Galanterie in der Literatur

Conrad Wiedemanns "Der galante Stil"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2006

13 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Die galante Bewegung
1.2. Was heißt galant ?

2. Was ist Galante Literatur?
2.1. Merkmale und verschiedene Ausprägungen
2.2. Die Frau als Ziel der galanten Autoren
2.3. Galanterie in Briefen
2.3.1. Von Liebesbriefen und galanten Liebesbriefen
2.3.2. Von galanten und scharfsinnigen Briefen
2.3.3. Von galanten Insinuationsbriefen
2.3.4. Von Lobbriefen
2.3.5. Von galanten Freundschaftsbriefen

3. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Die galante Bewegung

Im ausgehenden 17. Jahrhundert entwickelte sich in Deutschland die literarische Modebewegung der Galanten, die vor allem durch „die erotisch ungewöhnlich freizügige Lyrik“[1] im allgemeinen Bewusstsein war und noch heute ist. Doch der insgesamt sehr viel weitere Horizont der galanten Bewegung, „der auch den galanten Roman und flankierende Phänomene der Kunst- und Musikgeschichte umfaßt“[2], darf hier nicht vergessen werden.

Es handelt sich nicht um einen genuin literarischen Stil, sondern um ein kulturelles Muster, in dessen Rahmen Literatur, Musik, Kunst und die (sich neu formierenden) Gesellschaftswissenschaften (wie etwa die Jurisprudenz) ihre teils dekorative, teils regulierende Form bekamen.[3]

Eine besondere Art im menschlichen Miteinander, die sich vor allem auf das Verhalten gegenüber Frauen auswirkte, ging mit der Entwicklung der Galanten Literatur einher und entstand ebenfalls aus einem galanten Ideal heraus. „Ziel war eine Verbindung höfisch-adeliger Ideale romanischer Herkunft und bürgerlicher Interessen, die einer Schicht aufstrebender Kaufleute und Staatsbeamte im absolutistischen Staat als soziale und kulturelle Orientierungshilfe dienen konnte.“[4] Das Wort galant taucht im Jahr 1318 erstmals auf und geht auf das altfränkische walare, sich amüsieren, zurück. Im Laufe der Jahrhunderte weist galant eine sehr viel breitere Palette von Bedeutungen und Verhaltensmustern auf:

Vom blanken unverbindlichen Amüsement über den höfisch-höflichen Umgang des mittelalterlichen Rittertums, den Liebeskodex der Troubadourkultur, die berauschende Sinnlichkeit der italienischen Renaissance, den teils ausschweifenden, teils ironisch gebrochenen amourösen Abenteuer der Aufklärungszeit bis hin zu den Exzentrizitäten des Dandytums und den Pikanterien der käuflichen Liebe.[5]

Bereits Mitte des 17. Jahrhunderts war das galante Ideal in Frankreich in den Pariser Salons entwickelt und kultiviert worden. Es diente als Vorbild für das Deutschland des ausgehenden 17. und des beginnenden 18. Jahrhunderts. Was aber bedeutet galant und wie drückt sich die Galanterie aus? Diese Frage ist, wie auch Else Thurau schon in „Galant“, ein Beitrag zur französischen Wort- und Kulturgeschichte feststellt, nicht leicht zu beantworten, weil der Begriff galant heutzutage nur noch selten benutzt wird und sich seine Bedeutung seit seiner Entstehungszeit gewandelt hat.

1.2. Was heißt galant?

„Man hat schon immer empfunden, daß es etwas sehr Vielfältiges ist, das man sich leichter vorstellen als definieren kann.“[6] Galant ist gleichbedeutend mit „sehr höflich, aufmerksam, rücksichtsvoll“[7], heißt als Adjektiv zunächst: „liebenswürdig bis zur Aufdringlichkeit“[8] und geht wortgeschichtlich auf mehrere Wurzeln zurück:

[…] galant geht teils auf span. gala ‚Staatskleid’, galán ‚höfischer Mensch’ zurück […], teils auf ital. und span. galante ‚modisch gekleidet’, das über frz. galant ‚munter, tüchtig’ nach Deutschland gekommen ist und in diesem Sinne die Bedeutung des Wortes bestimmt hat. Schon in den 90er Jahren des 17. Jhs. […] schränkte sich der Wortgebrauch auf den erotischen Bereich ein.[9]

Unter dem Einfluss der sich im Italienischen vollziehenden semantischen Entwicklung nimmt galant verschiedene Bedeutungen an: „hübsch, geschmackvoll, elegant, von feiner Lebensart“ und „höflich und zuvorkommend gegenüber Frauen, verliebt, zu Liebesabenteuern aufgelegt“[10]. Galant bezeichnet das höfische, ja fast ritterliche Verhalten gegenüber Frauen. „Die Galanterie ist eine Form der Liebe“[11] und wurde auf verschiedenste Art zum Ausdruck gebracht: in Gesprächen, in Darbietungen, in Briefen, im respektvollen Verhalten der Weiblichkeit gegenüber, wenn „wir durch ein höffliches und manierliches Compliment bey Patronen unser Devoir beobachten, oder uns auch sonsten bey anderen Personen im Reden geschickt wissen aufzuführen“[12]. Johann Christian Barth stellt heraus, dass sich der „galant Homme“[13] nicht nur im Reden, sondern auch im Handeln galant zu verhalten weiß. Galant ist also auch „wer einen hingefallenen handschuh rasch und gewandt der verliererin wiedergibt, oder wer von einer dame auch eine kränkung höflich aufzunehmen weiß“[14].

[...]


[1] Thomas Borgstedt, Andreas Solbach (Hgg.): Der galante Diskurs, Kommunikationsideal und Epochenschwelle, Dresden, 2001, S. 9.

[2] Ebd., S. 9.

[3] Uwe-Karsten Ketelsen: Galante Literatur. In: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Hg. v. Klaus Weimar. Bd. 1: A-G. Berlin / New York 1997. S. 650.

[4] Volker Meid: Sachwörterbuch zur Deutschen Literatur, Stuttgart, 1999, S. 190.

[5] Verena von der Heyden-Rynsch: Das Spiel der Verführung, Liebe und Galanterie im Wandel der Zeiten, Düsseldorf, 2004, S. 8 f.

[6] Else Thurau: „Galant“, ein Beitrag zur französischen Wort- und Kulturgeschichte, in: Frankfurter Quellen und Forschungen zur germanischen und romanischen Philologie, Hgg. v. Erhard Lommatzsch, Hans Naumann, Franz Schultz, Heft 12, Hildesheim, 1975, S. 35.

[7] Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, Hg. v. Wolfgang Pfeiffer , Berlin, 1993, S. 391.

[8] Else Thurau: a.a.O., S. 39.

[9] Uwe-Karsten Ketelsen: a.a.O., S. 649.

[10] Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, Hg. v. Wolfgang Pfeiffer, Berlin, 1993, S. 391.

[11] Else Thurau: a.a.O., S. 84.

[12] Johan Christian Barth: Von der Höfflichkeit insgemein. In: Conrad Wiedemann (Hg.): Der galante Stil, 1680-1730, Tübingen, 1969, S. 11.

[13] Ebd., S. 11.

[14] Else Thurau: a.a.O., S. 102.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Galanterie in der Literatur
Untertitel
Conrad Wiedemanns "Der galante Stil"
Hochschule
Universität Karlsruhe (TH)  (Institut für Literaturwissenschaft)
Veranstaltung
Galante Literatur
Note
1,7
Autor
Jahr
2006
Seiten
13
Katalognummer
V114186
ISBN (eBook)
9783640157532
Dateigröße
407 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit beschäftigt sich mit den frühen Entwicklungen der galanten Bewegung und stellt anhand der Galanterie in Briefen die Modebewegung des ausgehenden 17. Jahrhunderts vor.
Schlagworte
Galanterie, Literatur, Galante
Arbeit zitieren
Markus Gentner (Autor), 2006, Galanterie in der Literatur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/114186

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