„Guten Abend. Hier ist das Erste Deutsche Fernsehen mit der Tagesschau.“ So oder ähnlich tönt es jeden Abend um 20.00 Uhr den heute etwa 10 Millionen Zuschauern entgegen. Die Tagesschau – die Nachrichtensendung par excellence des Ersten – beginnt. Den Namen „Tagesschau“ kennt in Deutschland praktisch jeder, weswegen sicher viele auch glauben, die Tagesschau sei uralt. Es stimmt zwar, dass sie mit ihren heute 55 Jahren, die älteste Nachrichtensendung im deutschen Fernsehen ist, aber Nachrichten verbreitete man über das Medium Film bereits Ende des 19. Jahrhunderts durch die sogenannten Wochenschauen, die in Kinos gezeigt wurden.
Diese Hausarbeit widmet sich der Entwicklung der Nachrichten von der Wochenschau bis zur Tagesschau im Allgemeinen und der Entstehung und Bedeutung der Tagesschau für die Grundversorgung im Besonderen. Diese Entwicklung beginnt mit den ersten Wochenschauen noch vor dem Ersten Weltkrieg und dann in der Weimarer Republik. Ein besonderes Augenmerk wird auf die Vereinnahmung der Wochenschauen durch die Nationalsozialisten gerichtet. Kurz wird die Wochenschausituation während der Besatzungszeit nach 1945 geschildert und daran anschließend gezeigt, wie die Wochenschau wieder in deutsche Hände und unter staatlichen Einfluss kam. Das 7. und 8. Kapitel behandeln die Tagesschau und ihre Bedeutung für den Grundversorgungsauftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks.
Die Ausführungen zur Entwicklung der Wochenschau verdanken sich größtenteils dem Buch „Wochenschau, westdeutsche Identität und Geschichte in den fünfziger Jahren“ von Uta Schwarz, die vor ihre eigentliche Untersuchung eine übersichtliche und gut lesbare Geschichte der Wochenschau stellt. Der Internetaufsatz „Die Wochenschau als Mittel der Propaganda“ von Bernd Kleinhans vertieft die Bedeutung der Wochenschau unter dem Banner der Nationalsozialisten und auf filmportal.de finden sich ergänzende Informationen zu den Wochenschauen nach dem Zweiten Weltkrieg.
Dem Gesamtkomplex „Tagesschau“ widmet sich Horst Jeadickes Buch „Tatort Tagesschau“, das zum 50. Geburtstag der Nachrichtensendung abgefasst wurde. Älter, aber nicht minder informativ ist die Aufsatzsammlung „Von der Kino-Wochenschau zum aktuellen Fernsehen“, zusammengestellt von Karl Reimers...
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Anfänge der Wochenschau
3. Die Wochenschau in der Weimarer Republik
4. Die Wochenschau im Dienste der Nationalsozialisten
5. Die Wochenschau als alliiertes Mittel der Umerziehung
6. Die Wochenschau wieder in deutscher Hand
7. Beginn und Entwicklung der Tagesschau
8. Die Tagesschau als wichtiges Mittel der Grundversorgung
9. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung und mediale Bedeutung von der Kino-Wochenschau bis hin zur heutigen Tagesschau. Dabei liegt der Fokus insbesondere auf der Frage, wie sich die Nachrichtensendung von einem politisch instrumentalisierten Propaganda-Instrument hin zu einem zentralen Element des öffentlich-rechtlichen Grundversorgungsauftrags gewandelt hat.
- Historische Evolution der Wochenschau von den Anfängen bis zur Nachkriegszeit
- Die Instrumentalisierung medialer Nachrichten durch politische Machthaber
- Entstehung und Etablierung der Tagesschau im öffentlich-rechtlichen Fernsehen
- Strukturelle Bedeutung des Grundversorgungsauftrags für die aktuelle Berichterstattung
- Vergleich der Nachrichtenkultur zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Medien
Auszug aus dem Buch
4. Die Wochenschau im Dienste der Nationalsozialisten
Für die Nationalsozialisten, die mit Hitlers Ernennung zum Reichskanzler 1933 an die Macht kamen, war der Film laut Propagandaminister Joseph Goebbels „eines der modernsten und weitreichendsten Mittel zur Beeinflussung der Massen“. Dementsprechend rügte er auch die Politiker der Weimarer Republik, die es nicht verstanden hatten sich dieses Mediums nutzbringend zu bedienen.
Es waren vor allem drei wichtige Faktoren, die der Propaganda der Nationalsozialisten in die Hände spielten. Zum einen die Übernahme der UFA durch Alfred Hugenberg 1927, und dadurch die Instrumentalisierung der Ufa-Wochenschau zu rechts-nationalen Zwecken. Außerdem trieb die weltweite Wirtschaftskrise von 1929 viele Menschen in den Ruin, schürte, weiter angestachelt durch rechte Gruppierungen, Angst und Verzweiflung unter der deutschen Bevölkerung, die der NSDAP scharenweise in die Arme liefen. Schließlich hatte auch die Einführung der Ton-Wochenschau 1930 keinen geringen Anteil am Erfolg der nationalsozialistischen Propaganda, denn durch Kommentierung und Musik konnte den Bildern nicht nur mehr Ausdruck, sondern auch eine bestimmte Intentionsrichtung gegeben werden.
Mit der Machtübernahme Hitlers 1933 begannen die Gleichschaltung im Staat und damit auch die systematische Vereinnahmung der Filmindustrie. Bereits 1934 kam es zur Zensur und zur Zwangsmitgliedschaft aller Produktionsbeteiligten in der Reichsfilmkammer. Die vier großen deutschen Wochenschauen, die Ufa-Wochenschau, die Deuling-Woche, die Tobis Tonwoche und die Fox Tönende Wochenschau wurden ab 1935 zur Zusammenarbeit mit dem im selben Jahr gegründeten Deutschen Film-Nachrichtenbüro gezwungen, das dem Propagandaministerium unterstand und Richtlinien für die Berichterstattung erließ.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert das Forschungsfeld von der filmischen Wochenschau bis zur modernen Tagesschau und definiert die zentralen Fragestellungen sowie die herangezogene Quellenbasis.
2. Die Anfänge der Wochenschau: Dieses Kapitel behandelt die Entstehung der frühen Wochenschau als filmisches Produkt vor dem Ersten Weltkrieg und analysiert deren Rolle als Attraktion im Kinoprogramm.
3. Die Wochenschau in der Weimarer Republik: Die Untersuchung zeigt auf, wie in der Weimarer Republik die Wochenschau zunehmend zum Schauplatz politischer Werbung und wirtschaftlicher Interessen wurde.
4. Die Wochenschau im Dienste der Nationalsozialisten: Hier wird die systematische Gleichschaltung der Filmindustrie und die aggressive Nutzung der Wochenschau als Propagandamittel durch das NS-Regime analysiert.
5. Die Wochenschau als alliiertes Mittel der Umerziehung: Dieses Kapitel thematisiert die Besatzungszeit nach 1945, in der alliierte Wochenschauen zur demokratischen Reeducation eingesetzt wurden.
6. Die Wochenschau wieder in deutscher Hand: Es wird der Übergang von der Besatzungsverwaltung zurück in deutsche Hände und die politische Einflussnahme der jungen Bundesregierung auf die Medienlandschaft beleuchtet.
7. Beginn und Entwicklung der Tagesschau: Das Kapitel beschreibt den schwierigen Start des Fernsehens und die schrittweise Etablierung der Tagesschau als Nachrichtensendung.
8. Die Tagesschau als wichtiges Mittel der Grundversorgung: Die Analyse konzentriert sich auf den rechtlichen Rahmen und den Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zur objektiven Grundversorgung.
9. Zusammenfassung: Abschließend werden die zentralen Erkenntnisse über den Wandel des Mediums Nachricht und die Bedeutung der Unabhängigkeit des Rundfunks zusammengefasst.
Schlüsselwörter
Wochenschau, Tagesschau, Nachrichtensendung, Propaganda, Nationalsozialismus, Medienpolitik, Öffentlich-rechtlicher Rundfunk, Grundversorgungsauftrag, UFA, Reeducation, Journalismus, Medienentwicklung, Deutsche Geschichte, Aktualität, Authentizität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische Transformation von der frühen Kino-Wochenschau zur heutigen Tagesschau und deren Wandel in Funktion und Bedeutung für die deutsche Medienlandschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind die Vereinnahmung von Medien durch politische Mächte, die Rolle der Wochenschau als Propaganda- und spätere Umerziehungsinstrument sowie die Entwicklung des öffentlich-rechtlichen Rundfunkauftrags.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie aus einem ursprünglich zur Unterhaltung oder politischen Beeinflussung genutzten Filmformat eine unabhängige, der Grundversorgung verpflichtete Nachrichtensendung wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine auf Literaturrecherche und der Analyse publizistischer Quellen basierende historische Aufarbeitung, die durch Programm- und Medienanalysen ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich chronologisch von den Anfängen der Wochenschau im Kaiserreich über deren instrumentellen Einsatz im Nationalsozialismus und der Nachkriegszeit bis hin zur Etablierung der Tagesschau in der Bundesrepublik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Wochenschau, Tagesschau, Propaganda, Grundversorgungsauftrag, Medienpolitik und öffentlich-rechtlicher Rundfunk definieren.
Warum war die Tagesschau in ihrer Anfangszeit umstritten?
In den 1950er Jahren gab es Vorbehalte gegenüber dem Fernsehen als Medium ("Teufelskasten"), zudem galt die Tagesschau als technisch langsam und inhaltlich wenig aktuell, da sie oft auf altem Filmmaterial basierte.
Wie unterscheidet sich die Tagesschau von privaten Nachrichtensendungen?
Der Fokus der Tagesschau liegt auf Objektivität und politischer Information, während private Sender nach Ansicht der Arbeit stärker boulevardeske Elemente nutzen, um massenattraktiv zu sein.
Welche Rolle spielte Hugh Carlton Greene für das heutige Verständnis der Tagesschau?
Greene forderte 1946 die Unabhängigkeit des Rundfunks von Parteien, Regierungen und kommerziellen Interessen, was die Grundlage für das heutige öffentlich-rechtliche System in Deutschland legte.
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- Rainer Schönauer (Author), 2007, Von der Wochenschau zur Tagesschau, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114163