier nun verstellt sich das eröffnete Potential durch Hegel wieder.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Erkenntnis und Interesse als theoriegeschichtliche Bruchstelle: Das Kapitel führt in die Problemstellung ein, den Begriff der Selbstreflexion in „Erkenntnis und Interesse“ als Schnittstelle zwischen Ideologiekritik und Kommunikationstheorie zu deuten.

2. Drei Modelle zum Verständnis von Habermas‘ Werk: Hier werden die drei Phasen von Habermas' Theoriebildung (Ideologiekritik, Erkenntnisanthropologie, Kommunikationstheorie) skizziert, um den theoretischen Kontext für die Untersuchung zu schaffen.

3. Selbstreflexion: Zwischen Kritik und rationaler Nachkonstruktion in Erkenntnis und Interesse: Das Kernkapitel untersucht die doppelte Verwendungsweise von Selbstreflexion, wobei zwischen ihrer Funktion als Kritik und als rationale Nachkonstruktion unterschieden wird.

4. Schluss: Dieses Kapitel fasst die zentralen Thesen zusammen und bestätigt die Interpretation des Werks als theoretischen Umschlagpunkt, der wesentliche Weichen für die spätere Kommunikationstheorie stellt.

Schlüsselwörter

Habermas, Erkenntnis und Interesse, Selbstreflexion, Ideologiekritik, Kommunikationstheorie, Erkenntnisanthropologie, kritische Theorie, rationale Nachkonstruktion, Emanzipation, Psychoanalyse, Sprache, Herrschaftsfreiheit, Positivismus, Vernunft, Theorie der Moderne

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den Begriff der Selbstreflexion in Jürgen Habermas' Werk „Erkenntnis und Interesse“ und analysiert dessen Rolle als Bindeglied zwischen Habermas' früheren ideologiekritischen Ansätzen und seiner späteren Kommunikationstheorie.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind die Entwicklung der Habermaschen Theorie in drei Phasen, die Ambivalenz des Begriffs der Selbstreflexion und der Übergang von einer negativen Theorieform zur positiven Begründung der Moderne.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, die Doppeldeutigkeit von „Selbstreflexion“ als Kritik und Nachkonstruktion in „Erkenntnis und Interesse“ nachzuweisen und zu zeigen, dass dieser interne Konflikt ein notwendiger Umschlagpunkt in Habermas' Denken ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine werkgeschichtliche und systematische Analyse, die an die Einteilung von Iser und Strecker anknüpft und Habermas' eigene spätere Reflexionen auf das Werk (insbesondere das Nachwort von 1973) einbezieht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil wird zunächst die dreistufige Theorieentwicklung skizziert. Anschließend wird der Begriff der Selbstreflexion detailliert untersucht, wobei dessen Anwendung als Kritik (orientiert an der Psychoanalyse) und als rationale Nachkonstruktion (orientiert an Sprache und Regelsystemen) getrennt betrachtet wird.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Habermas, Ideologiekritik, Selbstreflexion, Kommunikationstheorie, Emanzipation und rationale Nachkonstruktion beschreiben.

Warum spielt die Psychoanalyse eine so wichtige Rolle für das Verständnis von Selbstreflexion als Kritik?

Habermas nutzt das psychoanalytische Modell, um Kritik als einen praktisch wirksamen Prozess der Selbstbefreiung zu deuten, bei dem das Subjekt verdrängte Anteile durch Sprachanalyse bewusst macht und so falsches Bewusstsein abbaut.

Inwiefern bereitet „Erkenntnis und Interesse“ den „linguistic turn“ bei Habermas vor?

Indem Habermas erkennt, dass die rein anthropologische Begründung (über die Arbeit) unzureichend ist, verlagert er den Fokus auf die Sprache als notwendiges Medium, in dem sich Vernunft und herrschaftsfreie Kommunikation erst konstituieren können.

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Details

Titel
Selbstreflexion als Widerstreit in Erkenntnis und Interesse
Untertitel
Selbstreflexion als Bruchstelle zwischen ideologiekritischen und kommunikationstheoretischen Motiven im Werk von Jürgen Habermas
Autor
Kira Kramer (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2021
Seiten
23
Katalognummer
V1140893
ISBN (eBook)
9783346517937
ISBN (Buch)
9783346517944
Sprache
Deutsch
Schlagworte
selbstreflexion widerstreit erkenntnis interesse bruchstelle motiven werk jürgen habermas
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Kira Kramer (Autor:in), 2021, Selbstreflexion als Widerstreit in Erkenntnis und Interesse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1140893
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  23  Seiten
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