Amela, 12 Jahre alt, erlebte Gewalt durch ihren Vater. Sie erzählt von ihrer immer wiederkehrenden Angst:
„… also ich fühlte mich zu schwach, weil immer wenn ich daran denke, habe ich immer angefangen zu weinen, dann war alles wieder da, die Angst im Bauch und so … und ich hatte halt in der Schule auch Angst, hab ich dann wieder alles falsch gemacht oder ich hab immer so gezittert oder so was halt … und am Abend, da konnte ich nie schlafen, da hatte ich immer Alpträume, … von anderen Männern, die Kinder stehlen … oder schlagen, … und von Gespenstern: … das kam eh immer vom Vater“ (Strasser, 2006, S.56).
Erfahrungen mit Gewalt in der Familie, wie sie Amela gemacht hat, kommen heutzutage öfters vor, als man meinen möchte. Immer häufiger werden hauptsächlich Frauen und Kinder geschlagen und missbraucht. Aber das Thema der häuslichen Gewalt war, ist und wird ein heikles Thema bleiben, ein Tabu-Thema, vor dem die Gesellschaft bis vor Kurzem am liebsten die Augen verschlossen hätte, da es sich für sie eher um ein privates als um ein öffentliches Problem handelte. Tatsächlich hat sich das Thema „Gewalt in der Familie“ erst im 20. Jahrhundert „von einer privaten Frage, …, zu einem sozialen Problem [gewandelt], das verstärkt in den Blickpunkt der Fachwelt, der Öffentlichkeit und der Politik geriet“ (Gelles, 2002, S.1043). Was man nun konkret unter häuslicher Gewalt versteht und welche Auswirkungen diese speziell auf Kinder hat, soll im Folgenden gezeigt werden. Neben den Konsequenzen der häuslichen Gewalt sollen auch Interventions- bzw. Therapieformen angesprochen werden, die den Kindern eine Möglichkeit bieten können, mit ihrem Erlebten fertig zu werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Häusliche Gewalt: Definitionsversuche
3. Arten der häuslichen Gewalt
4. Häusliche Gewalt gegen Kinder
4.1. Erscheinungsformen der häuslichen Gewalt an Kindern
4.2. Ursachen für häusliche Gewalt gegen Kinder
4.3. Konsequenzen der häuslichen Gewalt
4.4. Interventionsmöglichleiten
5. Eigene Meinung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit der Problematik der häuslichen Gewalt gegen Kinder auseinander. Ziel ist es, ein Verständnis für die Definitionen, Erscheinungsformen und Ursachen dieser Gewalt zu schaffen, die tiefgreifenden psychischen und sozialen Folgen für betroffene Kinder aufzuzeigen sowie mögliche Interventions- und Therapieansätze zu diskutieren, um den Opfern Wege aus der Gewaltspirale aufzuzeigen.
- Grundlagen der Begriffsbestimmung von häuslicher Gewalt
- Klassifikation verschiedener Gewaltarten innerhalb der Familie
- Analyse der physischen, psychischen und sexuellen Gewalt gegen Kinder
- Identifikation von Risikofaktoren und Ursachenkomplexen
- Darstellung psychischer und sozialer Langzeitfolgen bei betroffenen Kindern
- Überblick über therapeutische Interventionsmöglichkeiten und Kriseninterventionen
Auszug aus dem Buch
4.1. Erscheinungsformen der häuslichen Gewalt an Kindern
„Häusliche Gewalt (auch beobachtete Gewalttaten) bedeutet eine Gefährdung des Kindeswohls“ (Polizeipräsident in Berlin, 1999, zitiert nach Linke und Plathe, 2006, S.260). Gewalt gegen Kinder kann, wie Gewaltanwendungen im Allgemeinen auch, in die Kategorien der physischen, psychischen und sexuellen Gewalt eingeteilt werden.
In die Bereich der physischen und psychischen Gewalt fallen beispielsweise die Vernachlässigung durch die Eltern und die Wahrnehmung der häuslichen Gewalt zwischen den Eltern.
Physische Gewalthandlungen gegen Kinder sind laut Kapella und Cizek (2001) mit sichtbaren Folgen, wie Verletzungen, verbunden und gelten somit als eine eindeutige Form der Gewalt. Unter die leichten und von der Gesellschaft als normal bezeichnete und akzeptierte Formen fallen Handlungen wie kneifen, drücken, festhalten, auf den Hintern schlagen, Ohrfeigen, einen Klaps geben usw. Schwere Formen der körperlichen Gewalt wären beispielsweise Verbrennungen, Stichverletzungen, Blutungen, Schnitte, Brüche, Schläge mit Gegenständen und dergleichen. Wie vorhin bereits erwähnt, zählt auch die Vernachlässigung zu physischer Gewaltanwendung. Die körperliche Vernachlässigung wird in diesem Fall verstanden als Unterlassung von medizinischer Versorgung und Sicherheitsmaßnahmen, sowie als mangelnde Ernährung und Pflege des Kindes (Rensen, 1992, zitiert nach Kapella und Cizek, 2001).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik ein, verdeutlicht die Relevanz durch Fallbeispiele und skizziert das Ziel der Arbeit, Formen und Folgen häuslicher Gewalt sowie Hilfsangebote aufzuzeigen.
2. Häusliche Gewalt: Definitionsversuche: Dieses Kapitel erläutert verschiedene wissenschaftliche Begriffsbestimmungen von häuslicher und familialer Gewalt und betont die Schwierigkeit einer einheitlichen Definition.
3. Arten der häuslichen Gewalt: Hier werden unterschiedliche Kategorien der häuslichen Gewalt, wie Partner-, Eltern-Kind-, Geschwister- und Kind-Eltern-Gewalt, differenziert und kurz beschrieben.
4. Häusliche Gewalt gegen Kinder: Dieser Hauptteil analysiert detailliert die Erscheinungsformen, Ursachen, psychischen Folgen der Gewalt für Kinder sowie therapeutische Interventionsmöglichkeiten.
5. Eigene Meinung: Die Autorin reflektiert die Problematik der häuslichen Gewalt aus gesellschaftlicher Sicht und plädiert für eine stärkere Enttabuisierung sowie mehr Aufmerksamkeit im persönlichen Umfeld.
Schlüsselwörter
Häusliche Gewalt, Kindeswohl, Gewalttrauma, physische Gewalt, psychische Gewalt, sexuelle Gewalt, Vernachlässigung, Kindesmisshandlung, Familienkonflikte, Interventionsmöglichkeiten, Verhaltenstherapie, Krisenintervention, soziale Kontrolle, Traumatisierung, Enttabuisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem ernsten gesellschaftlichen Problem der häuslichen Gewalt gegen Kinder, beleuchtet deren Definitionen und Ursachen sowie die gravierenden Folgen für die betroffenen Kinder.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Kategorisierung von Gewalt innerhalb der Familie, die spezifischen Erscheinungsformen von Misshandlung bei Kindern, die psychosozialen Auswirkungen auf die kindliche Entwicklung und therapeutische Ansätze zur Unterstützung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie häusliche Gewalt definiert wird, welche Ursachen ihr zugrunde liegen und welche langfristigen psychischen Schäden sie verursachen kann, um letztlich über Wege der therapeutischen Intervention zu informieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, in der aktuelle Definitionen, Studien und fachwissenschaftliche Erkenntnisse verschiedener Autoren zusammengetragen und kritisch diskutiert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der detaillierten Betrachtung von häuslicher Gewalt gegen Kinder, unterteilt in Erscheinungsformen, Ursachen, die vielfältigen Konsequenzen wie Traumata und psychische Störungen sowie die Vorstellung von Interventions- und Therapieformen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?
Wichtige Begriffe sind unter anderem häusliche Gewalt, Kindeswohl, Traumatisierung, Vernachlässigung, psychische Folgen, Krisenintervention und die Enttabuisierung des Themas in der Gesellschaft.
Warum ist die Unterscheidung zwischen leichten und schweren Formen physischer Gewalt so bedeutsam?
Die Unterscheidung ist deshalb wichtig, da leichte Formen in der Gesellschaft oft noch als "normal" oder akzeptiert wahrgenommen werden, während schwere Formen als Gewalt erkannt werden; diese gesellschaftliche Toleranz von "leichten" Übergriffen erschwert oft eine frühzeitige Intervention.
Welche Rolle spielt das Bildungsniveau der Eltern bei der Entstehung von häuslicher Gewalt laut der zitierten Literatur?
Interessanterweise zeigt die zitierte Studie von Lamnek und Ottermann, dass Gewalt auch in Familien mit hohem Bildungsniveau vorkommt, wobei diese Eltern häufiger angaben, sich provoziert gefühlt zu haben, während bei Eltern mit niedrigem Bildungsniveau Hilflosigkeit seltener als primärer Grund für Schläge genannt wurde.
- Citation du texte
- Magister Martine Bache (Auteur), 2007, Häusliche Gewalt gegen Kinder, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114116