Im Alltagsgebrauch verwenden wir oft den Begriff „Ästhetik“. Die Ästhetik hat schon immer in der Menschheitsgeschichte eine große Rolle gespielt, vor allem in der Kunst, Musik und Architektur, aber auch in der Philosophie. Was also bedeutet die Ästhetik? Um mehr über diesen Begriff zu erfahren, müssen wir uns Klarheit über die Bedeutung dieses Begriffes verschaffen. Die Begriffsbedeutung hat seinen Ursprung in der griechischen Sprache. Griechisch „Aisthesis“ wird übersetzt mit „sinnliche Wahrnehmung“ (Borg 2012). Auch in der frühen Kindheit wurde das Thema Ästhetik in Bezug auf die ästhetische Bildung aufgegriffen. „Schon der Säugling und das Kleinkind entdecken sich, ihren Körper und ihre Umwelt auf ästhetische Weise, das heißt, sie machen sinnliche Erfahrungen, die unter anderem kognitiv und emotional verarbeitet werden. Kinder tun dies mit allen Sinnen, weil es ihnen ein Bedürfnis ist, weil sie dies für ihre Entwicklung benötigen“ (Peez 2011). Kinder nehmen also ihre Umwelt mit Hilfe der Sinne wahr und verarbeiten diese durch eine ästhetische Tätigkeit. Jedes Kind verarbeitet seine Erfahrungen auf eine verschiedene Art und Weise. Die ästhetische Tätigkeit kann im künstlerischen, musikalischen oder theatralischen Bereich gemacht werden. Ästhetische Bildung wird gewonnen aus der ästhetischen Erfahrung die ein Kind im Laufe seiner künstlerischen Tätigkeit erlebt und diese schließlich zum Ausdruck bringt. Kinder machen auf natürliche Weise ästhetische Erfahrungen und somit durchlaufen sie oftmals einen ästhetischen Prozess. Um die ästhetischen Prozesse genauer zu sehen widmen wir uns am besten einem Kind zu und beobachten diese bei einer ästhetischen Tätigkeit. Ich möchte nun mit meiner Beobachtung einsteigen. Bei meiner Beobachtung wird es um ein kleines Mädchen handeln, die ich in Stuttgart in einer Krippe beim Kritzeln beobachten konnte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Beobachtung
3. Analyse
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, ästhetische Bildungsprozesse bei Kleinkindern anhand einer konkreten Fallbeobachtung zu untersuchen und zu analysieren. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich damit, wie sich ästhetische Erfahrungen im frühen Kindesalter äußern, wie Kinder ihre Umwelt durch gestalterische Aktivitäten wie das Kritzeln verarbeiten und welche Rolle diese Prozesse für die individuelle Persönlichkeitsentwicklung spielen.
- Grundlagen ästhetischer Bildung und Erfahrung
- Empirische Beobachtung einer künstlerischen Tätigkeit in der Krippe
- Analyse der Strukturmerkmale ästhetischer Erfahrung nach Georg Peez
- Verknüpfung von motorischer Entwicklung und gestalterischem Ausdruck
- Bedeutung der Rolle des Pädagogen bei der Förderung ästhetischer Bildung
Auszug aus dem Buch
Beobachtung
Das Kind, das ich beobachte heißt Mira und ist 2,2 Jahre alt. Nach mehrmaligen Beobachtungen heraus, kann ich sagen, dass Mira ihre Spielzeit oft am Maltisch verbringt. Aus diesem Grund habe ich mir sie als Beobachtungskind ausgewählt.
Mira, die mit dem Frühstück fertig geworden ist, läuft in Richtung Maltisch und sieht, dass ich am Maltisch auf meinem Schreibblock etwas notiere. Sie geht auf mich zu und fragt mich, ob sie auch Malen dürfe. Ich antworte daraufhin mit einem Nicken und sage: „Natürlich“, stelle ihr Stifte und DIN A4 Papiere auf den Tisch bereit. Sie setzt sich neben mir hin, schaut mir lächelnd ins Gesicht und sagt dann: „Mira auch malen“ und sieht die Stifte im Stiftkorb. In dem Stiftkorb sind dicke und dünne Buntstifte vorhanden. Als Mira sich einen dicken Stift aus dem Stiftkorb herausholt, hält sie es mit der ganzen Hand im Faustgriff umklammernd und beginnt mit dem Kritzeln.
Sie nimmt sich als erstes den dünnen Lilastift in die Hand und benennt diese laut und deutlich: „Lila!“ und lacht dabei. Mira beginnt in der Mitte des Papiers zu zeichnen. Sie fährt mit dem Lilastift hin und her und macht anschließend eine große Armbewegung und zeichnet eine Kreisform. Sie legt jetzt den Lilastift weg und nimmt sich als nächstes einen dicken schwarzen Stift. Sie wiederholt den Vorgang mit dem Schwarzstift, sodass eine ähnliche Kreisform entsteht und zeichnet diesen jedoch um den „Lilakritzel“ herum, und lächelt dabei.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Dieses Kapitel führt in den Begriff der Ästhetik ein, verankert ihn in der frühkindlichen Bildung und stellt das Beobachtungskind Mira sowie den Kontext der Untersuchung vor.
Beobachtung: Hier wird die detaillierte Protokollierung der zeichnerischen Aktivität von Mira dokumentiert, wobei ihre Vorgehensweise, Materialwahl und Kommentare festgehalten werden.
Analyse: In diesem Teil werden die Beobachtungen theoretisch fundiert und anhand der vier Strukturmerkmale ästhetischer Erfahrung nach Georg Peez eingehend ausgewertet.
Fazit: Das abschließende Kapitel resümiert die Bedeutung ästhetischer Bildung für die kindliche Entwicklung und betont die notwendige Rolle von pädagogischen Fachkräften bei der Bereitstellung anregender Umgebungen.
Schlüsselwörter
Ästhetische Bildung, frühkindliche Erziehung, Krippe, Kritzelphase, ästhetische Erfahrung, Wahrnehmung, Zeichnen, Feinmotorik, kindliche Entwicklung, künstlerischer Ausdruck, Selbstbildung, Kreativität, Bildnerische Prozesse, Pädagogik, Kleinkindpädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit thematisiert die ästhetische Bildung bei Kleinkindern und untersucht anhand einer Fallstudie, wie Kinder durch das Malen und Kritzeln ihre Welt erkunden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Begriff der Ästhetik, die kindliche Wahrnehmung, der Prozess der künstlerischen Gestaltung in der Krippe und die Bedeutung von Spiel- und Gestaltungsmaterialien.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Dokumentation und fachliche Analyse eines ästhetischen Bildungsprozesses, um aufzuzeigen, wie Kinder durch künstlerische Tätigkeiten ihre Persönlichkeit entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine qualitative Beobachtungsmethode angewandt, bei der die Interaktion und das gestalterische Handeln des Kindes Mira detailliert protokolliert und anschließend theoretisch analysiert wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in ein Beobachtungsprotokoll und eine theoretische Analyse, die das Verhalten des Kindes unter Anwendung der vier Strukturmerkmale nach Georg Peez untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Ästhetische Bildung, Krippe, Kritzelphase, ästhetische Erfahrung, Feinmotorik und kindliche Entwicklung.
Welche Rolle spielt die Mutter in Miras Zeichnung?
Die Mutter nimmt einen zentralen Platz ein, da Mira sie bewusst im Bild darstellt, ihre "Schreibbewegungen" imitiert und die Zeichnung explizit als Geschenk für die Mutter deklariert.
Welche motorische Entwicklung lässt sich bei Mira ablesen?
Während Mira noch einen Faustgriff verwendet, zeigt sich durch das Experimentieren mit verschiedenen Stiften und dem Druck auf das Papier eine zunehmende Differenzierung und Verfeinerung ihrer motorischen Fähigkeiten.
- Quote paper
- Meryem Akcay (Author), 2013, Krippenkind beim Kritzeln. Ästhetische Bildung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1141846