Stärkung der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen durch Resilienztraining


Seminararbeit, 2021

13 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Psychische Gesundheit

3 Resilienz
3.1.Risikofaktoren
3.2. Schutzfaktoren

4 Resilienztraining

5 Praxistransfer

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Essenziell für eine gelingende Lebensgestaltung ist die erfolgreiche Bewältigung von Entwicklungsaufgaben. Diese Aufgaben können von Altersstufe zu Altersstufe unterschiedlich sein. Eine Herausforderung im Kindes- und Jugendalter ist der Übergang z.B. vom Kindergarten zur Schule. Die Entwicklungspsychologie befasst sich mit den intraindividuellen Veränderungen im menschlichen Erleben und Verhalten, welche im Verlauf der Lebensspanne auftreten. Die Bewältigung von Ereignissen, Entwicklungsaufgaben und Veränderungen ist bedeutsam für die psychische Gesundheit. Großen Einfluss darauf hat auch das Verhältnis aus Risiko- und Schutzfaktoren.1 Die Verletzungen von psychischen Grundbedürfnissen kann sich negativ auf das ganze Leben auswirken. Laut der KiGGS Studie liegen in Deutschland psychische Auffälligkeiten bei 16,9% der Kinder und Jugendlichen vor.2 Für Sozialarbeiter:innen sind entwicklungspsychologische Kenntnisse eine wichtige Voraussetzung für die sozialpädagogische Tätigkeit. Individuelle und professionelle Maßnahmen können den Menschen bei der Bewältigung von Entwicklungsaufgaben, schwierigen Lebensbedingungen und Notlagen helfen.3 Ebenso können Menschen durch präventive Angebote neue Kompetenzen erwerben bzw. vorhandene Kompetenzen erweitern, um Lebenssituationen verbessern und meistern zu können.

Vor diesem Hintergrund befasst sich die vorliegende Arbeit mit der Steigerung der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen, durch den Einsatz von Resilienztrainings. Es werden die Ansätze der Resilienz sowie die Risiko- und Schutzfaktoren beschrieben. Daraufhin wird auf die Bedeutung von Prävention eingegangen und konkrete Präventionsprogramme zum Thema Resilienz im Kindes- und Jugendalter werden benannt. Im Praxistransfer wird das Präventionsprogramm Mindmatters vorgestellt und anhand einzelner Techniken und Methoden veranschaulicht. Diese Arbeit endet mit einem Fazit.

Die Literatur stammt aus der Stadtbibliothek Nürnberg und der Bibliothek der evangelischen Hochschule in Nürnberg (Datenbank OPAC). Die Recherche fand im Mai 2021 statt. Diese Seminararbeit wurde mit Hilfe des „Leitfadens zur formalen Gestaltung von Seminar- Abschlussarbeiten“ (Stand Mai 2020) erstellt.

2 Psychische Gesundheit

Psychische Auffälligkeiten und Störungen, wie z.B. Depressionen und Angststörungen, zählen zu den häufigsten Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter. Junge Menschen, die von psychischen Auffälligkeiten betroffen sind, können in verschiedenen Bereichen des Lebens erheblich beeinträchtigt sein. Das kann die Bereiche Familie, Schule und Soziales betreffen. Des Weiteren besteht die Gefahr, dass eine Chronifizierung psychischer Störungen stattfindet oder auch eine Entwicklung von Komorbidität. Diese können sich im Kindes- und Jugendalter manifestieren und bis ins Erwachsenenalter bestehen bleiben. Die psychische Gesundheit ist eine wesentliche Voraussetzung für Lebensqualität, Leistungsfähigkeit und soziale Teilhabe. Infolgedessen werden Gesundheitskonzepten eine hohe Bedeutung beigemessen im Hinblick auf Prävention und Intervention.4

3 Resilienz

Unter Resilienz versteht man die Widerstandsfähigkeit eines Menschen. Das ist die Fähigkeit mit Herausforderungen des Lebens zurechtzukommen und sich danach wieder erholen zu können. In der Psychologie und der Medizin bezeichnet der Begriff die Aufrechterhaltung und die Rückgewinnung der psychischen Gesundheit nach widrigen Lebensumständen.5

3.1.Risikofaktoren

Ursachen für die Entstehung und Begünstigung psychischer Störungen und Verhaltensauffälligkeiten sind vielfältig und wurden in der Resilienzforschung untersucht. Risikofaktoren nehmen Einfluss auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Das sind Faktoren und Lebensbedingungen, die die kindliche Entwicklung gefährden, beeinträchtigen und zu seelischen Erkrankungen führen können. Es sind krankheitsbegünstigende, risikoerhöhende und entwicklungshemmende Merkmale. Es wird unterschieden zwischen kindbezogenen Vulnerabilitätsfaktoren, welche die biologischen und psychologischen Merkmale umfassen. Des Weiteren die Risikofaktoren, welche in der psychosozialen Umwelt des Kindes entstehen. Es kann eine Unterscheidung in primäre Faktoren und sekundäre Faktoren gemacht werden. Primäre Risikofaktoren bezeichnen Merkmale, die seit der Geburt bestehen, z.B. Prä,- peri,- und postnatale Faktoren (Geburtskomplikationen), genetische Faktoren (Chromosomenanomalien), chronische Erkrankungen (Herzfehler) usw. Sekundäre Vulnerabilitätsfaktoren sind Merkmale, welche durch die Interaktion mit der Umwelt erworben wurden, z.B. eine unsichere Bindungsorganisation. Risiko- und Schutzfaktoren können auch hinsichtlich ihrer Veränderbarkeit unterschieden werden.6 Fixe Marker sind unveränderliche Merkmale, wie z.B. das Geschlecht oder eine dauerhafte Behinderung. Bei variablen Faktoren kann es sich bspw. um das Wohnumfeld handeln. Niedriger sozioökonomischer Status, chronische Armut, Wohnumfeld, elterliche Trennung, Alkohol- und Drogenmissbrauch in der Familie, Kriminalität der Eltern, psychische Erkrankungen eines oder beider Elternteile, niedriges Bildungsniveau der Familie, häufige Umzüge, Schulwechsel, Migrationshintergrund, mehr als vier Geschwister, außerfamiliäre Unterbringung sind weitere Risikofaktoren. Zu beachten ist, dass nicht jeder Risikofaktor eine Gefährdung darstellt, sondern viel mehr die Häufung der Belastung, die Verdichtung, die Dauer, Alter, Geschlecht und Entwicklungsstand des Kindes. Vor allem hat die subjektive Wahrnehmung der Belastung eine hohe Bedeutung für die Bewältigung. So kann eine Trennung der Eltern auch eine Erleichterung darstellen, weil Streitigkeiten beendet werden. Besonders schwerwiegende Risikofaktoren sind traumatische Erlebnisse wie Gewalttaten, sexueller Missbrauch, Kriegserlebnisse und Naturkatastrophen.7

3.2. Schutzfaktoren

Bei der Beurteilung der Entwicklung sollte nicht nur auf Risikofaktoren geachtet werden sondern auch auf die Schutzfaktoren. Schutzfaktoren zu untersuchen oder zu identifizieren sind für die Entwicklung des Kindes und den Erhalt seelischer und körperlicher Gesundheit ebenso von großer Bedeutung. Dazu gehören entwicklungsfördernde, protektive oder risikomildernde Merkmale, welche das Auftreten psychischer Störungen oder einer unangemessenen Entwicklung verhindern und abmildern. Durch diese Merkmale wird allgemein die Wahrscheinlichkeit einer positiven Entwicklung erhöht, sowohl bei Kindern mit erhöhtem und niedrigem Risiko.8 Zu beachten ist, dass von Schutzfaktoren nur dann gesprochen werden kann, wenn damit eine Risikosituation abgepuffert werden kann. Sie müssen darüber hinaus zeitlich vor den risikoerhöhenden Ereignissen auftreten. Es konnte eine Reihe von Schutzfaktoren festgelegt werden, die ebenso eine protektive Wirkung entfalten. Luthar et. al. kategorisiert in Anlehnung an das ökologische Entwicklungsmodell von Bronfenbrenner drei Ebenen. Zum ersten die individuellen Eigenschaften des Kindes (z.B. Persönlichkeitsfaktoren). Des Weiteren die mikrosozialen Faktoren in der direkten Umwelt des Kindes, z.B. die Familie und schließlich die Faktoren des Makrosystems wie bspw. das soziale Umfeld. Nach Wustmann sind personale Ressourcen gegliedert in kindbezogene Faktoren wie positive Temperamenteigenschaften, intellektuelle Fähigkeiten, erstgeborenes Kind und weibliches Geschlecht. Einige der Resilienzfaktoren sind Selbstwahrnehmung, Selbstwirksamkeit, Selbststeuerung, soziale Kompetenz, Umgang mit Stress und Problemlösefähigkeit. Soziale Ressourcen innerhalb der Familie sind mindestens eine stabile Bezugsperson, autoritativer/ demokratischer Erziehungsstil, enge Geschwisterbindung und hoher sozioökonomischer Status. In den Bildungsinstitutionen sind klare transparente Regeln, Strukturen, wertschätzendes Klima, positive Verstärkung, Förderung der Basiskompetenzen förderlich. Im weiteren sozialen Umfeld sind das kompetente und fürsorgliche Erwachsene außerhalb der Familie, welche Vertrauen fördern, Sicherheit vermitteln und als positives Rollenbild dienen z.B. Erzieher:innen und Lehrer:innen. Schutzfaktoren können nicht isoliert voneinander betrachtet werden, je mehr vorhanden sind desto höher ist die protektive Wirkung. Es ist auch möglich, dass einige Faktoren mehr Einfluss auf die Entwicklung haben als andere. Ein bedeutsames Beispiel ist die sichere Bindung als entscheidende Schutzfunktion. Entscheidend ist die Kontinuität und die emotionale Wärme der Beziehung, ob mit Eltern oder einer anderen nachstehenden Person.9

4 Resilienztraining

Die beschrieben Resilienzfaktoren haben eine hohe Affinität mit den zehn Life Skills der Weltgesundheitsorganisation (Selbstwahrnehmung, Empathie, Problemlösefähigkeit, kreatives und kritisches Denken, Stress- und Gefühlbewältigung, Entscheidungsfähigkeit und interpersonale Beziehungsfertigkeiten). Die Organisation empfiehlt die Lebenskompetenzen als Grundlage für Präventions- und Interventionsprogramme. Diese werden ebenso in der nationalen Gesundheitsstrategie des Bundesministeriums für Gesundheit beschrieben. Das nationale Gesundheitsziel lautet gesund aufwachsen. Maßnahmen zur Resilienzförderung lassen sich in die Prävention und Gesundheitsförderung einordnen. Eine frühzeitige Förderung durch Präventions- und Resilienzprogramme tragen zu einer positiven und nachhaltigen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen bei.

Konzepte zielen dabei auf die Stärkung von Schutzfaktoren. Sinnvoll ist eine frühzeitige, systematische, langfristige und entwicklungsorientierte Förderung, sowie die Strukturierung, die Umsetzung, Implementierung und das Ansetzen auf mehreren Handlungsebenen (Kinder, Eltern, Umfeld). Anforderungen an die Programme in Bezug auf Entwicklung und Durchführung lauten wie folgt,: Theoretische Begründung, welche sich an den Erkenntnissen über Schutz- und Risikofaktoren orientieren. Die Multimodalität beschreibt die Wirksamkeit, wenn das ganze System des Kindes berücksichtig wird. In Programmen soll die Entwicklung von Fähigkeiten gefördert und das Üben von konkretem Verhalten ermöglicht werden. Eine hohe Wirkung haben Resilienzprogramme vor allem, wenn sie in die Lebensumwelt, wie z.B. der Kita oder die Schule eingebettet werden und einen niedrigschwelligen Zugang haben. Wichtig ist ebenso die strukturierte Ausbildung von Trainer:innen, welche den Kindern Unterstützung und Hilfestellungen bei der Umsetzung geben. Ebenso ist eine länger anhaltende Dauer bedeutsam. Bei der Umsetzung spielt es eine wichtige Rolle, differenziell und individualisiert vorzugehen. Das bedeutet, dass Präventionsformen auf einer ressourcenorientierten Diagnostik basieren, geplant und auf die jeweilige Gruppe angepasst werden müssen.10

[...]


1 Vgl, Lohaus, A./Vierhaus, M., Entwicklungspsychologie des Kindes- und Jugendalters für Bachelor, 2019, S. 5.

2 Vgl. Robert Koch-Institut, Psychische Auffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland – Querschnittergebnisse aus KiGGS Welle 2 und Trends, 2018, S. 39.

3 Vgl. Wälte, D./Borg-Laufs, M./Brückner, B., Psychologische Grundlagen der sozialen Arbeit, 2011, S. 13ff.

4 Vgl. RKI, Die BELLA-Studie – das Modul zur psychischen Gesundheit in KiGGS Welle 2, 2017, S. 55f.

5 Vgl. Michaelsen Gärtner Britta, Franze Marco, Paulus Peter, Mit Stress umgehen im Gleichgewicht bleiben, 2019, S, 14.

6 Vgl. Fröhlich-Gildhoff, K./Rönnau-Böse, M., Resilienz, 2014, S. 20-26.

7 Vgl. Rönnau-Böse, M., Resilienzförderung in der Kindertageseinrichtung, 2013, S. 39ff.

8 Vgl. Rönnau-Böse, M., Resilienzförderung in der Kindertageseinrichtung, 2013, S. 43f.

9 Vgl. Fröhlich-Gildhoff, K./Rönnau-Böse, M., Resilienz, 2014, S. 27-31.

10 Vgl. Fröhlich-Gildhoff, K./Becker, J./Fischer, S., Gestärkt von Anfang an, 2012, S. 24ff.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Stärkung der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen durch Resilienztraining
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Nürnberg früher Fachhochschule
Veranstaltung
Beratung & Begleitung
Note
1,3
Autor
Jahr
2021
Seiten
13
Katalognummer
V1140903
ISBN (eBook)
9783346516466
ISBN (Buch)
9783346516473
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Verbesserungshinweis: auf noch stringentere Argumentation achten
Schlagworte
Beratung, Begleitung, psychische Gesundheit, Kinder, Jugendliche, Resilienz, Resilienztraining, Schutzfaktoren, Risikofaktoren, Entwicklung, psychische Auffälligkeiten, Prävention, Präventionsprogramme
Arbeit zitieren
Nicole Matla (Autor:in), 2021, Stärkung der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen durch Resilienztraining, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1140903

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